Physik

Diagramme auswerten: Messdaten sicher deuten

Diagramme auswerten: Messdaten sicher deuten
Diagramme auswerten: Messdaten sicher deuten
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Ein physikalisches Diagramm zeigt den Zusammenhang zwischen zwei Größen. Um es auszuwerten, liest du zuerst Achsen und Einheiten, beurteilst dann den Verlauf und gewinnst daraus Werte oder physikalische Aussagen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zuerst die Achsen lesen

Bevor du einzelne Punkte untersuchst, klärst du drei Fragen:

  1. Welche Größe steht auf der horizontalen Rechtswertachse?
  2. Welche Größe steht auf der vertikalen Hochwertachse?
  3. In welchen Einheiten sind die Größen angegeben?

Bei einem $t$-$\Delta x$-Diagramm steht die Zeit $t$ auf der horizontalen und der zurückgelegte Weg $\Delta x$ auf der vertikalen Achse. Ein Punkt $(20\,\mathrm{s}|180\,\mathrm{m})$ bedeutet: Nach $20\,\mathrm{s}$ wurden $180\,\mathrm{m}$ zurückgelegt.

Definition

Messwertpaar

Ein Messwertpaar besteht aus zwei zusammengehörigen Werten. Im Diagramm wird es als Messpunkt eingetragen.

Werden die Achsen vertauscht, ändert sich auch die Bedeutung der Punkte. In einem $\Delta x$-$t$-Diagramm läge der Weg auf der horizontalen und die Zeit auf der vertikalen Achse.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas bedeutet der Punkt $(30\,\mathrm{s}|270\,\mathrm{m})$ in einem $t$-$\Delta x$-Diagramm?
Lösung: Nach 30 Sekunden wurden 270 Meter zurückgelegt. — Ein Punkt ordnet dem horizontalen Wert den zugehörigen vertikalen Wert zu. Er beschreibt noch nicht automatisch eine konstante Geschwindigkeit.
Den passenden Graphen erkennen

Messpunkte liegen wegen unvermeidbarer Messabweichungen oft nicht genau auf einer idealen Linie. Verbinde sie deshalb nicht nacheinander zu einer Zickzacklinie. Diese würde zufällige Abweichungen wie echte Richtungswechsel aussehen lassen.

Definition

Ausgleichsgerade

Eine Ausgleichsgerade beschreibt einen annähernd geradlinigen Zusammenhang. Sie verläuft möglichst nahe an den Messpunkten und gleicht Abweichungen nach oben und unten aus.

Definition

Ausgleichskurve

Eine Ausgleichskurve beschreibt einen erkennbar gekrümmten Zusammenhang. Auch sie folgt dem allgemeinen Verlauf, statt jeden Messpunkt genau zu treffen.

Für die Entscheidung betrachtest du alle Punkte gemeinsam:

  • Liegen sie ungefähr entlang einer Geraden, passt eine Ausgleichsgerade.
  • Bilden sie einen gekrümmten Verlauf, passt eine Ausgleichskurve.
  • Weicht ein einzelner Punkt stark ab, prüfst du zuerst, ob er falsch eingetragen wurde oder ein Messfehler vorliegen könnte.
Beispiel

Für die Zeiten $0$, $10$, $20$, $30$, $40$ und $50\,\mathrm{s}$ wurden die Wege $0$, $90$, $180$, $270$, $350$ und $455\,\mathrm{m}$ gemessen. Die Punkte liegen annähernd auf einer Geraden. Eine Ausgleichsgerade zeigt den Zusammenhang daher sinnvoller als eine Zickzackverbindung.

Merke

Der Graph zeigt den erkennbaren Zusammenhang der gesamten Messreihe. Er muss nicht jeden Messpunkt exakt treffen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Darstellung passt zu annähernd geradlinig angeordneten Messpunkten?
Lösung: Eine Ausgleichsgerade nahe an allen Punkten — Entscheidend ist der gemeinsame Verlauf aller Messpunkte. Bei einem annähernd linearen Muster verwendest du eine Ausgleichsgerade.
Zwischenwerte im Messbereich bestimmen
Definition

Interpolation

Interpolation bedeutet, mithilfe des Graphen einen Zwischenwert innerhalb des gemessenen Bereichs zu bestimmen.

Ist ein Wert auf der horizontalen Achse gegeben, gehst du so vor:

  1. Suche den gegebenen Wert auf der horizontalen Achse.
  2. Gehe senkrecht bis zum Graphen.
  3. Gehe von dort waagerecht zur vertikalen Achse.
  4. Lies den gesuchten Wert mit Einheit ab.

Suchst du umgekehrt den horizontalen Wert, beginnst du auf der vertikalen Achse: waagerecht zum Graphen, dann senkrecht zur horizontalen Achse.

Beispiel

Im $t$-$\Delta x$-Diagramm der Autofahrt liegt $t=25\,\mathrm{s}$ zwischen den Messwerten für $20$ und $30\,\mathrm{s}$. An der Ausgleichsgeraden lässt sich ungefähr $\Delta x=225\,\mathrm{m}$ ablesen.

Das Ergebnis ist ein Näherungswert, weil es aus einem Graphen mit streuenden Messpunkten gewonnen wird.

Bei einem gekrümmten Weg-Zeit-Verlauf wurden für $t=50\,\mathrm{s}$ ein Weg von $625\,\mathrm{m}$ und für $t=60\,\mathrm{s}$ ein Weg von $900\,\mathrm{m}$ dargestellt. An der Ausgleichskurve ergibt sich für $55\,\mathrm{s}$ ungefähr $750\,\mathrm{m}$. Du darfst also auch an einer Kurve interpolieren.

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Frage 1 von 1MittelDu suchst in einem $t$-$\Delta x$-Diagramm den Weg bei $t=35\,\mathrm{s}$. Wie gehst du vor?
Lösung: Von 35 s senkrecht zum Graphen und dann waagerecht zur Wegachse — Bei gegebenem horizontalem Wert gehst du senkrecht zum Graphen und anschließend waagerecht zur vertikalen Achse.
Steigung und Proportionalität deuten

Eine steigende Gerade zeigt: Wenn die Größe auf der horizontalen Achse zunimmt, nimmt auch die Größe auf der vertikalen Achse zu. Wie stark sie zunimmt, beschreibt die Steigung.

Für zwei Punkte auf einer Geraden gilt:

$$C=\frac{\Delta y}{\Delta x}$$

Bei einem direkt proportionalen Zusammenhang verläuft die Gerade durch den Ursprung und es gilt:

$$y=C\cdot x$$

$C$ ist die Proportionalitätskonstante. Ihre Einheit ergibt sich aus „Einheit von $y$ geteilt durch Einheit von $x$“.

Beispiel

In der Weg-Zeit-Messreihe gehören näherungsweise $20\,\mathrm{s}$ und $180\,\mathrm{m}$ zusammen. Für eine Gerade durch den Ursprung ergibt sich:

$$C=\frac{180\,\mathrm{m}}{20\,\mathrm{s}}=9\,\mathrm{m/s}$$

Im Weg-Zeit-Diagramm hat die Steigung die Bedeutung einer Geschwindigkeit. Mit $\Delta x=C\cdot t$ erhältst du beispielsweise für $t=35\,\mathrm{s}$:

$$\Delta x=9\,\mathrm{m/s}\cdot35\,\mathrm{s}=315\,\mathrm{m}$$

Das liegt nahe beim ungefähr abgelesenen Wert von $310\,\mathrm{m}$. Die kleine Abweichung passt dazu, dass die Messpunkte nicht exakt auf einer Geraden liegen.

Gut zu wissen

Die Bedeutung einer Steigung hängt von den Achsengrößen ab. Im Weg-Zeit-Diagramm bedeutet sie Geschwindigkeit. In einem anderen Diagramm kann derselbe mathematische Quotient eine andere physikalische Bedeutung und Einheit haben.

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Frage 1 von 2MittelEine direkte proportionale Gerade verdoppelt ihren horizontalen Wert. Was geschieht mit dem vertikalen Wert?
Lösung: Er verdoppelt sich ebenfalls. — Bei $y=Cx$ bleibt $C$ konstant. Wird $x$ verdoppelt, wird deshalb auch $y$ verdoppelt.
Frage 2 von 2SchwerZwei Weg-Zeit-Geraden beginnen im Ursprung. Gerade A ist steiler als Gerade B. Was folgt?
Lösung: Bei gleicher Zeit ist die Geschwindigkeit bei A größer. — Im Weg-Zeit-Diagramm entspricht die Steigung der Geschwindigkeit. Eine größere Steigung bedeutet eine größere Geschwindigkeit.
Grenzen und typische Fehler beachten
Definition

Extrapolation

Extrapolation bedeutet, einen Graphen über den gemessenen Bereich hinaus zu verwenden, um dort Werte vorherzusagen.

Interpolation bleibt innerhalb der untersuchten Messwerte. Eine weitreichende Extrapolation ist dagegen in der Regel nicht zulässig: Außerhalb des Messbereichs kann sich der physikalische Zusammenhang ändern. Eine Ausgleichsgerade oder -kurve darf deshalb höchstens ein kleines Stück über die äußeren Messpunkte hinausgeführt werden.

Achte außerdem auf diese Fehlerquellen:

  • Achsen verwechselt: Prüfe Reihenfolge, Größe und Einheit.
  • Zickzacklinie gezeichnet: Suche stattdessen den gemeinsamen Verlauf.
  • Einzelnen Ausreißer ungeprüft übernommen: Kontrolliere Eintragung und möglichen Messfehler.
  • Zu genau abgelesen: Ein grafisch ermittelter Zwischenwert ist meist nur ein Näherungswert.
  • Steigung ohne Einheit angegeben: Teile auch die Einheiten der beiden Achsengrößen.
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Frage 1 von 1MittelDie Messwerte reichen von $0$ bis $60\,\mathrm{s}$. Welche Aussage ist am zuverlässigsten?
Lösung: Ein Wert bei 55 s kann innerhalb des Messbereichs interpoliert werden. — Interpolation nutzt den untersuchten Bereich und liefert häufig Näherungswerte. Eine weitreichende Extrapolation ist ohne zusätzliche Begründung nicht verlässlich.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Diagramme auswerten
    • Achsen: Größen und Einheiten erkennen
    • Verlauf: Ausgleichsgerade oder Ausgleichskurve wählen
    • Werte: innerhalb des Messbereichs interpolieren
    • Zusammenhang: Steigung und Proportionalität deuten
    • Unsicherheit: Streuung und Ablesegenauigkeit beachten
    • Grenze: weitreichende Extrapolation vermeiden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWoran erkennst du einen direkt proportionalen Zusammenhang im Diagramm?
Lösung: An einer Geraden durch den Ursprung — Bei direkter Proportionalität ist der Quotient $y/x$ konstant. Der Graph ist eine Gerade durch den Ursprung.
Frage 2 von 3MittelAuf einer Ausgleichsgeraden gehören $10\,\mathrm{s}$ zu $90\,\mathrm{m}$. Welche Steigung ergibt sich für eine Gerade durch den Ursprung?
Lösung: $9\,\mathrm{m/s}$ — Es gilt $C=90\,\mathrm{m}/10\,\mathrm{s}=9\,\mathrm{m/s}$. Die Einheit bestätigt die Deutung als Geschwindigkeit.
Frage 3 von 3SchwerEine Messreihe bildet eine gekrümmte Punktwolke. Ein Punkt liegt weit abseits. Was ist die sinnvollste Auswertung?
Lösung: Den abweichenden Punkt prüfen und den gemeinsamen Verlauf mit einer Ausgleichskurve darstellen — Zuerst prüfst du Eintragung und möglichen Messfehler. Danach wählst du einen Graphen, der den belegten Gesamtverlauf angemessen beschreibt.

Du kannst ein Diagramm sicher auswerten, wenn du erst die Achsen klärst, dann den Gesamtverlauf beurteilst und erst danach Werte oder physikalische Aussagen ableitest.

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