Physik

Longitudinal- und Transversalwellen unterscheiden

Longitudinal- und Transversalwellen unterscheiden
Longitudinal- und Transversalwellen unterscheiden
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Bei einer Transversalwelle steht die Schwingungsrichtung senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Bei einer Longitudinalwelle sind beide Richtungen parallel. Entscheidend ist also nicht das Aussehen der Welle, sondern die Bewegung der schwingenden Teilchen oder Felder.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du den Wellentyp?

Stell dir zuerst diese zwei Fragen:

  1. In welche Richtung breitet sich die Störung aus?
  2. In welche Richtung schwingen die Teilchen oder die betrachtete physikalische Größe?
Definition

Transversalwelle

Bei einer Transversalwelle, auch Querwelle genannt, steht die Schwingungsrichtung senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Kurz: Schwingung $\perp$ Ausbreitung.

Bei einer Welle auf einem gespannten Seil kann die Störung nach rechts laufen, während jedes kleine Seilstück nach oben und unten schwingt. Eine Momentaufnahme zeigt häufig Wellenberge und Wellentäler.

Definition

Longitudinalwelle

Bei einer Longitudinalwelle, auch Längswelle genannt, verläuft die Schwingungsrichtung parallel zur Ausbreitungsrichtung. Kurz: Schwingung $\parallel$ Ausbreitung.

In einer Schraubenfeder können sich die Windungen vor und zurück bewegen, während die Störung entlang der Feder läuft. Dabei entstehen abwechselnd Verdichtungen und Verdünnungen.

Merke

Vergleiche immer zwei Richtungen: senkrecht bedeutet transversal, parallel bedeutet longitudinal.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEine Seilwelle läuft nach rechts. Die markierten Seilstücke bewegen sich nach oben und unten. Welcher Wellentyp liegt vor?
Lösung: Eine Transversalwelle — Die Störung läuft nach rechts, die Seilstücke schwingen auf und ab. Die beiden Richtungen stehen senkrecht aufeinander.
Frage 2 von 2MittelEine Störung läuft durch eine Feder nach rechts. Die Windungen bewegen sich dabei nach rechts und links. Wie ordnest du sie ein?
Lösung: Als Longitudinalwelle — Ausbreitung und Schwingung verlaufen entlang derselben Achse. Deshalb ist die Welle longitudinal.
Was bewegt sich mit der Welle?

Eine Welle überträgt eine Störung und damit Energie oder Information. Das Medium wird dabei nicht als Ganzes vom Ausgangspunkt bis zum Ziel transportiert.

Bei einer mechanischen Welle schwingen die Teilchen des Mediums um ihre Gleichgewichtslage. Ein markierter Punkt auf einem Seil wandert deshalb nicht mit dem Wellenberg bis zum anderen Ende. Er bewegt sich nur auf und ab, während die Wellenform weiterläuft.

Definition

Ausbreitungsgeschwindigkeit

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit beschreibt, wie schnell sich ein bestimmter Zustand der Welle, etwa ein Wellenberg oder eine Verdichtung, durch den Raum bewegt.

Die Teilchengeschwindigkeit beschreibt dagegen, wie schnell und in welche Richtung sich ein einzelnes Teilchen des Mediums gerade bewegt. Sie kann sich während einer Schwingung fortlaufend ändern. Ausbreitungs- und Teilchengeschwindigkeit sind daher nicht dasselbe.

Beispiel

Auf einem Seil läuft ein Wellenberg nach rechts. Ein farbig markiertes Seilstück wird zunächst nach oben, danach wieder nach unten bewegt.

  • Der Wellenberg zeigt die Ausbreitung nach rechts.
  • Das markierte Seilstück zeigt die Teilchenbewegung nach oben und unten.
  • Das Seilstück reist nicht zusammen mit dem Wellenberg nach rechts.

Damit liegt eine Transversalwelle vor.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin markierter Punkt auf einem Seil schwingt auf und ab. Gleichzeitig läuft ein Wellenberg am Seil entlang. Welche Aussage stimmt?
Lösung: Der Punkt schwingt örtlich, während sich die Störung entlang des Seils ausbreitet. — Bei einer mechanischen Welle schwingen die Teilchen um ihre Gleichgewichtslage. Die Störung kann sich trotzdem über eine große Strecke ausbreiten.
Wie ordnest du wichtige Beispiele ein?

Schall in Luft

Schall in Luft ist eine mechanische Longitudinalwelle. Luftteilchen schwingen vor und zurück. Dadurch entstehen Bereiche höheren Drucks mit dichter beieinanderliegenden Teilchen und Bereiche niedrigeren Drucks mit weiter auseinanderliegenden Teilchen.

Licht

Licht ist eine elektromagnetische Transversalwelle. Hier schwingen keine Teilchen eines notwendigen Mediums. Stattdessen verändern sich elektrische und magnetische Felder senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Licht kann sich deshalb auch im Vakuum ausbreiten.

Erdbebenwellen

Bei Erdbeben treten verschiedene Wellentypen auf:

  • P-Wellen sind longitudinal.
  • S-Wellen sind transversal.

Darum ist die pauschale Aussage „Eine Erdbebenwelle ist transversal“ ungenau.

Wasseroberflächenwellen

Wasseroberflächenwellen sind keine idealen reinen Transversalwellen. Oberflächennahe Wasserteilchen bewegen sich näherungsweise auf kreisförmigen Bahnen und besitzen damit Bewegungsanteile senkrecht und parallel zur Ausbreitungsrichtung. Sie sind eine Mischform.

Gut zu wissen

Eine Zeichnung mit Wellenbergen und Wellentälern beweist allein noch keine Transversalwelle. Für die Einordnung musst du die tatsächliche Bewegung der Teilchen oder Felder betrachten.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelches Beispiel ist eindeutig eine mechanische Longitudinalwelle?
Lösung: Schall in Luft — Bei Schall in Luft schwingen die Luftteilchen parallel zur Ausbreitungsrichtung und erzeugen Verdichtungen und Verdünnungen.
Frage 2 von 3MittelWarum ist eine Wasseroberflächenwelle nicht einfach als reine Transversalwelle einzuordnen?
Lösung: Die Wasserteilchen besitzen transversale und longitudinale Bewegungsanteile. — Oberflächennahe Wasserteilchen bewegen sich näherungsweise auf Kreisbahnen. Dadurch enthält ihre Bewegung beide Richtungsanteile.
Frage 3 von 3SchwerEine Erdbebenwelle kann eine Flüssigkeit nicht als Scherwelle durchlaufen. Welche Einordnung passt?
Lösung: Es handelt sich um eine transversale S-Welle. — Mechanische Transversalwellen benötigen eine Rückstellwirkung gegen seitliche Verschiebungen. Flüssigkeiten tragen im Inneren keine solchen Scherwellen.
Welche Aussagen brauchen eine Einschränkung?

Die Einteilung in longitudinal und transversal legt nicht allgemein fest, welcher Wellentyp schneller ist. Die Geschwindigkeit hängt vom Medium und von dessen Materialeigenschaften ab.

In einem einfachen elastischen Festkörper desselben Materials laufen longitudinale Wellen schneller als transversale Wellen. Daraus folgt aber nicht, dass jede beliebige Longitudinalwelle schneller als jede beliebige Transversalwelle ist.

Auch die Aussage „Transversalwellen brauchen immer einen Festkörper“ ist zu grob:

  • Mechanische Transversalwellen im Inneren eines Mediums benötigen eine Rückstellkraft gegen seitliche Verschiebungen.
  • Wasseroberflächenwellen sind gemischte Oberflächenbewegungen.
  • Elektromagnetische Transversalwellen benötigen überhaupt kein materielles Medium.

Vertiefung: Polarisation

Bei einer Transversalwelle gibt es mehrere mögliche Schwingungsrichtungen senkrecht zur Ausbreitung. Wird eine bestimmte Richtung ausgewählt, spricht man von Polarisation.

Eine Longitudinalwelle besitzt diese Auswahl nicht: Ihre Schwingung ist bereits auf die Ausbreitungsrichtung festgelegt. Deshalb ist die Polarisierbarkeit ein Kennzeichen von Transversalwellen.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelZwei Wellen laufen durch unterschiedliche Medien. Die erste ist longitudinal, die zweite transversal. Welche Aussage über ihre Geschwindigkeiten ist sicher?
Lösung: Aus den Wellentypen allein lässt sich kein allgemeiner Geschwindigkeitsvergleich ableiten. — Die Geschwindigkeit hängt auch vom Medium und seinen Materialeigenschaften ab. Der Richtungsvergleich allein reicht nicht.
Frage 2 von 2SchwerEine Welle kann auf verschiedene Schwingungsrichtungen senkrecht zu ihrer Ausbreitung begrenzt werden. Was folgt daraus?
Lösung: Sie ist transversal und polarisierbar. — Nur eine Transversalwelle besitzt Schwingungsrichtungen innerhalb der Ebene senkrecht zur Ausbreitung, die ausgewählt werden können.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Longitudinal- und Transversalwellen
    • Transversal: Schwingung senkrecht zur Ausbreitung
    • Longitudinal: Schwingung parallel zur Ausbreitung
    • Mechanische Welle: Teilchen schwingen örtlich
    • Wellenausbreitung: Störung, Energie oder Information wandert
    • Beispiele: Seil transversal, Luftschall longitudinal
    • Sonderfälle: Wasseroberfläche gemischt, Erdbeben mit P- und S-Wellen
    • Polarisation: Kennzeichen von Transversalwellen
    • Geschwindigkeit: vom Medium und seinen Eigenschaften abhängig
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Beobachtung reicht zur sicheren Unterscheidung der beiden Wellentypen aus?
Lösung: Der Vergleich von Schwingungs- und Ausbreitungsrichtung — Parallel bedeutet longitudinal, senkrecht bedeutet transversal.
Frage 2 von 3MittelEine Störung läuft in einer Feder nach links. Die Windungen schwingen ebenfalls nach links und rechts. Welche Begründung ist richtig?
Lösung: Die Welle ist longitudinal, weil Schwingung und Ausbreitung parallel verlaufen. — Die örtliche Schwingung und die Ausbreitung liegen auf derselben Achse. Daher handelt es sich um eine Longitudinalwelle.
Frage 3 von 3SchwerEine Darstellung zeigt Wellenberge auf einer Wasseroberfläche. Jemand schließt daraus: „Die Wasserteilchen bewegen sich nur auf und ab.“ Wie bewertest du den Schluss?
Lösung: Er ist nicht zuverlässig, weil oberflächennahe Teilchen näherungsweise Kreisbahnen beschreiben. — Wasseroberflächenwellen besitzen transversale und longitudinale Bewegungsanteile. Für die Einordnung zählt die Teilchenbewegung, nicht nur die sichtbare Oberflächenform.

Du kannst eine Welle nun systematisch untersuchen: Bestimme zuerst ihre Ausbreitungsrichtung, dann die Schwingungsrichtung und vergleiche beide. Prüfe bei Wasser, Erdbeben und elektromagnetischen Wellen zusätzlich, ob ein Sonderfall oder eine andere schwingende Größe vorliegt.

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