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Zweitstimme

Zweitstimme einfach erklärt: Parteienwahl, Sitzverteilung und zentrale Bedeutung bei der Bundestagswahl.

Auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl siehst du zwei Spalten. Links geht es um eine Person aus deinem Wahlkreis. Rechts geht es um eine Partei. Diese rechte Seite ist besonders wichtig, weil sie stark beeinflusst, wie der Bundestag am Ende zusammengesetzt ist.

lernziele Du kannst erklären, was die Zweitstimme ist. Du kannst Erststimme und Zweitstimme unterscheiden. Du verstehst, warum die Zweitstimme für die Sitzverteilung so wichtig ist. Du kannst ein einfaches Beispiel zur Sitzverteilung nachvollziehen.

Die Zweitstimme auf dem Stimmzettel

Der Bundestag ist das Parlament von Deutschland. Ein Parlament ist eine gewählte Versammlung, die über Gesetze berät und entscheidet. Bei der Bundestagswahl wählen die Bürgerinnen und Bürger, wer im Bundestag sitzen soll.

Die Zweitstimme ist die Stimme, mit der du bei der Bundestagswahl eine Partei wählst. Eine Partei ist eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen politischen Zielen, zum Beispiel zu Schule, Klima, Wirtschaft oder Sicherheit.

Die Zweitstimme steht auf der rechten Seite des Stimmzettels. Dort steht der Name der Partei. Oft siehst du darunter auch die ersten Namen der Landesliste. Eine Landesliste ist eine geordnete Liste von Kandidatinnen und Kandidaten einer Partei in einem Bundesland.

definition Die Zweitstimme ist bei der Bundestagswahl die Stimme für eine Partei. Sie entscheidet vor allem darüber, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt.

beispiel Stell dir vor, viele Menschen geben ihre Zweitstimme der Partei A. Dann bekommt Partei A auch viele Sitze im Bundestag. Bekommt Partei B weniger Zweitstimmen, bekommt sie weniger Sitze.

merke Die Zweitstimme heißt nicht so, weil sie unwichtig ist. Sie ist für die Stärke der Parteien im Bundestag besonders wichtig.

quiz ?1 Was wählst du mit der Zweitstimme bei der Bundestagswahl?

  • Eine Partei
  • Eine einzelne Person aus deinem Wahlkreis => Das ist die Erststimme.
  • Den Bundeskanzler direkt => Der Bundeskanzler wird nicht direkt mit der Zweitstimme gewählt. ! Mit der Zweitstimme entscheidest du dich für eine Partei.

Erststimme und Zweitstimme unterscheiden

Die Erststimme ist die Stimme für eine einzelne Person in deinem Wahlkreis. Ein Wahlkreis ist ein Gebiet, in dem Menschen eine direkte Vertreterin oder einen direkten Vertreter wählen. Ein Direktmandat ist ein Sitz, den eine Person über den Wahlkreis bekommen kann.

Eine Person, die in einem Wahlkreis antritt, nennt man Direktkandidat oder Direktkandidatin. Die Person mit den meisten Erststimmen im Wahlkreis gewinnt den Wahlkreis. Ob sie wirklich in den Bundestag einzieht, hängt bei Parteikandidaten aber auch vom Zweitstimmenergebnis der Partei ab.

Die Zweitstimme funktioniert anders. Sie schaut nicht zuerst auf eine einzelne Person. Sie schaut auf das Ergebnis der Parteien. Deshalb kann deine Erststimme an eine Person einer Partei gehen und deine Zweitstimme an eine andere Partei.

beispiel Du findest eine Kandidatin aus deinem Wahlkreis überzeugend. Deshalb gibst du ihr deine Erststimme. Gleichzeitig findest du das Programm einer anderen Partei besser. Dann kannst du dieser Partei deine Zweitstimme geben.

info Man nennt es Stimmensplitting, wenn jemand Erststimme und Zweitstimme unterschiedlich vergibt. Das ist erlaubt.

lueckentext Mit der {*Erststimme|Zweitstimme} wählst du eine Person im Wahlkreis. Mit der {*Zweitstimme|Erststimme} wählst du eine Partei. ! Die Erststimme bezieht sich auf eine Person. Die Zweitstimme bezieht sich auf eine Partei.

Warum die Zweitstimme so viel entscheidet

Ein Sitz ist ein Platz im Parlament. Eine Abgeordnete oder ein Abgeordneter ist eine gewählte Person, die im Parlament mitarbeitet. Im Bundestag beraten Abgeordnete über Gesetze und stimmen darüber ab.

Die Zweitstimme ist wichtig, weil sie die Sitzverteilung bestimmt. Wenn eine Partei ungefähr 25 Prozent der berücksichtigten Zweitstimmen bekommt, soll sie ungefähr 25 Prozent der Sitze bekommen. So spiegelt der Bundestag möglichst gut wider, wie stark die Parteien gewählt wurden.

beispiel Nehmen wir ein sehr vereinfachtes Parlament mit 100 Sitzen. Partei A bekommt 40 Prozent der Zweitstimmen. Dann bekäme Partei A ungefähr 40 Sitze. Partei B bekommt 30 Prozent. Dann bekäme Partei B ungefähr 30 Sitze.

merke Die Zweitstimme entscheidet nicht nur über einen einzelnen Menschen. Sie entscheidet über das Kräfteverhältnis der Parteien im Bundestag.

quiz ?2 Warum ist die Zweitstimme für Parteien besonders wichtig?

  • Weil sie vor allem bestimmt, wie viele Sitze eine Partei bekommt
  • Weil sie immer direkt den Kanzler bestimmt => Der Kanzler wird vom Bundestag gewählt, nicht direkt durch die Zweitstimme.
  • Weil sie nur zählt, wenn die Erststimme ungültig ist => Beide Stimmen werden getrennt bewertet. ! Die Zweitstimme ist der zentrale Maßstab für die Stärke einer Partei im Bundestag.

Landeslisten und Zweitstimmendeckung

Eine Landesliste hilft dabei, Sitze einer Partei mit Personen zu besetzen. Wenn eine Partei Sitze bekommt, die nicht schon durch erfolgreiche Direktkandidaten besetzt sind, rücken Personen von der Landesliste nach.

Dabei zählt nicht einfach nur: Wer hat irgendwo gewonnen? Entscheidend ist, wie viele Sitze der Partei nach den Zweitstimmen zustehen. Die Zweitstimmendeckung bedeutet: Ein Direktmandat ist durch den Sitzanspruch der Partei nach Zweitstimmen gedeckt.

beispiel Eine Partei bekommt in einem Bundesland nach den Zweitstimmen 10 Sitze. Drei Kandidaten dieser Partei gewinnen ihre Wahlkreise. Diese drei können die ersten Sitze besetzen. Die übrigen sieben Sitze gehen an Personen von der Landesliste.

beispiel Eine Partei gewinnt in einem Bundesland 11 Wahlkreise. Nach den Zweitstimmen stehen ihr dort aber nur 10 Sitze zu. Dann können nicht alle 11 Wahlkreissieger in den Bundestag einziehen.

info Für die Bundestagswahl ist die Zweitstimme deshalb auch nach der Wahlrechtsreform sehr wichtig: Sie begrenzt, wie viele Abgeordnete einer Partei tatsächlich in den Bundestag kommen.

quiz ?3 Was bedeutet Zweitstimmendeckung?

  • Ein Direktmandat passt zum Sitzanspruch der Partei nach den Zweitstimmen
  • Eine Partei bekommt automatisch alle gewonnenen Wahlkreise zusätzlich => Gewonnene Wahlkreise müssen durch das Zweitstimmenergebnis gedeckt sein.
  • Die Zweitstimme ersetzt die Erststimme vollständig => Beide Stimmen haben verschiedene Aufgaben. ! Zweitstimmendeckung bedeutet, dass ein Wahlkreissieg nur dann zum Sitz führt, wenn die Partei nach Zweitstimmen genug Sitze hat.

Die Fünf-Prozent-Hürde

Nicht jede Partei mit wenigen Stimmen bekommt automatisch Sitze. Eine wichtige Regel ist die Fünf-Prozent-Hürde. Sie bedeutet: Eine Partei muss grundsätzlich mindestens 5 Prozent der gültigen Zweitstimmen erreichen, damit sie bei der Sitzverteilung berücksichtigt wird.

Diese Regel soll verhindern, dass zu viele sehr kleine Parteien im Bundestag sitzen. Sonst könnte es sehr schwer werden, stabile Mehrheiten zu bilden. Gleichzeitig ist die Regel umstritten, weil Stimmen für Parteien unter 5 Prozent bei der Sitzverteilung meist nicht helfen.

Es gibt eine wichtige Ergänzung: Die Grundmandatsklausel bedeutet, dass eine Partei trotz weniger als 5 Prozent bei der Sitzverteilung berücksichtigt werden kann, wenn sie in mindestens drei Wahlkreisen die meisten Erststimmen gewinnt.

beispiel Partei C bekommt 4 Prozent der gültigen Zweitstimmen und gewinnt keinen Wahlkreis. Dann bekommt sie normalerweise keine Sitze. Partei D bekommt 8 Prozent. Sie wird bei der Sitzverteilung berücksichtigt.

beispiel Partei E bekommt 4,8 Prozent der gültigen Zweitstimmen und gewinnt zwei Wahlkreise. Das reicht grundsätzlich nicht für die Grundmandatsklausel, weil dafür mindestens drei gewonnene Wahlkreise nötig sind.

merke Die Fünf-Prozent-Hürde ist eine Zugangsschwelle. Die Grundmandatsklausel ist eine Ausnahme für Parteien mit mindestens drei gewonnenen Wahlkreisen.

lueckentext Eine Partei muss grundsätzlich mindestens {*5 Prozent|2 Prozent|10 Prozent} der gültigen Zweitstimmen erreichen, damit sie bei der Sitzverteilung berücksichtigt wird. ! Diese Regel nennt man Fünf-Prozent-Hürde.

Was passiert, wenn du nur eine Stimme abgibst?

Du musst nicht zwingend beide Stimmen nutzen. Wenn du nur die Zweitstimme abgibst, kann diese trotzdem gültig sein. Die nicht abgegebene Erststimme zählt dann nicht als gültige Stimme.

Auch umgekehrt gilt: Wenn jemand nur eine Erststimme abgibt, fehlt die Zweitstimme. Für die Sitzverteilung der Parteien ist das aber ein Nachteil, weil gerade die Zweitstimme über die Parteistärke entscheidet.

beispiel Du setzt dein Kreuz nur rechts bei einer Partei. Dann zählt deine Zweitstimme für diese Partei. Links hast du keine gültige Erststimme abgegeben.

quiz ?1 Was passiert, wenn du nur die Zweitstimme gültig abgibst?

  • Die Zweitstimme kann trotzdem zählen
  • Beide Stimmen werden automatisch ungültig => Die Stimmen werden getrennt bewertet.
  • Die Zweitstimme wird zur Erststimme => Eine Stimme ändert nicht ihre Funktion. ! Erststimme und Zweitstimme werden getrennt betrachtet.

Zusammenfassung

Die Zweitstimme ist die Parteienstimme bei der Bundestagswahl. Sie steht auf der rechten Seite des Stimmzettels und ist besonders wichtig für die Sitzverteilung im Bundestag.

Mit der Erststimme wählst du eine Person aus deinem Wahlkreis. Mit der Zweitstimme wählst du eine Partei. Die Zweitstimme bestimmt, wie stark Parteien im Bundestag vertreten sind.

karten Zweitstimme => Stimme für eine Partei bei der Bundestagswahl Erststimme => Stimme für eine Person im Wahlkreis Landesliste => Geordnete Kandidatenliste einer Partei in einem Bundesland Sitz => Platz einer oder eines Abgeordneten im Parlament Direktmandat => Sitz über einen gewonnenen Wahlkreis Fünf-Prozent-Hürde => Regel, nach der Parteien grundsätzlich mindestens 5 Prozent brauchen Grundmandatsklausel => Ausnahme für Parteien mit mindestens drei gewonnenen Wahlkreisen Zweitstimmendeckung => Ein Direktmandat passt zum Sitzanspruch der Partei

quiz ?3 Eine Partei bekommt 4,8 Prozent der Zweitstimmen und gewinnt zwei Wahlkreise. Was folgt daraus grundsätzlich für die Sitzverteilung?

  • Sie wird grundsätzlich nicht berücksichtigt, weil sie weder 5 Prozent erreicht noch drei Wahlkreise gewinnt
  • Sie bekommt automatisch Sitze, weil sie mindestens einen Wahlkreis gewonnen hat => Für die Grundmandatsklausel reichen ein oder zwei Wahlkreise grundsätzlich nicht.
  • Sie bekommt genau zwei Sitze, weil sie zwei Wahlkreise gewonnen hat => Direkt gewonnene Wahlkreise führen bei Parteien nicht automatisch zu Sitzen. ! Unter 5 Prozent braucht eine Partei grundsätzlich mindestens drei gewonnene Wahlkreise, damit sie trotzdem bei der Sitzverteilung berücksichtigt wird.