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Kostenrechnung

Kostenrechnung in BWL: Aufgaben, Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger und typische Verfahren einfach erklärt.

Stell dir vor, eure Klasse verkauft Waffeln beim Schulfest. Am Ende wollt ihr wissen, ob sich der Verkauf gelohnt hat. Dafür reicht es nicht, nur die Einnahmen zu zählen. Ihr müsst auch wissen, wofür Geld ausgegeben wurde und welche Waffel am Ende wirklich etwas gebracht hat.

Deine Lernziele
  • Du verstehst, was Kostenrechnung bedeutet.
  • Du kannst Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger unterscheiden.
  • Du erkennst, wozu Unternehmen die Kostenrechnung nutzen.
  • Du kannst einfache Kosten mit einem Beispiel zuordnen.

Was Kostenrechnung klärt

Wenn ein Unternehmen etwas herstellt oder verkauft, entstehen viele Geldbeträge. Manche sind leicht zu erkennen, zum Beispiel Zutaten für eine Bäckerei. Andere sind schwerer zuzuordnen, zum Beispiel Miete, Strom oder Verwaltung.

Kostenrechnung ist ein Teil des internen Rechnungswesens. Intern bedeutet: Die Rechnung ist vor allem für das Unternehmen selbst gedacht. Sie zeigt, welche Kosten entstehen, wo sie entstehen und wofür sie entstehen.

Definition

Kostenrechnung bedeutet: Ein Unternehmen erfasst, ordnet und bewertet seine Kosten, damit es planen, kontrollieren und bessere Entscheidungen treffen kann.

Wichtig ist der Begriff Kosten. Kosten sind der bewertete Verbrauch von Dingen, die zum eigentlichen Zweck des Unternehmens gehören. Ein Sportverein braucht Bälle für das Training. Dann sind gekaufte Bälle Kosten des Sportbetriebs. Kauft derselbe Verein aber privat ein Geschenk für eine Geburtstagsfeier, gehört das nicht zum eigentlichen Vereinszweck.

Eine Leistung ist ein bewertetes Ergebnis aus dem eigentlichen Betrieb. Bei einer Bäckerei sind gebackene Brote oder verkaufte Kuchen Leistungen. Bei einer Nachhilfeschule sind gehaltene Unterrichtsstunden Leistungen.

Ein Erlös ist der Geldwert, den ein Unternehmen durch Verkauf bekommt. Wenn ein Kuchen für 3 Euro verkauft wird, entsteht ein Erlös von 3 Euro. Der Gewinn ist aber nicht 3 Euro, weil vorher Zutaten, Arbeit und andere Kosten angefallen sind.

Definition

Leistung bedeutet in der Kostenrechnung: Das Unternehmen schafft durch seine eigentliche Arbeit einen Wert, zum Beispiel ein Produkt oder eine Dienstleistung.

Erlös bedeutet: Das Unternehmen bekommt Geld durch den Verkauf einer Leistung.

Kosten, Leistungen und Erlöse gehören zusammen. Wenn die Kosten höher sind als die Erlöse, entsteht ein Problem. Wenn die Erlöse höher sind als die Kosten, kann ein Gewinn entstehen.

Beispiel

Eine Schülerfirma verkauft 100 Muffins für je 2 Euro.

Die Erlöse betragen: \(100 \cdot 2 = 200\) Euro

Für Zutaten, Verpackung und Standgebühr fallen 120 Euro Kosten an.

Dann bleibt: \(200 - 120 = 80\) Euro

Die 80 Euro sind der Erfolg vor weiteren möglichen Abzügen.

Merke

Kostenrechnung fragt nicht einfach: Wie viel Geld ist weg? Sie fragt genauer: Wodurch sind Kosten entstanden, in welchem Bereich und für welches Produkt?

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Die drei Grundfragen

Die Kostenrechnung arbeitet oft in drei Stufen. Diese Reihenfolge hilft dir, Ordnung in viele Zahlen zu bringen.

Zuerst fragt man: Welche Kosten sind entstanden? Danach fragt man: Wo sind sie entstanden? Am Ende fragt man: Wofür sind sie entstanden?

Diese drei Fragen führen zu drei wichtigen Begriffen: Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung.

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Die Reihenfolge ist wichtig. Du kannst Kosten erst sinnvoll auf Produkte rechnen, wenn du vorher weißt, welche Kosten es gibt und in welchen Bereichen sie angefallen sind.

Beispiel

Eine kleine Fahrradwerkstatt verkauft reparierte Fahrräder.

  1. Welche Kosten sind entstanden? Ersatzteile, Löhne, Miete, Strom.

  2. Wo sind Kosten entstanden? Werkstatt, Büro, Verkauf.

  3. Wofür sind Kosten entstanden? Für die Reparatur von Fahrrad A, Fahrrad B oder Fahrrad C.

Merke

Die drei Grundfragen lauten: Welche Kosten? Wo Kosten? Wofür Kosten?

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Kostenartenrechnung: Welche Kosten?

Die Kostenartenrechnung ist die erste Stufe der Kostenrechnung. Sie sammelt und sortiert die Kosten nach ihrer Art. So entsteht ein Überblick darüber, welche Kosten überhaupt angefallen sind.

Typische Kostenarten sind Materialkosten, Personalkosten, Mietkosten, Energiekosten, Abschreibungen und Verwaltungskosten. Eine Abschreibung verteilt die Kosten für ein langfristig genutztes Gut auf mehrere Jahre. Wenn eine Maschine lange genutzt wird, wird ihr Wert also nicht nur in einem einzigen Monat betrachtet.

Definition

Kostenartenrechnung bedeutet: Kosten werden danach geordnet, welche Art von Kosten entstanden ist.

Abschreibung bedeutet: Die Kosten eines länger genutzten Gegenstands werden rechnerisch auf mehrere Zeiträume verteilt.

Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen Einzelkosten und Gemeinkosten. Einzelkosten kannst du direkt einem Produkt zurechnen. Gemeinkosten kannst du nicht direkt einem einzelnen Produkt zurechnen.

Definition

Einzelkosten sind Kosten, die direkt zu einem bestimmten Produkt oder Auftrag gehören.

Gemeinkosten sind Kosten, die mehreren Produkten oder Bereichen gemeinsam dienen und deshalb verteilt werden müssen.

Beispiel

Eine Bäckerei backt Schokokuchen.

Die Schokolade im Schokokuchen ist Einzelkosten, weil sie direkt zu diesem Kuchen gehört.

Die Ladenmiete ist Gemeinkosten, weil der Laden für viele Produkte genutzt wird: Brötchen, Kuchen, Brot und Kaffee.

Merke

Einzelkosten zeigen direkt auf ein Produkt. Gemeinkosten müssen erst sinnvoll verteilt werden.

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Kostenstellenrechnung: Wo Kosten entstehen

Nach den Kostenarten kommt die Frage nach dem Ort der Kostenentstehung. Ein Unternehmen besteht aus Bereichen. Diese Bereiche können Produktion, Verwaltung, Lager, Vertrieb oder Forschung sein.

Eine Kostenstelle ist ein abgegrenzter Bereich im Unternehmen, in dem Kosten gesammelt werden. Sie hilft dabei, Verantwortung und Wirtschaftlichkeit besser zu erkennen.

Definition

Kostenstelle bedeutet: Ein Bereich im Unternehmen, dem Kosten zugeordnet werden, zum Beispiel Produktion, Verwaltung oder Vertrieb.

Die Kostenstellenrechnung ist besonders wichtig für Gemeinkosten. Denn Gemeinkosten lassen sich nicht direkt einem Produkt zurechnen. Sie werden zuerst auf Kostenstellen verteilt. Danach können sie weiter auf Produkte gerechnet werden.

Oft nutzt man dafür einen Verteilungsschlüssel. Ein Verteilungsschlüssel ist eine nachvollziehbare Regel, nach der Gemeinkosten verteilt werden. Mietkosten kann man zum Beispiel nach Quadratmetern verteilen. Stromkosten kann man nach Maschinenstunden verteilen, wenn Maschinen den Stromverbrauch stark bestimmen.

Beispiel

Ein Unternehmen zahlt 6.000 Euro Miete im Monat.

Die Produktion nutzt 300 Quadratmeter. Die Verwaltung nutzt 100 Quadratmeter. Zusammen sind das 400 Quadratmeter.

Die Produktion nutzt also drei Viertel der Fläche. Ihr werden 4.500 Euro Miete zugerechnet. Die Verwaltung nutzt ein Viertel. Ihr werden 1.500 Euro Miete zugerechnet.

Gut zu wissen

Ein Verteilungsschlüssel ist nie perfekt. Er soll aber möglichst fair und sachlich sein. Deshalb muss er zum jeweiligen Kostenproblem passen.

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Kostenträgerrechnung: Wofür Kosten entstehen

Am Ende will ein Unternehmen oft wissen, was ein Produkt, ein Auftrag oder eine Dienstleistung wirklich kostet. Dafür nutzt man die Kostenträgerrechnung.

Ein Kostenträger ist das, wofür Kosten am Ende berechnet werden. Das kann ein Fahrrad, ein Brot, eine Reparatur, ein Kundenauftrag oder eine Unterrichtsstunde sein.

Definition

Kostenträgerrechnung bedeutet: Kosten werden einem Produkt, Auftrag oder einer Dienstleistung zugerechnet.

Kostenträger ist das Produkt, der Auftrag oder die Dienstleistung, für die Kosten berechnet werden.

Diese Stufe ist wichtig für Preise. Wenn ein Unternehmen nicht weiß, was ein Produkt kostet, kann es keinen sinnvollen Verkaufspreis planen. Es kann auch schlecht erkennen, ob ein Produkt zu teuer in der Herstellung ist.

Ein wichtiger Begriff sind Selbstkosten. Selbstkosten sind alle Kosten, die nötig sind, um ein Produkt herzustellen, zu verwalten und zu verkaufen. Dazu gehören zum Beispiel Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.

Definition

Selbstkosten sind die gesamten Kosten, die für Herstellung, Verwaltung und Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung anfallen.

Beispiel

Eine Bäckerei berechnet die Selbstkosten für einen Kuchen.

Zutaten: 6 Euro
Arbeitszeit: 14 Euro
Anteil an Miete und Strom: 5 Euro
Verpackung und Verkauf: 3 Euro

Selbstkosten: \(6 + 14 + 5 + 3 = 28\) Euro

Wenn die Bäckerei den Kuchen für 30 Euro verkauft, bleiben vor weiteren Betrachtungen 2 Euro Unterschied zwischen Verkaufspreis und Selbstkosten.

Merke

Kostenträgerrechnung führt die Kosten zum Produkt. So sieht ein Unternehmen, ob ein Produkt seinen Preis tragen kann.

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Vollkosten, Teilkosten und Deckungsbeitrag

In der Kostenrechnung gibt es verschiedene Verfahren. Zwei Grundideen sind besonders wichtig: Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung.

Bei der Vollkostenrechnung werden alle Kosten auf die Kostenträger verteilt. Dazu gehören variable Kosten und fixe Kosten. Variable Kosten ändern sich mit der Menge. Wenn mehr Kuchen gebacken werden, braucht man mehr Zutaten. Fixe Kosten bleiben in einem bestimmten Zeitraum gleich, auch wenn sich die Menge ändert. Die Miete bleibt zum Beispiel oft gleich, egal ob 100 oder 120 Kuchen verkauft werden.

Definition

Vollkostenrechnung bedeutet: Alle Kosten werden auf Produkte oder Dienstleistungen verrechnet.

Variable Kosten ändern sich mit der Leistungsmenge.

Fixe Kosten bleiben innerhalb eines bestimmten Zeitraums gleich, auch wenn sich die Menge verändert.

Bei der Teilkostenrechnung werden nicht alle Kosten direkt auf Produkte verteilt. Häufig schaut man besonders auf variable Kosten. Daraus entsteht der Deckungsbeitrag. Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt, um fixe Kosten zu decken und später Gewinn zu ermöglichen.

Definition

Deckungsbeitrag bedeutet: Verkaufserlös minus variable Kosten.

Formel:

$$ Deckungsbeitrag = Erlös - variable\ Kosten $$
Beispiel

Ein Getränk wird für 3 Euro verkauft.

Variable Kosten pro Getränk: Becher, Sirup und Wasser kosten zusammen 1 Euro.

Deckungsbeitrag: \(3 - 1 = 2\) Euro

Diese 2 Euro helfen, fixe Kosten wie Standmiete oder Geräte zu decken.

Gut zu wissen

Für langfristige Preisentscheidungen ist die Vollkostenrechnung oft wichtig. Für kurzfristige Entscheidungen kann die Teilkostenrechnung helfen, weil sie zeigt, ob ein Verkauf wenigstens zur Deckung fixer Kosten beiträgt.

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Planung und Kontrolle

Kostenrechnung ist nicht nur eine Rechnung nach dem Verkauf. Sie hilft auch vorher und nachher. Vorher plant ein Unternehmen Kosten. Nachher vergleicht es die Planung mit den echten Zahlen.

Ein Soll-Ist-Vergleich vergleicht geplante Werte mit tatsächlichen Werten. Soll bedeutet: so war es geplant. Ist bedeutet: so ist es tatsächlich passiert.

Definition

Soll-Ist-Vergleich bedeutet: Geplante Kosten oder Erlöse werden mit den tatsächlich entstandenen Kosten oder Erlösen verglichen.

Wenn die Ist-Kosten höher sind als die Soll-Kosten, sucht man nach Gründen. Vielleicht wurden Rohstoffe teurer. Vielleicht dauerte die Herstellung länger. Vielleicht wurde Material verschwendet. Der Vergleich hilft also, bessere Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Beispiel

Eine Schülerfirma plant für den Waffelverkauf 80 Euro Zutatenkosten.

Nach dem Verkauf sieht sie: Die tatsächlichen Zutatenkosten betragen 95 Euro.

Abweichung: \(95 - 80 = 15\) Euro

Jetzt fragt das Team: Waren die Preise höher? Wurde zu viel eingekauft? Gab es Abfall? Beim nächsten Mal kann es genauer planen.

Merke

Kostenrechnung ist ein Steuerungswerkzeug. Sie zeigt nicht nur Zahlen, sondern hilft beim Verbessern.

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Zusammenfassung

Kostenrechnung hilft Unternehmen, ihre Kosten zu verstehen. Sie gehört zum internen Rechnungswesen und ist vor allem für Planung, Kontrolle und Entscheidungen gedacht.

Die wichtigste Grundstruktur besteht aus drei Fragen. Die Kostenartenrechnung fragt: Welche Kosten sind entstanden? Die Kostenstellenrechnung fragt: Wo sind sie entstanden? Die Kostenträgerrechnung fragt: Wofür sind sie entstanden?

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