Deflation: Ursachen, Folgen und Deflationsspirale
Deflation bedeutet, dass das allgemeine Preisniveau über längere Zeit sinkt. Dein Geld gewinnt dadurch zunächst an Kaufkraft. Gefährlich wird die Entwicklung, wenn Menschen Käufe aufschieben, Unternehmen weniger verkaufen und Einkommen sowie Beschäftigung zurückgehen. So kann sich der Preisrückgang selbst verstärken.
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Woran erkennst du Deflation?
Nicht jeder Preisrückgang ist Deflation. Wird nur ein Smartphone günstiger, kann das an besserer Technik oder starkem Wettbewerb liegen. Von Deflation spricht man erst, wenn die Preise vieler Waren und Dienstleistungen anhaltend sinken – also das allgemeine Preisniveau.
Allgemeines Preisniveau
Das allgemeine Preisniveau fasst die Preise vieler Güter und Dienstleistungen zusammen. Es zeigt, wie teuer ein typischer Ausschnitt des wirtschaftlichen Lebens insgesamt ist.
Die Preisentwicklung lässt sich mit Preisindizes beobachten. Der Verbraucherpreisindex betrachtet einen Warenkorb typischer Konsumausgaben. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex ermöglicht Vergleiche innerhalb der Europäischen Union. Der BIP-Deflator erfasst die Preise aller neu produzierten Endprodukte einer Volkswirtschaft. Sinkende Indexwerte über längere Zeit können auf Deflation hindeuten.
Das Gegenteil ist Inflation: Das allgemeine Preisniveau steigt und die Kaufkraft des Geldes sinkt.
Ein Kilogramm Birnen kostet zunächst 1 Euro. Mit 20 Euro kannst du 20 Kilogramm kaufen:
$$20\,€ \div 1\,€/{\text{kg}} = 20\,\text{kg}$$
Sinkt der Preis auf 0,80 Euro je Kilogramm, reichen 20 Euro für 25 Kilogramm:
$$20\,€ \div 0{,}80\,€/{\text{kg}} = 25\,\text{kg}$$
Das zeigt den Kaufkraftgewinn bei diesem Preis. Es beweist aber noch keine Deflation, denn dafür müsste das Preisniveau vieler Güter länger sinken.
Wie kann Deflation entstehen?
Eine wichtige Ursache ist eine Nachfragelücke: Haushalte, Unternehmen oder der Staat fragen insgesamt weniger nach, als Unternehmen anbieten. Dann versuchen Anbieter, ihre Waren durch niedrigere Preise zu verkaufen.
Auch ein Überangebot kann Preisdruck erzeugen, etwa durch Überproduktion. Technischer Fortschritt kann Kosten senken und das Angebot erhöhen. Solche Preisrückgänge werden aber erst dann zur gesamtwirtschaftlichen Deflation, wenn das allgemeine Preisniveau anhaltend fällt.
Geld- und Fiskalpolitik können eine schwache Nachfrage verstärken. Höhere Leitzinsen verteuern Kredite und können Konsum sowie Investitionen bremsen. Kürzt der Staat seine Ausgaben, fehlen Unternehmen Aufträge. Eine stark verringerte Geldmenge kann ebenfalls deflationär wirken.
Deflation hat nicht nur eine mögliche Ursache. Entscheidend ist häufig das Zusammenspiel aus schwacher Nachfrage, großem Angebot, Erwartungen und wirtschaftspolitischen Bedingungen.
Wie entsteht die Deflationsspirale?
Sinkende Preise wirken zunächst angenehm. Erwarten Haushalte und Unternehmen aber weitere Preisrückgänge, verschieben sie größere Käufe und Investitionen. Damit wird die aktuelle Nachfrage noch schwächer.
Die typische Wirkungskette lautet:
- Das allgemeine Preisniveau sinkt.
- Käufe und Investitionen werden in Erwartung noch niedrigerer Preise aufgeschoben.
- Unternehmen verkaufen weniger; Umsätze und Gewinne sinken.
- Sie kürzen Investitionen und Produktion, senken möglicherweise Löhne oder bauen Stellen ab.
- Einkommen und Beschäftigung gehen zurück.
- Haushalte können und wollen weniger kaufen.
- Die noch schwächere Nachfrage erzeugt neuen Preissenkungsdruck.
Deflationsspirale
Eine Deflationsspirale ist eine sich selbst verstärkende Abfolge aus fallenden Preisen, sinkender Nachfrage, schwächerer Produktion und Einkommensverlusten.
Wer gewinnt zunächst – und wer trägt Risiken?
Haushalte mit sicherem, unverändertem Einkommen können sich bei sinkenden Preisen zunächst mehr leisten. Dieser Vorteil kann verschwinden, wenn Löhne sinken, Kurzarbeit entsteht oder Arbeitsplätze wegfallen.
Unternehmen erzielen bei sinkenden Absatzmengen und Preisen weniger Einnahmen. Sie verschieben Investitionen, drosseln die Produktion oder bauen Beschäftigung ab. Dadurch kann die gesamte Wirtschaftsleistung zurückgehen; zugleich können die Steuereinnahmen des Staates sinken.
Für Schuldner ist Deflation besonders belastend. Die vereinbarte Kreditsumme bleibt nominal gleich, während Preise, Einnahmen oder Löhne sinken können. Die Schuld muss dann mit Geld zurückgezahlt werden, das mehr Kaufkraft besitzt. Man sagt: Die reale Schuldenlast steigt. Gläubiger profitieren umgekehrt vom höheren realen Wert ihrer Forderung – sofern der Schuldner weiterhin zahlen kann.
Ein Betrieb schuldet einer Bank 100.000 Euro. Die Zahl im Kreditvertrag sinkt durch Deflation nicht. Fallen jedoch Verkaufspreise und Einnahmen, muss der Betrieb dieselben 100.000 Euro aus geringeren Einnahmen bedienen. Die reale Belastung ist gestiegen.
Wie kann Wirtschaftspolitik gegensteuern?
Das gemeinsame Ziel möglicher Gegenmaßnahmen ist, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stärken und die Abwärtsspirale zu bremsen.
Bei der Fiskalpolitik handelt der Staat. Er kann mehr investieren oder Steuern senken. Dadurch sollen Haushalte und Unternehmen mehr ausgeben und Betriebe zusätzliche Aufträge erhalten.
Bei der Geldpolitik handelt die Zentralbank. Sie kann den Leitzins senken. Günstigere Finanzierung soll Banken zu mehr Kreditvergabe und Haushalte sowie Unternehmen zu mehr Konsum und Investitionen bewegen. Die Zentralbank vergibt dabei nicht selbst gewöhnliche Kredite an Privatpersonen oder Unternehmen.
Reichen Zinssenkungen nicht aus, kann die Zentralbank Wertpapiere wie Staatsanleihen kaufen. Solche Anleihenkäufe sollen die Finanzierung erleichtern und zusätzliches Geld in Umlauf bringen.
Maßnahmen wirken nicht automatisch. Niedrige Zinsen helfen wenig, wenn Banken keine Kredite vergeben oder Haushalte und Unternehmen aus Sorge weder Kredite aufnehmen noch Geld ausgeben. Zwischen einer Maßnahme und ihrer Wirkung können mehrere unsichere Schritte liegen.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Deflation
- Erkennen: allgemeines Preisniveau sinkt anhaltend
- Ursachen: schwache Nachfrage, Überangebot, restriktive Politik
- Erwartung: Käufe und Investitionen werden verschoben
- Spirale: Absatz, Produktion, Beschäftigung und Nachfrage sinken
- Folgen: Kaufkraft steigt zunächst, reale Schuldenlast nimmt zu
- Gegenmaßnahmen: Nachfrage durch Fiskal- und Geldpolitik stärken
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