Physik

Allgemeines Gasgesetz einfach anwenden

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Das allgemeine Gasgesetz verbindet Druck, Volumen und absolute Temperatur einer abgeschlossenen Gasmenge. Für eine feste Stoffmenge eines idealen Gases gilt: $\frac{pV}{T}=\text{konstant}$. Damit kannst du einen unbekannten Gaszustand berechnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Welche Größen beschreiben ein Gas?

Ein Gaszustand wird durch mehrere Zustandsgrößen beschrieben:

  • Druck $p$: Kraft je Fläche, meist in Pascal oder Bar
  • Volumen $V$: verfügbarer Raum, etwa in Kubikmetern oder Litern
  • absolute Temperatur $T$: Temperatur in Kelvin
  • Stoffmenge $n$: Teilchenmenge in Mol

Die Zustandsgleichung des idealen Gases lautet:

$$pV=nRT$$

Dabei ist $R=8{,}314\,\mathrm{J/(mol\,K)}$ die universelle Gaskonstante. Verwendest du diesen Wert, setzt du den Druck in Pascal und das Volumen in Kubikmetern ein.

Definition

Ideales Gas

Ein ideales Gas ist ein vereinfachtes Modell. Seine Teilchen besitzen kein berücksichtigtes Eigenvolumen, ziehen sich nicht gegenseitig an und stoßen elastisch miteinander sowie mit den Wänden zusammen.

Warum du Kelvin brauchst

Gasgesetze beziehen sich auf den absoluten Nullpunkt. Deshalb setzt du Temperaturen nicht in Grad Celsius, sondern in Kelvin ein:

$$T\text{ in K}=\vartheta\text{ in }^\circ\mathrm{C}+273{,}15$$

Eine Temperaturänderung um $1\,\mathrm{K}$ ist genauso groß wie eine Änderung um $1\,{}^\circ\mathrm{C}$. Die Zahlenwerte der beiden Skalen unterscheiden sich jedoch um $273{,}15$.

Warum der absolute Druck zählt

Ein Manometer kann den Überdruck gegenüber der Umgebung anzeigen. In die Gasgleichung gehört dagegen der absolute Druck:

$$p_\mathrm{abs}=p_\mathrm{ü}+p_\mathrm{Umgebung}$$

Bei näherungsweise $1\,\mathrm{bar}$ Umgebungsdruck entsprechen $0{,}7\,\mathrm{bar}$ Überdruck also ungefähr $1{,}7\,\mathrm{bar}$ absolutem Druck.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Für Gasrechnungen wird die Temperatur in eingesetzt. Zeigt ein Manometer nur den Druckunterschied zur Umgebung, handelt es sich um den . In die Gasgleichung gehört der .

Lösungen: Lücke 1: Kelvin; Lücke 2: Überdruck; Lücke 3: absolute Druck. Kelvin bezieht sich auf den absoluten Nullpunkt. Der absolute Druck umfasst zusätzlich den Umgebungsdruck.
Welches Gasgesetz passt?

Für die folgenden Beziehungen müssen die Gasmenge konstant und das Idealmodell ausreichend genau sein.

Konstante GrößeZustandsänderungBeziehung
Temperatur $T$isotherm$p_1V_1=p_2V_2$
Druck $p$isobar$\frac{V_1}{T_1}=\frac{V_2}{T_2}$
Volumen $V$isochor$\frac{p_1}{T_1}=\frac{p_2}{T_2}$
keine der drei Größenallgemein$\frac{p_1V_1}{T_1}=\frac{p_2V_2}{T_2}$
Merke

Frage zuerst: Was bleibt konstant? Streiche diese Größe gedanklich aus dem allgemeinen Gasgesetz. So erhältst du den passenden Spezialfall.

So erkennst du die Zusammenhänge

  • Isotherm: Wird das Volumen halbiert, verdoppelt sich der Druck. Im $p$-$V$-Diagramm entsteht eine fallende Kurve.
  • Isobar: Bei konstantem Druck sind $V$ und $T$ proportional. Im $V$-$T$-Diagramm ergibt sich bei Kelvin-Temperaturen eine Gerade durch den Ursprung.
  • Isochor: Bei konstantem Volumen sind $p$ und $T$ proportional. Im $p$-$T$-Diagramm ergibt sich ebenfalls eine Gerade durch den Ursprung.
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEin verschlossener Zylinder wird bei gleichbleibender Temperatur zusammengedrückt. Welches Gesetz passt?
Lösung: Boyle–Mariotte: $pV=\text{konstant}$ — Bei konstanter Temperatur sind Druck und Volumen antiproportional.
Frage 2 von 2MittelEin flexibler, verschlossener Ballon wird erwärmt. Der Außendruck bleibt näherungsweise konstant. Welche Veränderung sagt das Modell voraus?
Lösung: Das Volumen nimmt proportional zur Kelvin-Temperatur zu. — Der Ballon kann sich ausdehnen. Deshalb ist der Vorgang näherungsweise isobar und $V/T$ bleibt konstant.
Wie rechnest du mit dem Gasgesetz?

Gehe immer in derselben Reihenfolge vor:

  1. Notiere Anfangs- und Endzustand.
  2. Prüfe, welche Größe konstant bleibt.
  3. Rechne Celsius in Kelvin um und verwende absolute Drücke.
  4. Wähle die passende Gleichung und stelle sie nach der gesuchten Größe um.
  5. Setze konsistente Einheiten ein.
  6. Prüfe Einheit, Richtung der Änderung und Plausibilität.

Beispiel 1: Allgemeine Zustandsänderung

Ein abgeschlossenes Gas hat anfangs $V_1=2{,}0\,\mathrm{L}$, $p_1=1{,}0\,\mathrm{bar}$ und $T_1=293\,\mathrm{K}$. Danach betragen die Temperatur $T_2=333\,\mathrm{K}$ und der Druck $p_2=1{,}2\,\mathrm{bar}$. Gesucht ist $V_2$.

Beispiel

Da weder Druck noch Temperatur konstant bleiben, gilt:

$$\frac{p_1V_1}{T_1}=\frac{p_2V_2}{T_2}$$

Nach $V_2$ umgestellt:

$$V_2=\frac{p_1V_1T_2}{T_1p_2}$$

Einsetzen:

$$V_2=\frac{1{,}0\,\mathrm{bar}\cdot2{,}0\,\mathrm{L}\cdot333\,\mathrm{K}}{293\,\mathrm{K}\cdot1{,}2\,\mathrm{bar}}\approx1{,}89\,\mathrm{L}$$

Die Einheiten Bar und Kelvin kürzen sich. Das Ergebnis ist plausibel: Die Erwärmung würde das Gas ausdehnen, der höhere Druck wirkt dieser Ausdehnung jedoch entgegen.

Beispiel 2: Zustandsgleichung mit Stoffmenge

In einem Behälter befinden sich $n=2{,}0\,\mathrm{mol}$ ideales Gas bei $T=300\,\mathrm{K}$. Das Volumen beträgt $V=0{,}050\,\mathrm{m^3}$. Gesucht ist der Druck.

Beispiel

Stelle $pV=nRT$ nach $p$ um:

$$p=\frac{nRT}{V}$$

Einsetzen:

$$p=\frac{2{,}0\,\mathrm{mol}\cdot8{,}314\,\mathrm{J/(mol\,K)}\cdot300\,\mathrm{K}}{0{,}050\,\mathrm{m^3}}=99\,768\,\mathrm{Pa}$$

Gerundet sind das $1{,}0\cdot10^5\,\mathrm{Pa}$ beziehungsweise ungefähr $1{,}0\,\mathrm{bar}$.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Gas nimmt bei $1{,}0\,\mathrm{bar}$ und konstanter Temperatur $3{,}0\,\mathrm{L}$ ein. Es wird auf $1{,}5\,\mathrm{L}$ verdichtet. Wie groß ist der Enddruck?
Lösung: $2{,}0\,\mathrm{bar}$ — Aus $p_1V_1=p_2V_2$ folgt $p_2=(1{,}0\,\mathrm{bar}\cdot3{,}0\,\mathrm{L})/(1{,}5\,\mathrm{L})=2{,}0\,\mathrm{bar}$.
Was erklärt das Teilchenmodell – und wo endet es?

Gasdruck entsteht, weil sich Teilchen ungeordnet bewegen und gegen die Gefäßwand stoßen. Dabei übertragen sie Impuls auf die Wand.

  • Erwärmen erhöht die mittlere kinetische Energie der Teilchen.
  • Bei festem Volumen führen stärkere Wandstöße zu höherem Druck.
  • Bei fester Temperatur führt ein kleineres Volumen zu häufigeren Wandstößen und damit zu höherem Druck.
  • Kann sich ein Behälter bei ungefähr konstantem Druck ausdehnen, wächst sein Volumen beim Erwärmen.

Die Temperatur beschreibt die mittlere kinetische Energie einer großen Teilchenmenge. Sie gibt nicht die Geschwindigkeit eines einzelnen Teilchens an: Die Teilchen besitzen unterschiedliche Geschwindigkeiten.

Gut zu wissen

Das ideale Gasgesetz ist eine Näherung. Reale Gase verhalten sich besonders bei hoher Temperatur und niedrigem Druck annähernd ideal. Bei hohem Druck oder tiefer Temperatur werden Eigenvolumen und Anziehung der Teilchen wichtig; außerdem können Phasenübergänge auftreten.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWarum steigt der Druck eines eingeschlossenen Gases beim Erwärmen, wenn das Volumen fest bleibt?
Lösung: Die Teilchen übertragen bei den Wandstößen im Mittel mehr Impuls. — Bei konstanter Teilchenzahl und festem Volumen erhöhen energiereichere Wandstöße den Druck.
Frage 2 von 2SchwerEin reales Gas wird stark verdichtet und gleichzeitig abgekühlt. Warum kann das ideale Gasgesetz ungenau werden?
Lösung: Teilcheneigenvolumen, Anziehung und mögliche Phasenübergänge werden bedeutsam. — Hohe Dichte und tiefe Temperatur verletzen die vereinfachenden Annahmen des Idealmodells.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Allgemeines Gasgesetz
    • Zustandsgrößen: Druck, Volumen, Temperatur und Stoffmenge
    • Grundgleichung: $pV=nRT$
    • Feste Gasmenge: $pV/T=\text{konstant}$
    • Spezialfälle: isotherm, isobar und isochor
    • Rechenregeln: Kelvin, absoluter Druck und konsistente Einheiten
    • Teilchenmodell: Wandstöße erzeugen Gasdruck
    • Grenze: reale Gase bei hoher Dichte und tiefer Temperatur
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Temperatur darfst du direkt in ein Gasgesetz einsetzen?
Lösung: $300\,\mathrm{K}$ — Gasgesetze verwenden die absolute Temperatur in Kelvin.
Frage 2 von 3MittelEin verschlossener flexibler Ballon hat bei konstantem Außendruck ein Volumen von $2{,}00\,\mathrm{L}$ bei $300\,\mathrm{K}$. Er kühlt auf $273\,\mathrm{K}$ ab. Welches Volumen sagt das Idealmodell voraus?
Lösung: $1{,}82\,\mathrm{L}$ — Isobar gilt $V_2=V_1T_2/T_1=2{,}00\,\mathrm{L}\cdot273/300=1{,}82\,\mathrm{L}$.
Frage 3 von 3SchwerEin Gas wird erwärmt. Sein Druck bleibt trotzdem gleich. Welche Erklärung passt?
Lösung: Das Gas kann sich ausdehnen, sodass die Zahl der Wandstöße je Fläche nicht entsprechend steigt. — Bei einer isobaren Erwärmung wächst das Volumen proportional zur absoluten Temperatur.

Du beherrschst den Kern, wenn du zuerst die konstanten Größen erkennst, anschließend Kelvin und absoluten Druck verwendest und dein Ergebnis mit dem Teilchenmodell auf Plausibilität prüfst.

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