Internes Rechnungswesen: Aufgaben und Teilbereiche
Das interne Rechnungswesen liefert Informationen, mit denen ein Unternehmen planen, steuern, kontrollieren und Entscheidungen vorbereiten kann. Es richtet sich vor allem an die Unternehmensleitung und andere interne Stellen.
Auf dieser Seite lernst du, interne Informationen vom externen Rechnungswesen abzugrenzen, wichtige Teilbereiche einzuordnen und einen Soll-Ist-Vergleich anzuwenden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wozu braucht ein Unternehmen interne Rechnungen?
Die Unternehmensleitung muss Fragen beantworten, die ein Jahresabschluss allein nicht ausreichend klärt: Welche Produkte verursachen welche Kosten? Wo entstehen Abweichungen vom Plan? Reicht das Geld für fällige Zahlungen? Ist eine Investition wirtschaftlich sinnvoll?
Das interne Rechnungswesen sammelt und verarbeitet dafür zweckbezogene Unternehmensdaten. Seine Kernaufgaben sind:
- Planung: Ziele, Maßnahmen und erwartete Werte festlegen;
- Steuerung und Koordination: betriebliche Abläufe auf Ziele ausrichten;
- Kontrolle: geplante und tatsächliche Ergebnisse vergleichen;
- Entscheidungsunterstützung: etwa Preise oder Investitionen beurteilen.
Ein Unternehmen möchte den Preis eines Produkts überprüfen. Die Kosten- und Leistungsrechnung ermittelt die betrieblichen Kosten und ordnet sie dem Produkt zu. Die Unternehmensleitung kann diese Information bei ihrer Preisentscheidung berücksichtigen.
Der entscheidende Denkweg lautet: interne Daten erfassen → Kosten zuordnen → Ergebnis auswerten → Entscheidung vorbereiten. Die Rechnung entscheidet nicht allein; sie schafft eine nachvollziehbare Informationsgrundlage.
Woran unterscheiden sich internes und externes Rechnungswesen?
Beide Bereiche verarbeiten Unternehmensdaten, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke.
| Merkmal | Internes Rechnungswesen | Externes Rechnungswesen |
|---|---|---|
| Hauptzweck | planen, steuern, kontrollieren und Entscheidungen unterstützen | informieren, Rechenschaft ablegen und Zahlungen bemessen |
| Hauptadressaten | Unternehmensleitung und andere interne Stellen | unter anderem Staat, Anteilseigner, Gläubiger und mögliche Investoren |
| Regeln | in der Regel keine einheitlichen handels- und steuerrechtlichen Vorgaben für die interne Ausgestaltung | handels- und steuerrechtliche Vorgaben müssen beachtet werden |
| Betrachtung | je nach Zweck einzelne Bereiche, Produkte oder das gesamte Unternehmen | in der Regel das gesamte Unternehmen oder der Konzern |
| Zeitraum | je nach Aufgabe unterjährig oder mehrjährig | meist ein Geschäftsjahr |
| Typische Instrumente | Kosten- und Leistungsrechnung, Finanzrechnung, Investitionsrechnung | beispielsweise Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung |
Intern bedeutet zweckbezogene Steuerung aus der Innensicht. Extern bedeutet standardisierte Information und Rechenschaft gegenüber Außenstehenden.
„Intern“ heißt nicht, dass niemals Außenstehende interne Daten sehen. Eine Bank kann bei einem hohen Kreditantrag interne Unterlagen verlangen. Auch bei öffentlichen Aufträgen können kalkulierte Selbstkosten an den Staat übermittelt werden. Das sind Ausnahmen von der hauptsächlichen Innenorientierung.
Welche Teilbereiche beantworten welche Fragen?
Die Quellen grenzen die Teilbereiche unterschiedlich weit ab. Unstrittig ist: Die Kosten- und Leistungsrechnung bildet den Kern. Häufig werden außerdem Finanz- beziehungsweise Liquiditätsrechnung und Investitionsrechnung einbezogen.
| Teilbereich | Zentrale Frage | Typischer Zweck |
|---|---|---|
| Kosten- und Leistungsrechnung | Welche betrieblichen Kosten und Leistungen entstehen, und wem sind sie zuzurechnen? | Kosten ermitteln, Kostenstellen und Produkten zuordnen, Preise und Wirtschaftlichkeit beurteilen |
| Finanz- und Liquiditätsrechnung | Kann das Unternehmen seine laufenden Zahlungsverpflichtungen erfüllen? | Einzahlungen und Auszahlungen gegenüberstellen und Zahlungsfähigkeit beurteilen |
| Investitionsrechnung | Ist eine geplante Investition wirtschaftlich sinnvoll? | Annahmen vorab prüfen und nach der Umsetzung mit tatsächlichen Ergebnissen vergleichen |
Zur Kosten- und Leistungsrechnung gehören unter anderem:
- Kostenartenrechnung: Welche Kosten sind entstanden?
- Kostenstellenrechnung: Wo sind die Kosten entstanden?
- Kostenträgerrechnung: Wofür, also für welches Produkt oder welchen Auftrag, sind die Kosten entstanden?
In einer Periode betragen die Einzahlungen eines Unternehmens 120.000 €, die Auszahlungen 150.000 €.
Die Auszahlungen übersteigen die Einzahlungen um:
$$150.000\,€ - 120.000\,€ = 30.000\,€$$
Es besteht eine Unterdeckung von 30.000 €. Das Unternehmen muss prüfen, wie es seine fälligen Zahlungen sichern kann; eine kurzfristige Finanzierung kann nötig werden.
Wie steuert ein Soll-Ist-Vergleich das Unternehmen?
Interne Rechnungen betrachten nicht nur Vergangenheitsdaten. Sie können auch Plandaten verarbeiten. Ein Soll-Wert beschreibt das angestrebte Ergebnis; der Ist-Wert zeigt das tatsächlich erreichte Ergebnis.
Der Steuerungskreislauf besteht aus fünf Schritten:
- Ein Ziel für einen Zeitraum festlegen.
- Maßnahmen zur Zielerreichung planen.
- Nach Ablauf des Zeitraums den Ist-Wert ermitteln.
- Soll und Ist vergleichen und die Abweichung beurteilen.
- Den nächsten Handlungsplan anpassen.
Ein Unternehmen plant, seinen Gewinn innerhalb eines Jahres um 10 % zu erhöhen. Dazu legt es Maßnahmen zur Kostensenkung fest. Nach einem Jahr vergleicht die Unternehmensleitung den tatsächlichen Gewinn mit dem Zielwert.
- Ist entspricht Soll: Das Ziel wurde erreicht.
- Ist liegt über Soll: Das Ziel wurde übertroffen.
- Ist liegt unter Soll: Das Ziel wurde verfehlt.
Erst die Untersuchung der Abweichung zeigt, welche Maßnahmen beibehalten oder verändert werden sollten.
Ein Soll-Ist-Vergleich endet nicht beim Feststellen einer Abweichung. Sein Nutzen entsteht, wenn das Unternehmen Ursachen prüft und künftige Maßnahmen anpasst.
Warum können interne Zahlen von externen Zahlen abweichen?
Das externe Rechnungswesen folgt standardisierten handels- und steuerrechtlichen Regeln. Interne Rechnungen dürfen Werte dagegen für ihren jeweiligen Entscheidungszweck kostenrechnerisch anpassen.
So kann ein Unternehmen Zahlen aus der Finanzbuchhaltung anders bewerten oder Zusatzkosten berücksichtigen. Zusatzkosten sind intern angesetzte Kosten, denen kein entsprechender Aufwand in der externen Rechnung gegenübersteht.
Das bedeutet nicht, dass interne Zahlen beliebig sein dürfen. Eine interne Rechnung muss nachvollziehbar, zweckgerecht und für die jeweilige Entscheidung brauchbar sein.
Die genaue Abgrenzung von Aufwand und Kosten sowie von Ertrag und Leistung ist ein eigener Lernschritt. Für den Überblick genügt hier: Externe und interne Rechnung verwenden nicht immer dieselben Größen, weil sie unterschiedliche Zwecke erfüllen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Internes Rechnungswesen
- Zweck: planen, steuern, kontrollieren, entscheiden
- Adressaten: Unternehmensleitung und interne Stellen
- Kern: Kosten- und Leistungsrechnung
- Weitere Aufgaben: Liquidität und Investitionen beurteilen
- Steuerung: Soll festlegen, Ist erfassen, Abweichung prüfen, Maßnahmen anpassen
- Abgrenzung: zweckbezogen intern statt standardisiert extern
Abschluss-Check
Du hast das Ziel erreicht, wenn du bei einem neuen Unternehmensfall zuerst die Entscheidungsfrage erkennst, dann den passenden Teilbereich auswählst und deine Zuordnung mit dessen Zweck begründest.
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