Mathematik

Winkelhalbierende konstruieren und verstehen

Winkelhalbierende konstruieren und verstehen
Winkelhalbierende konstruieren und verstehen
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Eine Winkelhalbierende verläuft durch den Scheitelpunkt eines Winkels und teilt ihn in zwei gleich große Winkel. Du kannst sie durch Messen mit dem Geodreieck oder exakt mit Zirkel und Lineal bestimmen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du eine Winkelhalbierende?

Ein Winkel besteht aus zwei Schenkeln, die am Scheitelpunkt beginnen. Die Winkelhalbierende startet ebenfalls am Scheitelpunkt und liegt genau zwischen den Schenkeln.

Definition

Winkelhalbierende

Eine Winkelhalbierende ist eine Halbgerade durch den Scheitelpunkt, die einen Winkel in zwei gleich große Teilwinkel zerlegt.

Beispiel

Beträgt ein Winkel $130^\circ$, sind seine beiden Teilwinkel jeweils $65^\circ$ groß:

$$130^\circ : 2 = 65^\circ$$

Eine Linie, die nur ungefähr in der Mitte liegt oder nicht durch den Scheitelpunkt verläuft, ist keine Winkelhalbierende.

Merke

Prüfe immer beide Bedingungen: Die Linie verläuft durch den Scheitelpunkt und die beiden Teilwinkel sind gleich groß.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung kennzeichnet sicher eine Winkelhalbierende?
Lösung: Sie verläuft durch den Scheitelpunkt und erzeugt zwei gleich große Teilwinkel. — Eine Winkelhalbierende halbiert die Winkelgröße, nicht die Länge eines Schenkels.
Wie zeichnest du sie mit dem Geodreieck?

Beim Zeichnen mit dem Geodreieck misst du zuerst die Winkelgröße. Danach trägst du die Hälfte davon ab.

  1. Lege den Nullpunkt des Geodreiecks auf den Scheitelpunkt.
  2. Richte eine Kante an einem Schenkel aus.
  3. Miss die Größe des ganzen Winkels.
  4. Teile den Messwert durch zwei.
  5. Markiere den halbierten Wert, vom ausgerichteten Schenkel aus gemessen.
  6. Verbinde den Scheitelpunkt mit der Markierung.
Beispiel

Für einen Winkel von $130^\circ$ berechnest du zuerst $130^\circ : 2 = 65^\circ$. Markiere am Geodreieck $65^\circ$ und zeichne vom Scheitelpunkt durch diese Markierung. Zur Kontrolle misst du beide Teilwinkel: Beide müssen $65^\circ$ betragen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Zuerst wird der gemessen. Danach wird der Messwert durch geteilt. Die neue Linie beginnt am .

Lösungen: Lücke 1: ganze Winkel; Lücke 2: zwei; Lücke 3: Scheitelpunkt. Messen, halbieren, abtragen: Diese Reihenfolge führt zur Winkelhalbierenden.
Wie konstruierst du sie mit Zirkel und Lineal?

Bei einer geometrischen Konstruktion misst du keine Winkelzahl. Du erzeugst gleiche Abstände mit dem Zirkel.

  1. Stich den Zirkel in den Scheitelpunkt $S$ ein und zeichne einen Bogen, der beide Schenkel schneidet.
  2. Nenne die Schnittpunkte $E$ und $F$.
  3. Zeichne um $E$ einen Bogen in das Winkelfeld.
  4. Lass den Zirkel unverändert und zeichne mit demselben Radius einen Bogen um $F$.
  5. Falls sich die Bögen nicht schneiden, wähle für beide Bögen einen größeren, wiederum gleichen Radius.
  6. Nenne den Schnittpunkt der Bögen $G$.
  7. Zeichne die Halbgerade von $S$ durch $G$.

Es genügen Kreisbögen. Bei einer Konstruktionsaufgabe lässt du die Zirkelspuren sichtbar, damit dein Vorgehen überprüfbar bleibt.

Gut zu wissen

Warum funktioniert das? Die Strecken $SE$ und $SF$ sind gleich lang, weil sie mit derselben Zirkeleinstellung entstanden sind. Ebenso gilt $EG = FG$. Die Strecke $SG$ gehört zu beiden entstehenden Dreiecken. Deshalb liegen $E$ und $F$ spiegelbildlich zu $SG$, und die Winkelhalbierende verläuft durch $S$ und $G$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWas ist bei den Bögen um $E$ und $F$ entscheidend?
Lösung: Für beide Bögen wird derselbe ausreichend große Radius verwendet. — Der zweite Radius darf sich vom ersten unterscheiden. Er muss aber bei den Bögen um $E$ und $F$ gleich bleiben und groß genug für einen Schnittpunkt sein.
Was verrät der Abstand zu den Schenkeln?

Der Abstand eines Punktes von einem Schenkel ist die Länge der kürzesten, also senkrechten Verbindung zu diesem Schenkel.

Definition

Ortslinie

Eine Ortslinie ist die Menge aller Punkte mit einer bestimmten gemeinsamen Eigenschaft. Die Winkelhalbierende ist die Ortslinie der Punkte im Winkel, die von beiden Schenkeln gleich weit entfernt sind.

Damit gelten zwei Richtungen:

  • Liegt ein Punkt auf der Winkelhalbierenden, hat er zu beiden Schenkeln denselben Abstand.
  • Hat ein Punkt im Winkel zu beiden Schenkeln denselben Abstand, liegt er auf der Winkelhalbierenden.
Beispiel

Ein Punkt $P$ liegt im Inneren eines Winkels. Die senkrechten Abstände von $P$ zu beiden Schenkeln sind gleich lang. Dann muss $P$ auf der Winkelhalbierenden liegen. Du brauchst die beiden Teilwinkel dafür nicht zu messen.

Im Dreieck schneiden sich die Winkelhalbierenden der drei Innenwinkel in einem Punkt. Dieser Punkt hat zu allen drei Seiten denselben Abstand und ist deshalb der Mittelpunkt des Inkreises.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Punkt liegt im Inneren eines Winkels und ist von beiden Schenkeln gleich weit entfernt. Welche Folgerung ist richtig?
Lösung: Der Punkt liegt auf der Winkelhalbierenden. — Gleiche senkrechte Abstände zu beiden Schenkeln kennzeichnen genau die Winkelhalbierende.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
  • Nur nach Augenmaß zeichnen: Eine mittig wirkende Linie kann ungenau sein. Miss die Teilwinkel oder führe die Zirkelkonstruktion aus.
  • Den Scheitelpunkt verfehlen: Eine Winkelhalbierende muss durch den Scheitelpunkt verlaufen.
  • Am falschen Schenkel ablesen: Richte das Geodreieck zuerst sauber an einem Schenkel aus und nutze die dazugehörige Skala.
  • Die Zirkeleinstellung verändern: Die Bögen um $E$ und $F$ brauchen denselben Radius.
  • Zu kleine Hilfsbögen zeichnen: Schneiden sie sich nicht, vergrößerst du den Radius für beide Bögen gleichermaßen.
  • Abstand schräg messen: Der Abstand zu einem Schenkel wird immer senkrecht bestimmt.
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Frage 1 von 1SchwerEine konstruierte Linie geht durch den Scheitelpunkt, aber die beiden Teilwinkel sind verschieden groß. Wie beurteilst du sie?
Lösung: Sie ist keine Winkelhalbierende. — Erst beide Merkmale zusammen entscheiden: Verlauf durch den Scheitelpunkt und gleich große Teilwinkel.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Winkelhalbierende
    • Bedeutung: zwei gleich große Teilwinkel
    • Erkennungsmerkmale: Scheitelpunkt und gleiche Winkelgrößen
    • Geodreieck: messen, halbieren, abtragen
    • Zirkel und Lineal: gleiche Abstände konstruieren
    • Ortslinie: gleicher senkrechter Abstand zu beiden Schenkeln
    • Dreieck: Schnittpunkt als Mittelpunkt des Inkreises
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche zwei Merkmale gehören zur Definition der Winkelhalbierenden?
Lösung: Sie verläuft durch den Scheitelpunkt und erzeugt zwei gleich große Teilwinkel. — Die Winkelhalbierende betrifft die Größe eines Winkels und beginnt an seinem Scheitelpunkt.
Frage 2 von 3MittelEin Winkel ist $130^\circ$ groß. Wo trägst du seine Winkelhalbierende mit dem Geodreieck ab?
Lösung: Bei $65^\circ$, von einem Schenkel aus gemessen — Die Hälfte von $130^\circ$ ist $65^\circ$. Beide Teilwinkel sind anschließend gleich groß.
Frage 3 von 3SchwerDu kennst die Winkelgrößen nicht. Ein Punkt im Winkel hat aber zu beiden Schenkeln denselben senkrechten Abstand. Was kannst du sicher schließen?
Lösung: Der Punkt liegt auf der Winkelhalbierenden. — Die Winkelhalbierende ist genau die Ortslinie aller Punkte im Winkel mit gleichem Abstand zu beiden Schenkeln.

Wenn du Definition, Konstruktion und Gleichabstandseigenschaft miteinander verbinden kannst, kannst du Winkelhalbierende nicht nur zeichnen, sondern auch begründet erkennen und anwenden.

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