Mathematik

Standardabweichung berechnen und richtig deuten

Standardabweichung berechnen und richtig deuten
Standardabweichung berechnen und richtig deuten
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Die Standardabweichung misst, wie stark Werte um ihren Mittelwert streuen. Ein kleiner Wert bedeutet: Die Daten liegen eng beieinander. Ein großer Wert bedeutet: Die Daten sind weit verteilt. Sind alle Werte gleich, ist die Standardabweichung $0$.

Auf dieser Seite lernst du, die Standardabweichung einer vollständigen Datenmenge und einer Wahrscheinlichkeitsverteilung zu berechnen, in der richtigen Einheit anzugeben und sinnvoll zu vergleichen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was misst die Standardabweichung?

Zwei Datenreihen können denselben Mittelwert haben und trotzdem ganz verschieden aussehen. Liegen die Werte dicht am Mittelwert, ist ihre Streuung gering. Liegen sie weit auseinander, ist ihre Streuung groß.

Definition

Standardabweichung

Die Standardabweichung ist ein Streuungsmaß. Sie entsteht, indem du die Abweichungen der Werte vom Mittelwert quadrierst, daraus den Mittelwert bildest und anschließend die Quadratwurzel ziehst.

Warum werden die Abweichungen quadriert? Die Abweichungen oberhalb und unterhalb des Mittelwerts haben verschiedene Vorzeichen. Ohne Quadrieren würden sie sich gegenseitig aufheben. Durch das Quadrieren werden alle Beiträge nicht negativ und große Abstände zählen stärker.

Merke

Die Standardabweichung bezieht sich auf den Mittelwert, nicht auf den Median. Sie hat dieselbe Einheit wie die Ausgangsdaten. Die Varianz hat dagegen die quadrierte Einheit.

Eine Standardabweichung ist nicht für sich allein „klein“ oder „groß“. Du musst sie im Zusammenhang mit der Größe der Werte und ihrem möglichen Wertebereich beurteilen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Datenreihe hat sicher die Standardabweichung $0$?
Lösung: $4, 4, 4, 4$ — Nur wenn alle Werte identisch sind, beträgt jede Abweichung vom Mittelwert $0$.
Frage 2 von 2MittelZwei Reihen haben denselben Mittelwert. Reihe A liegt eng um ihn, Reihe B enthält weit entfernte Werte. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Reihe B hat die größere Standardabweichung. — Je weiter die Werte typischerweise vom gemeinsamen Mittelwert entfernt sind, desto größer ist die Standardabweichung.
So berechnest du die Standardabweichung

Für eine vollständig erfasste Datenmenge mit $n$ Werten verwendest du den Mittelwert $\bar{x}$ und berechnest:

$$\operatorname{Var}=\frac{\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar{x})^2}{n}$$

$$\sigma=\sqrt{\operatorname{Var}}$$

Dabei ist $x_i$ ein einzelner Wert, $\Sigma$ das Summenzeichen und $\sigma$ das Formelzeichen der Standardabweichung. Verwechsle also das große $\Sigma$ nicht mit dem kleinen $\sigma$.

Gehe in sechs Schritten vor:

  1. Berechne den Mittelwert $\bar{x}$.
  2. Bilde für jeden Wert die Abweichung $x_i-\bar{x}$.
  3. Quadriere jede Abweichung.
  4. Addiere die Quadrate.
  5. Teile bei der vollständigen Datenmenge durch $n$. Das Ergebnis ist die Varianz.
  6. Ziehe die Quadratwurzel. Das Ergebnis ist die Standardabweichung.
Gut zu wissen

Das einfache Mittel der vorzeichenbehafteten Abweichungen wäre immer $0$. Die Standardabweichung ist deshalb nicht der gewöhnliche Durchschnitt der Abstände, sondern die Wurzel aus dem Mittel der quadrierten Abweichungen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Zuerst berechnest du den . Dann werden die Abweichungen . Der Mittelwert dieser Quadrate heißt . Aus ihm ziehst du die .

Lösungen: Lücke 1: Mittelwert; Lücke 2: quadriert; Lücke 3: Varianz; Lücke 4: Quadratwurzel. Die feste Reihenfolge lautet: Mittelwert, Abweichungen, Quadrate, Varianz, Quadratwurzel.
Ein vollständiges Beispiel mit Wegzeiten

Katrin misst ihre Wegzeit an fünf Tagen:

$17, 12, 15, 12, 14$ Minuten.

Beispiel

1. Mittelwert:

$$\bar{x}=\frac{17+12+15+12+14}{5}=14\text{ Minuten}$$

2. Abweichungen und Quadrate:

WegzeitAbweichung von $14$Quadrat
$17$$3$$9$
$12$$-2$$4$
$15$$1$$1$
$12$$-2$$4$
$14$$0$$0$

3. Varianz:

$$\operatorname{Var}=\frac{9+4+1+4+0}{5}=3{,}6\text{ Minuten}^2$$

4. Standardabweichung:

$$\sigma=\sqrt{3{,}6}\approx1{,}9\text{ Minuten}$$

Die Wegzeiten streuen mit einer Standardabweichung von etwa $1{,}9$ Minuten um den Mittelwert von $14$ Minuten. Die Einheit Minuten macht das Ergebnis direkt mit den Wegzeiten vergleichbar.

Prüfe am Ende immer drei Dinge: Passt die Einheit? Ist das Ergebnis nicht negativ? Ist die Deutung auf Mittelwert und Streuung bezogen?

Teste dich
Frage 1 von 1MittelKatrins Varianz beträgt $3{,}6\text{ Minuten}^2$. Welche Standardabweichung passt?
Lösung: ungefähr $1{,}9$ Minuten — $\sqrt{3{,}6}\approx1{,}9$. Beim Wurzelziehen wird aus der quadrierten Einheit wieder Minuten.
Standardabweichung bei Wahrscheinlichkeitsverteilungen

Bei einer diskreten Zufallsvariable kommen mögliche Werte $x_i$ mit Wahrscheinlichkeiten $p_i$ vor. Der Bezugspunkt ist dann der Erwartungswert $\mu=E(X)$.

$$\operatorname{Var}(X)=\sum_{i=1}^{n}(x_i-\mu)^2p_i$$

$$\sigma=\sqrt{\operatorname{Var}(X)}$$

Die Wahrscheinlichkeit wirkt wie ein Gewicht: Ein möglicher Wert trägt umso stärker zur Varianz bei, je wahrscheinlicher er ist und je weiter er vom Erwartungswert entfernt liegt.

Beispiel

Gegeben ist die Verteilung:

$x_i$$0$$1$$6$
$p_i$$0{,}5$$0{,}4$$0{,}1$

Der Erwartungswert ist $\mu=1$. Damit gilt:

$$\operatorname{Var}(X)=(0-1)^2\cdot0{,}5+(1-1)^2\cdot0{,}4+(6-1)^2\cdot0{,}1=3$$

$$\sigma=\sqrt{3}\approx1{,}73$$

Obwohl der Wert $6$ nur die Wahrscheinlichkeit $0{,}1$ hat, wirkt er wegen seines großen Abstands zum Erwartungswert deutlich auf die Streuung.

Zum Vergleich hat die Verteilung mit den Werten $0{,}5$, $1$ und $1{,}5$ sowie den Wahrscheinlichkeiten $0{,}4$, $0{,}2$ und $0{,}4$ ebenfalls den Erwartungswert $1$. Ihre Varianz beträgt aber nur $0{,}2$ und ihre Standardabweichung ungefähr $0{,}45$. Die Werte liegen enger um $1$.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelche Rechnung bestimmt bei einer Wahrscheinlichkeitsverteilung den Beitrag eines Werts zur Varianz?
Lösung: quadrierte Abweichung mal Wahrscheinlichkeit — Der Beitrag lautet $(x_i-\mu)^2p_i$. Danach werden alle Beiträge addiert.
Frage 2 von 2SchwerZwei Spiele haben denselben Erwartungswert. Spiel A hat $\sigma=2\,€$, Spiel B hat $\sigma=8\,€$. Was folgt?
Lösung: Die Gewinne und Verluste von Spiel B streuen stärker um den Erwartungswert. — Bei gleichem Erwartungswert zeigt die größere Standardabweichung die stärkere Streuung und damit größere Schwankungen an.
Grundgesamtheit oder Stichprobe?

Die Division durch $n$ passt, wenn du die vollständig vorliegende Datenmenge beschreibst. Möchtest du dagegen aus einer Stichprobe die Streuung einer größeren Grundgesamtheit schätzen, wird die Summe der quadrierten Abweichungen durch $n-1$ geteilt:

$$s=\sqrt{\frac{\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar{x})^2}{n-1}}$$

Das Formelzeichen $s$ kennzeichnet hier die aus einer Stichprobe berechnete Standardabweichung zur Schätzung der Populationsstreuung.

Merke

Frage vor dem Einsetzen: Beschreibe ich alle interessierenden Werte oder schätze ich mit einer Stichprobe eine größere Grundgesamtheit? Vollständige Datenmenge: durch $n$. Stichprobenschätzung: durch $n-1$.

Eine korrekt berechnete Standardabweichung macht eine schlecht geplante Stichprobe nicht automatisch aussagekräftig. Wenn bestimmte Gruppen fehlen oder die Auswahl verzerrt ist, kann auch die Schätzung verzerrt sein.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDu kennst die Körpergrößen aller Personen einer festgelegten Mannschaft und willst genau diese Mannschaft beschreiben. Welcher Divisor passt?
Lösung: $n$ — Für die vollständig erfasste Gruppe teilst du die Summe der quadrierten Abweichungen durch $n$.
Frage 2 von 2SchwerEine Umfrage soll alle Jugendlichen einer Stadt abbilden, befragt aber nur Mitglieder eines Basketballvereins. Was ist das Hauptproblem?
Lösung: Die Auswahl kann verzerrt und damit nicht repräsentativ sein. — Die Rechnung kann formal möglich sein, doch die einseitige Auswahl kann die Übertragung auf alle Jugendlichen unzuverlässig machen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Standardabweichung
    • Bedeutung: Streuung um Mittelwert oder Erwartungswert
    • Rechenweg: Abweichungen quadrieren, mitteln oder gewichten, Wurzel ziehen
    • Zusammenhang: Standardabweichung ist Wurzel der Varianz
    • Einheit: wie die Ausgangsdaten
    • Vergleich: größerer Wert bedeutet stärkere Streuung im passenden Kontext
    • Datenlage: Grundgesamtheit durch $n$, Stichprobenschätzung durch $n-1$
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage beschreibt die Standardabweichung richtig?
Lösung: Sie misst die Streuung um den Mittelwert oder Erwartungswert. — Die Standardabweichung fasst die quadrierten Abweichungen vom Mittelwert oder Erwartungswert zusammen und führt sie durch die Wurzel in die ursprüngliche Einheit zurück.
Frage 2 von 4MittelEine Varianz beträgt $4\,\mathrm{cm}^2$. Wie groß ist die Standardabweichung?
Lösung: $2\,\mathrm{cm}$ — Es gilt $\sigma=\sqrt{4\,\mathrm{cm}^2}=2\,\mathrm{cm}$.
Frage 3 von 4SchwerZwei Klassen haben dieselbe Durchschnittsnote. Klasse A hat $\sigma=0{,}4$, Klasse B $\sigma=1{,}3$. Welche Deutung ist zulässig?
Lösung: Die Noten in Klasse B streuen stärker um den gemeinsamen Mittelwert. — Die größere Standardabweichung zeigt die stärkere Streuung. Aus $0{,}4>0$ folgt außerdem nicht, dass in Klasse A alle Noten gleich sind.
Frage 4 von 4SchwerDu erhebst eine Stichprobe, um die Streuung in einer größeren Population zu schätzen. Was musst du zusätzlich zur Formel mit $n-1$ prüfen?
Lösung: Ob die Auswahl die Population sinnvoll abbildet und nicht systematisch verzerrt ist — Der Divisor $n-1$ korrigiert nicht die Auswahl. Eine verzerrte Stichprobe kann trotz richtiger Rechnung zu einer unzuverlässigen Schätzung führen.

Du beherrschst den Kern, wenn du vor jeder Rechnung den Bezugspunkt und die Datenlage klärst, Varianz und Standardabweichung sauber unterscheidest und das Ergebnis mit Einheit im Sachzusammenhang deutest.

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