Gegenereignis erkennen und berechnen

Gegenereignis erkennen und berechnen
Gegenereignis erkennen und berechnen
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Ein Gegenereignis umfasst genau alle möglichen Ergebnisse, bei denen das Ereignis $A$ nicht eintritt. Es wird mit $\overline A$ bezeichnet. Weil immer entweder $A$ oder $\overline A$ eintritt, gilt: $P(\overline A)=1-P(A)$.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Ereignis zum Gegenereignis

Der Ergebnisraum $\Omega$ enthält alle möglichen Ergebnisse eines Zufallsexperiments. Ein Ereignis $A$ ist eine Auswahl daraus.

Definition

Gegenereignis

Das Gegenereignis $\overline A$ enthält alle Ergebnisse aus $\Omega$, die nicht zu $A$ gehören. Kein Ergebnis gehört gleichzeitig zu beiden Ereignissen, und gemeinsam enthalten sie den gesamten Ergebnisraum.

$$A\cup\overline A=\Omega$$

Beispiel

Ein normaler Würfel wird einmal geworfen. Der Ergebnisraum lautet

$$\Omega=\{1,2,3,4,5,6\}.$$

Das Ereignis $A$ lautet: „Die Augenzahl ist höchstens 4.“ Daher ist

$$A=\{1,2,3,4\}.$$

Übrig bleiben 5 und 6. Das Gegenereignis lautet also: „Die Augenzahl ist größer als 4.“

$$\overline A=\{5,6\}$$

Merke

Ein Ergebnis gehört entweder zu $A$ oder zu $\overline A$ – niemals zu beiden und niemals zu keinem der beiden.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelches Gegenereignis gehört beim Würfeln zu „Die Augenzahl ist gerade“?
Lösung: Die Augenzahl ist ungerade. — Das Ereignis enthält $\{2,4,6\}$. Alle übrigen Ergebnisse bilden $\{1,3,5\}$, also die ungeraden Augenzahlen.
Aussagen vollständig verneinen

Das mathematische Gegenereignis ist nicht immer das umgangssprachliche „Gegenteil“. Es muss jeden Fall enthalten, in dem die ursprüngliche Aussage nicht gilt.

Zu „Alle fünf Münzwürfe zeigen Kopf“ lautet das Gegenereignis deshalb nicht „Alle zeigen Zahl“. Auch Folgen mit viermal Kopf und einmal Zahl gehören dazu. Richtig ist: „Mindestens ein Wurf zeigt Zahl.“

Wichtige Formulierungspaare sind:

  • alle haben die Eigenschaft ↔ mindestens eines hat sie nicht
  • kein Ergebnis hat die Eigenschaft ↔ mindestens eines hat sie
  • mindestens $k$ Treffer ↔ höchstens $k-1$ Treffer
  • kleiner als $k$größer oder gleich $k$
  • genau ein bestimmtes Ergebnisjedes andere mögliche Ergebnis
Beispiel

Das Ereignis lautet: „Bei fünf Münzwürfen fällt mindestens zweimal Zahl.“

Es tritt nicht ein, wenn Zahl keinmal oder genau einmal fällt. Das Gegenereignis heißt daher: „Bei fünf Münzwürfen fällt höchstens einmal Zahl.“

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Das Gegenereignis zu „Die Augenzahl ist kleiner als 2“ lautet „Die Augenzahl ist 2“. Zu „Keine der drei Zahlen ist gerade“ gehört „ der drei Zahlen ist gerade“. Zu „Mindestens zweimal Zahl“ gehört „ Zahl“.

Lösungen: Lücke 1: größer oder gleich; Lücke 2: Mindestens eine; Lücke 3: Höchstens einmal. Beim Verneinen müssen Grenzfälle erhalten bleiben: Aus „kleiner als“ wird „größer oder gleich“. Die Verneinung von „kein“ ist „mindestens ein“.
Mit der Gegenwahrscheinlichkeit rechnen

Ereignis und Gegenereignis decken zusammen alle Möglichkeiten ab. Ihre Wahrscheinlichkeiten ergänzen sich deshalb zu 1 beziehungsweise 100 %.

$$P(A)+P(\overline A)=1$$

Daraus folgt die Gegenwahrscheinlichkeit:

$$P(\overline A)=1-P(A)$$

Beispiel

Beim Würfelereignis „Augenzahl höchstens 4“ sind vier von sechs gleich wahrscheinlichen Ergebnissen günstig:

$$P(A)=\frac{4}{6}=\frac{2}{3}.$$

Für das Gegenereignis rechnen wir:

$$P(\overline A)=1-\frac{2}{3}=\frac{1}{3}.$$

Die Probe passt: $\frac{2}{3}+\frac{1}{3}=1$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Ereignis hat die Wahrscheinlichkeit $P(A)=0{,}35$. Wie groß ist $P(\overline A)$?
Lösung: $0{,}65$ — Rechne $P(\overline A)=1-0{,}35=0{,}65$. Das entspricht 65 %.
Wann das Gegenereignis die Rechnung verkürzt

Die Rechnung über das Gegenereignis lohnt sich besonders, wenn dieses deutlich weniger Fälle enthält als das gesuchte Ereignis.

Beispiel

Zwei normale Würfel werden geworfen. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Augensumme nicht 10 beträgt.

Direkt müssten viele Fälle gezählt werden. Das Gegenereignis „Augensumme 10“ umfasst nur die geordneten Paare

$$(4,6),\ (5,5),\ (6,4).$$

Bei zwei Würfeln gibt es 36 gleich wahrscheinliche geordnete Paare. Daher gilt

$$P(\text{Summe 10})=\frac{3}{36}=\frac{1}{12}.$$

Nun verwenden wir das Gegenereignis:

$$P(\text{Summe nicht 10})=1-\frac{1}{12}=\frac{11}{12}\approx91{,}7\,\%.$$

Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe bei 100 %. Das ist plausibel, weil nur drei der 36 Würfelpaare die Summe 10 ergeben.

Gut zu wissen

Die möglichen Augensummen 2 bis 12 sind nicht gleich wahrscheinlich. Die Summe 2 entsteht nur durch $(1,1)$, die Summe 10 dagegen durch drei Paare. Deshalb zählen wir die 36 gleich wahrscheinlichen geordneten Würfelpaare und nicht einfach die elf möglichen Summen.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerDu suchst beim zweimaligen Würfeln die Wahrscheinlichkeit „Augensumme mindestens 4“. Welches Gegenereignis macht die Rechnung kurz?
Lösung: Die Augensumme ist höchstens 3. — „Mindestens 4“ tritt genau dann nicht ein, wenn die Summe kleiner als 4, also höchstens 3, ist. Dann müssen nur die Summen 2 und 3 betrachtet werden.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Gegenereignis $\overline A$
    • enthält alle Ergebnisse außerhalb von $A$
    • ergänzt $A$ zum Ergebnisraum $\Omega$
    • überschneidet sich nicht mit $A$
  • Gegenwahrscheinlichkeit
    • $P(\overline A)=1-P(A)$
    • ergänzt $P(A)$ zu 1
  • Richtig verneinen
    • „alle“ wird zu „mindestens eines nicht“
    • „mindestens $k$“ wird zu „höchstens $k-1$“
  • Geschickt rechnen
    • das einfachere der beiden Ereignisse bestimmen
    • Ergebnis auf Plausibilität prüfen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWas muss für ein Ereignis $A$ und sein Gegenereignis $\overline A$ immer gelten?
Lösung: Zusammen umfassen sie den gesamten Ergebnisraum und überschneiden sich nicht. — Jedes mögliche Ergebnis gehört genau zu einem der beiden Ereignisse. Daher bilden sie zusammen $\Omega$.
Frage 2 von 4MittelDas Ereignis lautet: „Von drei gezogenen Kugeln sind alle weiß.“ Was ist das Gegenereignis?
Lösung: Mindestens eine der drei Kugeln ist nicht weiß. — Das ursprüngliche Ereignis scheitert bereits, sobald mindestens eine Kugel nicht weiß ist.
Frage 3 von 4MittelFür ein Ereignis gilt $P(A)=\frac{7}{10}$. Bestimme die Gegenwahrscheinlichkeit.
Lösung: $P(\overline A)=\frac{3}{10}$ — Es gilt $P(\overline A)=1-\frac{7}{10}=\frac{3}{10}$.
Frage 4 von 4SchwerBeim Würfeln lautet $A$: „Die Augenzahl ist mindestens 2 und höchstens 5.“ Welche Beschreibung und Wahrscheinlichkeit gehören zu $\overline A$?
Lösung: „Die Augenzahl ist 1 oder 6“ mit $P(\overline A)=\frac{2}{6}=\frac{1}{3}$. — Außerhalb des Bereichs von 2 bis 5 liegen genau 1 und 6. Zwei von sechs gleich wahrscheinlichen Ergebnissen ergeben $\frac{1}{3}$.

Wenn du ein Gegenereignis prüfst, stelle dir zwei Fragen: Fehlt kein mögliches Ergebnis? und Ist kein Ergebnis doppelt enthalten? Danach kannst du seine Wahrscheinlichkeit durch Ergänzen zu 1 bestimmen.

Passend dazu

Ausprobieren