Physik

Transformator: Aufbau, Funktion und Formeln

Transformator: Aufbau, Funktion und Formeln
Transformator: Aufbau, Funktion und Formeln
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Ein Transformator überträgt elektrische Energie zwischen zwei magnetisch gekoppelten Stromkreisen und verändert dabei eine Wechselspannung. Das Verhältnis der Windungszahlen legt im idealen Modell fest, wie stark die Spannung steigt oder fällt.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Eingang zum Ausgang: der Aufbau

Stell dir ein Netzgerät vor: Auf der Eingangsseite liegt eine Wechselspannung an, auf der Ausgangsseite wird eine andere Wechselspannung benötigt. Dazwischen arbeitet der Transformator.

Definition

Primär- und Sekundärseite

Die Primärspule ist die Eingangsseite. An ihr liegen die Primärspannung $U_1$ und der Primärstrom $I_1$ an; ihre Windungszahl heißt $N_1$.

Die Sekundärspule ist die Ausgangsseite. An ihr entsteht die Sekundärspannung $U_2$. Ist ein Verbraucher angeschlossen, fließt der Sekundärstrom $I_2$; die Windungszahl heißt $N_2$.

Beide Spulen sitzen auf einem gemeinsamen Eisen- oder Ferritkern. Er bündelt das Magnetfeld und koppelt die Spulen magnetisch. Die Stromkreise sind dabei nicht durch einen Draht miteinander verbunden.

Die Wirkungskette lautet:

  1. Die Wechselspannung an der Primärspule erzeugt einen zeitlich veränderlichen Primärstrom.
  2. Dieser Strom erzeugt ein veränderliches Magnetfeld im Kern.
  3. Das veränderliche Magnetfeld durchsetzt die Sekundärspule.
  4. Dort wird eine Wechselspannung induziert.
  5. Erst bei geschlossenem Sekundärkreis fließt ein Sekundärstrom.
Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt die Sekundärseite richtig?
Lösung: Dort wird durch das veränderliche Magnetfeld eine Spannung induziert. — Das Feld entsteht zunächst durch den Primärstrom und koppelt zur Sekundärspule. Strom fließt sekundär erst bei angeschlossener Last.
Warum Wechselspannung nötig ist

Entscheidend für die Induktion ist nicht das bloße Vorhandensein eines Magnetfelds, sondern seine Änderung. Eine Wechselspannung lässt den Primärstrom und damit das Magnetfeld fortlaufend wechseln.

Bei Gleichspannung ändert sich das Magnetfeld nur kurz beim Ein- oder Ausschalten. Danach bleibt es konstant, sodass keine dauerhafte Sekundärspannung induziert wird.

Merke

Ein Transformator braucht für den dauerhaften Betrieb ein veränderliches Magnetfeld. Deshalb arbeitet er mit Wechselspannung.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelAn die Primärspule wird eine konstante Gleichspannung gelegt. Was geschieht nach dem kurzen Einschaltvorgang?
Lösung: Es entsteht keine dauerhafte Sekundärspannung. — Nur während sich der Strom und damit das Magnetfeld ändern, kann kurzzeitig eine Spannung induziert werden.
Wie Windungen und Spannung zusammenhängen

Im idealen, unbelasteten Modell gilt für die Spannungen:

$$\frac{U_1}{U_2}=\frac{N_1}{N_2}$$

Gleichwertig ist:

$$U_2=\frac{N_2}{N_1}\cdot U_1$$

Damit kannst du drei Fälle unterscheiden:

  • $N_2\lt N_1$: Die Spannung wird heruntertransformiert.
  • $N_2\gt N_1$: Die Spannung wird hochtransformiert.
  • $N_2=N_1$: Beide Spannungen sind gleich groß.
Beispiel

Gegeben sind $U_1=230\,\mathrm{V}$, $U_2=5\,\mathrm{V}$ und $N_1=460$. Gesucht ist $N_2$.

Zuerst wird das Spannungsverhältnis nach $N_2$ umgestellt:

$$N_2=\frac{U_2}{U_1}\cdot N_1$$

Dann werden die Werte eingesetzt:

$$N_2=\frac{5\,\mathrm{V}}{230\,\mathrm{V}}\cdot460=10$$

Die Sekundärspule braucht im idealen Modell 10 Windungen. Die kleinere Windungszahl passt zur deutlich kleineren Ausgangsspannung.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin idealer Transformator besitzt sekundär doppelt so viele Windungen wie primär. Wie verhält sich die Spannung?
Lösung: Die Sekundärspannung ist doppelt so groß wie die Primärspannung. — Im idealen unbelasteten Modell gilt $U_2/U_1=N_2/N_1$. Ein Windungsverhältnis von 2 ergibt daher ein Spannungsverhältnis von 2.
Wie Stromstärke und Leistung zusammenhängen

Für einen idealen Transformator ohne Verluste sind Eingangs- und Ausgangsleistung gleich:

$$P_1=P_2$$

Mit $P=U\cdot I$ folgt:

$$U_1I_1=U_2I_2$$

Daher verhalten sich die Stromstärken umgekehrt zu den Windungszahlen:

$$\frac{I_1}{I_2}=\frac{N_2}{N_1}$$

Wird die Spannung heruntertransformiert, kann auf der Sekundärseite eine größere Stromstärke auftreten. Das ist keine zusätzliche Energie: Die kleinere Spannung wird durch die größere Stromstärke ausgeglichen.

Beispiel

Im Beispiel liefert die Sekundärseite $P_2=5\,\mathrm{W}$ bei $U_2=5\,\mathrm{V}$.

$$I_2=\frac{P_2}{U_2}=\frac{5\,\mathrm{W}}{5\,\mathrm{V}}=1\,\mathrm{A}$$

Mit $N_1=460$ und $N_2=10$ ergibt sich:

$$I_1=\frac{N_2}{N_1}\cdot I_2=\frac{10}{460}\cdot1\,\mathrm{A}\approx0{,}022\,\mathrm{A}=22\,\mathrm{mA}$$

Die Probe bestätigt die Leistung näherungsweise: $230\,\mathrm{V}\cdot0{,}022\,\mathrm{A}\approx5\,\mathrm{W}$. Die kleine Abweichung entsteht durch das gerundete Stromergebnis.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin idealer Transformator erhöht die Spannung bei gleicher übertragener Leistung. Was muss mit der Stromstärke geschehen?
Lösung: Sie wird kleiner. — Im verlustlosen Modell bleibt die Leistung gleich. Spannung und Stromstärke verändern sich deshalb gegensinnig.
Ideales Modell, Verluste und Sicherheit

Ein idealer Transformator ist eine vereinfachte Modellvorstellung ohne Energieverluste. Ein realer Transformator erwärmt sich unter anderem durch elektrische Widerstände der Wicklungen und Vorgänge im Kern. Deshalb ist seine Ausgangsleistung kleiner als seine Eingangsleistung.

Der Wirkungsgrad beschreibt den nutzbaren Anteil:

$$\eta=\frac{P_2}{P_1}$$

Beim unbelasteten Transformator ist der Sekundärkreis offen: Es liegt eine Sekundärspannung an, aber $I_2=0$. Beim belasteten Transformator ist ein Verbraucher angeschlossen. Entnimmt er Strom, steigt durch die magnetische Rückwirkung auch der Primärstrom.

Gut zu wissen

Die Übersetzungsformeln sind Idealisierungen. Das Spannungsverhältnis lässt sich besonders am unbelasteten idealen Transformator beschreiben. Das umgekehrte Stromverhältnis gehört zum belasteten idealen Modell; reale Messwerte weichen durch Verluste ab.

Ein Kurzschluss auf der Sekundärseite bedeutet einen nahezu widerstandslosen geschlossenen Stromkreis. Dann können auf beiden Seiten sehr hohe Ströme auftreten. Die starke Erwärmung kann den Transformator zerstören.

Transformatoren werden in Netzgeräten und in der Energieversorgung eingesetzt. Für die Übertragung elektrischer Energie wird die Spannung erhöht; vor der Nutzung wird sie wieder verringert. Bei gleicher Leistung bedeutet eine höhere Spannung eine kleinere Stromstärke.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWarum ist ein realer Transformator kein verlustloser Energiewandler?
Lösung: Ein Teil der Energie wird unter anderem in Wärme umgewandelt. — Reale Wicklungen und Kerne verursachen Verluste. Deshalb gilt $P_2\lt P_1$ und der Wirkungsgrad ist kleiner als 1.
Frage 2 von 2SchwerWarum ist ein Kurzschluss auf der Sekundärseite gefährlich?
Lösung: Weil sehr hohe Ströme eine starke Erwärmung verursachen können. — Ein nahezu widerstandsloser Sekundärkreis belastet den Transformator extrem. Schutzmaßnahmen müssen den Strom begrenzen oder abschalten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Transformator
    • Aufbau: Primärspule, Sekundärspule und gemeinsamer Kern
    • Ursache: Wechselspannung erzeugt ein veränderliches Magnetfeld
    • Wirkung: In der Sekundärspule wird Spannung induziert
    • Übersetzung: Spannung folgt dem Windungsverhältnis
    • Leistung: Im idealen Modell bleibt sie erhalten
    • Realität: Verluste, Erwärmung und Kurzschlussgefahr
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Größe entscheidet im idealen Modell direkt über das Spannungsverhältnis?
Lösung: Das Verhältnis der Windungszahlen — Es gilt $U_1/U_2=N_1/N_2$.
Frage 2 von 3MittelEin idealer Transformator hat $U_1=6\,\mathrm{V}$, $N_1=120$ und soll $U_2=24\,\mathrm{V}$ liefern. Wie groß ist $N_2$?
Lösung: $480$ Windungen — Mit $N_2=(U_2/U_1)\cdot N_1$ folgt $N_2=(24/6)\cdot120=480$.
Frage 3 von 3SchwerBei einem realen Transformator ist die Ausgangsleistung kleiner als die Eingangsleistung. Welche Erklärung passt?
Lösung: Im realen Gerät treten Verluste auf. — Das ideale Modell vernachlässigt Widerstands- und Kernverluste. Beim realen Transformator wird ein Teil der aufgenommenen Energie beispielsweise in Wärme umgewandelt.

Passend dazu