Oktavgattungen: Ganz- und Halbtonlagen verstehen
Eine Oktavgattung ist die besondere Reihenfolge von Ganz- und Halbtonschritten innerhalb einer Oktave. Wenn du dieselben sieben diatonischen Töne nacheinander von einem anderen Ton aus spielst, verschieben sich die Halbtonstellen. Dadurch entsteht eine andere Oktavgattung.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Die Grundidee verstehen
Stell dir die sieben Stammtöne als Kreis vor: c–d–e–f–g–a–h und dann wieder c. Du verwendest für jede Oktavgattung dieselben Töne, beginnst aber an einer anderen Stelle dieses Kreises.
Oktavgattung
Eine Oktavgattung ist eine siebenstufige Tonfolge im Umfang einer Oktave. Entscheidend ist, zwischen welchen Stufen ihre Ganz- und Halbtonschritte liegen.
Eine Stufe ist die Position eines Tons innerhalb der Folge. Der Anfangston ist die 1. Stufe, der nächste Ton die 2. Stufe und so weiter. Weil eine diatonische Tonmenge sieben verschiedene Anfangstöne hat, kann sie sieben Oktavgattungen bilden.
Nicht der Vorrat an Tönen ändert sich, sondern der Anfangston und damit die Lage der Halbtonschritte innerhalb der Folge.
Ganz- und Halbtonmuster vergleichen
Auf den Stammtönen liegen die Halbtonschritte zwischen e und f sowie zwischen h und c. Alle anderen benachbarten Stammtöne der Folge sind Ganztonschritte.
Die Folge c–d–e–f–g–a–h–c hat dieses Muster:
Ganzton – Ganzton – Halbton – Ganzton – Ganzton – Ganzton – Halbton.
Die Halbtöne liegen zwischen der 3./4. und der 7./8. Stufe.
Beginnst du mit d, erhältst du d–e–f–g–a–h–c–d:
Ganzton – Halbton – Ganzton – Ganzton – Ganzton – Halbton – Ganzton.
Jetzt liegen die Halbtöne zwischen der 2./3. und der 6./7. Stufe. Dieselben Töne ergeben also wegen des anderen Anfangstons eine andere Oktavgattung.
So bestimmst du ein Muster:
- Schreibe die Tonfolge vom Anfangston bis zu seiner Oktave auf.
- Markiere die Halbtonpaare e–f und h–c.
- Zähle die Positionen als Stufen.
- Notiere die Folge aus Ganz- und Halbtonschritten.
- Vergleiche die Halbtonstellen mit einer anderen Folge.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
In c–d–e–f–g–a–h–c liegt der erste Halbton zwischen der Stufe. Beginnt die Folge mit d, liegt der erste Halbton zwischen der Stufe. Der Tonvorrat bleibt dabei .
Oktave und Transposition abgrenzen
Drei ähnliche Begriffe beantworten verschiedene Fragen:
| Begriff | Leitfrage | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Oktave | Wie weit liegen zwei gleichnamige Töne auseinander? | Der obere Ton gehört zur nächsten Lage desselben Tonnamens. |
| Oktavgattung | Wie sind Ganz- und Halbtonschritte geordnet? | Ein anderer Anfangston verschiebt die Stufenlage der Halbtöne. |
| Transposition | Auf welcher absoluten Tonhöhe liegt eine Struktur? | Die gesamte Intervallstruktur wird höher oder tiefer versetzt und bleibt dabei erhalten. |
c–d–e–f–g–a–h–c und d–e–f–g–a–h–c–d verwenden dieselbe Tonmenge, aber verschiedene Anfangstöne. Ihre Halbtonlagen sind verschieden: Das ist der Vergleich zweier Oktavgattungen.
Wird dagegen eine bereits festgelegte Intervallfolge insgesamt höher oder tiefer angesetzt, ohne ihre innere Reihenfolge zu verändern, handelt es sich um eine Transposition.
Antike Namen richtig einordnen
Im altgriechischen Tonsystem wurden Oktavgattungen Harmoniae genannt. Innerhalb eines größeren Tonsystems konnten verschiedene Oktavausschnitte unterschiedliche Intervallfolgen besitzen. Im Ausgangsmaterial werden e¹–e als dorisch und d¹–d als phrygisch bezeichnet.
Gleich klingende Namen können in verschiedenen Epochen etwas anderes meinen. Die antiken Bezeichnungen dorisch und phrygisch stimmen nicht einfach mit den gleichnamigen mittelalterlichen Kirchentönen überein.
Für singbare Lagen wurden Oktavgattungen auf andere Tonhöhen versetzt. Solche griechischen Transpositionsskalen heißen Tónoi oder Trópoi. Damit begegnen sich zwei Ebenen: Die Oktavgattung beschreibt die Intervallordnung, die Transposition verschiebt diese Ordnung in eine andere Tonlage.
Die genaue historische Abgrenzung zwischen griechischen Tonarten und Oktavgattungen ist in den überlieferten Darstellungen nicht in jedem Punkt sicher. Deshalb solltest du eine historische Bezeichnung immer zusammen mit ihrer Epoche und ihrer Intervallstruktur betrachten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Oktavgattungen
- Aufbau
- gleiche diatonische Tonmenge
- anderer Anfangston
- andere Halbtonlagen
- Abgrenzung
- Oktave als Tonabstand
- Transposition als Lagenwechsel
- Antike
- Harmoniae als Oktavgattungen
- Tónoi oder Trópoi als Transpositionsskalen
- Namen nur im historischen Kontext deuten
- Aufbau
Mit Google fortfahren