Physik

Wärmelehre: Temperatur, Wärme und Energie verstehen

Wärmelehre: Temperatur, Wärme und Energie verstehen
Wärmelehre: Temperatur, Wärme und Energie verstehen
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Die Wärmelehre, auch Thermodynamik, untersucht Temperatur, Wärmeübertragung, innere Energie und Zustandsänderungen. Der wichtigste Unterschied lautet: Temperatur beschreibt einen Zustand; Wärme ist Energie, die wegen eines Temperaturunterschieds übertragen wird.

Auf dieser Seite lernst du die zentralen Zusammenhänge kennen, berechnest eine Erwärmung und wendest die Wärmelehre auf Alltagssituationen an.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Temperatur, Wärme und innere Energie unterscheiden

Warum wird deine kalte Hand auf einer warmen Heizung wärmer? Zwischen Hand und Heizung besteht ein Temperaturunterschied. Deshalb wird Energie von der wärmeren Heizung auf die kältere Hand übertragen.

Definition

Temperatur

Die Temperatur beschreibt den thermischen Zustand eines Körpers. Im einfachen Teilchenmodell entspricht eine höhere Temperatur einer stärkeren mittleren Teilchenbewegung. Die Temperatur ist keine Energiemenge.

Definition

Wärme

Wärme $Q$ ist Energie, die aufgrund eines Temperaturunterschieds übertragen wird. Sie wird in Joule ($\mathrm J$) angegeben. Wärme ist keine Substanz, die in einem Körper gespeichert wäre.

Definition

Innere Energie

Die innere Energie $U$ umfasst die Bewegungs- und Lageenergien der Teilchen eines Körpers. Wärmeübertragung oder mechanische Arbeit können sie verändern.

Ein großer Topf mit lauwarmem Wasser kann mehr innere Energie besitzen als eine kleine Tasse mit heißem Wasser. Die höhere Temperatur der Tasse bedeutet daher nicht automatisch, dass sie auch die größere innere Energie besitzt.

Merke

Temperatur beschreibt einen Zustand. Wärme beschreibt eine Energieübertragung. Innere Energie gehört zum betrachteten Körper oder System.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt Wärme richtig?
Lösung: Wärme ist Energie, die wegen eines Temperaturunterschieds übertragen wird. — Temperatur kennzeichnet einen Zustand; Wärme bezeichnet den Energieaustausch aufgrund eines Temperaturunterschieds.
Frage 2 von 2MittelEine warme Heizung berührt eine kältere Hand. Was geschieht zunächst?
Lösung: Energie wird als Wärme von der Heizung auf die Hand übertragen. — Ohne äußeren Zwang erfolgt die Wärmeübertragung vom wärmeren zum kälteren Körper.
Temperatur messen und Skalen nutzen

Das Wärmeempfinden deiner Haut ist unzuverlässig. Metall kann sich bei derselben Temperatur kälter als Holz anfühlen, weil es der Hand Energie schneller entzieht. Für eine verlässliche Aussage brauchst du deshalb ein Thermometer.

Bei normalem Luftdruck liegen der Gefrier- und der Siedepunkt von Wasser auf der Celsius-Skala bei $0\,{}^\circ\mathrm C$ und $100\,{}^\circ\mathrm C$. Die Kelvin-Skala beginnt am absoluten Nullpunkt. Zwischen Celsius- und Kelvin-Temperatur gilt:

$$T_\mathrm K=T_{{}^\circ\mathrm C}+273{,}15$$

Ein Temperaturunterschied von $1\,\mathrm K$ ist genauso groß wie ein Unterschied von $1\,{}^\circ\mathrm C$. Kelvin wird jedoch ohne Gradzeichen geschrieben.

Beispiel

Ein Raum hat eine Temperatur von $20\,{}^\circ\mathrm C$.

$$T=20+273{,}15=293{,}15\,\mathrm K$$

Die Raumtemperatur beträgt also $293{,}15\,\mathrm K$.

Beim Erwärmen dehnen sich viele Stoffe aus. Ein Bimetallstreifen besteht aus zwei fest verbundenen Metallen, die sich unterschiedlich stark ausdehnen. Dadurch biegt er sich und kann beispielsweise einen Temperaturschalter betätigen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Kelvin-Temperatur entspricht $0\,{}^\circ\mathrm C$?
Lösung: $273{,}15\,\mathrm K$ — Zur Celsius-Temperatur werden $273{,}15$ addiert: $0+273{,}15=273{,}15$.
Erwärmungen mit der Wärmekapazität berechnen

Gleich schwere Stoffportionen können sich bei derselben Energiezufuhr unterschiedlich stark erwärmen. Dafür ist die spezifische Wärmekapazität $c$ entscheidend. Sie gibt an, wie viel Energie nötig ist, um ein Kilogramm eines Stoffes um ein Kelvin zu erwärmen.

Für eine Erwärmung ohne Phasenwechsel gilt:

$$Q=c\cdot m\cdot\Delta T$$

Dabei bedeuten:

  • $Q$: übertragene Wärmeenergie in Joule ($\mathrm J$),
  • $c$: spezifische Wärmekapazität in $\mathrm{J/(kg\cdot K)}$,
  • $m$: Masse in Kilogramm ($\mathrm{kg}$),
  • $\Delta T$: Temperaturänderung in Kelvin ($\mathrm K$).

Für Wasser kann näherungsweise $c=4180\,\mathrm{J/(kg\cdot K)}$ verwendet werden.

Beispiel

Wie viel Energie benötigt man, um $2\,\mathrm{kg}$ Wasser von $20\,{}^\circ\mathrm C$ auf $80\,{}^\circ\mathrm C$ zu erwärmen?

1. Temperaturänderung bestimmen

$$\Delta T=80\,{}^\circ\mathrm C-20\,{}^\circ\mathrm C=60\,\mathrm K$$

Bei Temperaturunterschieden haben Kelvin und Grad Celsius denselben Zahlenwert.

2. Werte einsetzen

$$Q=4180\,\frac{\mathrm J}{\mathrm{kg\cdot K}}\cdot2\,\mathrm{kg}\cdot60\,\mathrm K$$

3. Einheiten und Ergebnis prüfen

Kilogramm und Kelvin kürzen sich. Es bleibt Joule:

$$Q=501600\,\mathrm J\approx502000\,\mathrm J=502\,\mathrm{kJ}$$

Zum Erwärmen werden ungefähr $502\,\mathrm{kJ}$ benötigt.

Merke

Die Formel $Q=c\cdot m\cdot\Delta T$ gilt hier nur für eine Temperaturänderung ohne Schmelzen, Sieden oder einen anderen Phasenwechsel.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDieselbe Wassermenge soll statt um $20\,\mathrm K$ um $40\,\mathrm K$ erwärmt werden. Wie ändert sich die benötigte Energie?
Lösung: Sie verdoppelt sich. — Wird nur die Temperaturänderung verdoppelt, verdoppelt sich auch die benötigte Energie.
Frage 2 von 2SchwerZwei Körper aus unterschiedlichen Stoffen haben dieselbe Masse und erhalten dieselbe Energie. Warum können sie sich unterschiedlich stark erwärmen?
Lösung: Ihre spezifischen Wärmekapazitäten können verschieden sein. — Aus $\Delta T=Q/(c\cdot m)$ folgt: Bei gleichem $Q$ und $m$ führt ein anderes $c$ zu einer anderen Temperaturänderung.
Aggregatzustände und Phasenübergänge erklären

Im einfachen Teilchenmodell bestehen Stoffe aus sehr kleinen Teilchen. Das Modell hilft dir, die Zustände fest, flüssig und gasförmig zu unterscheiden.

AggregatzustandAnordnungBewegung
festdicht und geordnetSchwingung um feste Plätze
flüssigdicht, aber weniger geordnetTeilchen bewegen sich gegeneinander
gasförmiggroße mittlere Abständeweitgehend freie Bewegung

Beim Verdampfen werden die Teilchen nicht größer. Stattdessen wächst ihr mittlerer Abstand. Ein Modellteilchen ist außerdem nicht einfach ein winziges Stück des sichtbaren Stoffes.

Bei einem Phasenübergang wird Energie aufgenommen oder abgegeben. Beim Schmelzen oder Sieden kann die Temperatur bei konstantem Druck zunächst gleich bleiben: Die zugeführte Energie verändert dann den Stoffzustand. Diese Energieübertragung wird als latente Wärme bezeichnet.

Beispiel

Eis am Schmelzpunkt erhält Energie. Solange noch Eis und flüssiges Wasser nebeneinander vorhanden sind, dient die Energie dem Schmelzen. Erst nach dem vollständigen Schmelzen steigt die Temperatur des flüssigen Wassers bei weiterer Energiezufuhr wieder an.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas verändert sich beim Verdampfen im einfachen Teilchenmodell vor allem?
Lösung: Der mittlere Abstand zwischen den Teilchen wird größer. — Dieselben Stoffteilchen werden im gasförmigen Zustand mit größeren mittleren Abständen dargestellt.
Frage 2 von 2MittelWarum steigt die Temperatur während eines Phasenübergangs nicht unbedingt an, obwohl Energie zugeführt wird?
Lösung: Die Energie wird für die Zustandsänderung benötigt. — Am Schmelz- oder Siedepunkt kann zugeführte Energie den Teilchenverband verändern, ohne gleichzeitig die Temperatur zu erhöhen.
Drei Wege des Wärmetransports erkennen

Wärme kann auf drei grundlegenden Wegen übertragen werden. Mehrere Wege können gleichzeitig auftreten.

Wärmeleitung

Bei der Wärmeleitung wird Energie innerhalb eines Stoffes weitergegeben. Ein Metalllöffel im heißen Tee wird deshalb bis zum Stiel warm. Metall leitet Wärme besser als Holz oder Luft.

Konvektion

Bei der Konvektion transportiert eine Strömung in einer Flüssigkeit oder einem Gas Energie. Erwärmte Luft dehnt sich aus, ihre Dichte sinkt und sie steigt gegenüber dichterer kalter Luft auf. Am Heizkörper entsteht so eine Luftströmung.

Wärmestrahlung

Wärmestrahlung ist elektromagnetische Strahlung. Sie benötigt keinen Stoff und kann sich deshalb auch durch das Vakuum ausbreiten. Sonnenstrahlung kann so die Erde erwärmen.

Merke

Leitung überträgt Energie innerhalb von Stoffen. Konvektion ist mit einer Stoffströmung verbunden. Strahlung funktioniert auch ohne Materie.

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Frage 1 von 2MittelDie Sonne erwärmt deine Haut. Welcher Übertragungsweg bringt die Energie durch den nahezu leeren Weltraum?
Lösung: Wärmestrahlung — Elektromagnetische Wärmestrahlung kann sich auch im Vakuum ausbreiten.
Frage 2 von 2SchwerIn einem Topf wird Wasser von unten erwärmt. Welche Beobachtung spricht besonders für Konvektion?
Lösung: Erwärmtes Wasser steigt auf, während kühleres Wasser absinkt. — Die auf- und absteigenden Flüssigkeitsbereiche bilden eine Strömung und transportieren Energie.
Energie erhalten und Wärmeflüsse beurteilen

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik überträgt die Energieerhaltung auf thermodynamische Systeme. Wärmeübertragung und mechanische Arbeit können die innere Energie verändern. Verwendet man $W$ für die vom System verrichtete Arbeit, gilt:

$$\Delta U=Q-W$$

Führt man einem System Wärme $Q$ zu, kann seine innere Energie steigen. Verrichtet das System Arbeit an seiner Umgebung, wird dafür Energie abgegeben.

Beim Aufpumpen eines Fahrradreifens wird dagegen Arbeit an der eingeschlossenen Luft verrichtet. Ihre innere Energie und meist auch ihre Temperatur steigen.

Der zweite Hauptsatz beschreibt die Richtung eines spontanen Wärmeflusses: Wärme wird von selbst vom wärmeren zum kälteren System übertragen, bis thermisches Gleichgewicht erreicht ist. Im thermischen Gleichgewicht haben die beteiligten Systeme dieselbe Temperatur.

Beispiel

Heißer Kaffee steht in einem kühleren Raum. Energie wird als Wärme vom Kaffee an Tasse und Umgebung übertragen. Der Kaffee kühlt ab, bis sich seine Temperatur der Umgebungstemperatur angenähert hat. Der umgekehrte Ablauf geschieht nicht von selbst.

Wärmekraftmaschinen wandeln einen Teil zugeführter Energie in mechanische Arbeit um. Motoren und Dampfmaschinen sind Beispiele. Kühlschränke und Wärmepumpen nutzen mechanische Arbeit, um Wärme aus einem kälteren Bereich aufzunehmen und an einen wärmeren Bereich abzugeben.

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Frage 1 von 2MittelEin Gas nimmt $500\,\mathrm J$ Wärme auf und verrichtet $200\,\mathrm J$ Arbeit. Wie ändert sich seine innere Energie nach $\Delta U=Q-W$?
Lösung: Sie steigt um $300\,\mathrm J$. — Einsetzen ergibt $\Delta U=500\,\mathrm J-200\,\mathrm J=300\,\mathrm J$.
Frage 2 von 2SchwerWarum widerspricht ein Kühlschrank nicht der Richtung des spontanen Wärmeflusses?
Lösung: Er nutzt mechanische Arbeit, um Wärme vom kälteren in den wärmeren Bereich zu übertragen. — Der Kühlschrank transportiert Wärme mithilfe zugeführter Arbeit und gibt sie an die wärmere Umgebung ab.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wärmelehre
    • Temperatur beschreibt den thermischen Zustand
    • Wärme überträgt Energie bei Temperaturunterschieden
    • Innere Energie verändert sich durch Wärme und Arbeit
    • Wärmekapazität bestimmt die Energie für eine Erwärmung
    • Phasenübergänge können bei gleichbleibender Temperatur ablaufen
    • Wärmetransport erfolgt durch Leitung, Konvektion oder Strahlung
    • Energie bleibt erhalten
    • Spontane Wärmeübertragung verläuft von warm nach kalt
Abschluss-Check
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Frage 1 von 5LeichtWelche Größe ist eine Energieübertragung und keine Zustandsgröße?
Lösung: Wärme — Wärme bezeichnet Energie, die aufgrund eines Temperaturunterschieds übertragen wird.
Frage 2 von 5MittelWie viel Energie benötigt $1\,\mathrm{kg}$ Wasser mit $c=4180\,\mathrm{J/(kg\cdot K)}$ für eine Erwärmung um $10\,\mathrm K$?
Lösung: $41800\,\mathrm J$ — $Q=c\cdot m\cdot\Delta T=4180\cdot1\cdot10\,\mathrm J=41800\,\mathrm J$.
Frage 3 von 5MittelEin Metalllöffel wird im heißen Tee am Griff warm. Welcher Vorgang erklärt dies hauptsächlich?
Lösung: Wärmeleitung — Wärmeleitung transportiert Energie durch den Stoff des Löffels bis zum Griff.
Frage 4 von 5SchwerEin Stoff wird gleichmäßig beheizt, doch seine Temperatur bleibt eine Zeit lang konstant. Welche begründete Deutung passt?
Lösung: Es kann ein Phasenübergang stattfinden, bei dem die Energie den Stoffzustand verändert. — Ein Temperaturplateau kann auf Schmelzen oder Sieden hindeuten: Die zugeführte Energie wird dann für die Zustandsänderung benötigt.
Frage 5 von 5SchwerEine Thermoskanne soll den Energieaustausch möglichst verringern. Warum muss ihre Konstruktion mehrere Übertragungswege berücksichtigen?
Lösung: Leitung, Konvektion und Strahlung können gleichzeitig zum Wärmetransport beitragen. — Eine wirksame Dämmung begrenzt die möglichen Wege jeweils passend, weil keiner der drei Mechanismen die beiden anderen grundsätzlich ausschließt.

Wenn du Temperatur, Wärme und innere Energie sicher trennst, kannst du viele Wärmevorgänge systematisch untersuchen: Bestimme zuerst die beteiligten Systeme und ihre Temperaturen. Entscheide dann, wie Energie übertragen wird und ob sie die Temperatur, den Stoffzustand oder die mechanische Arbeit verändert.

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