Wirtschaft

Inventur einfach erklärt: Ablauf, Arten und Inventar

Inventur einfach erklärt: Ablauf, Arten und Inventar
Inventur einfach erklärt: Ablauf, Arten und Inventar
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei einer Inventur ermittelt ein Unternehmen seine tatsächlichen Vermögensgegenstände und Schulden nach Menge und Wert. Das schriftliche Ergebnis heißt Inventar. Auf dieser Seite lernst du, beide Begriffe zu unterscheiden, geeignete Aufnahmeverfahren auszuwählen und aus Inventurdaten ein Inventar zu erstellen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Inventur, Inventar und Bilanz unterscheiden

Die drei Begriffe beschreiben verschiedene Schritte.

Definition

Inventur

Die Inventur ist der Vorgang, bei dem ein Unternehmen seine Vermögensgegenstände und Schulden zu einem bestimmten Zeitpunkt mengen- und wertmäßig erfasst.

Definition

Inventar

Das Inventar ist das ausführliche Bestandsverzeichnis, das bei der Inventur entsteht. Es enthält Art, Menge und Wert der einzelnen Positionen.

Die Bilanz fasst gleichartige Werte des Inventars zu Sammelposten zusammen. Sie enthält keine ausführlichen Mengenlisten. Vermögenswerte stehen auf der Aktivseite; Schulden und Eigenkapital auf der Passivseite.

Beispiel

Ein Unternehmen erfasst Äpfel im Wert von 500 Euro, Birnen im Wert von 10 Euro und Bananen im Wert von 1.200 Euro. Im Inventar können die einzelnen Bestände erscheinen. In der Bilanz werden sie zum Sammelposten Vorräte: 1.710 Euro verdichtet.

Merke

Inventur ist die Tätigkeit, Inventar das Ergebnis und Bilanz die verdichtete Gegenüberstellung der Werte.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage ist richtig?
Lösung: Die Inventur ist die Bestandsaufnahme; das Inventar ist das daraus entstehende Verzeichnis. — Das Inventar führt einzelne Positionen ausführlich auf. Die Bilanz fasst gleichartige Werte zu Sammelposten zusammen.
Bestände körperlich oder mithilfe von Belegen erfassen

Welches Aufnahmeverfahren passt, hängt von der Art der Position ab.

Körperliche Inventur

Greifbare Vermögensgegenstände werden gezählt, gemessen oder gewogen. Dazu gehören beispielsweise Waren, Rohstoffe, Maschinen und Fahrzeuge. Ist eine genaue Aufnahme unmöglich oder wirtschaftlich unzumutbar, kann bei geeigneten Beständen wie einem Sandvorrat geschätzt und anschließend bewertet werden.

Buchinventur

Nicht körperliche Positionen werden aus Büchern und Belegen ermittelt. Kontoauszüge, Saldenlisten und andere Buchführungsunterlagen zeigen beispielsweise Bankguthaben, Forderungen, Verbindlichkeiten und Kredite.

Beispiel

Im Lager werden 240 Kartons gezählt. Das ist eine körperliche Inventur. Ein Bankguthaben von 18.000 Euro wird dagegen anhand des Kontoauszugs festgestellt. Das ist eine Buchinventur.

Bei Waren zählt nicht nur ihr Lagerort. Auch die Eigentumslage muss stimmen: Ware kann sich außerhalb des Lagers befinden und dennoch zum Bestand des Unternehmens gehören. Umgekehrt gehört fremde Kommissionsware nicht automatisch zum eigenen Inventar.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Waren werden bei der meist gezählt, gemessen oder gewogen. Forderungen und Bankguthaben werden bei der anhand von Unterlagen erfasst. Die Bestandsaufnahme heißt ; ihr schriftliches Ergebnis heißt .

Lösungen: Lücke 1: körperlichen Inventur; Lücke 2: Buchinventur; Lücke 3: Inventur; Lücke 4: Inventar. Entscheidend sind die Art der Position und die Funktion des Begriffs: Greifbare Bestände werden körperlich aufgenommen, nicht körperliche Positionen beleggestützt.
Zeitpunkt und Umfang der Inventur festlegen

Buchführungspflichtige Unternehmen müssen insbesondere zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit und für jedes Geschäftsjahr ein Inventar aufstellen. Häufig endet das Geschäftsjahr am 31. Dezember. Die Inventurformen regeln entweder den Zeitpunkt der Aufnahme oder den Umfang der Bestandsermittlung.

Stichtagsinventur

Die Bestände werden am Bilanzstichtag körperlich oder buchmäßig aufgenommen.

Zeitnahe Stichtagsinventur

Die Aufnahme darf innerhalb von zehn Tagen vor oder zehn Tagen nach dem Stichtag liegen. Veränderungen zwischen Aufnahmetag und Stichtag müssen berücksichtigt werden.

Permanente Inventur

Die Bestände werden laufend fortgeschrieben. Zu- und Abgänge müssen vollständig dokumentiert sein. Jeder Bestand wird mindestens einmal im Geschäftsjahr körperlich aufgenommen und mit dem Buchbestand verglichen. Dadurch können die Zählungen über das Jahr verteilt werden.

Vor- oder nachverlegte Inventur

Die körperliche Aufnahme kann innerhalb der letzten drei Monate vor oder der ersten zwei Monate nach dem Geschäftsjahresende stattfinden. Der ermittelte Wert muss durch Fortschreibung oder Rückrechnung auf den Bilanzstichtag bezogen werden.

Stichprobeninventur

Die bisherigen Formen regeln vor allem, wann Bestände aufgenommen werden. Die Stichprobeninventur verändert dagegen den Umfang der Aufnahme: Der Gesamtbestand wird aus repräsentativen Stichproben ermittelt. Dafür sind anerkannte mathematisch-statistische Verfahren nötig, deren Aussagewert einer vollständigen Inventur entsprechen muss.

Gut zu wissen

Eine Aufnahme außerhalb des Stichtags bedeutet nicht, dass Veränderungen ignoriert werden dürfen. Das Unternehmen muss den Bestand am Bilanzstichtag zuverlässig bestimmen und die nötigen Berechnungen dokumentieren.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtBei welcher Form werden Bestände laufend fortgeschrieben und über das Jahr verteilt körperlich geprüft?
Lösung: Bei der permanenten Inventur — „Permanent“ bezieht sich auf die laufende Bestandsführung. Die Buchinventur bezeichnet dagegen ein Aufnahmeverfahren für nicht körperliche Positionen.
Frage 2 von 2MittelEin Bestand wird zwei Monate vor dem Geschäftsjahresende körperlich aufgenommen. Was ist zusätzlich nötig?
Lösung: Der Wert muss ordnungsgemäß auf den Bilanzstichtag fortgeschrieben werden. — Die verlegte Inventur liefert zunächst den Bestand am Aufnahmetag. Erst die Fortschreibung stellt den Bezug zum Bilanzstichtag her.
Aus Inventurdaten ein Inventar erstellen

Ein Inventar wird üblicherweise in drei Hauptbereiche gegliedert:

- Anlagevermögen, zum Beispiel Grundstücke, Maschinen und Fahrzeuge - Umlaufvermögen, zum Beispiel Vorräte, Forderungen, Bankguthaben und Kasse

- langfristige Schulden, zum Beispiel Darlehen - kurzfristige Schulden, zum Beispiel Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten

  1. Vermögen
  2. Schulden
  3. Eigenkapital oder Reinvermögen

Das Eigenkapital ist die Differenz zwischen Gesamtvermögen und Schulden:

$$\text{Eigenkapital} = \text{Gesamtvermögen} - \text{Schulden}$$

Beispiel

Ein Beispielunternehmen hat folgende Inventurwerte:

BereichPositionWert
AnlagevermögenMaschinen60.000 Euro
AnlagevermögenFahrzeuge20.000 Euro
UmlaufvermögenVorräte15.000 Euro
UmlaufvermögenForderungen10.000 Euro
UmlaufvermögenBankguthaben12.000 Euro
UmlaufvermögenKasse3.000 Euro
SchuldenDarlehen30.000 Euro
SchuldenLieferantenverbindlichkeiten15.000 Euro

Schritt 1: Vermögen addieren.

60.000 Euro + 20.000 Euro + 15.000 Euro + 10.000 Euro + 12.000 Euro + 3.000 Euro = 120.000 Euro

Schritt 2: Schulden addieren.

30.000 Euro + 15.000 Euro = 45.000 Euro

Schritt 3: Eigenkapital berechnen.

120.000 Euro − 45.000 Euro = 75.000 Euro

Das Unternehmen besitzt nach Abzug seiner Schulden ein Reinvermögen von 75.000 Euro.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Unternehmen hat 90.000 Euro Vermögen und 35.000 Euro Schulden. Wie hoch ist sein Eigenkapital?
Lösung: 55.000 Euro — Mit der Formel Eigenkapital = Gesamtvermögen − Schulden ergibt sich 90.000 Euro − 35.000 Euro = 55.000 Euro.
Frage 2 von 2SchwerDu gliederst Maschinen im Wert von 40.000 Euro, Vorräte von 10.000 Euro, ein Bankguthaben von 5.000 Euro, ein Darlehen von 20.000 Euro und Lieferantenverbindlichkeiten von 8.000 Euro. Welche Kurzfassung des Inventars ist richtig?
Lösung: Anlagevermögen: 40.000 Euro; Umlaufvermögen: 15.000 Euro; Schulden: 28.000 Euro; Eigenkapital: 27.000 Euro — Das Vermögen beträgt 40.000 Euro + 10.000 Euro + 5.000 Euro = 55.000 Euro. Die Schulden betragen 28.000 Euro. Daher ergibt sich ein Eigenkapital von 55.000 Euro − 28.000 Euro = 27.000 Euro.
Abweichungen erkennen und die Inventur kontrollieren

Die Inventur erfüllt nicht nur eine Dokumentationspflicht. Sie vergleicht den tatsächlich festgestellten Istbestand mit dem rechnerischen Sollbestand der Bücher.

Eine Abweichung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Schwund oder Verderb,
  • Diebstahl,
  • falsches Zählen, Messen oder Wiegen,
  • nicht oder fehlerhaft gebuchte Zu- und Abgänge,
  • falsche Zuordnung fremder oder unterwegs befindlicher Ware.

Eine Abweichung zeigt zunächst nur, dass geprüft werden muss. Sie beweist nicht automatisch Diebstahl.

Ein verlässlicher Arbeitsablauf

  1. Aufnahmebereiche und Verantwortlichkeiten festlegen.
  2. Bestände zählen, messen, wiegen oder aus Belegen übernehmen.
  3. Art, Menge und Wert nachvollziehbar dokumentieren.
  4. Istbestand und Sollbestand vergleichen.
  5. Abweichungen prüfen und berichtigen.
  6. Vermögen und Schulden ordnen und das Eigenkapital berechnen.
  7. Gleichartige Werte für die Bilanz zusammenfassen.
Merke

Eine sorgfältige Inventur beantwortet drei Fragen: Was ist vorhanden? Wie viel ist vorhanden? Welchen Wert hat der Bestand?

Teste dich
Frage 1 von 2MittelDer Buchbestand nennt 500 Stück, körperlich gezählt werden 487 Stück. Welche Folgerung ist fachlich richtig?
Lösung: Es liegt eine Abweichung von 13 Stück vor, deren Ursache geprüft werden muss. — Die körperliche Aufnahme liefert den Istbestand. Die Differenz zum Sollbestand ist ein Prüfhinweis, aber noch keine eindeutige Ursachenfeststellung.
Frage 2 von 2SchwerEin fremder Artikel steht im Lager eines Unternehmens. Gehört er zwingend zum Inventar?
Lösung: Nein, neben dem Lagerort muss insbesondere die Eigentumslage geprüft werden. — Bei Kommissionsware oder Ware unterwegs kann der Lagerort von der inventariellen Zugehörigkeit abweichen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Inventur
    • Gegenstand
      • Vermögensgegenstände und Schulden
      • Mengen und Werte
    • Aufnahmeverfahren
      • körperlich: zählen, messen, wiegen
      • buchmäßig: Bücher und Belege
    • Zeitpunkt
      • Stichtag, zeitnah oder verlegt
      • permanente Bestandsführung
    • Umfang
      • vollständige Aufnahme
      • anerkannte Stichprobe
    • Ergebnis
      • Inventar mit Einzelpositionen
      • Eigenkapital als Vermögen minus Schulden
    • Weiterverarbeitung
      • Verdichtung zur Bilanz
      • Vergleich von Soll- und Istbestand
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWas ist das unmittelbare Ergebnis einer Inventur?
Lösung: Das Inventar — Die Inventur ist die Bestandsaufnahme. Ihr dokumentiertes Ergebnis ist das Inventar.
Frage 2 von 4MittelWelche Kombination ist richtig zugeordnet?
Lösung: Maschine: körperliche Inventur; Bankguthaben: Buchinventur — Das Aufnahmeverfahren richtet sich danach, ob eine Position körperlich greifbar oder nur durch Bücher und Belege feststellbar ist.
Frage 3 von 4SchwerEin Unternehmen zählt seine Vorräte sechs Wochen vor dem Bilanzstichtag. Was muss es tun, damit der Stichtagswert zuverlässig wird?
Lösung: Zu- und Abgänge dokumentieren und den ermittelten Wert auf den Bilanzstichtag fortschreiben. — Sechs Wochen liegen innerhalb der möglichen drei Monate vor dem Geschäftsjahresende. Entscheidend sind eine ordnungsgemäße Dokumentation und Fortschreibung.
Frage 4 von 4SchwerEin Betrieb weist 160.000 Euro Gesamtvermögen und 65.000 Euro Schulden aus. Welcher Wert gehört als Eigenkapital in das Inventar?
Lösung: 95.000 Euro — Eigenkapital = Gesamtvermögen − Schulden. Daher gilt: 160.000 Euro − 65.000 Euro = 95.000 Euro.

Passend dazu