Mathematik

Laplace-Experiment: Wahrscheinlichkeit berechnen

Laplace-Experiment: Wahrscheinlichkeit berechnen
Laplace-Experiment: Wahrscheinlichkeit berechnen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei einem Laplace-Experiment sind alle elementaren Ergebnisse gleich wahrscheinlich. Dann darfst du die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses durch Zählen berechnen: günstige Ergebnisse geteilt durch alle möglichen Ergebnisse.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du ein Laplace-Experiment?

Ein Zufallsexperiment ist ein Versuch, dessen einzelner Ausgang nicht sicher vorhersagbar ist. Die möglichen Ausgänge heißen Ergebnisse.

Definition

Laplace-Experiment

Ein Laplace-Experiment ist ein Zufallsexperiment mit endlich vielen elementaren Ergebnissen, die alle dieselbe Wahrscheinlichkeit haben. Elementar bedeutet: Die Ergebnisse sind so fein beschrieben, dass du keines davon für die Rechnung weiter zerlegen musst.

Ein idealer gewöhnlicher Würfel ist ein Laplace-Modell: Die Ergebnisse 1 bis 6 gelten als gleich wahrscheinlich. Auch ein Glücksrad mit sechs gleich großen Sektoren kann so modelliert werden, wenn jeder Sektor dieselbe Chance hat.

Eine Reißzwecke ist dagegen normalerweise kein Laplace-Gerät. Ihre möglichen Lagen sind wegen ihrer Form nicht automatisch gleich wahrscheinlich. Auch ein Glücksrad mit verschieden großen Sektoren erfüllt die Bedingung nicht.

Merke

Zähle erst dann „günstige durch mögliche“, wenn du die Gleichwahrscheinlichkeit der elementaren Ergebnisse begründet hast.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelcher Versuch ist unter der genannten Annahme ein Laplace-Experiment?
Lösung: Aus einem gut gemischten Skatdeck wird eine von 32 Karten gezogen; jede einzelne Karte gilt als gleich wahrscheinlich. — Entscheidend ist nicht die Anzahl der benannten Ergebnisse, sondern ihre gleiche Wahrscheinlichkeit. Beim gut gemischten Kartendeck ist sie hier ausdrücklich Teil der Modellannahme.
Wie beschreibst du Ergebnisraum und Ereignis?

Der Ergebnisraum $\Omega$ enthält alle elementaren Ergebnisse. Ein Ereignis $A$ ist eine Auswahl daraus, also eine Teilmenge von $\Omega$. Die Schreibweise $|A|$ bedeutet „Anzahl der Ergebnisse in $A$“; entsprechend ist $|\Omega|$ die Anzahl aller Ergebnisse.

Beispiel

Du wirfst einen idealen Würfel und suchst die Wahrscheinlichkeit für eine gerade Zahl.

Der Ergebnisraum ist

$$\Omega=\{1,2,3,4,5,6\},\qquad |\Omega|=6.$$

Zum Ereignis „gerade Zahl“ gehören

$$A=\{2,4,6\},\qquad |A|=3.$$

Weil die sechs Augenzahlen gleich wahrscheinlich sind, gilt die Laplace-Formel:

$$P(A)=\frac{|A|}{|\Omega|}=\frac{3}{6}=\frac{1}{2}=50\,\%.$$

Die 3 zählt die günstigen Ergebnisse. Die 6 zählt alle möglichen Ergebnisse.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim idealen Würfel lautet der Ergebnisraum $\Omega=\{1,2,3,4,5,6\}$. Daher ist $|\Omega|$ gleich . Zum Ereignis „gerade Zahl“ gehören . Deshalb ist $|A|$ gleich und $P(A)$ gleich .

Lösungen: Lücke 1: 6; Lücke 2: 2, 4 und 6; Lücke 3: 3; Lücke 4: 1/2. Zuerst legst du alle elementaren Ergebnisse fest, dann wählst du die günstigen aus. Erst die Anzahlen setzt du in die Formel ein.
Wie rechnest du Schritt für Schritt?

Nutze dieses Vorgehen:

  1. Lege die elementaren Ergebnisse und damit $\Omega$ fest.
  2. Prüfe, ob diese Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
  3. Beschreibe das Ereignis $A$ und zähle $|A|$ sowie $|\Omega|$.
  4. Berechne $P(A)=\frac{|A|}{|\Omega|}$ und prüfe, ob das Ergebnis zwischen 0 und 1 beziehungsweise zwischen $0\,\%$ und $100\,\%$ liegt.
Beispiel

Aus einem gut gemischten Skatdeck mit 32 Karten wird eine Karte gezogen. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit für einen Buben.

Die elementaren Ergebnisse sind die 32 einzelnen Karten. Sie gelten als gleich wahrscheinlich. Es gibt vier Buben, also $|A|=4$ und $|\Omega|=32$.

$$P(A)=\frac{4}{32}=\frac{1}{8}=0{,}125=12{,}5\,\%.$$

Die Wahrscheinlichkeit, einen Buben zu ziehen, beträgt im Modell $12{,}5\,\%$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelIn einer Trommel liegen 20 gleichartige, gut gemischte Kugeln mit den Nummern 1 bis 20. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, eine Zahl kleiner als 4 zu ziehen?
Lösung: $\frac{3}{20}=15\,\%$ — Die günstigen Ergebnisse sind $\{1,2,3\}$, also 3 von insgesamt 20 gleich wahrscheinlichen Kugeln. Daher gilt $P=3/20=0{,}15=15\,\%$.
Warum sind Augensummen nicht gleich wahrscheinlich?

Bei zwei unterscheidbaren Würfeln sind die geordneten Paare die elementaren Ergebnisse. $(2,5)$ und $(5,2)$ sind verschiedene Paare. Insgesamt gibt es $6\cdot6=36$ gleich wahrscheinliche Paare.

Beispiel

Für einen Pasch sind beide Augenzahlen gleich. Günstig sind

$$A=\{(1,1),(2,2),(3,3),(4,4),(5,5),(6,6)\}.$$

Damit gilt

$$P(A)=\frac{6}{36}=\frac{1}{6}\approx16{,}7\,\%.$$

Für die Augensumme 9 sind dagegen nur $(3,6)$, $(4,5)$, $(5,4)$ und $(6,3)$ günstig. Deshalb ist

$$P(\text{Summe }9)=\frac{4}{36}=\frac{1}{9}\approx11{,}1\,\%.$$

Die Summen 2 bis 12 sind keine gleich wahrscheinlichen elementaren Ergebnisse. Jede Summe fasst unterschiedlich viele Würfelpaare zusammen.

Gut zu wissen

Dasselbe Problem tritt bei zwei Münzwürfen auf. $KK$, $KZ$, $ZK$ und $ZZ$ sind vier gleich wahrscheinliche Folgen. Die Kategorie „einmal Kopf und einmal Zahl“ enthält aber zwei Folgen und ist deshalb wahrscheinlicher als $KK$ allein.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum darfst du für „Augensumme 9“ nicht einfach $1/11$ rechnen, obwohl die Summen 2 bis 12 möglich sind?
Lösung: Die elf Summen enthalten unterschiedlich viele gleich wahrscheinliche Würfelpaare. — Die Laplace-Formel muss auf gleich wahrscheinlichen elementaren Ergebnissen beruhen. Das sind hier die 36 geordneten Paare, nicht die elf Summen.
Wann hilft das Gegenereignis?

Das Gegenereignis $\overline A$ enthält alle Ergebnisse, die nicht zu $A$ gehören. Zusammen decken $A$ und $\overline A$ den ganzen Ergebnisraum ab. Deshalb gilt

$$P(\overline A)=1-P(A).$$

Beispiel

Ein Glücksrad hat zehn gleich große Sektoren. Vier davon sind rot. Für $A=$ „Rot“ gilt

$$P(A)=\frac{4}{10}=0{,}4=40\,\%.$$

Das Gegenereignis lautet „nicht Rot“. Daher:

$$P(\overline A)=1-0{,}4=0{,}6=60\,\%.$$

Du könntest auch die sechs nicht roten Sektoren zählen. Beide Wege liefern dasselbe Ergebnis.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelBei einem idealen Würfel ist $A=$ „eine 6“. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses „keine 6“?
Lösung: $\frac{5}{6}$ — Es gilt $P(\overline A)=1-1/6=5/6$. Eine Wahrscheinlichkeit kann außerdem nicht größer als 1 sein.
Wie prüfst du, ob das Modell passt?

Ein Laplace-Experiment ist ein mathematisches Modell. Bei realen Würfeln, Münzen, Karten oder Glücksrädern nimmst du Gleichwahrscheinlichkeit häufig idealisierend an. Die Annahme ist plausibel, wenn die Bauart und die Durchführung kein Ergebnis erkennbar bevorzugen.

Prüfe deshalb zwei Fragen:

  1. Welche elementaren Ergebnisse betrachte ich?
  2. Warum sollten genau diese Ergebnisse gleich wahrscheinlich sein?

„Es gibt drei benannte Möglichkeiten“ reicht nicht als Begründung. Zusammengefasste Kategorien können verschieden viele elementare Ergebnisse enthalten. Ebenso können Form oder Feldgröße eines Gegenstands einzelne Ergebnisse begünstigen.

Merke

Die Laplace-Formel ist kein Test für Gleichwahrscheinlichkeit. Gleichwahrscheinlichkeit ist ihre Voraussetzung.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Glücksrad besitzt drei Sektoren: einen Halbkreis und zwei Viertelkreise. Jemand rechnet für jeden Sektor mit $1/3$. Wie beurteilst du das?
Lösung: Das ist kein passendes Laplace-Modell für die drei Sektoren, weil ihre Größen verschieden sind. — Für die Laplace-Formel müssen die betrachteten Ergebnisse gleich wahrscheinlich sein. Bei unterschiedlich großen Sektoren ist diese Voraussetzung für die drei Sektoren nicht erfüllt.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Laplace-Experiment
    • Voraussetzung: endlich viele gleich wahrscheinliche elementare Ergebnisse
    • Beschreiben: Ergebnisraum $\Omega$ und Ereignis $A$
    • Zählen: $|\Omega|$ und $|A|$
    • Berechnen: $P(A)=|A|/|\Omega|$
    • Vereinfachen: Gegenereignis mit $1-P(A)$
    • Prüfen: Kategorien und Modellannahmen hinterfragen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage nennt die entscheidende Voraussetzung der Laplace-Formel?
Lösung: Alle elementaren Ergebnisse sind gleich wahrscheinlich und der Ergebnisraum ist endlich. — Die Formel „günstige durch mögliche“ gilt für einen endlichen Ergebnisraum mit gleich wahrscheinlichen elementaren Ergebnissen.
Frage 2 von 3MittelEin idealer Würfel wird einmal geworfen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zahl größer als 4?
Lösung: $\frac{2}{6}=\frac{1}{3}$ — Günstig sind die zwei Ergebnisse 5 und 6. Insgesamt gibt es sechs gleich wahrscheinliche Ergebnisse, also $P=2/6=1/3$.
Frage 3 von 3SchwerZwei ideale Münzen werden geworfen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für „genau einmal Kopf“?
Lösung: $\frac{2}{4}=\frac{1}{2}$ — Der vollständige Ergebnisraum lautet $\{KK,KZ,ZK,ZZ\}$. Zwei der vier gleich wahrscheinlichen Folgen enthalten genau einmal Kopf.

Wenn du jede Antwort begründen kannst, beherrschst du den Kern: Du prüfst zuerst das Modell, legst dann die elementaren Ergebnisse fest und zählst erst danach günstige und mögliche Ergebnisse.

Passend dazu