Bilanz verstehen: Aufbau, Gleichung und Beispiele
Eine Bilanz zeigt zu einem bestimmten Stichtag, welches Vermögen ein Unternehmen besitzt und wie dieses Vermögen finanziert ist. Dabei gilt immer: $\text{Aktiva} = \text{Eigenkapital} + \text{Fremdkapital}$.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was zeigt eine Bilanz?
Stell dir vor, du möchtest die finanzielle Lage eines Unternehmens an einem bestimmten Tag untersuchen. Die Bilanz beantwortet dabei zwei zusammengehörige Fragen:
- Worin stecken die Mittel? Das zeigt die Aktivseite.
- Woher stammen die Mittel? Das zeigt die Passivseite.
Bilanz
Eine Bilanz ist eine stichtagsbezogene Gegenüberstellung von Vermögen und Finanzierung. Sie gehört zum Jahresabschluss und fasst die Werte aus der Buchführung zusammen.
Die Summe aller Aktivposten und die Summe aller Passivposten heißen jeweils Bilanzsumme. Beide Summen müssen gleich groß sein.
$$\text{Aktiva} = \text{Eigenkapital} + \text{Fremdkapital}$$
Die Bilanz ist eine Momentaufnahme. Eine Eröffnungsbilanz zeigt die Ausgangslage zu Beginn, eine Schlussbilanz die Lage am Ende eines Geschäftsjahres. Handels- und Steuerbilanz unterscheiden sich durch ihren rechtlichen Zweck und die jeweils anzuwendenden Regeln.
Die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung, die Passivseite die Mittelherkunft. Es handelt sich um zwei Sichtweisen auf dieselben Mittel.
Wie sind Aktiva und Passiva aufgebaut?
Aktiva: Worin stecken die Mittel?
Die Aktivseite enthält die Vermögenswerte des Unternehmens.
Anlagevermögen
Zum Anlagevermögen gehören Werte, die dem Unternehmen langfristig dienen, zum Beispiel Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Beteiligungen oder Patente.
Umlaufvermögen
Zum Umlaufvermögen gehören Werte, die sich kurzfristiger verändern oder in Geld umwandeln lassen, zum Beispiel Vorräte, Forderungen, Bankguthaben und Kassenbestand.
Aktivposten werden nach ihrer Liquidität gegliedert. Liquidität bezeichnet hier, wie leicht sich ein Wert in verfügbare Zahlungsmittel umwandeln lässt. Eine Maschine ist gewöhnlich langfristiger gebunden als ein Bankguthaben.
Passiva: Woher stammen die Mittel?
Eigenkapital
Eigenkapital sind die Mittel der Eigentümer sowie im Unternehmen belassene Ergebnisse. Rechnerisch ist es der Teil des Vermögens, der nach Abzug des Fremdkapitals verbleibt.
Fremdkapital
Fremdkapital umfasst Verpflichtungen gegenüber Dritten, zum Beispiel Bankkredite, Darlehen, Rückstellungen und Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten.
Die Passivseite ordnet die Finanzierung nach ihrer Fristigkeit. Eigenkapital steht dem Unternehmen grundsätzlich langfristig zur Verfügung; Fremdkapital kann lang- oder kurzfristig fällig sein.
Ein Lieferwagen gehört zum Anlagevermögen. Waren im Lager gehören zum Umlaufvermögen. Ein Bankdarlehen ist Fremdkapital. Eine Einlage der Eigentümer erhöht das Eigenkapital.
Wie liest und berechnest du eine Bilanz?
Gehe in drei Schritten vor:
- Prüfe auf der Aktivseite, welche Vermögenswerte vorhanden sind.
- Prüfe auf der Passivseite, wie diese Werte finanziert wurden.
- Vergleiche die Summen. Beide Seiten müssen denselben Betrag ergeben.
Ein Onlinehandel weist folgende Werte aus:
| Aktiva | Betrag |
|---|---|
| Bankguthaben | 15.000 € |
| Warenbestand | 10.000 € |
| Kundenforderungen | 5.000 € |
| Bilanzsumme | 30.000 € |
| Passiva | Betrag |
|---|---|
| Eigenkapital | 20.000 € |
| Lieferantenverbindlichkeiten | 10.000 € |
| Bilanzsumme | 30.000 € |
Die Aktivseite zeigt Vermögen von insgesamt 30.000 €. Auf der Passivseite werden 20.000 € Eigenkapital und 10.000 € Fremdkapital ausgewiesen. Auch diese Seite ergibt 30.000 €. Die Bilanz ist ausgeglichen.
Fehlt das Eigenkapital, stellst du die Grundgleichung um:
$$\text{Eigenkapital} = \text{Aktiva} - \text{Fremdkapital}$$
Ein Unternehmen besitzt Aktiva von 1.500.000 €. Zwei Bankkredite über jeweils 400.000 € bilden das gesamte Fremdkapital.
Zuerst berechnest du das Fremdkapital:
$$\text{Fremdkapital} = 2 \cdot 400.000\,€ = 800.000\,€$$
Dann setzt du die Werte in die umgestellte Bilanzgleichung ein:
$$\text{Eigenkapital} = 1.500.000\,€ - 800.000\,€ = 700.000\,€$$
Die Kontrolle ergibt: 700.000 € Eigenkapital plus 800.000 € Fremdkapital entsprechen den Aktiva von 1.500.000 €.
Wie verändern Geschäftsvorfälle die Bilanz?
Jeder Geschäftsvorfall wird in der doppelten Buchführung auf zwei Konten erfasst. Bei erfolgsneutralen Vorgängen lassen sich vier grundlegende Bilanzveränderungen unterscheiden.
| Veränderung | Was geschieht? | Wirkung auf die Bilanzsumme |
|---|---|---|
| Aktivtausch | Ein Aktivposten steigt, ein anderer sinkt. | unverändert |
| Passivtausch | Ein Passivposten steigt, ein anderer sinkt. | unverändert |
| Aktiv-Passiv-Mehrung | Je ein Aktiv- und Passivposten steigen. | steigt |
| Aktiv-Passiv-Minderung | Je ein Aktiv- und Passivposten sinken. | sinkt |
Aktivtausch: Ein Unternehmen bezahlt eine Maschine für 4.000 € vom Bankkonto. Der Posten Maschinen steigt um 4.000 €, das Bankguthaben sinkt um 4.000 €. Die Bilanzsumme bleibt gleich.
Passivtausch: Eine Lieferantenverbindlichkeit wird durch einen Bankkredit abgelöst. Die Lieferantenverbindlichkeit sinkt, der Bankkredit steigt. Die Bilanzsumme bleibt gleich.
Aktiv-Passiv-Mehrung: Ein Darlehen über 5.000 € wird auf das Bankkonto ausgezahlt. Bankguthaben und Fremdkapital steigen jeweils um 5.000 €. Die Bilanzsumme steigt um 5.000 €.
Aktiv-Passiv-Minderung: Eine Verbindlichkeit über 4.000 € wird vom Bankkonto bezahlt. Bankguthaben und Fremdkapital sinken jeweils um 4.000 €. Die Bilanzsumme sinkt um 4.000 €.
Frage zuerst: Welche zwei Posten ändern sich? Prüfe dann, ob sie auf derselben oder auf verschiedenen Bilanzseiten stehen und ob sie steigen oder sinken.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Der Kauf einer Maschine gegen Zahlung vom Bankkonto ist ein . Das Ablösen einer Lieferantenverbindlichkeit durch einen Bankkredit ist ein . Die Auszahlung eines Darlehens auf das Bankkonto ist eine . Das Bezahlen einer Verbindlichkeit vom Bankkonto ist eine .
Womit darfst du die Bilanz nicht verwechseln?
Inventur, Inventar und Bilanz
Die drei Begriffe beschreiben aufeinanderfolgende Schritte:
- Bei der Inventur werden Vermögensgegenstände und Schulden erfasst, etwa durch Zählen, Messen oder Wiegen.
- Das Inventar ist das ausführliche Verzeichnis der ermittelten Bestände und Werte.
- Die Bilanz verdichtet diese Angaben zu gegliederten Aktiv- und Passivposten.
Bilanz und GuV
Die Bilanz zeigt Bestände an einem Stichtag. Die Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV, stellt Erträge und Aufwendungen eines Zeitraums gegenüber und erklärt so, wie ein Gewinn oder Verlust entstanden ist.
Ein Vergleich des Eigenkapitals zu Beginn und am Ende kann auf Gewinn oder Verlust hinweisen. Für die Erklärung seiner Entstehung brauchst du jedoch die GuV. Die Bilanzsumme selbst ist nicht der Gewinn.
Bilanzen erfüllen vor allem Informations-, Dokumentations- und Kontrollfunktionen. Unternehmen, Banken und Investoren können damit Vermögen, Finanzierung und Veränderungen beurteilen. Ob ein Unternehmen eine Bilanz aufstellen, elektronisch übermitteln oder veröffentlichen muss, hängt unter anderem von Land, Rechtsform und geltenden Vorschriften ab.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Bilanz
- Stichtag und finanzielle Momentaufnahme
- Aktiva: Anlagevermögen und Umlaufvermögen
- Passiva: Eigenkapital und Fremdkapital
- Gleichgewicht: Aktiva = Eigenkapital + Fremdkapital
- Veränderungen: Tausch, Mehrung und Minderung
- Abgrenzung: Inventur, Inventar und GuV
Abschluss-Check
Wenn du jede Antwort begründen kannst, liest du eine einfache Bilanz nicht nur ab: Du erkennst auch, wie Vermögen, Finanzierung und Geschäftsvorfälle zusammenhängen.
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