Bilanzveränderungen: 4 Grundtypen erkennen
Ein Geschäftsfall verändert mindestens zwei Bilanzposten. Entscheidend ist, auf welcher Bilanzseite die Posten stehen und ob sie zu- oder abnehmen. So kannst du jeden erfolgsneutralen Modellfall einem von vier Grundtypen zuordnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Die Bilanz bleibt immer im Gleichgewicht
Die Bilanz zeigt Vermögen und Kapital eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag.
- Auf der Aktivseite steht das Vermögen, zum Beispiel Maschinen, Bankguthaben und Kassenbestand.
- Auf der Passivseite steht, woher das Kapital stammt, zum Beispiel Eigenkapital, Darlehen und Verbindlichkeiten.
Für jede Bilanz gilt: Summe der Aktiva = Summe der Passiva. Ein Geschäftsfall darf dieses Gleichgewicht nicht aufheben.
Ein Bilanzposten ist eine einzelne Position der Bilanz. Steigt beispielsweise das Bankguthaben, nimmt ein Aktivposten zu. Entsteht ein neues Darlehen, nimmt ein Passivposten zu.
Vier Grundtypen beschreiben alle Richtungen
Aktivtausch
Ein Aktivposten nimmt zu, während mindestens ein anderer Aktivposten um insgesamt denselben Betrag abnimmt. Die Bilanzsumme bleibt unverändert.
Beispiel: Ein Unternehmen kauft einen Lastwagen für 20.000 € und bezahlt per Banküberweisung.
- Fuhrpark: +20.000 €
- Bank: −20.000 €
- Nur Aktivposten ändern sich. Die Aktivsumme bleibt gleich.
Passivtausch
Ein Passivposten nimmt zu, während mindestens ein anderer Passivposten um insgesamt denselben Betrag abnimmt. Die Bilanzsumme bleibt unverändert.
Beispiel: Eine Lieferverbindlichkeit von 10.000 € wird in ein langfristiges Darlehen umgewandelt.
- Lieferverbindlichkeiten: −10.000 €
- Darlehen: +10.000 €
- Nur die Zusammensetzung der Passivseite ändert sich.
Aktiv-Passiv-Mehrung
Mindestens ein Aktivposten und mindestens ein Passivposten nehmen um denselben Gesamtbetrag zu. Die Bilanzsumme steigt. Dieser Vorgang heißt auch Bilanzverlängerung.
Beispiel: Ein Darlehen über 30.000 € wird dem Bankkonto gutgeschrieben.
- Bank: +30.000 €
- Darlehen: +30.000 €
- Beide Bilanzseiten wachsen um 30.000 €.
Aktiv-Passiv-Minderung
Mindestens ein Aktivposten und mindestens ein Passivposten nehmen um denselben Gesamtbetrag ab. Die Bilanzsumme sinkt. Dieser Vorgang heißt auch Bilanzverkürzung.
Beispiel: Ein Darlehen von 15.000 € wird per Banküberweisung getilgt.
- Bank: −15.000 €
- Darlehen: −15.000 €
- Beide Bilanzseiten schrumpfen um 15.000 €.
| Grundtyp | Aktivseite | Passivseite | Bilanzsumme |
|---|---|---|---|
| Aktivtausch | ein Plus und ein gleich großes Minus | keine Änderung | bleibt gleich |
| Passivtausch | keine Änderung | ein Plus und ein gleich großes Minus | bleibt gleich |
| Aktiv-Passiv-Mehrung | Plus | gleich großes Plus | steigt |
| Aktiv-Passiv-Minderung | Minus | gleich großes Minus | sinkt |
Mit vier Schritten zum richtigen Grundtyp
Gehe bei jedem Geschäftsfall in derselben Reihenfolge vor:
- Bestimme die betroffenen Posten. Frage: Was kommt hinzu, was verschwindet oder was wird umgeschichtet?
- Ordne jeden Posten einer Seite zu. Vermögen gehört zu den Aktiva, Kapital und Schulden zu den Passiva.
- Markiere die Richtung. Notiere hinter jedem Posten ein Plus oder Minus.
- Vergleiche das Muster. Zwei Änderungen auf derselben Seite bedeuten einen Tausch. Gleichgerichtete Änderungen auf beiden Seiten bedeuten Mehrung oder Minderung.
Geschäftsfall: Eine offene Liefererrechnung über 7.000 € wird per Banküberweisung bezahlt.
- Betroffen sind Bank und Lieferverbindlichkeiten.
- Bank ist ein Aktivposten; Lieferverbindlichkeiten sind ein Passivposten.
- Das Bankguthaben sinkt um 7.000 €. Die Verbindlichkeit sinkt ebenfalls um 7.000 €.
- Aktivseite und Passivseite nehmen gleich stark ab. Es liegt eine Aktiv-Passiv-Minderung vor.
Die Bilanzsumme sinkt um 7.000 €.
Signalwörter können helfen, ersetzen die Prüfung aber nicht:
- bar: Meist ist die Kasse betroffen.
- per Banküberweisung: Das Bankguthaben steigt oder sinkt.
- auf Ziel: Die Ware oder der Vermögenswert wird jetzt erworben, aber erst später bezahlt. Deshalb entsteht eine Verbindlichkeit.
- Umschuldung: Eine Schuld wird durch eine andere Schuld ersetzt. Das weist häufig auf einen Passivtausch hin.
Mehrere Vorgänge nacheinander berechnen
Ausgangslage:
- Bankguthaben: 1.000.000 €
- Eigenkapital: 1.000.000 €
- Bilanzsumme: 1.000.000 €
Nun geschehen drei Geschäftsfälle:
| Vorgang | Zuordnung | Wirkung auf die Bilanzsumme |
|---|---|---|
| Maschine für 200.000 € per Bankzahlung kaufen | Aktivtausch | 0 € |
| Darlehen über 300.000 € aufnehmen; Gutschrift auf dem Bankkonto | Aktiv-Passiv-Mehrung | +300.000 € |
| 150.000 € des Darlehens per Banküberweisung tilgen | Aktiv-Passiv-Minderung | −150.000 € |
Der Maschinenkauf verändert die Bilanzsumme nicht. Danach steigt sie auf 1.300.000 € und sinkt anschließend auf 1.150.000 €.
Kontrolle der Aktivseite:
Bank = 1.000.000 € − 200.000 € + 300.000 € − 150.000 € = 950.000 €
Aktiva = 950.000 € Bank + 200.000 € Maschine = 1.150.000 €
Kontrolle der Passivseite:
Passiva = 1.000.000 € Eigenkapital + 150.000 € restliches Darlehen = 1.150.000 €
Die Probe stimmt: Aktiva und Passiva betragen jeweils 1.150.000 €.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Beim Maschinenkauf liegt ein vor. Die Darlehensaufnahme ist eine . Durch die Tilgung entsteht eine . Die endgültige Bilanzsumme beträgt .
Typische Fehler vermeiden
Fehler 1: „Jede Veränderung eines Postens verändert die Bilanzsumme.“ Bei einem Tausch gleichen sich Zu- und Abnahme auf derselben Seite aus. Deshalb bleibt die Summe unverändert.
Fehler 2: „Ein Kauf ist immer ein Aktivtausch.“ Die Zahlungsart entscheidet mit. Ein sofort per Bank bezahlter Maschinenkauf ist ein Aktivtausch. Ein Maschinenkauf auf Ziel erhöht dagegen einen Aktivposten und eine Verbindlichkeit: Aktiv-Passiv-Mehrung.
Fehler 3: „Passiv bedeutet automatisch Minus.“ „Passiv“ bezeichnet die Bilanzseite, nicht die Änderungsrichtung. Ein Passivposten kann steigen oder sinken.
Fehler 4: Nur ein Signalwort betrachten. Bestimme immer beide betroffenen Posten. Erst ihre Bilanzseiten und Änderungsrichtungen liefern die sichere Zuordnung.
Die vier hier behandelten Grundtypen beschreiben erfolgsneutrale Modellfälle: Vermögen oder Kapital werden umgeschichtet oder auf beiden Seiten gleich stark verändert. Die Bilanz bleibt dabei stets ausgeglichen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Bilanzveränderungen
- Aktivtausch: Aktiv plus und Aktiv minus, Summe gleich
- Passivtausch: Passiv plus und Passiv minus, Summe gleich
- Aktiv-Passiv-Mehrung: beide Seiten plus, Summe steigt
- Aktiv-Passiv-Minderung: beide Seiten minus, Summe sinkt
- Prüfschritte: Posten, Bilanzseite, Richtung, Grundtyp
- Kontrolle: Aktiva und Passiva bleiben gleich groß
Abschluss-Check
Du kannst die vier Grundtypen zuverlässig unterscheiden, wenn du nicht beim Namen des Geschäftsfalls stehen bleibst: Bestimme beide Posten, ordne ihre Bilanzseiten zu und markiere Plus oder Minus. Danach ergibt sich die Wirkung auf die Bilanzsumme aus dem Veränderungsmuster.
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