Varianz berechnen und richtig deuten

Varianz berechnen und richtig deuten
Varianz berechnen und richtig deuten
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Die Varianz misst, wie stark Werte um ihren Mittelwert oder Erwartungswert streuen. Dazu werden alle Abweichungen quadriert und gemittelt beziehungsweise mit Wahrscheinlichkeiten gewichtet. Eine kleine Varianz bedeutet geringe, eine große Varianz starke Streuung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was die Varianz über Daten verrät

Ein Mittelwert beschreibt die Mitte, aber nicht die Verteilung der Werte. Die Datenreihen $4, 5, 6$ und $0, 5, 10$ haben beide den Mittelwert $5$. In der zweiten Reihe liegen die äußeren Werte jedoch viel weiter von $5$ entfernt. Ihre Varianz ist deshalb größer.

Definition

Varianz

Die Varianz ist die mittlere quadrierte Abweichung vom Mittelwert oder Erwartungswert. Bei einer vollständigen Datenreihe lautet sie:

$$\operatorname{Var}=\frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar{x})^2$$

Dabei ist $x_i$ ein Datenwert, $\bar{x}$ der arithmetische Mittelwert und $n$ die Anzahl der Werte.

Warum werden die Abweichungen quadriert? Ohne Quadrieren würden sich negative und positive Abweichungen oft gegenseitig aufheben. Durch das Quadrat werden alle Beiträge nichtnegativ; außerdem zählen große Abstände besonders stark.

Merke

Sind alle Werte gleich, ist jede Abweichung $0$ und damit auch die Varianz $0$. Je weiter Werte von der Mitte entfernt liegen, desto größer wird die Varianz.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtZwei Datenreihen haben denselben Mittelwert. Welche kann trotzdem die größere Varianz besitzen?
Lösung: Die Reihe, deren Werte weiter vom Mittelwert entfernt liegen — Für die Varianz sind die quadrierten Abstände von der Mitte entscheidend. Der Mittelwert allein legt diese Abstände nicht fest.
So berechnest du die Varianz einer Datenreihe

Betrachte Katrins Wegzeiten: $17, 12, 15, 12, 14$ Minuten. Hier behandeln wir genau diese fünf Tage als vollständige Datenreihe und teilen daher durch $n=5$.

Beispiel

1. Mittelwert berechnen

$$\bar{x}=\frac{17+12+15+12+14}{5}=14\text{ Minuten}$$

2. Abweichungen bilden und quadrieren

Wert in MinutenAbweichung von 14Quadrat
1739
12-24
1511
12-24
1400

3. Quadrate mitteln

$$\operatorname{Var}=\frac{9+4+1+4+0}{5}=3{,}6\text{ Minuten}^2$$

4. Ergebnis prüfen

Die Varianz ist nicht negativ. Ihre Einheit ist $\text{Minuten}^2$, weil die Abweichungen quadriert wurden.

Die Standardabweichung ist die Quadratwurzel der Varianz:

$$\sigma=\sqrt{\operatorname{Var}}=\sqrt{3{,}6}\approx1{,}9\text{ Minuten}$$

Sie liegt wieder in Minuten und lässt sich deshalb leichter im Sachzusammenhang deuten. Katrins Wegzeiten weichen typischerweise in einer Größenordnung von etwa $1{,}9$ Minuten vom Mittelwert ab.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine vollständige Datenreihe lautet $2, 4, 5, 7, 7$. Welche Varianz hat sie?
Lösung: $3{,}6$ — Der Mittelwert ist $5$. Die quadrierten Abweichungen sind $9, 1, 0, 4, 4$; ihre Summe ist $18$. Also gilt $\operatorname{Var}=18/5=3{,}6$.
Varianz einer Zufallsgröße berechnen

Bei einer diskreten Zufallsgröße sind mögliche Werte nicht unbedingt gleich wahrscheinlich. Deshalb wird jede quadrierte Abweichung mit ihrer Wahrscheinlichkeit gewichtet.

Definition

Varianz einer diskreten Zufallsgröße

Für mögliche Werte $x_i$ mit Wahrscheinlichkeiten $p_i$ und Erwartungswert $\mu=E(X)$ gilt:

$$\operatorname{Var}(X)=\sum_{i=1}^{n}(x_i-\mu)^2p_i$$

Die Wahrscheinlichkeiten bestimmen, wie stark die einzelnen Abstände in die Summe eingehen.

Gegeben sei diese Verteilung:

$x_i$$p_i$
00,5
10,4
60,1

Zuerst wird der Erwartungswert berechnet:

$$\mu=0\cdot0{,}5+1\cdot0{,}4+6\cdot0{,}1=1$$

Beispiel

Nun werden die quadrierten Abstände mit den Wahrscheinlichkeiten multipliziert:

$$\operatorname{Var}(X)=(0-1)^2\cdot0{,}5+(1-1)^2\cdot0{,}4+(6-1)^2\cdot0{,}1$$

$$\operatorname{Var}(X)=0{,}5+0+2{,}5=3$$

Damit ist die Standardabweichung:

$$\sigma=\sqrt{3}\approx1{,}73$$

Obwohl der Wert $6$ nur die Wahrscheinlichkeit $0{,}1$ besitzt, trägt er wegen seines großen Abstands von $1$ deutlich zur Varianz bei.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum wird bei einer Zufallsgröße jeder quadrierte Abstand mit $p_i$ multipliziert?
Lösung: Damit sein Beitrag seiner Eintrittswahrscheinlichkeit entspricht — Die Wahrscheinlichkeit ist das Gewicht eines möglichen Werts. Die Einheit bleibt durch das Quadrieren trotzdem die quadrierte Einheit von $X$.
Welche Formel passt und wie deutest du das Ergebnis?

Vor dem Rechnen musst du klären, welche Daten vorliegen. Die Formeln sehen ähnlich aus, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

  • Vollständige Grundgesamtheit oder genau die betrachtete Datenreihe: Teile die Summe der quadrierten Abweichungen durch $n$.
  • Stichprobe, mit der du die Streuung einer größeren Grundgesamtheit schätzt: Verwende für die korrigierte Stichprobenvarianz den Divisor $n-1$.
  • Bekannte Wahrscheinlichkeitsverteilung: Gewichte jeden quadrierten Abstand mit $p_i$ und addiere.

Für eine Stichprobe lautet die korrigierte Formel:

$$s^2=\frac{1}{n-1}\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar{x})^2$$

Gut zu wissen

Die Angabe „Stichprobe“ allein reicht nicht immer zur Wahl des Divisors. Entscheidend ist die Absicht: Beschreibst du nur die vorliegenden Werte, kann die Division durch $n$ gemeint sein. Schätzt du damit die Varianz einer größeren Grundgesamtheit, wird üblicherweise durch $n-1$ geteilt. In Aufgaben sollte die gewünschte Variante genannt oder aus dem Kontext eindeutig sein.

Varianz oder Standardabweichung?

Varianz und Standardabweichung enthalten dieselbe Streuungsinformation, denn $\sigma=\sqrt{\operatorname{Var}}$ und $\operatorname{Var}=\sigma^2$. Ihre Einheiten unterscheiden sich:

  • Bei Wegzeiten in Minuten hat die Varianz die Einheit $\text{Minuten}^2$.
  • Die Standardabweichung hat die Einheit Minuten und ist daher anschaulicher.
  • Aus $\sigma=2\text{ Minuten}$ folgt $\operatorname{Var}=4\text{ Minuten}^2$.

Typische Fehler sind ein falscher Bezugswert, das Vergessen der Quadrate, das Vermischen von $n$ und $n-1$ sowie eine Varianz in der ursprünglichen statt in der quadrierten Einheit.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDu nutzt fünf Messwerte, um die Varianz einer größeren Grundgesamtheit korrigiert zu schätzen. Welcher Divisor passt?
Lösung: $n-1=4$ — Für die korrigierte Stichprobenvarianz teilst du durch $n-1$. Bei fünf Werten ist das $4$.
Frage 2 von 2SchwerEine Längenmessung hat die Standardabweichung $3\text{ cm}$. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Die Varianz beträgt $9\text{ cm}^2$. — Es gilt $\operatorname{Var}=\sigma^2$. Daher werden sowohl die Zahl als auch die Einheit quadriert: $(3\text{ cm})^2=9\text{ cm}^2$.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Varianz
    • Streuung: um den Mittelwert bei Daten oder den Erwartungswert bei Zufallsgrößen
    • Quadratische Abweichungen: verhindern das gegenseitige Aufheben und betonen große Abstände
    • Vollständige Datenreihe: Summe der Abweichungsquadrate durch $n$
    • Korrigierte Stichprobenschätzung: Summe der Abweichungsquadrate durch $n-1$
    • Zufallsgröße: quadrierte Abstände mit $p_i$ gewichten
    • Standardabweichung: Quadratwurzel der Varianz in der ursprünglichen Einheit
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas kennzeichnet eine Varianz von $0$?
Lösung: Alle Werte liegen genau auf dem Mittelwert oder Erwartungswert. — Eine Summe nichtnegativer Abweichungsquadrate kann nur dann $0$ sein, wenn jedes einzelne Quadrat $0$ ist.
Frage 2 von 3MittelEine vollständige Datenreihe hat die Summe der quadrierten Mittelwertabweichungen $24$ und umfasst sechs Werte. Wie groß ist ihre Varianz?
Lösung: $4$ — Für die vollständige Reihe gilt $\operatorname{Var}=24/6=4$.
Frage 3 von 3SchwerZwei faire Spiele haben beide den Erwartungswert $0\,€$. Spiel A zahlt stets entweder $1\,€$ oder $-1\,€$, Spiel B entweder $10\,€$ oder $-10\,€$. Welches Urteil folgt?
Lösung: Spiel B hat die größere Varianz und damit die stärkere Streuung. — Bei Spiel A betragen die quadrierten Abstände $1\,€^2$, bei Spiel B $100\,€^2$. Daher streut Spiel B deutlich stärker.

Passend dazu

Ausprobieren