Mathematik

Zufallsexperiment: Ergebnisse und Chancen verstehen

Zufallsexperiment: Ergebnisse und Chancen verstehen
Zufallsexperiment: Ergebnisse und Chancen verstehen
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Bei einem Zufallsexperiment sind die möglichen Ergebnisse vorher bekannt, aber du kannst das tatsächlich eintretende Ergebnis nicht sicher vorhersagen. Ein Würfelwurf ist ein typisches Beispiel: Möglich sind die Zahlen 1 bis 6, doch vor dem Wurf steht die Augenzahl nicht fest.

Du lernst, Zufallsexperimente zu erkennen, Ergebnisse und Ereignisse zu unterscheiden sowie einfache Gewinnchancen zu vergleichen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du ein Zufallsexperiment?

Stell dir vor, du würfelst. Der Ablauf ist geplant, die möglichen Augenzahlen sind bekannt und trotzdem weißt du vorher nicht, welche Zahl fällt.

Definition

Zufallsexperiment

Ein Zufallsexperiment ist ein Vorgang unter festgelegten Bedingungen, bei dem mehrere Ergebnisse möglich sind. Die möglichen Ergebnisse sind vorher bekannt, das tatsächlich eintretende Ergebnis ist jedoch nicht sicher vorhersagbar.

Im Schulunterricht wird meist zusätzlich verlangt, dass sich der Versuch unter gleichen Bedingungen wiederholen lässt. Beim Ziehen aus einer Urne stellst du dieselben Ausgangsbedingungen wieder her, indem du die gezogene Kugel zurücklegst und die Kugeln erneut mischst.

In einer weiter gefassten Verwendung können auch einmalige Zufallsvorgänge als Zufallsexperimente bezeichnet werden. Deshalb kann die Einordnung eines einmaligen Vorgangs davon abhängen, welche Definition verwendet wird.

Merke

Gleich wahrscheinliche Ergebnisse sind kein notwendiges Merkmal. Ein Glücksrad mit unterschiedlich großen Feldern bleibt ein Zufallsexperiment.

Ein Gegenbeispiel ist eine vollständig vorhersehbare Handlung: Du legst einen roten Stift auf den Tisch. Das Ergebnis steht bereits fest und ist daher nicht zufällig.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Situation ist sicher ein Zufallsexperiment?
Lösung: Du wirfst einen üblichen Würfel und notierst die Augenzahl. — Beim Würfelwurf sind mehrere Ergebnisse möglich und vorher bekannt. Welche Zahl tatsächlich fällt, ist vor dem Wurf ungewiss.
Frage 2 von 2MittelEin Glücksrad besitzt ein großes rotes und ein kleines blaues Feld. Warum ist das Drehen trotzdem ein Zufallsexperiment?
Lösung: Das eintretende Feld ist nicht sicher vorhersagbar, obwohl die Chancen verschieden sind. — Zufall bedeutet nicht Gleichverteilung. Die möglichen Ergebnisse können unterschiedlich wahrscheinlich sein.
Wie beschreibst du Ergebnisse und Ereignisse?

Beim Würfeln kannst du nicht nur einzelne Augenzahlen betrachten. Du kannst auch mehrere passende Augenzahlen zu einer Aussage zusammenfassen.

Definition

Ergebnis

Ein Ergebnis ist ein einzelner möglicher Ausgang. Beim Würfelwurf ist zum Beispiel die Zahl 3 ein Ergebnis.

Definition

Ergebnisraum

Der Ergebnisraum $\Omega$ ist die Menge aller möglichen Ergebnisse. Beim üblichen Würfel gilt:

$$\Omega=\{1,2,3,4,5,6\}$$

Jedes mögliche Ergebnis steht darin genau einmal. Eine 7 gehört nicht zum Ergebnisraum eines üblichen Würfels.

Definition

Ereignis

Ein Ereignis ist eine Auswahl aus dem Ergebnisraum. Das Ereignis „Es fällt eine gerade Zahl“ lautet:

$$A=\{2,4,6\}$$

Das sichere Ereignis enthält alle Ergebnisse aus $\Omega$. Das unmögliche Ereignis enthält kein Ergebnis. Beim üblichen Würfel ist „höchstens 6“ sicher und „Augenzahl 7“ unmöglich.

Beispiel

Ein Glücksrad trägt die Zahlen 1 bis 9.

  • Ergebnis: Das Rad bleibt bei 5 stehen.
  • Ergebnisraum: $\Omega=\{1,2,3,4,5,6,7,8,9\}$
  • Ereignis „ungerade Zahl“: $A=\{1,3,5,7,9\}$

Der entscheidende Unterschied: 5 ist ein einzelnes Ergebnis, während ungerade Zahl mehrere Ergebnisse zusammenfasst.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim Würfelwurf ist die Zahl 4 ein . Die Menge aller möglichen Augenzahlen heißt . Die Aussage „gerade Zahl“ beschreibt ein . Die Augenzahl 7 ist bei einem üblichen Würfel .

Lösungen: Lücke 1: Ergebnis; Lücke 2: Ergebnisraum; Lücke 3: Ereignis; Lücke 4: unmöglich. Ein Ergebnis ist ein einzelner Ausgang. Der Ergebnisraum sammelt alle möglichen Ergebnisse, und ein Ereignis fasst passende Ergebnisse zusammen.
Wie vergleichst du Wahrscheinlichkeiten?

Eine Wahrscheinlichkeit beschreibt, wie groß die Chance für ein Ereignis ist. Sie liegt zwischen 0 und 1 beziehungsweise zwischen 0 % und 100 %.

Ein unmögliches Ereignis hat die Wahrscheinlichkeit 0. Das sichere Ereignis hat die Wahrscheinlichkeit 1 beziehungsweise 100 %.

Definition

Laplace-Experiment

Bei einem Laplace-Experiment sind alle einzelnen Ergebnisse gleich wahrscheinlich. Dann gilt:

$$P(A)=\frac{\text{Anzahl günstiger Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}$$

„Günstig“ bedeutet dabei nur: Das Ergebnis gehört zum untersuchten Ereignis. Es muss kein persönlicher Gewinn sein.

Beispiel

Du würfelst mit einem üblichen, fairen Würfel. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für eine gerade Zahl.

  1. Der Ergebnisraum enthält sechs gleich wahrscheinliche Ergebnisse.
  2. Zum Ereignis gehören 2, 4 und 6, also drei Ergebnisse.
  3. Daher gilt:

$$P(\text{gerade Zahl})=\frac{3}{6}=\frac{1}{2}=50\,\%$$

Die Rechnung passt, weil die sechs Würfelseiten als gleich wahrscheinlich angenommen werden.

Bei einem Glücksrad mit unterschiedlich großen Feldern darfst du nicht einfach „günstige durch mögliche Ergebnisse“ rechnen. Ein großes Feld wird häufiger getroffen als ein kleines. Die bloße Anzahl der Beschriftungen reicht dann nicht aus.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWann darfst du die Laplace-Regel verwenden?
Lösung: Wenn alle einzelnen Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind. — Die Laplace-Regel setzt gleich wahrscheinliche Einzelergebnisse voraus. Die Zahl der Ergebnisse ist dabei nicht auf zwei beschränkt.
Frage 2 von 2MittelEine Urne enthält 10 rote, 8 blaue und 2 grüne gleichartige Kugeln. Welche Farbe hat beim einmaligen Ziehen die größte Chance?
Lösung: Rot — Von 20 Kugeln sind 10 rot. Rot ist häufiger vertreten als Blau oder Grün und besitzt deshalb die größte Ziehchance.
Was zeigen Wiederholungen und mehrere Stufen?

Ein einzelner Versuch kann überraschend ausfallen. Wenn du ein Zufallsexperiment oft wiederholst, kannst du die Ergebnisse in einer Strichliste sammeln.

Die absolute Häufigkeit gibt an, wie oft ein Ergebnis tatsächlich vorkam. Die relative Häufigkeit vergleicht diese Zahl mit der Gesamtzahl aller Durchführungen:

$$\text{relative Häufigkeit}=\frac{\text{absolute Häufigkeit}}{\text{Anzahl der Durchführungen}}$$

Beispiel

Bei 240 Würfen fällt die 6 genau 48-mal. Dann beträgt ihre relative Häufigkeit:

$$\frac{48}{240}=0{,}2=20\,\%$$

Das ist ein beobachteter Wert dieser Versuchsserie. Er muss nicht genau mit der theoretischen Wahrscheinlichkeit $\frac{1}{6}$ übereinstimmen.

Bei vielen Wiederholungen werden häufig stabilere Muster sichtbar. Trotzdem lässt sich der nächste einzelne Ausgang nicht sicher vorhersagen.

Definition

Mehrstufiges Zufallsexperiment

Ein mehrstufiges Zufallsexperiment besteht aus mehreren zufälligen Schritten. Das Gesamtergebnis kombiniert die Ergebnisse der einzelnen Stufen.

Beim zweimaligen Münzwurf gilt mit $K$ für Kopf und $Z$ für Zahl:

$$\Omega=\{KK,KZ,ZK,ZZ\}$$

$KZ$ und $ZK$ sind verschiedene Ergebnisse, weil die Reihenfolge der Würfe verschieden ist.

Ob Ziehungen voneinander abhängen, kann von den Bedingungen abhängen. Beim Ziehen mit Zurücklegen wird der ursprüngliche Urneninhalt wiederhergestellt. Ohne Zurücklegen verändert die erste Ziehung die Bedingungen für die zweite.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDu wirfst eine Münze zweimal. Welcher Ergebnisraum ist vollständig?
Lösung: $\{KK,KZ,ZK,ZZ\}$ — Bei zwei Würfen muss jedes Gesamtergebnis beide Stufen und ihre Reihenfolge enthalten.
Frage 2 von 2SchwerEine Kugel wird gezogen und nicht zurückgelegt. Was verändert sich vor der zweiten Ziehung?
Lösung: Die Zusammensetzung der Urne und damit möglicherweise die Chancen. — Ohne Zurücklegen fehlt vor der zweiten Ziehung eine Kugel. Deshalb hängen die Chancen von der ersten Ziehung ab.
Wie führst du einen Versuch durch und prüfst Fairness?

Für ein brauchbares Experiment musst du die Bedingungen festlegen und die Ergebnisse vollständig notieren.

  1. Formuliere die Frage, zum Beispiel: „Wie oft fällt bei 30 Würfen eine 6?“
  2. Lege Material und Regeln fest.
  3. Notiere den Ergebnisraum.
  4. Führe jede Wiederholung auf dieselbe Weise durch.
  5. Halte jedes Ergebnis sofort in einer Strichliste fest.
  6. Vergleiche am Ende die Häufigkeiten.
Beispiel

Zwei Personen spielen mit einer Urne aus 10 roten, 8 blauen und 2 grünen gleichartigen Kugeln. Person A gewinnt bei Rot, Person B bei Blau. Nach jeder Ziehung wird die Kugel zurückgelegt.

Person A besitzt die größere Gewinnchance, weil 10 von 20 Kugeln rot, aber nur 8 von 20 blau sind. Das Spiel ist für die beiden Personen nicht fair, wenn Fairness hier gleiche Gewinnchancen bedeutet.

Merke

Bei einem einfachen Spiel mit denselben Regeln für alle bedeutet fair: Keine Person wird durch die festgelegten Gewinnchancen bevorzugt.

Eine kurze Versuchsserie beweist nicht, dass ein Spiel fair oder unfair ist. Prüfe deshalb zuerst den Aufbau des Spiels. Die beobachteten Häufigkeiten liefern zusätzliche Hinweise, können aber zufällig schwanken.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Glücksrad besteht aus vier gleich großen Feldern. Zwei Felder lassen A gewinnen und zwei Felder B. Wie beurteilst du das Spiel?
Lösung: Beide besitzen aufgrund der gleich großen Felder dieselbe Gewinnchance. — Zwei von vier gleich großen Feldern gehören jeweils A und B. Damit sind die Gewinnchancen gleich.
Frage 2 von 2SchwerIn zehn Würfen fällt sechsmal eine gerade Zahl. Was darfst du daraus schließen?
Lösung: In dieser Serie beträgt die relative Häufigkeit gerader Zahlen $\frac{6}{10}$. — Die Strichliste beschreibt die beobachtete Serie. Sie erlaubt keine sichere Vorhersage des nächsten Wurfs.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zufallsexperiment
    • Merkmale: mehrere mögliche Ergebnisse, ungewisser Ausgang, festgelegte Bedingungen
    • Beschreibung: Ergebnis, Ergebnisraum und Ereignis
    • Chancen: Laplace-Modell, relative Häufigkeit und Fairness
    • Ablauf: einstufig oder mehrstufig, mit oder ohne Zurücklegen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 5LeichtWas ist beim Zufallsexperiment schon vor der Durchführung bekannt?
Lösung: Die Menge der möglichen Ergebnisse. — Die Möglichkeiten und Bedingungen stehen vorher fest. Welches Ergebnis eintritt, bleibt ungewiss.
Frage 2 von 5MittelEin üblicher fairer Würfel wird einmal geworfen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zahl größer als 4?
Lösung: $\frac{2}{6}=\frac{1}{3}$ — Der Ergebnisraum enthält sechs gleich wahrscheinliche Zahlen. Das Ereignis besteht aus 5 und 6, also aus zwei günstigen Ergebnissen.
Frage 3 von 5MittelWelche Aussage unterscheidet Ergebnis und Ereignis richtig?
Lösung: Beim Würfeln ist 5 ein Ergebnis; „ungerade Zahl“ ist ein Ereignis. — Ein Ergebnis ist ein einzelner Ausgang. Ein Ereignis ist eine Auswahl aus dem Ergebnisraum.
Frage 4 von 5SchwerEin Glücksrad hat drei Felder: Rot nimmt die Hälfte der Fläche ein, Blau und Grün jeweils ein Viertel. Jemand rechnet für Rot $\frac{1}{3}$, weil es drei Farben gibt. Was ist der Fehler?
Lösung: Die drei Ergebnisse sind wegen der verschieden großen Felder nicht gleich wahrscheinlich. — „Günstige durch mögliche Ergebnisse“ gilt nur bei gleich wahrscheinlichen Ergebnissen. Das rote Feld nimmt die Hälfte des Rads ein und hat daher die größere Chance.
Frage 5 von 5SchwerZwei Personen erhalten bei einem Glücksrad unterschiedlich große Gewinnbereiche. Welche Begründung prüft die Fairness am besten?
Lösung: Vergleiche die Größen der Gewinnbereiche und damit die Gewinnchancen beider Personen. — Für Fairness im Sinn gleicher Gewinnchancen musst du den Aufbau des Spiels vergleichen. Einzelne Ergebnisse können zufällig schwanken.

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