Orthodoxe Kirche: Glaube, Aufbau und Gottesdienst
Die orthodoxen Kirchen gehören zum Christentum. Sie teilen grundlegende christliche Überzeugungen, besitzen aber eigene Formen der Leitung, des Gottesdienstes und der Glaubenspraxis. Auf dieser Seite erfährst du, warum es mehrere orthodoxe Kirchen gibt und was sie miteinander verbindet.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du orthodoxes Christentum?
Das Wort orthodox stammt aus dem Griechischen und kann „richtiger Lobpreis“ oder „rechte Lehre“ bedeuten. Eine Konfession ist eine Glaubensrichtung innerhalb einer Religion. Die orthodoxen Kirchen bilden also keine eigene Religion, sondern eine christliche Konfessionsfamilie.
Orthodoxe Christen gründen ihren Glauben auf Jesus Christus, die Bibel, die Überlieferung der frühen Kirche und die Beschlüsse früher Konzilien. Ein Konzil ist eine Versammlung von Bischöfen, die über Fragen des Glaubens und der Kirche berät.
Typische Merkmale sind:
- selbstständige regionale oder nationale Kirchen;
- eine Leitung durch Bischöfe und Synoden statt durch einen Papst mit universaler Zuständigkeit;
- überwiegend gesungene Gottesdienste;
- Ikonen, Kerzen und eine symbolreiche Liturgie;
- sieben Mysterien, die mit den Sakramenten anderer Kirchen vergleichbar sind.
Es gibt nicht nur eine zentral geleitete orthodoxe Organisation. Mehrere selbstständige Kirchen bilden durch gemeinsamen Glauben und gemeinsame Traditionen die Orthodoxie.
Wie kam es zur Trennung von Ost und West?
Die späteren orthodoxen und römisch-katholischen Kirchen entstanden aus den frühchristlichen Gemeinden. Im Westen des Römischen Reiches prägten die lateinische Sprache und der Bischof von Rom die Kirche. Im Osten waren Griechisch, Konstantinopel und mehrere bedeutende Patriarchate wichtig.
Mit der Zeit wuchsen Unterschiede in Sprache, Gottesdienst, Theologie und Kirchenleitung. Besonders umstritten war, ob der Papst über die gesamte Kirche bestimmen dürfe. Die östlichen Kirchen lehnten einen solchen universalen Leitungsanspruch ab.
Im Jahr 1054 eskalierte der Konflikt: Hochrangige Vertreter aus Rom und Konstantinopel belegten einander mit dem Bann, also mit dem Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Dieses Jahr gilt deshalb als wichtiges Zeichen der Trennung. Sie entstand jedoch nicht an einem einzigen Tag. Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels durch westliche Kreuzfahrer im Jahr 1204 vertiefte den Bruch weiter.
Später wurden die gegenseitigen Bannflüche aufgehoben. Damit verbesserten sich die Beziehungen, die getrennte Kirchengemeinschaft wurde aber nicht wiederhergestellt.
Die Aussage „Die orthodoxe Kirche entstand plötzlich im Jahr 1054“ ist zu einfach. Treffender ist: 1054 markiert eine entscheidende Eskalation in einer langen Entfremdung; spätere Ereignisse wie die Plünderung Konstantinopels 1204 verstärkten die Trennung.
Wie werden orthodoxe Kirchen geleitet?
Orthodoxe Kirchen sind häufig nach historischen Gebieten, Sprachen oder Ländern organisiert. Herkunft und Religion sind dennoch nicht dasselbe: Ein Mensch ist nicht automatisch orthodox, weil er aus Griechenland, Serbien, Rumänien oder Russland stammt.
Eine autokephale Kirche ist rechtlich und geistlich selbstständig. Sie wählt ihr eigenes Oberhaupt. Dieses kann je nach Kirche Patriarch, Erzbischof oder Metropolit heißen. Eine autonome Kirche regelt viele innere Angelegenheiten selbst, bleibt aber in bestimmten Fragen von einer autokephalen Kirche abhängig.
Grundlegende Entscheidungen treffen Bischöfe gemeinsam in einer Synode oder einem Konzil. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel gilt als Ehrenoberhaupt und als Erster unter Gleichen. Er ist jedoch kein orthodoxer Papst und kann nicht einfach über alle anderen orthodoxen Kirchen bestimmen.
Autokephalie
Autokephalie bedeutet, dass eine Kirche ihr Oberhaupt selbst wählt und kirchenrechtlich eigenständig ist. Sie kann trotzdem mit anderen orthodoxen Kirchen in Glaubens- und Sakramentsgemeinschaft verbunden sein.
Die griechische, die rumänische und die serbische orthodoxe Kirche besitzen jeweils eine eigene Leitung. Trotzdem gehören sie nicht zu drei verschiedenen Religionen. Gemeinsame Glaubensgrundlagen und liturgische Traditionen verbinden sie.
Was geschieht im orthodoxen Gottesdienst?
Der orthodoxe Gottesdienst heißt im engeren Sinn Liturgie, wenn die Gemeinde die Eucharistie feiert. Die Eucharistie erinnert nicht nur an Jesus Christus: Nach orthodoxem Verständnis erfährt die versammelte Gemeinde darin seine Gegenwart und ihre Gemeinschaft mit Gott.
Die Liturgie ist reich an Symbolen und wird überwiegend gesungen. Kerzen, Weihrauch, feierliche Gewänder und wiederholte Gebete sprechen mehrere Sinne an. Musikinstrumente sind in vielen orthodoxen Traditionen unüblich, weil der menschliche Gesang selbst als Gebet gilt.
Viele Gläubige stehen während des Gottesdienstes. Sitzplätze sind häufig für ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen vorgesehen. Gottesdienste sind grundsätzlich auch für interessierte Gäste offen. Erwartet werden respektvolles Verhalten und angemessene Kleidung; einzelne Bräuche unterscheiden sich je nach Gemeinde und Region.
Welche Aufgabe haben Ikonen?
Ikonen sind religiöse Bilder, meist von Christus, Maria oder Heiligen. Sie sind nicht bloß Schmuck. Die Verehrung richtet sich nach orthodoxem Verständnis nicht auf Holz und Farbe, sondern auf die dargestellte heilige Wirklichkeit.
Eine Bilderwand zwischen Kirchenschiff und Altarraum heißt Ikonostase. Ihre Bilder und Türen gliedern den Kirchenraum und gehören zum Ablauf der Liturgie.
Ikonen werden verehrt, aber nicht als Götter angebetet. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du orthodoxe Glaubenspraxis beschreibst.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die orthodoxe Eucharistiefeier heißt . Eine religiöse Bilddarstellung heißt . Die Bilderwand vor dem Altarraum ist die . In vielen Gottesdiensten gilt der menschliche Gesang als .
Welche Mysterien und Feste sind wichtig?
Orthodoxe Kirchen sprechen häufig von Mysterien. Damit sind heilige Handlungen gemeint, in denen Gottes Wirken für die Gläubigen erfahrbar wird. Meist werden sieben genannt:
- Taufe;
- Myronsalbung, vergleichbar mit der Firmung;
- Eucharistie;
- Beichte;
- Weihe;
- Ehe;
- Krankensalbung.
Taufe, Myronsalbung und erste Kommunion folgen in orthodoxer Praxis unmittelbar aufeinander. Deshalb gibt es kein überall verbindliches, erst Jahre später gefeiertes Übergangsritual wie die Firmung in der römisch-katholischen Kirche.
Warum feiern nicht alle am selben Datum?
Ostern ist das wichtigste orthodoxe Fest. Für bewegliche Feste verwenden fast alle orthodoxen Kirchen einen am julianischen Kalender orientierten Osterzyklus. Deshalb kann das orthodoxe Osterdatum vom westlichen Osterdatum abweichen.
Bei festen Festen ist die Lage vielfältiger: Einige Kirchen verwenden den alten julianischen Kalender, andere den revidierten julianischen Kalender. Deshalb feiern manche Gemeinden Weihnachten am gregorianischen 25. Dezember und andere am gregorianischen 7. Januar. Gefeiert wird dasselbe Fest; verschieden ist die Kalenderrechnung.
Was ist gemeinsam, was unterscheidet sich?
Orthodoxe, römisch-katholische und evangelische Christen beziehen sich auf Jesus Christus und die Bibel. Sie teilen zentrale christliche Glaubensinhalte und wichtige Feste. Unterschiede betreffen unter anderem Leitung, Lehre und Gottesdienstpraxis.
Ein genauer Vergleich verwendet immer dasselbe Kriterium:
| Kriterium | Orthodoxe Kirchen | Römisch-katholische Kirche |
|---|---|---|
| Leitung | selbstständige Kirchen; gemeinsame Entscheidungen durch Bischöfe und Synoden | weltweite Leitung mit dem Papst als oberster kirchlicher Autorität |
| Heilige Handlungen | sieben Mysterien | sieben Sakramente |
| Gottesdienst | byzantinische, überwiegend gesungene Liturgie | andere liturgische Formen und Traditionen |
Der Vergleich zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ohne eine Kirche zum Maßstab für alle anderen zu machen.
Ökumene bezeichnet die Zusammenarbeit und den Dialog zwischen christlichen Kirchen. Orthodoxe Kirchen führen Gespräche mit katholischen, evangelischen, anglikanischen und weiteren Kirchen. Zusammenarbeit beseitigt bestehende Unterschiede nicht automatisch.
Beim Kriterium „Leitung“ lautet ein sachlicher Vergleich: Beide Traditionen kennen Bischöfe. In orthodoxen Kirchen entscheiden Bischöfe synodal, und der Ökumenische Patriarch ist Erster unter Gleichen. In der römisch-katholischen Kirche besitzt der Papst eine umfassendere Leitungsgewalt.
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Alles auf einen Blick
- Orthodoxe Kirchen
- Grundlage: Jesus Christus, Bibel und frühe kirchliche Überlieferung
- Geschichte: lange Entfremdung, Eskalation 1054, Vertiefung 1204
- Leitung: Bischöfe, Synoden und selbstständige Kirchen
- Ehrenoberhaupt: Ökumenischer Patriarch als Erster unter Gleichen
- Gottesdienst: gesungene Liturgie, Kerzen, Weihrauch und Ikonen
- Glaubenspraxis: sieben Mysterien, Feste und Fastenzeiten
- Vielfalt: verschiedene Sprachen, Regionen und Kalender
- Ökumene: Zusammenarbeit trotz bleibender Unterschiede
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du die orthodoxen Kirchen als christliche, miteinander verbundene und zugleich organisatorisch vielfältige Kirchen erklären kannst.
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