Physik

Elektrische Energieversorgung: Stromnetz und Verluste verstehen

Elektrische Energieversorgung: Stromnetz und Verluste verstehen

Elektrische Energieversorgung: Stromnetz und Verluste verstehen
Elektrische Energieversorgung: Stromnetz und Verluste verstehen
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Elektrische Energieversorgung bringt elektrische Energie von verschiedenen Quellen über das Stromnetz bis zu den Verbrauchern. Dabei wird Energie nicht neu erzeugt: Kraftwerke und andere Anlagen wandeln vorhandene Energieformen um. Hohe Spannungen begrenzen die Verluste beim Transport, und das Netz muss Erzeugung und Nutzung jederzeit ausgleichen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Von der Energiequelle bis zur Steckdose

Elektrische Energie entsteht technisch durch die Umwandlung anderer Energieformen. Der Ausdruck „Stromerzeugung“ ist üblich, physikalisch aber verkürzt: Energie wird weder erschaffen noch vernichtet.

Definition

Primärenergie

Primärenergie ist die Energie, die vor der technischen Umwandlung in einer natürlichen Quelle vorhanden ist. Beispiele sind die Bewegungsenergie des Windes, die Lageenergie von Wasser, die chemische Energie von Brennstoffen, Kernenergie, Strahlungsenergie der Sonne und Erdwärme.

Ein Generator wandelt mechanische Energie einer Drehbewegung in elektrische Energie um. In einem Kohlekraftwerk erhitzt die Verbrennung Wasser. Der entstehende Dampf treibt eine Turbine an, ein Rad mit Schaufeln, das mit dem Generator verbunden ist. Die Umwandlungskette lautet:

chemische Energie → thermische Energie → Bewegungsenergie der Turbine → elektrische Energie

Bei Wind- und Wasserkraftanlagen steht die mechanische Bewegung früher in der Kette. Photovoltaikanlagen wandeln dagegen Strahlungsenergie der Sonne in elektrische Energie um.

Definition

Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad $\eta$ beschreibt, welcher Anteil der eingesetzten Energie als gewünschte Nutzenergie bereitsteht:

$$\eta = \frac{E_{nutz}}{E_{ein}}$$

Dabei ist $E_{nutz}$ die gewünschte Nutzenergie und $E_{ein}$ die insgesamt eingesetzte Energie. Beide müssen in derselben Einheit angegeben werden. Der Wirkungsgrad liegt höchstens bei 1 beziehungsweise 100 %. Die übrige Energie verschwindet nicht, sondern wird meist in schlechter nutzbare Formen wie Umgebungswärme umgewandelt.

Beispiel

Fiktives Rechenbeispiel: Für ein Wasserkraftwerk nehmen wir einen Wirkungsgrad von 90 % an. Von 100 Einheiten Energie des Wassers werden dann $0{,}90 \cdot 100 = 90$ Einheiten als elektrische Energie bereitgestellt. Die übrigen $100 - 90 = 10$ Einheiten werden in andere Energieformen umgewandelt. Zur Kontrolle ergibt $90/100 = 0{,}90$ den angenommenen Wirkungsgrad.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt „Stromerzeugung“ physikalisch richtig?
Lösung: Eine vorhandene Energieform wird in elektrische Energie umgewandelt. — Die Gesamtenergie bleibt erhalten. Nur ihre Form und ihre technische Nutzbarkeit ändern sich.
Warum Hochspannung Verluste verringert

Übliche metallische Stromleitungen besitzen einen elektrischen Widerstand $R$: Sie behindern den Stromfluss und erwärmen sich dabei. Ein Teil der übertragenen Energie wird dadurch zu Wärme. Leistung beschreibt, wie viel Energie pro Zeit umgesetzt wird. Die Verlustleistung $P_V$ ist hier die pro Zeit in der Leitung in Wärme umgewandelte Energie. Es gilt:

$$P_V = R \cdot I^2$$

$I$ bezeichnet die Stromstärke in Ampere (A), $R$ den Widerstand in Ohm und $P_V$ die Verlustleistung in Watt (W). Bei unverändertem Widerstand gilt also $P_V \propto I^2$: Verdoppelst du die Stromstärke, vervierfacht sich die Verlustleistung.

Für das folgende vereinfachte Modell verwenden wir einen Gleichstromkreis, in dem die Stromrichtung gleich bleibt. Dort gilt für die elektrische Leistung $P$ bei der Spannung $U$:

$$P = U \cdot I$$

Die Spannung $U$ wird in Volt (V) angegeben. Soll dieselbe Leistung $P$ übertragen werden, führt eine höhere Spannung zu einer kleineren Stromstärke: Aus der Formel folgt $I=P/U$. Weil die Verluste quadratisch von $I$ abhängen, sinken sie besonders stark.

Im realen Drehstromnetz hängt die Leistungsformel zusätzlich von der Anordnung der drei Phasen und ihrer Belastung ab. Bei unveränderten übrigen Bedingungen gilt auch dort: Höhere Spannung ermöglicht bei gleicher Leistung eine kleinere Stromstärke. Die folgenden Zahlen gehören zu unserem vereinfachten Modell.

Beispiel

Fiktives Rechenbeispiel: Am Anfang einer Leitung soll eine elektrische Leistung von 100 MW bereitgestellt werden. Wir vergleichen zwei Spannungen bei gleichem Leitungswiderstand. Dabei bedeutet Mega eine Million und Kilo tausend: $100\,MW = 100\,000\,000\,W$ und $100\,kV = 100\,000\,V$.

Bei 100 kV ergibt das vereinfachte Modell:

$$I_1 = \frac{100\,000\,000\,W}{100\,000\,V} = 1000\,A$$

Bei $200\,kV = 200\,000\,V$ gilt:

$$I_2 = \frac{100\,000\,000\,W}{200\,000\,V} = 500\,A$$

Die Stromstärke wurde halbiert. Das Verhältnis der Verlustleistungen beträgt deshalb:

$$\frac{P_{V,2}}{P_{V,1}} = \left(\frac{500}{1000}\right)^2 = \frac14$$

Bei gleichem Leitungswiderstand sinkt die Verlustleistung auf ein Viertel.

Merke

Doppelte Spannung bedeutet im Modell bei gleicher Leistung halbe Stromstärke. Bei gleichem Leitungswiderstand bleibt damit nur ein Viertel der ohmschen Verlustleistung, also der durch den Widerstand verursachten Wärmeleistung.

Ein Transformator kann Wechselspannungen erhöhen oder senken. Wechselspannung ändert periodisch ihre Größe und ihr Vorzeichen. Bei der Übertragung von einem großen Kraftwerk wird sie für den Transport erhöht und vor der Nutzung wieder gesenkt. Im deutschen Wechselstrom-Übertragungsnetz sind 220 kV und 380 kV üblich; normale Haushaltssteckdosen haben eine Nennspannung von 230 V. Eine Nennspannung ist der festgelegte Wert, auf den ein Netz oder Gerät ausgelegt ist.

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Frage 1 von 1MittelBei gleichbleibender Leistung wird die Übertragungsspannung verdoppelt. Was geschieht im vereinfachten Modell?
Lösung: Die Stromstärke halbiert sich, die Leitungsverluste sinken auf ein Viertel. — Aus $P = U \cdot I$ folgt die halbierte Stromstärke. Wegen $P_V \propto I^2$ wird daraus ein Viertel der Verlustleistung.
Wie die Netzebenen Energie verteilen

Im deutschen Stromnetz sind folgende Spannungsebenen üblich. Sie passen die Spannung an Entfernung und Nutzung an:

  1. Höchstspannung: 220 kV oder 380 kV für große Entfernungen.
  2. Hochspannung: 110 kV für die überregionale Verteilung.
  3. Mittelspannung: häufig 10 bis 30 kV für Städte, Ortschaften und Gewerbegebiete.
  4. Niederspannung: 230 V beziehungsweise 400 V für die lokale Verteilung.

Umspannanlagen verbinden mit Transformatoren unterschiedliche Spannungsebenen. Auf dem Weg vom großen Kraftwerk über das Übertragungsnetz zum Haushalt wird die Spannung zunächst erhöht und dann stufenweise gesenkt. So verbindet das Netz verlustarmen Ferntransport mit Spannungen, für die Geräte gebaut sind. Nicht jede Anlage speist auf der höchsten Ebene ein: Kleine Photovoltaikanlagen auf Hausdächern liefern beispielsweise Energie direkt ins Niederspannungsnetz.

Die öffentlichen Wechselstromnetze in Europa haben eine Nennfrequenz von 50 Hertz (Hz). Das bedeutet 50 vollständige Schwingungen pro Sekunde. Im Netz wird überwiegend Dreiphasenwechselstrom, kurz Drehstrom, genutzt: Drei Wechselspannungen sind jeweils um ein Drittel einer Schwingung zeitlich versetzt.

Im idealen Modell ändern sich die drei Ströme sinusförmig, also in der gleichmäßigen Wellenform einer Sinuskurve. Bei gleichmäßiger Belastung sind sie gleich stark. Ihre momentanen Werte addieren sich dann zu null. Zur Übertragung genügen deshalb drei stromführende Außenleiter. Im Haushaltsnetz gibt es zusätzlich den Neutralleiter: Zwischen ihm und einem Außenleiter liegen nominell 230 V, zwischen zwei Außenleitern 400 V. Daher beziehen sich die beiden Niederspannungsangaben auf unterschiedliche Leiterpaare.

Gut zu wissen

Hohe Spannungen sind gefährlich. Ausreichende Abstände helfen, elektrische Überschläge zu vermeiden. Isolatoren aus schlecht leitendem Material trennen die Leiterseile von den geerdeten Masten. Darüber verlaufende Erdseile dienen dem Blitzschutz.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Nahe dem Kraftwerk wird die Spannung . Dadurch wird bei gleicher Leistung die Stromstärke . Vor der Nutzung wird die Spannung wieder . Haushalte erhalten schließlich .

Lösungen: Lücke 1: hochtransformiert; Lücke 2: kleiner; Lücke 3: gesenkt; Lücke 4: 230 V. Hochspannung dient dem verlustarmen Ferntransport. Für die lokale Nutzung wird sie über mehrere Netzebenen wieder abgesenkt.
Warum Erzeugung und Nutzung im Gleichgewicht bleiben müssen

Im Stromnetz müssen Einspeisung und Entnahme einschließlich der Netzverluste fortlaufend ausgeglichen werden. Steigt die Nachfrage, können regelbare Kraftwerke ihre Leistung erhöhen oder Speicher Energie abgeben. Sinkt die Nachfrage, lässt sich die Erzeugung drosseln oder ein Speicher laden. Auch eine Verschiebung geeigneter Nutzungen auf einen anderen Zeitpunkt hilft beim Ausgleich.

Ein Verbundnetz verbindet Regionen und Länder. Fällt ein Kraftwerk wegen einer Reparatur aus, können andere Anlagen einen Teil seiner Aufgabe übernehmen, sofern genügend Erzeugungs- und Leitungskapazität verfügbar ist. Das erhöht die Versorgungssicherheit.

Wind und Sonne stehen nicht ständig in gleicher Stärke zur Verfügung. Ein stabiler Energiemix kombiniert deshalb verschiedene Quellen und Ausgleichsmöglichkeiten. Dazu gehören ein weit verbundenes Netz, Speicher, regelbare Erzeugung und zeitlich flexible Nachfrage.

Definition

Energiemix

Der Energiemix ist die Zusammensetzung der Energiequellen, die gemeinsam zur Versorgung beitragen. Keine einzelne Kennzahl beschreibt automatisch, welcher Mix am besten geeignet ist.

Beispiel

Fiktives Beispiel: An einem Nachmittag liefern Windkraftanlagen mehr elektrische Energie, als die Region gerade benötigt. Das Verbundnetz kann sie in andere Regionen übertragen. Zusätzlich können Speicher Energie aufnehmen, andere Anlagen ihre Leistung verringern oder geeignete Verbraucher ihre Nutzung zeitlich verschieben.

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Frage 1 von 2MittelWarum kann ein Verbundnetz die Versorgung sicherer machen?
Lösung: Andere Regionen können bei einem Ausfall elektrische Energie bereitstellen. — Durch die Verbindung können Erzeugungsüberschüsse und Engpässe räumlich ausgeglichen werden. Leitungsverluste bleiben dennoch bestehen.
Frage 2 von 2SchwerWind- und Solarleistung sinken gleichzeitig, während die Nachfrage steigt. Welche Reaktion unterstützt das Gleichgewicht?
Lösung: Regelbare Erzeugung oder Speicher werden genutzt und geeignete Nachfrage wird verschoben. — Ein stabiles System kombiniert mehrere Möglichkeiten: Erzeugung anpassen, gespeicherte Energie nutzen, Energie importieren oder flexible Nachfrage zeitlich verschieben.
Wie du Energiequellen begründet beurteilst

Ein hoher Wirkungsgrad ist wichtig, reicht für eine Entscheidung aber nicht aus. Eine begründete Beurteilung betrachtet mehrere Kriterien:

  • Verfügbarkeit und zeitliche Schwankungen der Energiequelle,
  • Wirkungsgrad und nutzbarer Energieertrag,
  • Bau-, Betriebs- und Entsorgungskosten,
  • Gefahren und Abfälle,
  • Auswirkungen auf Umwelt und Klima,
  • Flächenbedarf und geologische Voraussetzungen,
  • Beitrag zu Regelbarkeit und Versorgungssicherheit.
Merke

Ein Sachurteil beschreibt oder erklärt einen Sachverhalt anhand überprüfbarer Informationen. Ein Werturteil sagt, welche Ziele und Werte dir wichtig sind, zum Beispiel wie du Sicherheit gegenüber Kosten gewichtest. Für eine begründete Entscheidung brauchst du verlässliche Fakten und eine nachvollziehbare Gewichtung.

Beispiel

Die Aussage „Wasserkraft ist immer die beste Lösung, weil ihr Wirkungsgrad hoch ist“ greift zu kurz. Ein vollständigeres Urteil prüft zusätzlich, ob ein geeigneter Standort vorhanden ist, welche Folgen der Bau hat, welche Kosten entstehen und wie zuverlässig die Anlage Energie bereitstellt.

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Frage 1 von 2MittelWelches Vorgehen ermöglicht eine begründete Beurteilung?
Lösung: Die Quelle wird anhand von Wirkungsgrad, Verfügbarkeit, Risiken, Kosten und Umweltfolgen verglichen. — Energieversorgung ist ein Systemproblem. Deshalb müssen mehrere technische, ökologische und wirtschaftliche Kriterien zusammen betrachtet werden.
Frage 2 von 2SchwerZwei Energiequellen haben denselben Wirkungsgrad. Was folgt daraus?
Lösung: Für eine Beurteilung müssen weitere Kriterien untersucht werden. — Gleicher Wirkungsgrad sagt noch nichts über Verfügbarkeit, Kosten, Risiken, Abfälle oder Umweltfolgen aus.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Elektrische Energieversorgung
    • Umwandlung: Primärenergie wird zu elektrischer Energie
    • Transport: Hochspannung senkt Stromstärke und Leitungsverluste
    • Verteilung: Netzebenen führen bis zu 230 V im Haushalt
    • Gleichgewicht: Erzeugung und Nutzung müssen zusammenpassen
    • Ausgleich: Energiemix, Verbundnetz, Speicher und flexible Nachfrage
    • Beurteilung: Wirkungsgrad plus Kosten, Risiken, Umwelt und Verfügbarkeit
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Netzebene dient dem Ferntransport über große Entfernungen?
Lösung: Höchstspannung mit 220 kV oder 380 kV — Hohe Spannung ermöglicht beim Ferntransport eine kleinere Stromstärke und damit geringere ohmsche Verluste.
Frage 2 von 3MittelDie Stromstärke einer Leitung sinkt bei gleichem Widerstand auf ein Drittel. Wie verändert sich die Verlustleistung?
Lösung: Sie sinkt auf ein Neuntel. — Aus $P_V \propto I^2$ folgt: $(1/3)^2 = 1/9$.
Frage 3 von 3SchwerEine Region möchte ihre Versorgung stärker auf Wind und Sonne stützen. Welche Planung ist am vollständigsten?
Lösung: Erzeugungsprofile, Netzverbindungen, Speicher, flexible Nachfrage und weitere Kriterien werden gemeinsam untersucht. — Eine tragfähige Planung verbindet Erzeugung, Transport, Ausgleich und Nutzung und bewertet technische, ökologische sowie wirtschaftliche Bedingungen gemeinsam.

Du hast das Ziel erreicht, wenn du eine Versorgungskette erklären, den Vorteil der Hochspannung rechnerisch begründen und einen Energiemix mit mehreren Kriterien beurteilen kannst.

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