Christentum: Glaube, Geschichte und Kirchen
Das Christentum entstand vor etwa 2.000 Jahren aus dem Judentum. Im Mittelpunkt steht Jesus von Nazareth. Christinnen und Christen bekennen ihn als Christus und Sohn Gottes. Die Bibel, der Glaube an Jesu Auferstehung sowie Gottes- und Nächstenliebe verbinden die unterschiedlichen christlichen Kirchen.
Wichtig ist die Unterscheidung: Manche Aussagen lassen sich historisch untersuchen. Andere sind Glaubensaussagen, die innerhalb des Christentums als wahr bekannt werden, aber nicht wie ein naturwissenschaftlicher Befund bewiesen werden können.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entstand das Christentum?
Jesus von Nazareth war Jude. Er trat ungefähr in den Jahren 28 bis 30 n. Chr. als Prediger auf. Er sprach vom Reich Gottes, erzählte Geschichten und rief zu Gottesliebe, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Fürsorge auf.
Wahrscheinlich wollte Jesus nicht selbst eine neue Religion gründen. Eine eigenständige christliche Gemeinschaft entwickelte sich erst aus der Bewegung seiner Anhängerinnen und Anhänger.
Jesus wurde unter römischer Herrschaft gekreuzigt. Das ist der historische Ausgangspunkt der Osterüberlieferung. Seine Anhänger berichteten anschließend, dass er ihnen als Auferstandener begegnet sei. Aus diesem Glauben schöpften sie neue Hoffnung und verbreiteten seine Botschaft.
Auferstehung
Auferstehung bedeutet im christlichen Glauben, dass Gott Jesus nach seinem Tod zu neuem Leben erweckt hat. Sie ist eine zentrale Glaubensaussage und nicht dasselbe wie eine medizinische Wiederbelebung.
So lässt sich die Entwicklung zusammenfassen:
- etwa 28–30 n. Chr.Jesus tritt als jüdischer Prediger auf und wird später gekreuzigt.
- ab dem vierten Jahrzehnt n. Chr.Seine Anhänger verbreiten den Glauben über das Ursprungsgebiet hinaus.
- 325–787Konzilien beraten über zentrale Lehrfragen der Kirche.
- 1054Die Trennung zwischen lateinischer Westkirche und orthodoxer Ostkirche verfestigt sich.
- 16. JahrhundertDie Reformation führt zu evangelischen Kirchen.
- 20. JahrhundertÖkumenische Gespräche und Zusammenarbeit gewinnen an Bedeutung.
Die Aussage „Jesus wurde unter römischer Herrschaft gekreuzigt“ beschreibt ein historisch untersuchbares Ereignis.
Die Aussage „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“ ist ein christliches Glaubensbekenntnis. Historische Forschung kann untersuchen, wann dieser Glaube entstand und wie er verbreitet wurde. Ob Gott gehandelt hat, lässt sich mit historischen Methoden allein nicht entscheiden.
Was glauben Christinnen und Christen über Jesus und Gott?
„Christus“ ist kein Nachname. Das Wort ist ein Hoheitstitel und bedeutet „der Gesalbte“. Wer Jesus als Christus bezeichnet, bekennt ihn als den erwarteten Messias.
Die meisten christlichen Kirchen glauben, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist. Jesus gilt ihnen zugleich als wahrer Mensch und wahrer Gott. Sein Tod wird als Versöhnung zwischen Gott und Mensch gedeutet. Seine Auferstehung steht für die Hoffnung, dass Tod und Schuld nicht das letzte Wort haben.
Dreieinigkeit
Die meisten Christinnen und Christen glauben an einen Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist. Diese Lehre heißt Dreieinigkeit oder Trinität. Dabei werden Vater, Sohn und Heiliger Geist unterschieden und zugleich als der eine Gott bekannt. Gemeint sind nicht drei Götter. Kleinere christliche Gruppen vertreten andere Auffassungen.
Wie wirkt sich der Glaube auf das Handeln aus?
Zu den wichtigsten ethischen Leitgedanken gehören Gottesliebe und Nächstenliebe. Nächstenliebe zeigt sich nicht nur als Gefühl, sondern im Handeln: Menschen unterstützen Arme und Kranke, wenden sich Ausgegrenzten zu und suchen friedliche Lösungen.
Auch Feindesliebe gehört zur Botschaft Jesu. Sie bedeutet nicht, Unrecht gutzuheißen oder sich schutzlos auszuliefern. Sie fordert dazu auf, einen Gegner nicht zu entmenschlichen und Hass nicht mit neuem Hass zu beantworten.
Christlicher Glaube verbindet ein Bekenntnis über Gott und Jesus mit der Aufgabe, anderen Menschen gerecht und fürsorglich zu begegnen.
Eine Mitschülerin wird in einer Gruppe absichtlich ausgeschlossen. Nächstenliebe zeigt sich hier konkret: Du kannst sie ansprechen, einbeziehen und dem abwertenden Verhalten widersprechen. Das bloße Wort „Nächstenliebe“ reicht nicht; entscheidend ist die Handlung.
Wie ist die Bibel aufgebaut?
Die Bibel ist die grundlegende Schrift des Christentums. Sie ist kein einzelnes Buch aus einer einzigen Zeit, sondern eine Sammlung unterschiedlicher Texte.
Das Alte oder Erste Testament
Der erste Hauptteil enthält die jüdischen heiligen Schriften. Er erzählt unter anderem von Gott, Schöpfung, Bund, Geschichte, Gebeten und prophetischen Botschaften. Diese Schriften verbinden Christentum und Judentum geschichtlich miteinander.
Christinnen und Christen lesen viele dieser Texte auf Jesus Christus hin. Jüdinnen und Juden teilen diese christliche Deutung Jesu nicht. Deshalb darf die gemeinsame Schriftgrundlage nicht mit einer gemeinsamen Auslegung verwechselt werden.
Das Neue oder Zweite Testament
Der zweite Hauptteil enthält:
- die Evangelien über Jesu Leben und Botschaft,
- die Apostelgeschichte über die frühe christliche Gemeinschaft,
- Briefe an Gemeinden und einzelne Personen,
- die Offenbarung.
Die Erinnerungen an Jesus wurden zunächst mündlich weitergegeben und später aufgeschrieben. In den ersten Jahrhunderten entwickelte sich daraus der anerkannte Bestand des Neuen Testaments.
Die Bezeichnungen „Altes und Neues Testament“ sind traditionell verbreitet. „Erstes und Zweites Testament“ wird ebenfalls verwendet. „Erstes“ bedeutet dabei nicht unwichtig oder überholt: Ohne die jüdischen Wurzeln lässt sich das Christentum nicht verstehen.
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Die Bibel besteht aus dem und dem Testament. Jesus und die ersten Christen waren im verwurzelt. Die Evangelien stehen im .
Warum gibt es verschiedene christliche Kirchen?
Alle Christinnen und Christen gehören zur vielfältigen Christenheit, aber nicht zu derselben Kirche. Eine größere Glaubensrichtung innerhalb des Christentums heißt Konfession.
Konfession
Eine Konfession ist eine christliche Glaubensrichtung mit eigenen Traditionen, Lehrentscheidungen und Organisationsformen. Katholische, orthodoxe und evangelische Kirchen sind Beispiele.
Kirchenvielfalt entstand nicht durch einen einzigen Streit. Politische, sprachliche, geografische und theologische Entwicklungen wirkten zusammen. Zwei wichtige Einschnitte waren die Ost-West-Trennung, die gewöhnlich mit dem Jahr 1054 verbunden wird, und die Reformation im 16. Jahrhundert.
| Vergleichspunkt | Römisch-katholische Tradition | Orthodoxe Tradition | Evangelische Traditionen |
|---|---|---|---|
| Leitung | Der Papst ist sichtbares Zentrum der kirchlichen Einheit. | Die Kirchen sind dezentraler organisiert; der Patriarch von Konstantinopel hat einen Ehrenvorrang. | Die Kirchen sind institutionell eigenständig und haben kein gemeinsames menschliches Oberhaupt. |
| Grundlage der Lehre | Bibel, kirchliche Überlieferung und Lehramt wirken zusammen. | Bibel, fortgeführte Tradition und anerkannte Konzilien sind maßgeblich. | Die Bibel besitzt als Regel des Glaubens Vorrang; Bekenntnisse gelten, soweit sie mit ihr übereinstimmen. |
| Taufe und Abendmahl | Taufe und Eucharistie gehören zum sakramentalen Leben. | Taufe, Myronsalbung und Eucharistie werden eng miteinander verbunden. | Die meisten evangelischen Kirchen erkennen Taufe und Abendmahl als Sakramente an. |
Die Tabelle zeigt Grundmuster. Innerhalb jeder Tradition gibt es regionale und theologische Unterschiede. Eine Konfession darf deshalb nicht so dargestellt werden, als dächten und handelten alle ihre Mitglieder völlig gleich.
Ökumene
Ökumene bezeichnet den Dialog und die Zusammenarbeit christlicher Kirchen. Dabei suchen sie Gemeinsamkeiten und praktische Kooperation, ohne bestehende Unterschiede einfach zu leugnen.
Eine katholische, eine orthodoxe und eine evangelische Gemeinde organisieren gemeinsam Hilfe für Bedürftige. Das ist ökumenische Zusammenarbeit. Trotzdem können ihre Auffassungen über Kirchenleitung oder Abendmahl verschieden bleiben.
Wie verhält sich das Christentum zu anderen Religionen?
Ein fairer Religionsvergleich stellt an alle Religionen dieselben Fragen. Geeignete Kriterien sind zum Beispiel Gottesvorstellung, Bedeutung heiliger Schriften, Verständnis des Menschen und religiöse Praxis.
Christentum und Judentum
Das Christentum ging aus dem Judentum hervor. Jesus, seine ersten Jünger und die ersten christlichen Gemeinden waren jüdisch geprägt. Beide Religionen beziehen sich auf den einen Schöpfergott und auf gemeinsame heilige Schriften.
Der entscheidende Unterschied betrifft Jesus: Christinnen und Christen bekennen ihn als Christus und Sohn Gottes. Das Judentum teilt dieses Bekenntnis nicht.
Christentum und Islam
Auch der Islam ist monotheistisch, glaubt also an einen Gott. Jesus wird im Koran als bedeutender Prophet und Messias bezeichnet. Der Islam lehnt jedoch die christliche Lehre von Jesu Gottessohnschaft und von der Dreieinigkeit ab. Auch die Kreuzigung wird in der islamischen Überlieferung anders dargestellt.
Gemeinsamkeiten machen Religionen nicht identisch. Unterschiede bedeuten umgekehrt nicht, dass man die andere Religion abwerten darf.
Kann man beweisen, welche Religion wahr ist?
Das Christentum erhebt Wahrheitsansprüche: Es bekennt, dass Gott sich in Jesus in besonderer Weise gezeigt habe. Innerhalb des Christentums wird dieser Anspruch unterschiedlich gedeutet. Manche verstehen ihn exklusiv, andere vertreten eine liberalere Sicht auf andere Religionen.
Ein Bekenntnis ist jedoch kein religionsneutraler Beweis. Historische Forschung kann Texte, Entwicklungen und Folgen untersuchen. Die Glaubensentscheidung selbst lässt sich dadurch nicht vollständig erzwingen. Ein ungelöster Zweifel ist daher nicht automatisch ein Denkfehler.
Welche Spuren und Belastungen hinterließ das Christentum?
Das Christentum prägte Kalender, Feste, Kunst, Musik, Sprache, Bildung und soziale Praxis. Weihnachten, Karfreitag und Ostern beziehen sich auf Stationen der christlichen Jesusüberlieferung. Kirchenmusik, Bibelübersetzungen und christliche Motive beeinflussten viele Kulturen.
Dieser Einfluss war nicht nur positiv. Christliche Institutionen und christlich begründete Vorstellungen waren auch an Ausgrenzung und Verfolgung beteiligt. Besonders folgenreich war die falsche Behauptung, Jüdinnen und Juden trügen als Kollektiv Schuld am Tod Jesu.
Historische Verantwortung und religiöse Deutung sind zu trennen. Jesus wurde unter römischer Herrschaft hingerichtet. Die spätere Zuschreibung einer Kollektivschuld an jüdische Menschen ist sachlich falsch: Menschen späterer Zeiten können nicht für ein antikes Ereignis verantwortlich gemacht werden.
Wer den kulturellen Einfluss des Christentums beurteilt, sollte deshalb konkrete Fragen stellen:
- Welche Person oder Institution handelte?
- In welcher Zeit und unter welchen Bedingungen geschah das?
- Wurde das Handeln religiös begründet?
- Welche Folgen hatte es für andere Menschen?
- Gibt es innerhalb des Christentums unterschiedliche Bewertungen dazu?
Die Aussage „Das Christentum förderte Bildung“ ist zu pauschal. Genauer wäre: Bestimmte Klöster, Kirchen und Reformatoren unterstützten in bestimmten Zeiten Schulen, Schriftkultur oder Bibelübersetzungen. Gleichzeitig konnten kirchliche Institutionen abweichende Auffassungen unterdrücken. Erst die konkreten Akteure und Bedingungen machen eine historische Bewertung tragfähig.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Christentum
- Ursprung
- Judentum
- Jesusbewegung
- Auferstehungsglaube
- Glaube
- Jesus als Christus
- Dreieinigkeit
- Gottes- und Nächstenliebe
- Schriften
- Erstes Testament
- Zweites Testament
- Kirchen
- katholisch
- orthodox
- evangelisch
- Ökumene
- Beziehungen
- gemeinsame Wurzeln mit dem Judentum
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Islam
- Wirkung
- Kultur und soziale Praxis
- Konflikte und historische Verantwortung
- Ursprung
Das Christentum ist zugleich Religion, geschichtliche Bewegung und vielfältige Gemeinschaft. Du verstehst es genauer, wenn du jüdische Wurzeln, Glaubensaussagen, historische Entwicklungen und konfessionelle Unterschiede nicht miteinander vermischst.
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du an einer Aussage kennzeichnen, ob sie historisch untersuchbar, ein christliches Glaubensbekenntnis oder eine konfessionelle Deutung ist? Wenn dir das gelingt und du deine Entscheidung begründen kannst, hast du den wichtigsten Denkweg dieser Seite verstanden.
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