Physik

Wechselstrom: Frequenz, Effektivwert und Stromnetz

Wechselstrom: Frequenz, Effektivwert und Stromnetz
Wechselstrom: Frequenz, Effektivwert und Stromnetz
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Wechselstrom ändert seine Richtung periodisch. Im europäischen Stromnetz wiederholt sich der Verlauf 50-mal pro Sekunde. Diese Frequenz von $50\,\mathrm{Hz}$ ermöglicht zusammen mit Transformatoren eine flexible Energieversorgung: Spannungen lassen sich für die Übertragung erhöhen und für Haushalte wieder senken.

Auf dieser Seite lernst du, Wechselstrom von Gleichstrom zu unterscheiden, einen sinusförmigen Verlauf zu lesen, den Effektivwert zu nutzen und die Rolle hoher Spannungen im Stromnetz zu erklären.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wechselstrom und Gleichstrom unterscheiden

Elektrischer Strom beschreibt die gerichtete Bewegung elektrischer Ladung. Entscheidend für die Unterscheidung ist, ob die Richtung gleich bleibt oder regelmäßig wechselt.

Definition

Wechselstrom

Bei Wechselstrom, kurz AC für Alternating Current, ändert sich die Stromrichtung periodisch. Die zugehörige Wechselspannung wechselt regelmäßig ihre Polarität.

Definition

Gleichstrom

Bei Gleichstrom, kurz DC für Direct Current, bleibt die Stromrichtung gleich. Eine Batterie oder ein Akku stellt Gleichspannung bereit. Die technische Stromrichtung wird vom Plus- zum Minuspol angegeben; Elektronen bewegen sich im äußeren Stromkreis entgegengesetzt.

Strom und Spannung sind verschiedene Größen: Die Spannung treibt die Ladungsbewegung an, die Stromstärke beschreibt den Ladungsfluss. Deshalb solltest du „Strom“ und „Spannung“ nicht gleichsetzen.

Wechselgrößen müssen nicht sinusförmig sein. Auch Rechteck- oder Sägezahnverläufe sind möglich. Im Stromnetz und in den folgenden Rechnungen betrachten wir den besonders wichtigen sinusförmigen Verlauf.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt Wechselstrom?
Lösung: Seine Richtung ändert sich periodisch. — Wechselstrom wird durch den periodischen Richtungswechsel bestimmt, nicht durch einen bestimmten Spannungswert.
Frage 2 von 2MittelEin Akku versorgt eine Lampe. Welche Beschreibung passt?
Lösung: Der Akku liefert Gleichspannung; die Stromrichtung im Stromkreis bleibt gleich. — Ein Akku ist eine Gleichspannungsquelle. Spannung und Stromstärke bleiben trotzdem verschiedene physikalische Größen.
Einen Sinusverlauf lesen

Eine sinusförmige Wechselspannung lässt sich beschreiben durch

$$u(t)=u_{\max}\sin(2\pi f t)$$

Dabei ist $u(t)$ der momentane Spannungswert, $u_{\max}$ der positive Scheitelwert, $f$ die Frequenz und $t$ die Zeit. Für eine sinusförmige Stromstärke gilt entsprechend $i(t)=i_{\max}\sin(2\pi f t)$.

Die Periodendauer $T$ ist die Zeit für eine vollständige Wiederholung. Frequenz und Periodendauer hängen so zusammen:

$$T=\frac{1}{f} \qquad\text{und}\qquad f=\frac{1}{T}$$

Beispiel

Für Netzwechselstrom gilt $f=50\,\mathrm{Hz}$.

$$T=\frac{1}{50\,\mathrm{s}^{-1}}=0{,}02\,\mathrm{s}=20\,\mathrm{ms}$$

Der Verlauf braucht also $20\,\mathrm{ms}$ für eine vollständige Periode. In einer Sekunde entstehen 50 vollständige Perioden. Da jede Periode aus einer positiven und einer negativen Halbwelle besteht, wechselt die Polarität alle $10\,\mathrm{ms}$, also 100-mal pro Sekunde.

Merke

$50\,\mathrm{Hz}$ bedeutet 50 vollständige Perioden pro Sekunde. Eine positive und eine negative Halbwelle bilden zusammen eine Periode.

Sind Spannung und Strom gleichzeitig bei ihren Maxima, Minima und Nulldurchgängen, heißen sie gleichphasig. Erreichen sie diese Punkte zu verschiedenen Zeiten, liegt eine Phasenverschiebung vor. Sie kann zum Beispiel bei Spulen oder Kondensatoren auftreten. Für die Leistungsbetrachtung auf dieser Seite verwenden wir den einfacheren Fall eines ohmschen Widerstands mit gleichphasiger Spannung und Stromstärke.

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Frage 1 von 2LeichtWie lange dauert bei $50\,\mathrm{Hz}$ eine vollständige Periode?
Lösung: $0{,}02\,\mathrm{s}$ — Mit $T=1/f$ folgt $T=1/(50\,\mathrm{s}^{-1})=0{,}02\,\mathrm{s}$.
Frage 2 von 2MittelEin Sinusverlauf hat $T=0{,}01\,\mathrm{s}$. Welche Frequenz gehört dazu?
Lösung: $100\,\mathrm{Hz}$ — Aus $f=1/T$ folgt $f=1/(0{,}01\,\mathrm{s})=100\,\mathrm{s}^{-1}=100\,\mathrm{Hz}$.
Effektivwert und Leistung verstehen

Ein sinusförmiger Wechselstrom hat über eine ganze Periode den Mittelwert null: Positive und negative Werte heben sich auf. Trotzdem kann er einen Widerstand erwärmen und Energie übertragen. Für diese Wirkung verwendet man den Effektivwert.

Definition

Effektivwert

Der Effektivwert einer Wechselspannung oder Wechselstromstärke gibt an, welcher Gleichspannungs- beziehungsweise Gleichstromwert an einem ohmschen Widerstand dieselbe mittlere Leistung erzeugen würde.

Für sinusförmige Größen gilt:

$$U_{\mathrm{eff}}=\frac{u_{\max}}{\sqrt{2}} \qquad\text{und}\qquad I_{\mathrm{eff}}=\frac{i_{\max}}{\sqrt{2}}$$

Umgekehrt erhältst du den Scheitelwert mit

$$u_{\max}=\sqrt{2}\,U_{\mathrm{eff}}$$

Beispiel

Die Angabe $230\,\mathrm{V}$ an einer Haushaltssteckdose bezeichnet den Effektivwert. Für einen sinusförmigen Verlauf ist der Scheitelwert

$$u_{\max}=\sqrt{2}\cdot230\,\mathrm{V}\approx325\,\mathrm{V}$$

Die momentane Spannung erreicht also ungefähr $+325\,\mathrm{V}$ und $-325\,\mathrm{V}$. Die Angabe $230\,\mathrm{V}$ ist nicht der Scheitelwert.

An einem ohmschen Widerstand sind Spannung und Strom gleichphasig. Dann gilt für die momentane Leistung:

$$p(t)=u(t)i(t)=u_{\max}i_{\max}\sin^2(2\pi f t)$$

Weil ein Quadrat nicht negativ ist, bleibt $p(t)$ in diesem Modell nichtnegativ, obwohl Spannung und Strom ihre Vorzeichen wechseln. Die Leistung schwankt zwischen null und einem Höchstwert. Ihr zeitlicher Mittelwert ist

$$\overline{P}=U_{\mathrm{eff}}I_{\mathrm{eff}}=\frac{1}{2}u_{\max}i_{\max}$$

Gut zu wissen

Diese Leistungsbeziehung gilt hier für einen ohmschen Widerstand und gleichphasige sinusförmige Größen. Bei einer Phasenverschiebung muss die Leistungsbetrachtung erweitert werden.

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Frage 1 von 2LeichtWas bedeutet die Angabe $230\,\mathrm{V}$ beim Netzwechselstrom?
Lösung: Sie ist der Effektivwert der Wechselspannung. — Der Effektivwert beschreibt die Leistungswirkung. Für Sinusspannung gilt $u_{\max}=\sqrt{2}U_{\mathrm{eff}}$.
Frage 2 von 2MittelEine sinusförmige Spannung hat den Scheitelwert $100\,\mathrm{V}$. Welcher Effektivwert passt ungefähr?
Lösung: $70{,}7\,\mathrm{V}$ — $U_{\mathrm{eff}}=100\,\mathrm{V}/\sqrt{2}\approx70{,}7\,\mathrm{V}$.
Warum hohe Spannung Leitungsverluste senkt

Elektrische Energie wird über mehrere Spannungsebenen verteilt. Generatoren erzeugen Wechselspannung. Transformatoren erhöhen sie für den Transport und senken sie später stufenweise bis zur Haushaltsversorgung. Der große Vorteil von Wechselspannung ist, dass sich ihre Spannung mit Transformatoren vergleichsweise einfach verändern lässt.

Warum hilft eine hohe Spannung? In einem vereinfachten Modell gilt für die übertragene Leistung

$$P=UI$$

Soll dieselbe Leistung $P$ übertragen werden, folgt

$$I=\frac{P}{U}$$

Eine höhere Spannung $U$ bedeutet dann eine kleinere Stromstärke $I$. Für eine Leitung mit dem Widerstand $R$ werden die Wärmeverluste durch

$$P_{\mathrm{Verlust}}=I^2R$$

beschrieben. Weil die Stromstärke quadriert wird, wirkt ihre Verringerung besonders stark.

Beispiel

Verdoppelt ein Transformator im idealisierten Modell die Übertragungsspannung, halbiert sich bei gleicher Leistung die Stromstärke:

$$I_{\mathrm{neu}}=\frac{P}{2U}=\frac{I_{\mathrm{alt}}}{2}$$

Bei gleichem Leitungswiderstand werden die Wärmeverluste zu

$$P_{\mathrm{Verlust,neu}}=\left(\frac{I_{\mathrm{alt}}}{2}\right)^2R=\frac{1}{4}P_{\mathrm{Verlust,alt}}$$

Die doppelte Spannung führt in diesem vereinfachten Vergleich also zu einem Viertel der Leitungsverluste.

Merke

Bei gleicher übertragener Leistung gilt: Spannung hoch, Stromstärke runter, Leitungsverluste deutlich runter.

Das Modell vergleicht dieselbe Leistung und dieselbe Leitung. Reale Netze enthalten zusätzlich Transformatoren, Phasenverschiebungen und weitere Verlustquellen. Der grundlegende Zusammenhang bleibt: Für die Fernübertragung wird die Spannung hochgesetzt, damit die Stromstärke und damit die Leitungsverluste kleiner werden.

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Frage 1 von 2MittelEine Leitung überträgt dieselbe Leistung bei doppelter Spannung. Was geschieht im einfachen Modell mit der Stromstärke?
Lösung: Sie halbiert sich. — Wenn $U$ verdoppelt wird und $P$ gleich bleibt, folgt $I_{\mathrm{neu}}=P/(2U)=I_{\mathrm{alt}}/2$.
Frage 2 von 2SchwerDie Stromstärke in derselben Leitung sinkt auf ein Drittel. Welcher Anteil der ursprünglichen Wärmeverluste bleibt?
Lösung: Ein Neuntel — Aus $P_{\mathrm{Verlust}}=I^2R$ folgt bei $I_{\mathrm{neu}}=I_{\mathrm{alt}}/3$ der Faktor $(1/3)^2=1/9$.
Wechselstrom im Alltag verfolgen

Im Alltag treffen AC und DC oft in einer Umwandlungskette aufeinander.

  • Haushaltsgerät: Aus der Steckdose kommen $230\,\mathrm{V}$ Wechselspannung. Manche Geräte nutzen AC direkt; elektronische Geräte wandeln ihn im Netzteil in DC um.
  • Photovoltaik: Solarzellen erzeugen Gleichstrom. Ein Wechselrichter wandelt ihn für die Nutzung im Wechselstromnetz um.
  • Elektroauto: Der Akku wird mit Gleichstrom geladen. Beim AC-Laden wandelt das Ladegerät im Fahrzeug AC in DC. Beim DC-Schnellladen geschieht die Umwandlung bereits in der Ladesäule.
  • Sehr lange Übertragungsstrecke: Konverterstationen können Netz-AC in Hochspannungs-Gleichstrom umwandeln und am Ende wieder AC bereitstellen.

Drehstrom ist Wechselstrom mit drei sinusförmigen Phasen, die um $120^\circ$ gegeneinander verschoben sind. Er wird unter anderem für leistungsstarke Geräte und in der Energieversorgung eingesetzt. Die normale Haushaltssteckdose liefert einphasige Wechselspannung mit $230\,\mathrm{V}$; Drehstromanschlüsse werden häufig mit $400\,\mathrm{V}$ angegeben.

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Frage 1 von 2MittelWo findet beim AC-Laden eines Elektroautos die Umwandlung in Gleichstrom statt?
Lösung: Im Ladegerät des Fahrzeugs — Beim AC-Laden übernimmt das fahrzeugseitige Ladegerät die Umwandlung. Beim DC-Schnellladen geschieht sie bereits in der Station.
Frage 2 von 2SchwerEine Solaranlage soll Energie in ein Wechselstromnetz einspeisen. Welches Bauteil wird benötigt?
Lösung: Ein Wechselrichter — Solarzellen liefern DC. Der Wechselrichter erzeugt daraus AC für die Nutzung oder Einspeisung im Wechselstromnetz.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wechselstrom
    • Verlauf
      • periodischer Richtungswechsel
      • $50\,\mathrm{Hz}$ bedeutet 50 Perioden pro Sekunde
    • Kennwerte
      • $T=1/f$
      • $U_{\mathrm{eff}}=u_{\max}/\sqrt{2}$
    • Leistung
      • am ohmschen Widerstand $\overline{P}=U_{\mathrm{eff}}I_{\mathrm{eff}}$
      • momentane Leistung schwankt
    • Stromnetz
      • Transformatoren verändern die Spannung
      • hohe Spannung senkt Stromstärke und Leitungsverluste
    • Umwandlungen
      • Netzteil wandelt AC in DC
      • Wechselrichter wandelt DC in AC
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Deutung von $50\,\mathrm{Hz}$ ist richtig?
Lösung: Der Verlauf wiederholt sich 50-mal pro Sekunde vollständig. — Hertz zählt vollständige Perioden pro Sekunde. Bei $50\,\mathrm{Hz}$ dauert eine Periode $20\,\mathrm{ms}$.
Frage 2 von 4MittelEine sinusförmige Wechselspannung hat $U_{\mathrm{eff}}=12\,\mathrm{V}$. Welcher Scheitelwert passt ungefähr?
Lösung: $17{,}0\,\mathrm{V}$ — $u_{\max}=\sqrt{2}\cdot12\,\mathrm{V}\approx17{,}0\,\mathrm{V}$.
Frage 3 von 4SchwerZwei Leitungen mit gleichem Widerstand übertragen dieselbe Leistung. Leitung B arbeitet mit dreifacher Spannung von Leitung A. Wie groß sind ihre Wärmeverluste im einfachen Modell?
Lösung: Leitung B hat ein Neuntel der Verluste von Leitung A. — Bei dreifacher Spannung sinkt $I=P/U$ auf ein Drittel. Mit $P_{\mathrm{Verlust}}=I^2R$ bleiben $(1/3)^2=1/9$ der Verluste.
Frage 4 von 4SchwerEine Anlage erzeugt DC, soll aber in ein AC-Netz einspeisen. Welche Begründung ist vollständig?
Lösung: Ein Wechselrichter muss DC in AC umwandeln, damit die Energie in das Wechselstromnetz eingespeist werden kann. — Ein Wechselrichter erzeugt aus Gleichstrom Wechselstrom. Ein Gleichrichter arbeitet in der Gegenrichtung.

Wenn du den Verlauf, den Effektivwert und die Übertragungskette erklären kannst, verstehst du den Kern: Wechselstrom ändert periodisch seine Richtung und lässt sich durch veränderbare Spannung wirkungsvoll im Stromnetz verteilen.

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