Papst: Amt, Wahl und Bedeutung einfach erklärt
Der Papst ist der Bischof von Rom und das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Zugleich ist er Staatsoberhaupt des Vatikanstaats. Katholische Gläubige verstehen sein Amt als Fortführung des besonderen Dienstes des Apostels Petrus.
Auf dieser Seite erfährst du, welche Aufgaben der Papst hat, wie eine Papstwahl abläuft und warum nicht jede päpstliche Aussage als unfehlbar gilt.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welche Rollen hat der Papst?
Der Papst übt mehrere Ämter gleichzeitig aus. Deshalb lohnt es sich, genau zu unterscheiden.
Papst
Der Papst ist der Bischof von Rom und das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Das Wort geht auf eine Bezeichnung für „Vater“ zurück. Eine verbreitete Anrede lautet „Heiliger Vater“.
Als Bischof von Rom leitet er das Bistum Rom. Dessen Kathedrale ist die Lateranbasilika, nicht der Petersdom. Viele alltägliche Aufgaben überträgt der Papst einem Kardinalvikar.
Als Leiter der Gesamtkirche soll er die Einheit der katholischen Kirche sichern. Er entscheidet unter anderem über bestimmte kirchliche Gebiete, Bischofsweihen sowie Selig- und Heiligsprechungen. Bei der Verwaltung unterstützt ihn die Römische Kurie, also die zentrale Verwaltung der katholischen Kirche.
Als Souverän des Vatikanstaats ist er außerdem Staatsoberhaupt. Der Vatikanstaat und die katholische Kirche sind dennoch nicht dasselbe. In internationalen Beziehungen handelt häufig der Heilige Stuhl. Damit ist die rechtliche Vertretung des Papstamts und der katholischen Kirche gemeint.
Kirchenleiter, Bischof von Rom und Staatsoberhaupt sind drei miteinander verbundene, aber unterscheidbare Rollen.
Wie wird ein Papst gewählt?
Wenn ein Papst stirbt oder wirksam auf sein Amt verzichtet, beginnt die Sedisvakanz. Das bedeutet: Der päpstliche Stuhl ist unbesetzt. In dieser Zeit dürfen die Kardinäle nur laufende oder unaufschiebbare Angelegenheiten erledigen. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Vorbereitung der Wahl.
Konklave
Das Konklave ist die von der Außenwelt abgeschottete Versammlung zur Papstwahl. Wählen dürfen die Kardinäle, die beim Beginn der Sedisvakanz noch nicht 80 Jahre alt sind.
Der Ablauf lässt sich so ordnen:
- Die wahlberechtigten Kardinäle versammeln sich in der Sixtinischen Kapelle.
- Sie stimmen geheim ab.
- Ein Kandidat muss eine Zweidrittelmehrheit erhalten.
- Der Gewählte nimmt die Wahl an und bestimmt seinen Papstnamen.
- Weißer Rauch zeigt der Öffentlichkeit an, dass die Wahl erfolgreich war.
Grundsätzlich kann jeder männliche Katholik gewählt werden. Ist der Gewählte noch kein Bischof, muss er unverzüglich zum Bischof geweiht werden.
120 Kardinäle nehmen an einer Wahl teil. Für eine Zweidrittelmehrheit werden 80 Stimmen benötigt, denn zwei Drittel von 120 sind 80. Erhält ein Kandidat nur 79 Stimmen, ist er noch nicht gewählt. Erst mit mindestens 80 Stimmen ist die notwendige Mehrheit erreicht.
Was darf der Papst entscheiden?
Nach katholischem Kirchenrecht besitzt der Papst die höchste Leitungsgewalt über die Gesamtkirche. Sie betrifft besonders das Lehren, Heiligen und Leiten. Er kann kirchliche Gesetze ändern, bestimmte Entscheidungen an sich ziehen und abschließend urteilen.
Diese Gewalt ist trotzdem nicht grenzenlos. Der Papst kann zum Beispiel die bischöfliche Grundordnung der Kirche nicht einfach abschaffen. Die Ortsbischöfe besitzen in ihren Diözesen eine eigene Leitungsgewalt. Gemeinsam mit dem Papst bilden sie das Bischofskollegium.
Das Zweite Vatikanische Konzil betonte sowohl den Vorrang des Papstes als auch die gemeinsame Verantwortung der Bischöfe. Das Verhältnis zwischen päpstlicher Leitung, Bischofskollegium und Ortskirchen bleibt deshalb ein wichtiges Thema katholischer Theologie.
Ein Papst bleibt gewöhnlich bis zu seinem Tod im Amt. Er kann aber freiwillig zurücktreten. Der Verzicht muss frei erfolgen und ausreichend bekannt gemacht werden; eine andere Stelle muss ihn nicht genehmigen. Benedikt XVI. verzichtete 2013 auf das Amt.
Ist jedes Wort des Papstes unfehlbar?
Nein. Päpstliche Unfehlbarkeit bedeutet nicht, dass der Papst niemals irrt oder dass jede Predigt, jedes Interview und jede politische Einschätzung wahr sein muss.
Eine Aussage gilt nach katholischer Lehre nur unter engen Bedingungen als unfehlbar. Der Papst muss:
- ausdrücklich ex cathedra, also in höchster amtlicher Lehrautorität, sprechen;
- als Hirte und Lehrer aller Christinnen und Christen handeln;
- eine Lehre zu einer Glaubens- oder Sittenfrage festlegen;
- erklären, dass die gesamte Kirche diese Lehre festhalten soll.
Politische und naturwissenschaftliche Aussagen gehören nicht zu diesem Bereich. Auch Enzykliken und andere päpstliche Lehrschreiben sind nicht automatisch unfehlbar.
Das Mariendogma von 1950 gilt als das unstrittige Beispiel einer ausdrücklichen Anwendung der päpstlichen Unfehlbarkeit seit ihrer dogmatischen Festlegung im Jahr 1870. Eine beiläufige Äußerung des Papstes zu einer politischen Entscheidung erfüllt die Bedingungen dagegen nicht.
„Der Papst kann unter bestimmten Bedingungen eine unfehlbare Lehre verkünden“ ist etwas völlig anderes als „Der Papst hat immer recht“.
Wie entwickelte sich das Papstamt?
Die katholische Tradition führt das Papstamt auf den Apostel Petrus zurück. Biblische Texte beschreiben Petrus unter anderem als „Fels“ und übertragen ihm besondere Verantwortung. Ob Petrus tatsächlich Bischof von Rom im späteren Sinn war, ist historisch umstritten. Die konkrete Form des Papstamts entwickelte sich erst über viele Jahrhunderte.
- 1. JahrhundertDie katholische Tradition verbindet Petrus mit dem Ursprung des römischen Bischofsamts.
- 754 und 756Das Bündnis mit dem Frankenkönig Pippin schafft die Grundlage des Kirchenstaats.
- 1077Der Gang Heinrichs IV. nach Canossa zeigt die große politische Macht des mittelalterlichen Papsttums.
- 1309 bis spätes 14. JahrhundertDie Päpste residieren fast 70 Jahre in Avignon.
- 1414–1418Das Konzil von Konstanz beendet die Zeit konkurrierender Papstansprüche.
- 1870Der Kirchenstaat geht verloren; das Erste Vatikanische Konzil legt päpstlichen Primat und Unfehlbarkeit genauer fest.
- 1929Die Lateranverträge erkennen die Souveränität der Vatikanstadt an.
- 1962–1965Das Zweite Vatikanische Konzil betont unter anderem Kollegialität, Ortskirchen und ökumenische Öffnung.
Die Geschichte zeigt zwei Seiten: Der Papst war geistlicher Leiter, zeitweise aber auch ein mächtiger weltlicher Herrscher. Bündnisse, Machtkämpfe, konkurrierende Päpste und Reformen veränderten das Amt. Der heutige Vatikanstaat ist ein Rest dieser langen Verbindung von geistlicher und staatlicher Herrschaft.
Warum beurteilen Kirchen den Papst unterschiedlich?
Für die römisch-katholische Kirche ist der Papst sichtbares Zeichen ihrer Einheit und Nachfolger Petri. Katholische Ostkirchen erkennen seine Leitung ebenfalls an.
Orthodoxe Kirchen können Rom einen historischen Ehrenvorrang zugestehen. Sie erkennen den katholisch verstandenen universalen Rechtsvorrang und die ex-cathedra-Unfehlbarkeit jedoch nicht an.
Evangelische Kirchen betrachten den Papst ebenfalls nicht als Oberhaupt der gesamten Christenheit. Sie organisieren kirchliche Leitung anders und lehnen den katholischen Anspruch auf eine höchste päpstliche Leitungsgewalt ab.
Der Papst ist Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, nicht aller christlichen Kirchen. Ein fairer Vergleich beschreibt zuerst, wie die jeweilige Kirche ihr eigenes Amtsverständnis erklärt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Papst
- kirchliche Rollen
- Bischof von Rom
- Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche
- Zeichen kirchlicher Einheit
- staatliche Rolle
- Souverän des Vatikanstaats
- Wahl
- Sedisvakanz
- Konklave der Kardinäle
- Zweidrittelmehrheit
- weißer Rauch
- Grenzen
- nicht jede Aussage ist unfehlbar
- eigene Verantwortung der Ortsbischöfe
- konfessionelle Einordnung
- katholische Anerkennung des Primats
- orthodoxe und evangelische Einwände
- kirchliche Rollen
Abschluss-Check
Du kannst das Papstamt nun als Verbindung mehrerer Rollen erklären: Der Papst ist Bischof von Rom, Leiter der römisch-katholischen Kirche und Staatsoberhaupt des Vatikanstaats. Seine Wahl folgt festen Regeln, seine Lehrvollmacht hat genau bestimmte Grenzen, und andere christliche Kirchen beurteilen seinen Vorrang anders.
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