Evangelium: Bedeutung und die vier Evangelien
Evangelium bedeutet „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“. Im Christentum bezeichnet das Wort einerseits die Botschaft von Jesus Christus und andererseits vier Schriften des Neuen Testaments, die von seinem Wirken, seinem Tod und seiner Auferstehung erzählen.
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Was ist die gute Nachricht?
Das deutsche Wort Evangelium geht auf das griechische euangelion zurück. Es bezeichnete eine gute Nachricht und konnte auch eine Siegesbotschaft meinen.
Im christlichen Glauben steht Jesus Christus im Zentrum dieser Nachricht:
- Mit Jesus kommt Gott den Menschen nahe.
- Jesus verkündet das Reich Gottes.
- Sein Reden und Handeln zeigen Gottes Zuwendung zu den Menschen.
- Sein Tod und seine Auferstehung werden als Rettung und Überwindung des Todes gedeutet.
- Gott verspricht den Menschen Zukunft in seinem Reich.
Reich Gottes
Das Reich Gottes ist die von Jesus verkündete Wirklichkeit, in der sich Gottes Wille durchsetzt und die Welt heil wird. Es bezeichnet nicht einfach ein Land auf einer Landkarte.
Das Evangelium ist zuerst eine Botschaft: die gute Nachricht von Gottes Handeln durch Jesus Christus.
Warum hat das Wort zwei Bedeutungen?
Am Anfang wurde das Evangelium verkündet. Menschen erzählten die Botschaft von Jesus mündlich weiter. Erst später bezeichnete das Wort auch die schriftlichen Darstellungen seines Lebens und seiner Bedeutung.
Deshalb musst du auf den Zusammenhang achten:
- Das Evangelium als Botschaft: Jemand spricht von der guten Nachricht über Jesus Christus.
- Ein Evangelium als Schrift: Gemeint ist eines der vier Bücher Matthäus, Markus, Lukas oder Johannes.
- Die Evangelien: Gemeint sind mehrere oder alle vier dieser Schriften.
Im Satz „Paulus verkündete das Evangelium“ ist eine mündlich weitergegebene Botschaft gemeint.
Im Satz „Das Markusevangelium beginnt mit Jesu Wirken“ ist dagegen eine bestimmte Schrift des Neuen Testaments gemeint.
Wie entstanden die schriftlichen Evangelien?
Jesus hinterließ nach der Darstellung des Ausgangsmaterials keine eigenen Schriften. Seine Geschichte und seine Worte wurden zunächst mündlich weitergegeben. Die Niederschrift der Evangelien begann frühestens etwa 30 Jahre nach seinem Tod.
Der Weg lässt sich so zusammenfassen:
- Jesus handelt und verkündet seine Botschaft.
- Menschen erzählen seine Worte und Taten weiter.
- Überlieferungen werden gesammelt und teilweise schriftlich festgehalten.
- Verfasser wählen Material aus, ordnen es und deuten es für ihre Gemeinden.
- Vier Evangelien werden später in das Neue Testament aufgenommen.
Die Evangelien sind deshalb keine neutralen Protokolle. Sie verbinden überlieferte Erinnerungen mit einer Deutung aus dem christlichen Glauben. Die Namen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes bezeichnen die vier überlieferten Evangelientexte. Nach den zusammengefassten Quellen gelten diese Texte nicht als unmittelbare Augenzeugenberichte.
Bischöfe und andere kirchliche Leitungspersonen berieten in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten darüber, welche Schriften zum Neuen Testament gehören sollten. Berücksichtigt wurden unter anderem ihre Verbreitung, ihre anerkannte Lehre und ihre vermutete Verbindung zu Aposteln oder frühen Zeugen.
Neben den vier biblischen Evangelien gibt es apokryphe Evangelien, etwa das Thomas- und das Petrusevangelium. „Apokryph“ bedeutet „verborgen“. Diese Schriften wurden nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen.
Kanon
Ein Kanon ist eine verbindlich anerkannte Sammlung von Schriften. Zum neutestamentlichen Kanon gehören die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Was verbindet die drei synoptischen Evangelien?
Markus, Matthäus und Lukas besitzen viele gemeinsame, teilweise sehr ähnliche Texte. Deshalb heißen sie synoptische Evangelien oder kurz Synoptiker. Das griechische Wort synopsis bedeutet „Zusammenschau“.
Wenn Forschende diese drei Evangelien nebeneinanderlegen, erkennen sie gemeinsame Erzählungen, ähnliche Reihenfolgen und teilweise denselben Wortlaut.
Markus gilt nach verbreiteter Forschungsauffassung als das älteste Evangelium und wird ungefähr auf das Jahr 70 n. Chr. datiert. Matthäus und Lukas entstanden später, ungefähr zwischen 80 und 90 n. Chr. Nach einem Forschungsmodell benutzten beide das Markusevangelium sowie weiteres mündliches und schriftliches Material.
Zu diesem Modell gehört die vermutete Quelle Q. Sie soll vor allem überlieferte Worte Jesu enthalten haben. Die Quelle ist jedoch nicht erhalten. Ihre Existenz ist eine wissenschaftliche Rekonstruktion und kein sicherer Fund.
Viele Gemeinsamkeiten ermöglichen eine Zusammenschau. Unterschiede zeigen zugleich, dass jeder Verfasser auswählte, ordnete und eigene Schwerpunkte setzte.
Worin unterscheiden sich die vier Evangelien?
Alle vier Evangelien erzählen von Jesus und richten den Blick besonders auf sein Wirken, seinen Tod und seine Auferstehung. Trotzdem setzen sie verschiedene Schwerpunkte.
| Evangelium | Ungefährer Zeitraum | Auffälliger Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Markus | um 70 n. Chr. | Beginnt mit Jesu Wirken; Leiden und Tod nehmen viel Raum ein |
| Matthäus | um 80 n. Chr. | Enthält Stammbaum und Kindheitsgeschichte; verwendet wahrscheinlich Markus als Vorlage |
| Lukas | etwa 80–90 n. Chr. | Erzählt Jesu Geburt ausführlich; ordnet Überlieferungen historisch und theologisch |
| Johannes | um 100 n. Chr. | Meditativer und stärker reflektierender Stil; viele Texte ohne direkte Parallele bei den Synoptikern |
Datierungen, Abfassungsorte, Quellen und Verfasserschaft sind Ergebnisse der Forschung. Häufig lassen sie sich nur ungefähr oder mit Formulierungen wie „wahrscheinlich“ angeben.
Wenn du eine Erzählung nur bei Johannes findest, bedeutet das nicht automatisch, dass sie falsch ist. Zuerst stellst du fest: Johannes hat anderes Material ausgewählt oder anders gestaltet. Danach untersuchst du, welche Aussage der Text damit hervorhebt.
Wie unterscheidest du Forschung und Glaubensaussage?
Evangelien können aus verschiedenen Blickwinkeln gelesen werden. Diese Blickwinkel müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Bibelwissenschaftliche Forschung fragt zum Beispiel:
- Wann könnte ein Text entstanden sein?
- Welche mündlichen oder schriftlichen Quellen wurden verwendet?
- Warum unterscheiden sich zwei Darstellungen?
- Was verrät die Gestaltung über die Situation einer Gemeinde?
Christlicher Glaube fragt zum Beispiel:
- Was zeigt der Text über Gott?
- Welche Bedeutung haben Tod und Auferstehung Jesu?
- Welche Hoffnung vermittelt die Botschaft?
- Wie kann das Evangelium das Leben von Menschen prägen?
„Markus entstand wahrscheinlich um 70 n. Chr.“ ist eine historische Forschungsannahme.
„In Jesu Auferstehung besiegt Gott den Tod“ ist eine christliche Glaubensaussage.
Beide Sätze sprechen über das Evangelium, aber sie begründen ihre Aussagen auf unterschiedliche Weise.
Einige christliche Auslegungen betonen, dass Evangelientexte möglichst wortgetreu als Glaubenswahrheit angenommen werden sollen. Andere untersuchen stärker, wie Überlieferung, sprachliche Gestaltung und geschichtlicher Kontext die Texte prägen. Eine faire Darstellung kennzeichnet solche Positionen, statt eine Deutung als unbestrittene Tatsache auszugeben.
Vertiefung: Gesetz und Evangelium
In evangelischer Theologie bezeichnet Evangelium die gute Nachricht von Gottes Gnade in Leben, Tod und Auferstehung Jesu. Davon wird häufig das Gesetz unterschieden: Es bezeichnet die Verpflichtung des Menschen gegenüber Gott.
Paulus betont nach der Darstellung des Ausgangsmaterials:
- Das Gesetz macht dem Menschen seine Verfehlungen bewusst.
- Der Mensch kann sich das Heil nicht allein durch das Befolgen von Regeln verdienen.
- Rettende Gnade wird durch Jesus Christus geschenkt.
Diese Unterscheidung beeinflusste Martin Luther. Für ihn folgt ein gutes Leben aus dem geschenkten Glauben und der Gnade; es dient nicht dazu, Gottes Annahme zu verdienen.
Johannes Calvin setzte einen weiteren Akzent: Das Gesetz könne Menschen, die sich bereits durch Gnade gerettet wissen, Gottes Willen zeigen und sie zu einem guten Leben anleiten.
In dieser theologischen Unterscheidung fordert das Gesetz, während das Evangelium Gottes Gnade zusagt. Daraus folgt nicht, dass verantwortliches Handeln unwichtig wäre.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Evangelium
- gute Nachricht von Jesus Christus
- zunächst mündlich verkündet
- später in Schriften gestaltet
- Matthäus, Markus und Lukas als Synoptiker
- Johannes mit eigenem Erzählprofil
- Forschung untersucht Entstehung und Quellen
- christlicher Glaube deutet Bedeutung und Hoffnung
- apokryphe Texte außerhalb des neutestamentlichen Kanons
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