Physik

Messfehler erkennen und Messwerte richtig angeben

Messfehler erkennen und Messwerte richtig angeben
Messfehler erkennen und Messwerte richtig angeben
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Keine Messung liefert einen vollkommen exakten Wert. Ein vollständiges Messergebnis nennt deshalb den Messwert und seine Unsicherheit, zum Beispiel $t=(7{,}6\pm0{,}2)\,\mathrm{s}$.

Auf dieser Seite lernst du, Fehlerquellen zu unterscheiden, Unsicherheiten abzuschätzen und Ergebnisse sinnvoll auszuwerten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum gehört eine Unsicherheit zum Messwert?

Stell dir vor, ein Grenzwert liegt bei $400$, gemessen wird $390$. Ob der Grenzwert sicher unterschritten ist, hängt von der Unsicherheit ab:

  • Bei $390\pm1$ liegt das gesamte Intervall unter $400$.
  • Bei $390\pm20$ reicht das Intervall von $370$ bis $410$. Eine sichere Entscheidung ist dann nicht möglich.
Definition

Messunsicherheit

Die Messunsicherheit beschreibt den Bereich, in dem der gesuchte Wert aufgrund der bekannten und abgeschätzten Einflüsse erwartet wird. Das Ergebnis $x\pm\Delta x$ steht für das Intervall von $x-\Delta x$ bis $x+\Delta x$.

Die Unsicherheit ist kein Eingeständnis einer misslungenen Messung. Sie zeigt, wie genau die Aussage unter den gewählten Bedingungen ist.

Beispiel

Für eine Zeitmessung gilt

$$t=(7{,}6\pm0{,}2)\,\mathrm{s}.$$

Das zugehörige Intervall reicht von $7{,}4\,\mathrm{s}$ bis $7{,}8\,\mathrm{s}$. Die absolute Unsicherheit beträgt $0{,}2\,\mathrm{s}$.

Die relative Unsicherheit ist

$$\frac{\Delta t}{t}=\frac{0{,}2}{7{,}6}\approx0{,}026.$$

In Prozent sind das ungefähr $2{,}6\,\%$.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas ist hier das vollständige Messergebnis?
Lösung: $t=(7{,}6\pm0{,}2)\,\mathrm{s}$ — Ein Messergebnis verbindet Messwert, Unsicherheit und Einheit.
Welche Arten von Messfehlern gibt es?

Nicht alle Abweichungen werden gleich behandelt. Entscheidend ist ihre Ursache.

Definition

Grober Fehler

Ein grober Fehler entsteht etwa durch einen falschen Aufbau, ein defektes Gerät, eine Verwechslung oder falsches Ablesen. Er gehört nicht zur normalen Messunsicherheit. Die Ursache muss behoben und die Messung wiederholt werden.

Definition

Systematischer Fehler

Ein systematischer Fehler verschiebt Messergebnisse unter gleichen Bedingungen gleichartig. Beispiele sind ein falsch eingestellter Nullpunkt oder ein fehlerhaft geteilter Maßstab. Ist die Abweichung bekannt, wird sie möglichst korrigiert.

Definition

Zufälliger Fehler

Ein zufälliger Fehler zeigt sich als Streuung wiederholter Messwerte. Er kann beispielsweise durch schwankende Umgebungsbedingungen, wechselnde Ablesung oder unterschiedliche Auslösezeitpunkte entstehen.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich: Eine Waage zeigt wegen eines falschen Nullpunkts stets $0{,}2\,\mathrm{kg}$ zu viel an. Das ist systematisch. Schwanken ihre Anzeigen zusätzlich leicht, ist diese Streuung zufällig.

Merke

Wiederholen hilft gegen zufällige Streuung. Ein gleichbleibender systematischer Fehler verschwindet dadurch nicht.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEin Lineal ist tatsächlich etwas zu kurz. Welche Fehlerart liegt vor?
Lösung: Ein systematischer Fehler — Ein fehlerhafter Maßstab verschiebt die Messungen systematisch.
Frage 2 von 2MittelDu liest bei einer Messung versehentlich die falsche Skala ab. Wie gehst du vor?
Lösung: Wert verwerfen, richtig ablesen und die Messung wiederholen — Ein erkannter Irrtum wird behoben; er wird nicht durch Fehlerrechnung nachträglich gerechtfertigt.
Wie schätzt und notierst du die Unsicherheit?

Die Unsicherheit musst du während der Messung beurteilen. Achte dabei auf:

  • Auflösung und Toleranz des Geräts,
  • Schwankungen der Anzeige,
  • Ablesesituation und möglichen Parallaxenfehler,
  • Einflüsse des Versuchsaufbaus und der Umgebung,
  • Angaben des Herstellers zur Genauigkeit.

Bei einer analogen Skala kann die Ableseunsicherheit häufig in der Größenordnung eines halben kleinsten Skalenabstands liegen. Bei einer Digitalanzeige ist mindestens die letzte angezeigte Stelle kritisch. Genaue Geräteangaben haben jedoch Vorrang vor solchen Faustregeln.

Man unterscheidet drei Darstellungen:

  • absolute Unsicherheit: $\Delta x$ mit derselben Einheit wie $x$,
  • relative Unsicherheit: $\frac{\Delta x}{|x|}$ ohne Einheit,
  • prozentuale Unsicherheit: $\frac{\Delta x}{|x|}\cdot100\,\%$.

Sinnvoll runden

  1. Berechne zunächst mit genügend Stellen.
  2. Runde die Unsicherheit auf eine oder zwei geltende Ziffern.
  3. Runde den Messwert auf dieselbe Dezimalstelle wie die Unsicherheit.

Zu $\Delta A=0{,}67\,\mathrm{cm^2}$ passt daher beispielsweise $A=(5{,}22\pm0{,}67)\,\mathrm{cm^2}$. Eine gröbere Darstellung wäre $A=(5{,}2\pm0{,}7)\,\mathrm{cm^2}$.

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Frage 1 von 1MittelWelche Angabe ist sinnvoll gerundet?
Lösung: $(5{,}22\pm0{,}67)\,\mathrm{cm^2}$ — Überflüssige Rechnerstellen täuschen eine Genauigkeit vor, die die Messung nicht besitzt.
Was bringen Wiederholungsmessungen?

Streuen mehrere Messwerte derselben Größe, ist ihr arithmetischer Mittelwert

$$\bar{x}=\frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n}x_i.$$

Er ist meist aussagekräftiger als ein einzelner Wert. Die Streuung der Einzelwerte beschreibt die Standardabweichung

$$s=\sqrt{\frac{1}{n-1}\sum_{i=1}^{n}(x_i-\bar{x})^2}.$$

Die statistische Unsicherheit des Mittelwerts wird durch den Standardfehler beschrieben:

$$s_{\bar{x}}=\frac{s}{\sqrt{n}}.$$

Diese Auswertung setzt voraus, dass dieselbe Größe unter vergleichbaren Bedingungen wiederholt gemessen wird. Eine angenommene Normalverteilung ist ein statistisches Modell und nicht durch jede kurze Messreihe automatisch bewiesen.

Gut zu wissen

Der Standardfehler sinkt nur mit $1/\sqrt{n}$. Für die halbe statistische Unsicherheit brauchst du daher viermal so viele Messwerte. Ein systematischer Fehler wird auch durch sehr viele Wiederholungen nicht beseitigt.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas beschreibt die Standardabweichung $s$?
Lösung: Die Streuung der Einzelmessungen um ihren Mittelwert — Standardabweichung und Standardfehler sind verschieden: $s$ beschreibt Einzelwerte, $s/\sqrt n$ die statistische Unsicherheit des Mittelwerts.
Frage 2 von 2SchwerEine Messreihe streut kaum, liegt aber wegen eines falschen Nullpunkts deutlich zu hoch. Welche Aussage passt?
Lösung: Die Messung ist präzise, aber systematisch verschoben. — Präzision beschreibt geringe Streuung. Für eine richtige Lage müssen auch systematische Einflüsse geprüft werden.
Wie pflanzt du Unsicherheiten fort?

Wird eine Größe aus mehreren Messwerten berechnet, wirken deren Unsicherheiten auf das Ergebnis. Zuerst musst du entscheiden, welche Art von Unsicherheit du behandelst.

Konservativer Größtfehler

Wenn du eine obere Grenze abschätzen willst, werden Beiträge so kombiniert, dass sie sich im ungünstigsten Fall verstärken:

  • Bei $z=x+y$ oder $z=x-y$ addierst du absolute Unsicherheiten:

$$\Delta z=\Delta x+\Delta y.$$

  • Bei $z=xy$ oder $z=x/y$ addierst du relative Unsicherheiten:

$$\frac{\Delta z}{|z|}=\frac{\Delta x}{|x|}+\frac{\Delta y}{|y|}.$$

  • Bei $z=x^k$ wird der Betrag des Exponenten zum Faktor:

$$\frac{\Delta z}{|z|}=|k|\frac{\Delta x}{|x|}.$$

Beispiel

Ein Rechteck besitzt

$$L=(5{,}8\pm0{,}1)\,\mathrm{cm}$$

und

$$B=(0{,}9\pm0{,}1)\,\mathrm{cm}.$$

Seine Fläche ist

$$A=L\cdot B=5{,}22\,\mathrm{cm^2}.$$

Für den konservativen Größtfehler werden die relativen Beiträge addiert:

$$\frac{\Delta A}{A}=\frac{0{,}1}{5{,}8}+\frac{0{,}1}{0{,}9}\approx0{,}128.$$

Damit gilt

$$\Delta A\approx0{,}128\cdot5{,}22\,\mathrm{cm^2}\approx0{,}67\,\mathrm{cm^2}.$$

Das Ergebnis lautet

$$A=(5{,}22\pm0{,}67)\,\mathrm{cm^2}.$$

Obwohl beide Längen dieselbe absolute Unsicherheit haben, dominiert die Breite: $0{,}1\,\mathrm{cm}$ sind bei $0{,}9\,\mathrm{cm}$ etwa $11{,}1\,\%$, bei $5{,}8\,\mathrm{cm}$ aber nur etwa $1{,}7\,\%$.

Vertiefung: unabhängige statistische Unsicherheiten

Sind kleine, unabhängige statistische Unsicherheiten gemeint, werden ihre Beiträge nicht linear, sondern quadratisch kombiniert:

$$\Delta Y=\sqrt{\sum_i\left(\frac{\partial Y}{\partial X_i}\Delta X_i\right)^2}.$$

Die lineare Addition liefert einen konservativen Größtfehler. Die quadratische Addition beschreibt die Fortpflanzung unabhängiger statistischer Unsicherheiten. Beide Regeln beantworten also unterschiedliche Fragen.

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Frage 1 von 4MittelFür zwei Längen gilt $a=(12{,}0\pm0{,}2)\,\mathrm{cm}$ und $b=(5{,}0\pm0{,}1)\,\mathrm{cm}$. Welchen konservativen Größtfehler hat $z=a-b$?
Lösung: $\Delta z=0{,}3\,\mathrm{cm}$ — Für Summen und Differenzen gilt beim Größtfehler $\Delta z=\Delta a+\Delta b=0{,}2\,\mathrm{cm}+0{,}1\,\mathrm{cm}=0{,}3\,\mathrm{cm}$.
Frage 2 von 4MittelWelche Größe trägt im Rechteckbeispiel relativ stärker zur Flächenunsicherheit bei?
Lösung: Die Breite $B$ — Bei Produkten entscheidet der relative, nicht allein der absolute Beitrag.
Frage 3 von 4MittelEine Größe $x$ hat eine relative Unsicherheit von $3\,\%$. Welche relative Unsicherheit besitzt $z=x^2$ beim konservativen Größtfehler?
Lösung: $6\,\%$ — Für $z=x^2$ gilt $\Delta z/|z|=2\,\Delta x/|x|$. Aus $3\,\%$ werden daher $6\,\%$.
Frage 4 von 4SchwerZwei kleine und unabhängige statistische Unsicherheiten sollen fortgepflanzt werden. Welche Kombination passt?
Lösung: Die gewichteten Beiträge werden quadriert, addiert und anschließend wird die Wurzel gezogen. — Vor der Rechnung muss klar sein, ob ein Größtfehler oder eine statistische Unsicherheit gesucht ist.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Messfehler und Messunsicherheit
    • Messergebnis: Wert, Unsicherheit und Einheit
    • Grober Fehler: beheben und neu messen
    • Systematischer Fehler: erkennen und korrigieren
    • Zufälliger Fehler: durch Messreihen untersuchen
    • Messreihe: Mittelwert, Streuung und Standardfehler
    • Fortpflanzung: Größtfehler oder statistische Unsicherheit wählen
    • Darstellung: sinnvoll runden und Intervall beurteilen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage über Wiederholungsmessungen stimmt?
Lösung: Sie können die statistische Unsicherheit des Mittelwerts verringern. — Wiederholungen helfen bei zufälliger Streuung, ersetzen aber weder Gerätekontrolle noch Unsicherheitsangabe.
Frage 2 von 3MittelEine Länge wird als $l=(20{,}0\pm0{,}5)\,\mathrm{cm}$ angegeben. Welche relative Unsicherheit liegt vor?
Lösung: $2{,}5\,\%$ — $0{,}5/20{,}0=0{,}025$. Nach der Multiplikation mit $100\,\%$ erhältst du $2{,}5\,\%$.
Frage 3 von 3SchwerEin Messwert liegt knapp unter einem erlaubten Höchstwert, sein Unsicherheitsintervall reicht aber darüber hinaus. Was darfst du folgern?
Lösung: Die Einhaltung des Höchstwerts ist durch diese Messung nicht gesichert. — Das Intervall umfasst zulässige und unzulässige Werte. Für eine sichere Entscheidung ist eine genauere Messung nötig.

Du kannst ein Messergebnis nun als Intervall lesen, Fehlerarten nach ihrer Ursache behandeln und vor jeder Fehlerfortpflanzung entscheiden, welches Unsicherheitsmodell zur Messung passt.

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