Physik

Newtonsche Gesetze: Trägheit, Kraft und Gegenkraft

Newtonsche Gesetze: Trägheit, Kraft und Gegenkraft
Newtonsche Gesetze: Trägheit, Kraft und Gegenkraft
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Die drei Newtonschen Gesetze erklären, wann eine Bewegung gleich bleibt, wie eine resultierende Kraft sie verändert und warum Kräfte bei Wechselwirkungen paarweise auftreten. Du lernst außerdem, mit $F = m \cdot a$ zu rechnen und verschiedene Kraftsituationen sicher zu unterscheiden.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wann bleibt eine Bewegung unverändert?

Stell dir eine Kugel vor, die auf einer nahezu reibungsfreien Fläche rollt. Ohne eine resultierende äußere Kraft wird sie nicht von selbst langsamer: Sie bewegt sich geradlinig mit unveränderter Geschwindigkeit weiter.

Definition

Erstes Newtonsches Gesetz

Ein Körper bleibt in Ruhe oder bewegt sich gleichförmig geradlinig, solange die resultierende äußere Kraft null ist. Dieses Gesetz heißt auch Trägheitsgesetz.

Trägheit bedeutet, dass ein Körper seinen Bewegungszustand beibehält. Auch die Ruhe gehört dazu: Sie entspricht der Geschwindigkeit null.

Eine Geschwindigkeitsänderung kann zweierlei bedeuten:

  • Der Betrag der Geschwindigkeit ändert sich: Ein Körper wird schneller oder langsamer.
  • Die Richtung der Geschwindigkeit ändert sich: Ein Körper fährt beispielsweise durch eine Kurve.
Beispiel

Ein Fahrrad fährt auf ebener Straße mit konstanter Geschwindigkeit. Trotzdem muss die fahrende Person treten. Die Antriebskraft wirkt nach vorn, Reibungs- und Widerstandskräfte wirken nach hinten. Sind beide Seiten gleich groß, ist die resultierende Kraft null. Die Geschwindigkeit bleibt konstant – genau wie es das Trägheitsgesetz vorhersagt.

Merke

Konstante Geschwindigkeit bedeutet nicht, dass gar keine Kräfte wirken. Entscheidend ist, ob ihre resultierende Kraft, also ihre Gesamtkraft, null ist.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtEin Bus fährt geradeaus mit konstanter Geschwindigkeit. Welche Aussage passt zum ersten Newtonschen Gesetz?
Lösung: Die resultierende Kraft auf den Bus ist null. — Bei gleichförmiger geradliniger Bewegung ist die Beschleunigung null. Deshalb ist auch die resultierende Kraft null.
Frage 2 von 2MittelEin Zug bremst. Ein locker liegender Ball rollt aus Sicht einer Person im Zug nach vorn. Warum?
Lösung: Der Ball behält aufgrund seiner Trägheit zunächst seine bisherige Bewegung bei. — Der Zug wird langsamer, während der Ball seinen bisherigen Bewegungszustand zunächst beibehält.
Wie verändert eine Kraft die Bewegung?

Wirkt eine resultierende Kraft, wird ein Körper beschleunigt. Beschleunigung bedeutet, dass sich Betrag oder Richtung seiner Geschwindigkeit ändert.

Definition

Zweites Newtonsches Gesetz

Bei konstanter Masse gilt für die resultierende Kraft $F$, die Masse $m$ und die Beschleunigung $a$:

$$F = m \cdot a$$

Die Beschleunigung zeigt in die Richtung der resultierenden Kraft.

Die Einheiten sind:

  • Kraft $F$ in Newton ($\mathrm{N}$)
  • Masse $m$ in Kilogramm ($\mathrm{kg}$)
  • Beschleunigung $a$ in Meter pro Sekunde zum Quadrat ($\mathrm{m/s^2}$)

Dabei gilt:

$$1\,\mathrm{N} = 1\,\mathrm{kg} \cdot \mathrm{m/s^2}$$

Aus $F = m \cdot a$ folgen zwei wichtige Beziehungen:

  • Bei gleicher Masse erzeugt eine größere resultierende Kraft eine größere Beschleunigung.
  • Bei gleicher Kraft wird eine größere Masse weniger stark beschleunigt.
Beispiel

Ein Körper mit der Masse $30\,\mathrm{kg}$ wird mit $10\,\mathrm{m/s^2}$ beschleunigt.

  1. Gesucht ist die resultierende Kraft.
  2. Passende Gleichung: $F = m \cdot a$.
  3. Werte mit Einheiten einsetzen:

$$F = 30\,\mathrm{kg} \cdot 10\,\mathrm{m/s^2}$$

  1. Ausrechnen und Einheit zusammenfassen:

$$F = 300\,\mathrm{N}$$

Die resultierende Kraft auf den Körper beträgt also $300\,\mathrm{N}$.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Größe muss bei gleicher Masse verdoppelt werden, damit sich die Beschleunigung verdoppelt?
Lösung: Die resultierende Kraft — Aus $a = F/m$ folgt: Bei unveränderter Masse ist die Beschleunigung direkt proportional zur resultierenden Kraft.
Frage 2 von 2MittelAuf einen Körper der Masse $40\,\mathrm{kg}$ wirkt eine resultierende Kraft von $120\,\mathrm{N}$. Wie groß ist seine Beschleunigung?
Lösung: $3\,\mathrm{m/s^2}$ — Stelle nach $a$ um: $a = F/m$. Damit gilt $a = 120\,\mathrm{N} / 40\,\mathrm{kg} = 3\,\mathrm{m/s^2}$.
Warum treten Kräfte paarweise auf?

Wenn zwei Körper miteinander wechselwirken, übt nicht nur der erste Körper eine Kraft aus. Auch der zweite Körper wirkt auf den ersten zurück.

Definition

Drittes Newtonsches Gesetz

Übt Körper A auf Körper B eine Kraft aus, so übt Körper B gleichzeitig eine gleich große, entgegengesetzt gerichtete Kraft auf Körper A aus. Dieses Gesetz heißt Wechselwirkungsprinzip oder Actio = Reactio.

Beispiel

Eine Schwimmerin drückt den Startblock nach hinten. Gleichzeitig drückt der Startblock die Schwimmerin mit gleich großer Kraft nach vorn. Die beiden Kräfte sind entgegengesetzt gerichtet, wirken aber auf verschiedene Körper.

Merke

Wechselwirkungskräfte heben sich nicht als Kräfte auf einen einzelnen Körper auf. Eine Kraft wirkt auf Körper A, die andere auf Körper B.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt ein Wechselwirkungspaar?
Lösung: Zwei gleich große, entgegengesetzte Kräfte wirken auf zwei verschiedene Körper. — Actio und Reactio treten gleichzeitig auf, sind gleich groß und wirken entgegengesetzt auf unterschiedliche Körper.
Frage 2 von 2MittelEin Fuß tritt gegen einen Ball. Welche Kraft gehört zur Kraft des Fußes auf den Ball?
Lösung: Die gleich große Gegenkraft des Balls auf den Fuß — Für das Wechselwirkungspaar müssen dieselben beiden Körper beteiligt sein: Fuß auf Ball und Ball auf Fuß.
Wie bestimmst du die resultierende Kraft?

Auf einen Körper wirken oft mehrere Kräfte. Die resultierende Kraft ist ihre vektorielle Summe. Dabei zählen sowohl Betrag als auch Richtung.

In einer geraden Linie kannst du eine Richtung als positiv festlegen. Kräfte in Gegenrichtung erhalten dann ein negatives Vorzeichen.

Beispiel

Auf einen Schlitten wirken $80\,\mathrm{N}$ nach rechts und $50\,\mathrm{N}$ nach links. Wir wählen rechts als positive Richtung.

$$F_\mathrm{res} = 80\,\mathrm{N} - 50\,\mathrm{N} = 30\,\mathrm{N}$$

Die resultierende Kraft beträgt $30\,\mathrm{N}$ nach rechts. Daher beschleunigt der Schlitten nach rechts.

Wirken Kräfte in verschiedenen Richtungen, müssen ihre Richtungen bei der Addition berücksichtigt werden. Eine Kraft nach rechts und eine Kraft nach oben ergeben beispielsweise eine schräg nach rechts oben gerichtete resultierende Kraft.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelAuf einen Wagen wirken $200\,\mathrm{N}$ nach rechts und $200\,\mathrm{N}$ nach links. Was folgt?
Lösung: Die resultierende Kraft ist null; der Wagen beschleunigt nicht. — Entgegengesetzte gleich große Kräfte ergeben zusammen null. Nach dem ersten und zweiten Gesetz bleibt die Geschwindigkeit dann unverändert.
Frage 2 von 2SchwerAuf einen bereits nach rechts fahrenden Wagen wirkt eine resultierende Kraft nach links. Was ist sicher?
Lösung: Seine Geschwindigkeit verändert sich in Richtung der Beschleunigung nach links. — Die Beschleunigung zeigt nach links. Ob und wann sich auch die Bewegungsrichtung umkehrt, hängt von Anfangsgeschwindigkeit und Einwirkungsdauer ab.
Kräftegleichgewicht oder Wechselwirkungspaar?

Diese beiden Situationen sehen ähnlich aus, meinen aber etwas Verschiedenes.

FrageKräftegleichgewichtWechselwirkungspaar
Wo wirken die Kräfte?auf denselben Körperauf zwei verschiedene Körper
Wie ist die resultierende Kraft für den betrachteten Körper?nullmuss für jeden Körper getrennt bestimmt werden
BeispielAntrieb und Widerstand am gleichförmig fahrenden FahrradFuß drückt Ball, Ball drückt Fuß

Nutze beim Unterscheiden diese Entscheidungshilfe:

  1. Benenne zu jeder Kraft den ausübenden und den betroffenen Körper.
  2. Wirken beide Kräfte auf denselben Körper, können sie sich dort ausgleichen.
  3. Wirken sie auf verschiedene Körper und gehören zu derselben Wechselwirkung, bilden sie ein Actio-Reactio-Paar.
Beispiel

Ein Buch liegt ruhig auf einem Tisch.

  • Die Erde zieht das Buch nach unten.
  • Der Tisch drückt das Buch nach oben.

Diese beiden Kräfte wirken auf dasselbe Buch und können ein Kräftegleichgewicht bilden. Die Gegenkraft zur Kraft des Tisches auf das Buch ist dagegen die Kraft des Buches auf den Tisch. Dieses Paar wirkt auf zwei verschiedene Körper.

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Frage 1 von 2MittelEin Buch liegt ruhig auf einem Tisch. Welche beiden Kräfte können sich am Buch ausgleichen?
Lösung: Gewichtskraft auf das Buch und Stützkraft des Tisches auf das Buch — Für ein Kräftegleichgewicht müssen beide Kräfte auf denselben Körper wirken – hier auf das Buch.
Frage 2 von 2SchwerWelche Frage trennt Kräftegleichgewicht und Wechselwirkungspaar am zuverlässigsten?
Lösung: Wirken die Kräfte auf denselben oder auf verschiedene Körper? — Kräfte auf demselben Körper können sich ausgleichen. Actio und Reactio wirken auf unterschiedliche Körper.
Wo gelten die Gesetze – und wo liegen ihre Grenzen?

Die Newtonschen Gesetze bilden die Grundlage der klassischen Mechanik. Die hier verwendete Gleichung $F = m \cdot a$ gilt für einen betrachteten Körper mit konstanter Masse und in einem Inertialsystem.

Definition

Inertialsystem

Ein Inertialsystem ist ein Bezugssystem, in dem ein kräftefreier Körper ruht oder sich gleichförmig geradlinig bewegt.

Reibungsfreie Situationen sind häufig Idealisierungen. In Alltagssituationen wirken meist Reibung oder Luftwiderstand. Diese Kräfte dürfen bei der Bestimmung der resultierenden Kraft nicht einfach weggelassen werden.

Bei Systemen mit veränderlicher Masse, beispielsweise einer Rakete mit Treibstoffausstoß, reicht die einfache Betrachtung eines unveränderten $m$ nicht aus. Dann ist eine allgemeinere Impulsbetrachtung nötig. Der Impuls eines Körpers ist bei konstanter Masse durch $p = m \cdot v$ beschrieben.

Auch in der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik gelten die Newtonschen Gesetze nicht uneingeschränkt.

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Frage 1 von 1MittelWarum muss eine Person auf einem Fahrrad trotz konstanter Geschwindigkeit treten?
Lösung: Die Antriebskraft gleicht Widerstandskräfte aus, sodass die resultierende Kraft null bleibt. — Konstante Geschwindigkeit verlangt keine resultierende Kraft. In der Realität muss die Antriebskraft jedoch Reibung und andere Widerstände ausgleichen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Newtonsche Gesetze
    • Erstes Gesetz
      • Keine resultierende Kraft: Geschwindigkeit bleibt konstant
    • Zweites Gesetz
      • Resultierende Kraft: $F=m\cdot a$
    • Drittes Gesetz
      • Gleich große Gegenkräfte auf verschiedene Körper
    • Kräfte unterscheiden
      • Gleichgewicht auf einem Körper
      • Wechselwirkung zwischen zwei Körpern
    • Geltungsbereich
      • Klassische Mechanik und Inertialsystem
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage gehört zum ersten Newtonschen Gesetz?
Lösung: Ohne resultierende Kraft bleibt die Geschwindigkeit nach Betrag und Richtung konstant. — Ruhe und gleichförmige geradlinige Bewegung bleiben erhalten, wenn die resultierende äußere Kraft null ist.
Frage 2 von 3MittelEin Körper mit $300\,\mathrm{kg}$ soll mit $2\,\mathrm{m/s^2}$ beschleunigt werden. Welche resultierende Kraft ist nötig?
Lösung: $600\,\mathrm{N}$ — Mit $F=m\cdot a$ erhältst du $F=300\,\mathrm{kg}\cdot2\,\mathrm{m/s^2}=600\,\mathrm{N}$.
Frage 3 von 3SchwerZwei Personen auf Rollbrettern stoßen sich voneinander ab. Person A übt auf Person B eine Kraft nach rechts aus. Welche Aussage ist richtig?
Lösung: Person B übt gleichzeitig eine gleich große Kraft nach links auf Person A aus. — Nach dem dritten Newtonschen Gesetz sind die Kräfte gleich groß und entgegengesetzt. Für die Bewegung jeder Person müssen jedoch alle Kräfte auf diese Person getrennt betrachtet werden.

Prüfe dich zum Schluss mit drei Fragen: Kannst du für jede Kraft den betroffenen Körper nennen? Kannst du zuerst die resultierende Kraft bestimmen und danach $F=m\cdot a$ anwenden? Kannst du erklären, warum Actio und Reactio kein Kräftegleichgewicht auf einem einzelnen Körper sind?

Passend dazu