Physik

Innere Energie verstehen und berechnen

Innere Energie verstehen und berechnen
Innere Energie verstehen und berechnen
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Die innere Energie $U$ ist die gesamte mikroskopisch gespeicherte Energie eines Systems. Sie steckt unter anderem in den Bewegungen, Wechselwirkungen und Bindungen seiner Teilchen. Wärme oder Arbeit können die innere Energie verändern.

Auf dieser Seite lernst du, innere Energie von Temperatur und Wärme zu unterscheiden, Energieänderungen zu erklären und einfache Erwärmungsvorgänge zu berechnen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was zur inneren Energie gehört

Bevor du eine Energieänderung untersuchst, legst du das System fest. Das kann zum Beispiel ein Gas in einem Behälter oder das Wasser in einem Glas sein. Die gedachte oder wirkliche Begrenzung heißt Systemgrenze.

Definition

Innere Energie

Die innere Energie $U$ ist die Summe der mikroskopischen Energien innerhalb eines Systems. Ihre Einheit ist Joule ($\mathrm J$).

Zur inneren Energie können gehören:

  • die kinetische Energie der Teilchen bei Translation, Rotation und Schwingung;
  • die potenzielle Energie aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Teilchen;
  • Energie in chemischen und anderen Bindungen.

Nicht dazu gehören die Bewegung und die Lage des Systems als Ganzes. Ein Gasbehälter besitzt im fahrenden Zug Bewegungsenergie. Diese makroskopische Energie ist aber nicht Teil der inneren Energie des Gases. Auch das Hochstellen des Behälters auf ein Regal vergrößert seine Lageenergie gegenüber der Erde, nicht automatisch seine innere Energie.

Merke

Innen oder außen? Frage, ob die Energie zu den Teilchen und ihren Wechselwirkungen innerhalb des Systems gehört oder zur Bewegung beziehungsweise Lage des gesamten Systems.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Energie gehört zur inneren Energie eines Gases?
Lösung: Die ungeordnete Bewegung seiner Teilchen — Zur inneren Energie zählen mikroskopische Teilchenenergien. Bewegung und Lage des Gesamtsystems werden getrennt betrachtet.
Temperatur, Wärme und innere Energie unterscheiden

Die drei Begriffe hängen zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe.

BegriffBedeutungMengenabhängig?
Temperatur $T$beschreibt den thermischen Zustand und hängt bei Gasen mit der mittleren kinetischen Energie der Teilchen zusammennein
Innere Energie $U$im System gespeicherte mikroskopische Energieja
Wärme $Q$Energie, die wegen eines Temperaturunterschieds über eine Systemgrenze übertragen wirdist ein Übertragungsvorgang

Ein Körper besitzt innere Energie, aber er „besitzt“ keine Wärme. Wärme bezeichnet Energie während der Übertragung.

Beispiel

Ein Behälter enthält $1\,\mathrm l$ Wasser bei $30\,^{\circ}\mathrm C$. Gibst du weitere $1\,\mathrm l$ Wasser derselben Temperatur hinzu, bleibt die Temperatur bei $30\,^{\circ}\mathrm C$. Masse und innere Energie verdoppeln sich jedoch.

Die Temperatur allein verrät also nicht, wie viel innere Energie insgesamt vorhanden ist.

Wärme fließt von selbst von einem Körper höherer Temperatur zu einem Körper niedrigerer Temperatur. Der Austausch endet im thermischen Gleichgewicht, wenn beide dieselbe Temperatur erreicht haben.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtZwei gleichartige Wassermengen haben dieselbe Temperatur. Die zweite Menge besitzt die doppelte Masse. Welche Aussage passt?
Lösung: Die zweite Wassermenge besitzt die doppelte innere Energie. — Bei gleichem Stoff, Aggregatzustand und gleicher Temperatur wächst die innere Energie mit der Stoffmenge.
Frage 2 von 2MittelHeißer Tee steht in einem kühleren Raum. Was geschieht von selbst?
Lösung: Energie wird als Wärme vom Tee an die Umgebung übertragen. — Übertragen wird Energie als Wärme. Temperatur ist eine Zustandsgröße und kein übertragener Stoff.
Wie Wärme und Arbeit die innere Energie verändern

Meist interessiert nicht der schwer bestimmbare absolute Wert von $U$, sondern seine Änderung:

$$\Delta U=U_2-U_1$$

Für die hier verwendete Vorzeichenregel gilt der erste Hauptsatz:

$$\Delta U=Q+W$$

Dabei bedeutet:

  • $Q>0$: Dem System wird Wärme zugeführt.
  • $Q<0$: Das System gibt Wärme ab.
  • $W>0$: An dem System wird Arbeit verrichtet.
  • $W<0$: Das System verrichtet Arbeit an seiner Umgebung.

Sowohl Wärmezufuhr als auch Arbeit am System können seine innere Energie erhöhen. Beispiele für Arbeit am System sind das Komprimieren eines Gases und das Umrühren von Wasser.

Beispiel

Ein Gas wird zusammengedrückt, ohne dabei Wärme mit der Umgebung auszutauschen. Dann ist $Q=0$ und die Arbeit am Gas positiv. Aus $\Delta U=Q+W$ folgt $\Delta U>0$: Die innere Energie steigt.

Wird weder Wärme noch Arbeit über die Systemgrenze übertragen, gilt $Q=0$ und $W=0$. Dann bleibt die innere Energie konstant.

Gut zu wissen

Die Vorzeichen von $Q$ und $W$ hängen von der vereinbarten Konvention ab. Hier zählen Wärme zum System und Arbeit am System positiv. Entscheidend ist, eine Konvention konsequent zu verwenden.

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Frage 1 von 1MittelEin Gas wird komprimiert, während kein Wärmeaustausch stattfindet. Was folgt bei der hier verwendeten Vorzeichenregel?
Lösung: Die innere Energie nimmt zu, weil Arbeit am Gas verrichtet wird. — Mit $Q=0$ und $W>0$ ergibt der erste Hauptsatz $\Delta U=W>0$.
Wie du eine Erwärmung berechnest

Bei einer Erwärmung ohne Phasenwechsel kann die Änderung der inneren Energie im verwendeten Modell berechnet werden mit

$$\Delta U=m\,c\,\Delta T$$

Die Größen bedeuten:

  • $m$: Masse in Kilogramm;
  • $c$: spezifische Wärmekapazität in $\mathrm{kJ/(kg\,K)}$ oder $\mathrm{J/(kg\,K)}$;
  • $\Delta T=T_2-T_1$: Temperaturänderung in Kelvin;
  • $\Delta U$: Änderung der inneren Energie.

Die spezifische Wärmekapazität $c$ gibt an, wie viel Energie nötig ist, um $1\,\mathrm{kg}$ eines Stoffes um $1\,\mathrm K$ zu erwärmen.

Für Temperaturunterschiede gilt: Eine Änderung um $1\,^{\circ}\mathrm C$ ist genauso groß wie eine Änderung um $1\,\mathrm K$. Deshalb entsprechen $50\,^{\circ}\mathrm C-25\,^{\circ}\mathrm C$ genau $25\,\mathrm K$.

Beispiel

$2\,\mathrm{kg}$ Wasser werden von $25\,^{\circ}\mathrm C$ auf $50\,^{\circ}\mathrm C$ erwärmt. Es gilt $c=4{,}2\,\mathrm{kJ/(kg\,K)}$.

1. Temperaturänderung bestimmen

$$\Delta T=50\,^{\circ}\mathrm C-25\,^{\circ}\mathrm C=25\,\mathrm K$$

2. Werte mit Einheiten einsetzen

$$\Delta U=2\,\mathrm{kg}\cdot4{,}2\,\frac{\mathrm{kJ}}{\mathrm{kg\,K}}\cdot25\,\mathrm K$$

3. Einheiten kürzen und rechnen

$$\Delta U=210\,\mathrm{kJ}$$

Die innere Energie des Wassers steigt um $210\,\mathrm{kJ}$. Das positive Ergebnis passt zur Erwärmung.

Du kannst die Gleichung auch nach einer gesuchten Größe umstellen. Für die spezifische Wärmekapazität gilt:

$$c=\frac{\Delta U}{m\,\Delta T}$$

Beispiel

Ein ideales Gas mit $m=4{,}5\,\mathrm{kg}$ wird um $30\,\mathrm K$ erwärmt. Dabei steigt seine innere Energie um $189\,\mathrm{kJ}$.

$$c=\frac{189\,\mathrm{kJ}}{4{,}5\,\mathrm{kg}\cdot30\,\mathrm K}=1{,}4\,\mathrm{kJ/(kg\,K)}$$

Die Einheiten zeigen, dass das Ergebnis eine spezifische Wärmekapazität ist.

Merke

Verwende $\Delta U=m\,c\,\Delta T$ nur für den beschriebenen Erwärmungs- oder Abkühlungsvorgang ohne Phasenwechsel und mit passendem konstantem oder mittlerem Wert von $c$.

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Frage 1 von 2MittelZwei gleich schwere Portionen unterschiedlicher Stoffe werden um denselben Temperaturbetrag erwärmt. Wovon hängt der unterschiedliche Energiebedarf ab?
Lösung: Von ihrer spezifischen Wärmekapazität — Aus $\Delta U=m\,c\,\Delta T$ folgt: Sind $m$ und $\Delta T$ gleich, bestimmt die spezifische Wärmekapazität den Energiebedarf.
Frage 2 von 2SchwerBei gleichbleibendem $c$ werden Masse und Temperaturänderung jeweils verdoppelt. Wie verändert sich $\Delta U$?
Lösung: Die Änderung der inneren Energie vervierfacht sich. — Weil $\Delta U$ proportional zu $m$ und zu $\Delta T$ ist, ergibt sich insgesamt der Faktor vier.
Warum die Temperatur beim Phasenwechsel gleich bleiben kann

Beim Schmelzen, Verdampfen oder Sublimieren wird Energie aufgenommen. Trotzdem kann die Temperatur während des Übergangs zunächst gleich bleiben.

Die zugeführte Energie vergrößert dann nicht vor allem die Bewegungsenergie der Teilchen. Sie verändert ihre Bindungen und damit den potenziellen Anteil der inneren Energie. Beim Erstarren oder Kondensieren wird entsprechend Energie frei.

Beispiel

Eis und flüssiges Wasser können beide eine Temperatur von $0\,^{\circ}\mathrm C$ haben. Bei gleicher Masse besitzt das flüssige Wasser dennoch eine größere innere Energie. Für den Übergang vom festen zum flüssigen Zustand wurde Energie aufgenommen, obwohl die Temperatur während des Schmelzens gleich blieb.

Darum ist die Formel $\Delta U=m\,c\,\Delta T$ während eines Phasenwechsels nicht ausreichend. Bei $\Delta T=0$ würde sie keine Änderung anzeigen, obwohl sich die innere Energie tatsächlich verändert.

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Frage 1 von 1MittelEis schmilzt bei gleichbleibender Temperatur. Was geschieht mit der zugeführten Energie?
Lösung: Sie verändert Bindungen und erhöht die innere Energie. — Beim Phasenwechsel verändert die Energie vor allem den potenziellen und bindungsbezogenen Anteil der inneren Energie.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Innere Energie $U$
    • umfasst mikroskopische Bewegungs-, potenzielle und Bindungsenergie
    • ist von Bewegung und Lage des Gesamtsystems zu unterscheiden
    • ändert sich durch Wärme $Q$ und Arbeit $W$
    • lässt sich bei einfacher Erwärmung mit $m\,c\,\Delta T$ bestimmen
    • kann sich beim Phasenwechsel trotz gleichbleibender Temperatur ändern
    • hängt anders als die Temperatur von der Stoffmenge ab
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage unterscheidet Wärme korrekt von innerer Energie?
Lösung: Wärme ist Energie während der Übertragung; innere Energie ist im System gespeichert. — Ein System besitzt innere Energie. Wärme wird aufgrund eines Temperaturunterschieds über seine Grenze übertragen.
Frage 2 von 3MittelWann darfst du $\Delta U=m\,c\,\Delta T$ für den beschriebenen Erwärmungsvorgang verwenden?
Lösung: Wenn kein Phasenwechsel stattfindet und ein passender konstanter oder mittlerer Wert von $c$ gilt — Prüfe vor dem Rechnen den Aggregatzustand, den Geltungsbereich von $c$ und die Einheiten.
Frage 3 von 3SchwerEin Behälter mit Eis nimmt Energie auf. Die Temperatur bleibt zunächst gleich, während das Eis schmilzt. Welche Schlussfolgerung ist richtig?
Lösung: Die innere Energie steigt, weil sich Bindungs- und potenzielle Energieanteile verändern. — Das Beispiel zeigt die Grenze der Gleichsetzung von Temperaturanstieg und Zunahme der inneren Energie.

Du kannst innere Energie nun mikroskopisch erklären, von Temperatur und Wärme abgrenzen sowie Änderungen durch Wärme, Arbeit, Erwärmung und Phasenwechsel beurteilen.

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