Kosten- und Leistungsrechnung: Grundlagen der KLR
Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) zeigt intern, wie wirtschaftlich die betriebliche Leistungserstellung ist. Sie betrachtet betriebszweckbezogene Kosten und Leistungen, ordnet Kosten nach Art, Entstehungsort und Verwendungszweck und liefert Daten für Kalkulation, Kontrolle und Entscheidungen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welche Vorgänge gehören in die KLR?
Stell dir ein Modeunternehmen vor. Es kauft Textilrohstoffe, zahlt Gehälter, verkauft Kleidung und erhält außerdem Erträge aus Wertpapieren. Welche dieser Vorgänge helfen zu beurteilen, ob die Herstellung und der Verkauf von Kleidung wirtschaftlich sind?
Kosten und Leistungen
Kosten sind der bewertete, betriebszweckbezogene Verbrauch von Gütern und Leistungen in einer Periode. Leistungen sind die bewertete, betriebszweckbezogene Güter- oder Dienstleistungsentstehung einer Periode. Die KLR berücksichtigt damit nur Werte, die zur innerbetrieblichen Leistungserstellung gehören.
Beim Modeunternehmen sind Textilrohstoffe, Gehälter, Maschineninstandhaltung und Lagermiete betriebsbezogene Kosten. Die Erlöse aus dem Verkauf der Kleidung sind betriebliche Leistungen. Wertpapiererträge gehören dagegen nicht unmittelbar zum Betriebszweck „Kleidung herstellen und verkaufen“ und bleiben in dieser KLR-Abgrenzung außen vor.
Die Finanzbuchhaltung erfasst Aufwendungen und Erträge umfassend und berichtet vor allem nach außen, etwa an Staat, Eigentümer oder Gläubiger. Sie folgt stärkeren gesetzlichen Vorgaben. Die KLR ist Teil des internen Rechnungswesens. Ihre Informationen richten sich vor allem an das Management und unterstützen kurzfristige Planung, Kalkulation und Kontrolle. Sie ist nur wenigen gesetzlichen Vorgaben unterworfen.
Frage zuerst: Hängt der Vorgang unmittelbar mit dem Betriebszweck zusammen? Nur dann wird ein Aufwand oder Ertrag für die KLR als Kosten oder Leistung berücksichtigt.
Die drei Stufen führen vom Wert zum Produkt
Ein Unternehmen weiß zunächst nur: In einer Periode sind Kosten angefallen. Für eine Entscheidung reicht das nicht. Es muss auch wissen, wo die Kosten entstanden und wofür sie verursacht wurden.
1. Kostenartenrechnung: Welche Kosten?
Die Kostenartenrechnung erfasst und gliedert Kosten, zum Beispiel Material-, Personal-, Raum-, Fertigungs-, Verwaltungs- oder Vertriebskosten. Weitere wichtige Einteilungen sind:
- Einzelkosten und Gemeinkosten: direkt oder nur indirekt einem Kostenträger zurechenbar;
- fixe und variable Kosten: unabhängig von oder abhängig von der Ausbringungsmenge;
- Primär- und Sekundärkosten: durch von außen bezogene Leistungen oder durch innerbetriebliche Leistungen entstanden.
2. Kostenstellenrechnung: Wo entstanden die Kosten?
Eine Kostenstelle ist ein betrieblicher Bereich, in dem Kosten entstehen, etwa Materiallager, Fertigung, Verwaltung oder Vertrieb. Die Kostenstellenrechnung verteilt vor allem Gemeinkosten auf diese Bereiche und ermöglicht Soll-Ist-Vergleiche.
- Hauptkostenstellen wirken unmittelbar an der Leistungserstellung mit.
- Hilfskostenstellen erbringen Vorleistungen für andere Kostenstellen.
3. Kostenträgerrechnung: Wofür entstanden die Kosten?
Ein Kostenträger ist das Produkt oder die Dienstleistung, für die Kosten anfallen. Die Kostenträgerrechnung fragt also, welches Produkt oder welcher Auftrag die Kosten tragen soll.
- Die Kostenträgerstückrechnung ermittelt Kosten je Stück oder Auftrag.
- Die Kostenträgerzeitrechnung stellt Kosten und Erlöse einer Periode gegenüber und ermittelt so den kurzfristigen Betriebserfolg.
Eine Möbelfabrik verbraucht Holz, nutzt die Abteilung Fertigung und stellt Schreibtische her.
- Welche Kosten? Der Holzverbrauch wird als Materialkosten erfasst.
- Wo entstanden? Die Kosten werden der Fertigung als Kostenstelle zugeordnet.
- Wofür entstanden? Der Schreibtisch ist der Kostenträger.
Der Denkweg lautet nicht „drei Namen für dieselben Kosten“, sondern „drei verschiedene Fragen an denselben Werteverzehr“.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Kostenartenrechnung beantwortet, Kosten entstanden sind. Die Kostenstellenrechnung untersucht, sie entstanden sind. Die Kostenträgerrechnung klärt, sie entstanden sind. Eine Abteilung ist daher eine , ein Produkt ein .
Einzelkosten nehmen den direkten Weg
Nicht jede Kostenart läuft auf demselben Weg zum Kostenträger.
Einzelkosten und Gemeinkosten
Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger direkt zurechnen, etwa der Rohstoff für ein bestimmtes Produkt. Gemeinkosten fallen für mehrere Kostenträger gemeinsam an, etwa die Miete einer Produktionshalle. Sie werden zunächst Kostenstellen zugeordnet und anschließend mithilfe eines Verteilungsschlüssels oder Zuschlags auf Kostenträger verteilt.
Damit ergibt sich ein wichtiger Unterschied:
- Einzelkosten: Kostenart → direkt zum Kostenträger;
- Gemeinkosten: Kostenart → Kostenstelle → verteilt auf Kostenträger.
Die Kostenstellenrechnung ist deshalb das Bindeglied zwischen Kostenarten- und Kostenträgerrechnung. Sie macht außerdem sichtbar, ob eine Abteilung ihre Soll-Kosten überschreitet.
Betriebsergebnis und Deckungsbeitrag berechnen
Die KLR verdichtet Kosten und Leistungen zu Kennzahlen. Dabei musst du genau unterscheiden, welche Größen in der Rechnung enthalten sind.
Das Betriebsergebnis
$$\text{Betriebsergebnis}=\text{Leistungen}-\text{Kosten}$$
Ist das Ergebnis positiv, übersteigen die betrieblichen Leistungen die Kosten. Ist es negativ, liegt für die betrachtete Periode ein Betriebsverlust vor.
Ein Modeunternehmen hat in einem Monat folgende betriebsbezogene Werte:
- Verkaufserlöse: 25.000 €
- Gehälter: 10.000 €
- Textilrohstoffe: 8.000 €
- Maschineninstandhaltung: 300 €
- Lagermiete: 800 €
Zusätzlich erzielt es 200 € Wertpapiererträge. Diese bleiben wegen des fehlenden Betriebszweckbezugs außerhalb der KLR-Rechnung.
$$25.000\,€-10.000\,€-8.000\,€-300\,€-800\,€=5.900\,€$$
Das Betriebsergebnis beträgt 5.900 €. Der entscheidende Schritt ist die sachliche Abgrenzung vor dem Rechnen: Die 200 € Wertpapiererträge werden nicht addiert.
Der Deckungsbeitrag
Für kurzfristige Entscheidungen werden häufig zunächst nur variable Kosten vom Umsatz abgezogen:
$$\text{Deckungsbeitrag}=\text{Umsatzerlöse}-\text{variable Kosten}$$
Der Deckungsbeitrag steht zur Deckung der Fixkosten bereit. Er ist deshalb nicht automatisch Gewinn.
Ein Unternehmen erzielt 22.000 € Umsatz und hat 15.000 € variable Kosten:
$$22.000\,€-15.000\,€=7.000\,€$$
Der Deckungsbeitrag beträgt 7.000 €. Bei 4.500 € Fixkosten verbleibt:
$$7.000\,€-4.500\,€=2.500\,€$$
Das Betriebsergebnis beträgt in diesem vereinfachten Beispiel 2.500 €.
Vollkosten oder Teilkosten wählen
Die richtige Rechnung hängt davon ab, welche Entscheidung vorbereitet werden soll.
Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung verteilt sämtliche fixen und variablen Periodenkosten auf die Kostenträger. Sie zeigt die gesamten Produktkosten und ist besonders für mittel- bis langfristige Kalkulationen wichtig, weil ein Produkt auf Dauer alle seine Kosten decken muss.
Ihr Nachteil: Fixkosten fallen nicht wegen jedes zusätzlichen Stücks an, werden aber trotzdem auf Produkte verteilt. Für kurzfristige Entscheidungen kann diese Verteilung den zusätzlichen Ressourcenverbrauch verschleiern.
Teilkostenrechnung
Die Teilkostenrechnung verrechnet nur ausgewählte Kosten mit den Kostenträgern. Bei der Deckungsbeitragsrechnung sind das die variablen Kosten. Sie unterstützt kurzfristige Entscheidungen, etwa über eine kurzfristige Preisuntergrenze, solange freie Kapazitäten und der konkrete Entscheidungsrahmen berücksichtigt werden.
Teilkosten beantworten nicht die Frage, ob ein Produkt langfristig rentabel ist. Ein positiver Deckungsbeitrag hilft zwar, Fixkosten zu decken; dauerhaft müssen jedoch auch die Fixkosten und damit die gesamten Selbstkosten erwirtschaftet werden.
Kurzfristig: Welche zusätzlichen Kosten und welchen Deckungsbeitrag verursacht die Entscheidung? Langfristig: Deckt das Produkt sämtliche fixen und variablen Kosten?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kosten- und Leistungsrechnung
- Abgrenzung: betriebszweckbezogene Kosten und Leistungen statt aller Aufwendungen und Erträge
- Kostenartenrechnung: Welche Kosten?
- Kostenstellenrechnung: Wo entstanden?
- Kostenträgerrechnung: Wofür entstanden?
- Zurechnung: Einzelkosten direkt, Gemeinkosten über Kostenstellen
- Ergebnis: Leistungen minus Kosten
- Teilkosten: Deckungsbeitrag für kurzfristige Entscheidungen
- Vollkosten: Gesamtkostendeckung für langfristige Entscheidungen
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