Induktivität und Selbstinduktion einfach erklärt
Ändert sich der Strom durch eine Spule, ändert sich ihr eigenes Magnetfeld. Dadurch entsteht in derselben Spule eine Selbstinduktionsspannung. Sie wirkt nach der Lenzschen Regel der Stromänderung entgegen: Beim Einschalten bremst sie den Stromanstieg, beim Ausschalten stützt sie den bisherigen Stromfluss.
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Vom Strom zur Selbstinduktionsspannung
Fließt Strom durch eine Spule, erzeugt er ein Magnetfeld. Bei konstantem Strom bleibt dieses Feld zeitlich konstant. Dann tritt keine Selbstinduktionsspannung auf.
Erst eine Stromänderung löst die Wirkungskette aus:
- Die Stromstärke ändert sich.
- Das eigene Magnetfeld und der magnetische Fluss ändern sich.
- In der Spule entsteht eine Spannung.
- Die Wirkung dieser Spannung hemmt die verursachende Änderung.
Selbstinduktion
Selbstinduktion ist die Induktion einer Spannung durch die Änderung des eigenen Magnetfeldes eines Leiters oder einer Spule. Bei einer gewöhnlichen Induktion kann das veränderliche Magnetfeld dagegen von außen stammen.
Die Selbstinduktionsspannung wirkt nicht grundsätzlich gegen den Strom. Sie wirkt gegen die Änderung des Stroms.
Beim Einschalten soll der Strom zunehmen. Die Selbstinduktionsspannung wirkt diesem Anstieg entgegen. Beim Ausschalten soll der Strom abnehmen. Nun ändert die Spannung ihre Polarität und versucht, den bisherigen Stromfluss aufrechtzuerhalten.
Induktivität beschreibt die Stärke des Effekts
Die Induktivität $L$ gibt an, wie stark eine Spule auf eine bestimmte Stromänderungsrate mit einer Selbstinduktionsspannung reagiert.
Für eine momentane Änderung gilt:
$$U_{ind}=-L·dI/dt$$
Für eine mittlere Änderung in einem Zeitabschnitt verwendet man näherungsweise:
$$U_{ind}=-L·ΔI/Δt$$
Der Betrag lässt sich ohne Richtungsbetrachtung schreiben als:
$$|U_{ind}|=L·|ΔI/Δt|$$
Je größer $L$ oder je schneller sich der Strom ändert, desto größer ist der Spannungsbetrag. Das Minuszeichen beschreibt die Gegenwirkung nach der Lenzschen Regel.
Die Einheit der Induktivität ist Henry:
$$1 H=1 V·s/A$$
Eine Induktivität von $1 H$ erzeugt bei einer Stromänderungsrate von $1 A/s$ eine Selbstinduktionsspannung mit dem Betrag $1 V$.
Magnetischer Fluss, Flussdichte und Induktivität unterscheiden
Vier Größen gehören zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe:
| Größe | Bedeutung | Typisches Zeichen |
|---|---|---|
| Magnetische Flussdichte | Beschreibt Stärke und Richtung des Magnetfeldes an einem Ort | $B$ |
| Magnetischer Fluss | Erfasst, wie das Magnetfeld eine Fläche durchsetzt | $Φ$ |
| Induktivität | Kennzeichnet die Spule und ihre Reaktion auf Stromänderungen | $L$ |
| Selbstinduktionsspannung | Entsteht während der Änderung des eigenen magnetischen Flusses | $U_{ind}$ |
Für eine lange Zylinderspule mit gleichbleibender Bauform gilt näherungsweise:
$$L=μ·N^2·A/l$$
Dabei sind $N$ die Windungszahl, $A$ die Querschnittsfläche, $l$ die Spulenlänge und $μ$ die Permeabilität des Materials im Inneren. Die Formel gilt für das beschriebene idealisierte Spulenmodell, nicht unverändert für jede beliebige Spulenform.
Aus der Formel folgt:
- Mehr Windungen vergrößern $L$ quadratisch.
- Eine größere Querschnittsfläche vergrößert $L$.
- Eine größere Permeabilität, etwa durch einen geeigneten Kern, vergrößert $L$.
- Eine größere Spulenlänge verkleinert $L$, wenn die anderen Größen gleich bleiben.
Ein- und Ausschalten richtig deuten
Beim Einschalten
Der Strom beginnt anzusteigen. Dadurch wächst das Magnetfeld der Spule. Die Selbstinduktionsspannung ist so gepolt, dass sie den Anstieg bremst. Deshalb erreicht der Strom seinen stationären Endwert nicht sprunghaft, sondern allmählich.
In einem Lampenversuch leuchtet eine Lampe im Spulenzweig daher verzögert auf. Wenn der Strom schließlich konstant ist, verschwindet die Selbstinduktionsspannung.
Beim Ausschalten
Der Strom und das Magnetfeld beginnen abzunehmen. Die Selbstinduktionsspannung wechselt ihre Polarität und stützt den bisherigen Stromfluss. Dafür muss nach dem Abschalten noch ein geschlossener Stromweg vorhanden sein.
Wird der Strom in sehr kurzer Zeit unterbrochen, ist $|ΔI/Δt|$ groß. Deshalb kann eine hohe Spannungsspitze entstehen. Sie kann Bauteile beschädigen.
Eine Spule kann einen Strom nicht ohne geschlossenen Weg dauerhaft weiterführen. Fehlt ein geeigneter Stromweg, kann die hohe Ausschaltspannung beispielsweise einen Funken oder einen Durchbruch an einem Bauteil verursachen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei konstantem Strom ist das Magnetfeld zeitlich . Eine Selbstinduktionsspannung entsteht erst durch eine . Beim Einschalten sie den Stromanstieg. Beim Ausschalten sie den bisherigen Stromfluss.
Strom- und Spannungsverläufe lesen
Ein $I$-$t$-Diagramm zeigt die Stromstärke über der Zeit. Seine Steigung beschreibt die Stromänderungsrate:
- Eine waagerechte Kurve bedeutet $dI/dt=0$ und damit $U_{ind}=0$.
- Eine steile Kurve bedeutet einen großen Betrag von $dI/dt$ und damit einen großen Spannungsbetrag.
- Eine steigende Kurve und eine fallende Kurve führen bei gleicher Steilheit zu entgegengesetzten Spannungspolaritäten.
Beim Einschalten steigt die $I$-$t$-Kurve zunächst stark und wird dann flacher. Der Betrag der Selbstinduktionsspannung ist deshalb anfangs groß und sinkt mit abnehmender Kurvensteigung.
Beim Ausschalten fällt die Stromkurve. Ein großer Widerstand im verbleibenden Entladekreis kann einen schnelleren Abfall verursachen. Dann ist der Spannungsbetrag größer, klingt aber auch schneller ab.
Selbstinduktionsspannung und Feldenergie berechnen
Eine Spule hat $L=0{,}8 H$. Ihr Strom steigt in $0{,}05 s$ gleichmäßig von $0 A$ auf $0{,}24 A$.
1. Stromänderungsrate bestimmen
$$ΔI/Δt=(0{,}24 A-0 A)/(0{,}05 s)=4{,}8 A/s$$
2. In die Induktionsgleichung einsetzen
$$U_{ind}=-0{,}8 H·4{,}8 A/s=-3{,}84 V$$
3. Ergebnis deuten
Der Betrag der Selbstinduktionsspannung beträgt $3{,}84 V$. Das Minuszeichen zeigt: Die Spannung ist so gerichtet, dass sie dem Stromanstieg entgegenwirkt.
Eine besonders große Spannung kann beim schnellen Ausschalten entstehen. Bei $L=2{,}5 H$, einer Abnahme von $0{,}625 A$ auf $0 A$ und $Δt=0{,}010 s$ gilt:
$$ΔI/Δt=(0 A-0{,}625 A)/(0{,}010 s)=-62{,}5 A/s$$
$$U_{ind}=-2{,}5 H·(-62{,}5 A/s)=156{,}25 V$$
Der Betrag liegt bei ungefähr $160 V$. Das Ergebnis hängt von der angenommenen Ausschaltzeit ab: Eine kürzere Zeit würde im Modell einen größeren Spannungsbetrag ergeben.
Vertiefung: Energie im Magnetfeld
Beim Einschalten nimmt das Magnetfeld Energie auf. Beim Ausschalten gibt die Spule diese Energie wieder ab. Für die gespeicherte magnetische Feldenergie gilt:
$$E_{mag}=1/2·L·I^2$$
Für $L=0{,}8 H$ und $I=1{,}5 A$ ergibt sich:
$$E_{mag}=1/2·0{,}8 H·(1{,}5 A)^2=0{,}9 J$$
Der Strom steht im Quadrat. Eine Verdopplung des Stroms vervierfacht daher bei gleicher Induktivität die gespeicherte Energie.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Selbstinduktion
- Ursache: Änderung des eigenen Magnetfeldes
- Wirkung: Hemmung der Stromänderung
- Kennwert: Induktivität L
- Einschalten: verzögerter Stromanstieg
- Ausschalten: gestützter Strom und mögliche Spannungsspitze
- Energie: Speicherung im Magnetfeld
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du die Wirkungskette erklären, die Richtung der Gegenwirkung deuten und Spannung sowie Feldenergie mit passenden Einheiten berechnen kannst.
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