Wirtschaft

Investitionsrechnung: Verfahren sicher anwenden

Investitionsrechnung: Verfahren sicher anwenden
Investitionsrechnung: Verfahren sicher anwenden
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Mit der Investitionsrechnung prüfst du, ob sich ein geplantes Vorhaben finanziell lohnt und welche von mehreren Alternativen vorteilhafter ist. Statische Verfahren verwenden vereinfachte Durchschnittswerte; dynamische Verfahren berücksichtigen zusätzlich, wann Zahlungen anfallen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Welche Entscheidung soll die Rechnung unterstützen?

Eine Investition bindet heute Geld, damit später ein Nutzen entsteht. Die Investitionsrechnung konzentriert sich auf die finanziellen Folgen.

Sie unterstützt drei Arten von Entscheidungen:

  1. Absolute Vorteilhaftigkeit: Lohnt sich ein einzelnes Projekt finanziell?
  2. Relative Vorteilhaftigkeit: Welche von mehreren Alternativen ist finanziell günstiger?
  3. Ersatzentscheidung: Soll eine vorhandene Anlage weitergenutzt oder ersetzt werden?
Definition

Zahlungsreihe

Eine Zahlungsreihe ordnet alle entscheidungsrelevanten Ein- und Auszahlungen den Zeitpunkten zu, an denen sie voraussichtlich anfallen. Die Anschaffungsauszahlung steht meist am Zeitpunkt 0.

Nicht alles lässt sich zuverlässig in Geld ausdrücken. Qualität, Arbeitssicherheit, Umweltwirkungen oder Flexibilität müssen deshalb ergänzend beurteilt werden.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Frage beantwortet die relative Vorteilhaftigkeit?
Lösung: Welche von mehreren Alternativen ist finanziell am besten? — Relative Vorteilhaftigkeit bedeutet, finanziell zwischen konkurrierenden Alternativen zu wählen.
Wann eignet sich ein statisches Verfahren?

Statische Verfahren arbeiten mit einem typischen oder durchschnittlichen Jahr. Sie sind vergleichsweise einfach, blenden aber die genaue zeitliche Verteilung der Rückflüsse aus.

VerfahrenZielgrößeGrundregel
Kostenvergleichjährliche Kostengeringere Kosten wählen
Gewinnvergleichjährlicher Gewinnhöheren Gewinn wählen
RentabilitätsvergleichGewinn im Verhältnis zum Kapitaleinsatzhöhere akzeptable Rentabilität wählen
AmortisationsrechnungRückflusszeitkürzere akzeptable Zeit wählen
Definition

Amortisationszeit

Die statische Amortisationszeit gibt an, wie lange es dauert, bis der Kapitaleinsatz durch die durchschnittlichen jährlichen Rückflüsse gedeckt ist.

Bei gleich hohen jährlichen Rückflüssen gilt:

$$t=\frac{Kapitaleinsatz}{jährlicher\ Rückfluss}$$

Beispiel

Eine Maschine kostet 100.000 €. Sie erzeugt einen durchschnittlichen jährlichen Rückfluss von 25.000 €.

$$t=\frac{100.000\,€}{25.000\,€\text{ pro Jahr}}=4\text{ Jahre}$$

Die Investition amortisiert sich nach vier Jahren. Ob sie insgesamt vorteilhaft ist, folgt daraus noch nicht: Die Rechnung ignoriert den Zeitwert des Geldes und alle Rückflüsse nach dem Amortisationszeitpunkt.

Merke

Eine kurze Amortisationszeit kann auf ein geringeres Rückflussrisiko hinweisen. Sie misst aber weder den gesamten Vermögenszuwachs noch automatisch die beste Investition.

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Frage 1 von 1MittelProjekt A amortisiert sich nach drei Jahren, Projekt B nach vier Jahren. Was darfst du sicher folgern?
Lösung: A gewinnt nach der statischen Rückflusszeit. — Aus der kürzeren Amortisationszeit folgt nur ein früherer Rückfluss des eingesetzten Kapitals.
Warum zählt der Zeitpunkt einer Zahlung?

100 € heute und 100 € in mehreren Jahren sind finanziell nicht gleichwertig. Heutiges Geld könnte alternativ angelegt werden. Dynamische Verfahren rechnen deshalb zukünftige Zahlungen auf den Entscheidungszeitpunkt zurück.

Definition

Kalkulationszinssatz

Der Kalkulationszinssatz ist die geforderte Verzinsung einer Investition. Er bildet die entgangene Rendite einer geeigneten alternativen Kapitalverwendung und gegebenenfalls Risikoüberlegungen ab.

Der heutige Wert einer zukünftigen Zahlung heißt Barwert. Für eine Zahlung $Z_t$ im Jahr $t$ gilt bei einem Kalkulationszinssatz $i$:

$$Barwert=\frac{Z_t}{(1+i)^t}$$

Je später eine positive Zahlung eintrifft und je höher der Zinssatz ist, desto kleiner ist ihr Barwert.

Dynamische Verfahren sind unter anderem:

  • Kapitalwertmethode: misst den Vermögenszuwachs zum Zeitpunkt 0;
  • Annuitätenmethode: wandelt den Kapitalwert in einen gleichmäßigen jährlichen Betrag um;
  • interne Zinsfußmethode: sucht den Zinssatz, bei dem der Kapitalwert null ist;
  • dynamische Amortisation: bestimmt den Zeitpunkt, an dem auch die verzinsten Rückflüsse den Kapitaleinsatz decken.
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Frage 1 von 1LeichtWarum wird eine zukünftige Einzahlung abgezinst?
Lösung: Damit ihr Wert mit einer Zahlung zum heutigen Zeitpunkt vergleichbar wird. — Abzinsung berücksichtigt den Zeitwert des Geldes. Prognoseunsicherheit bleibt trotzdem bestehen.
Wie berechnest und deutest du den Kapitalwert?

Der Kapitalwert addiert die Barwerte aller Ein- und Auszahlungen. Die Anschaffungsauszahlung $A_0$ wird abgezogen:

$$C_0=-A_0+\sum_{t=1}^{n}\frac{E_t-A_t}{(1+i)^t}+\frac{RW}{(1+i)^n}$$

Dabei sind $E_t$ die Einzahlungen, $A_t$ die Auszahlungen im Jahr $t$, $RW$ der Restwert und $n$ die Nutzungsdauer.

Die Entscheidung folgt aus dem Vorzeichen:

  • $C_0>0$: Die geforderte Verzinsung wird erreicht und zusätzlich entsteht ein finanzieller Überschuss.
  • $C_0=0$: Die geforderte Verzinsung wird genau erreicht.
  • $C_0<0$: Die geforderte Verzinsung wird nicht erreicht.
Beispiel

Eine Maschine kostet heute 100.000 €. Sie liefert am Ende der Jahre 1 bis 4 jeweils einen Nettoeinzahlungsüberschuss von 30.000 €. Am Ende des vierten Jahres kommen 10.000 € Restwert hinzu. Der Kalkulationszinssatz beträgt 5 %.

Die Zahlung im vierten Jahr beträgt daher insgesamt 40.000 €.

$$C_0=-100.000+\frac{30.000}{1{,}05}+\frac{30.000}{1{,}05^2}+\frac{30.000}{1{,}05^3}+\frac{40.000}{1{,}05^4}$$

$$C_0\approx14.605{,}54\,€$$

Der Kapitalwert ist positiv. Unter den angenommenen Zahlungen und dem Zinssatz erreicht die Investition die geforderte Verzinsung und schafft darüber hinaus rechnerisch rund 14.606 € Vermögenszuwachs.

Merke

Erst Zahlungsreihe und Annahmen festlegen, dann abzinsen, anschließend die Anschaffungsauszahlung abziehen und zuletzt das Ergebnis im Sachzusammenhang deuten.

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Frage 1 von 1MittelIn der Zahlungsreihe des Beispiels sinkt nur der Restwert von 10.000 € auf 0 €. Was geschieht bei sonst gleichen Annahmen?
Lösung: Der Kapitalwert sinkt um den Barwert der entfallenden 10.000 €. — Fällt eine positive zukünftige Zahlung weg, sinkt der Kapitalwert um deren abgezinsten Wert.
Wie gehst du mit Unsicherheit und Grenzen um?

Eine Investitionsrechnung liefert kein sicheres Zukunftswissen. Absatzmengen, Preise, laufende Auszahlungen, Nutzungsdauer, Restwert und Kalkulationszinssatz beruhen auf Annahmen.

Bei einer Sensitivitätsanalyse veränderst du jeweils eine wichtige Annahme und prüfst, wie stark das Ergebnis reagiert. Du kannst beispielsweise untersuchen:

  • Wie verändert ein geringerer jährlicher Zahlungsüberschuss den Kapitalwert?
  • Was bewirkt ein höherer Kalkulationszinssatz?
  • Wie wirkt ein niedrigerer Restwert?

Mehrere in sich stimmige Kombinationen von Annahmen bilden Szenarien, etwa einen günstigen, einen mittleren und einen ungünstigen Verlauf.

Gut zu wissen

Ein positiver Kapitalwert ist immer an die verwendeten Annahmen gebunden. Scheingenauigkeit entsteht, wenn ein exakt berechneter Wert als sichere Vorhersage behandelt wird, obwohl seine Eingaben unsicher sind.

Eine tragfähige Entscheidung verbindet deshalb:

  1. das Ergebnis der finanziellen Rechnung,
  2. die offengelegten Annahmen,
  3. die Reaktion auf veränderte Annahmen,
  4. qualitative Kriterien und zwingende Nebenbedingungen.
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Frage 1 von 1SchwerDer Kapitalwert ist im mittleren Szenario knapp positiv, bei etwas geringeren Einzahlungen aber negativ. Welche Beurteilung ist angemessen?
Lösung: Das Projekt ist empfindlich gegenüber der Einzahlungsannahme; die Entscheidung braucht eine begründete Risikoabwägung. — Sensitivität macht Unsicherheit sichtbar. Sie ersetzt die Entscheidung nicht, verbessert aber ihre Begründung.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Investitionsrechnung
    • Entscheidungsfragen: einzeln bewerten, Alternativen vergleichen, Ersatz prüfen
    • Statische Verfahren: Kosten, Gewinn, Rentabilität, Amortisation
    • Dynamische Verfahren: Zahlungsreihe, Abzinsung, Kapitalwert
    • Unsicherheit: Annahmen offenlegen, Sensitivität und Szenarien prüfen
    • Gesamturteil: finanzielle und qualitative Kriterien verbinden
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Angabe gehört unmittelbar in eine vollständige dynamische Rechnung?
Lösung: Der Zeitpunkt jeder entscheidungsrelevanten Zahlung. — Dynamische Verfahren benötigen Betrag und Zeitpunkt der entscheidungsrelevanten Zahlungen.
Frage 2 von 3MittelEin Projekt kostet 80.000 € und liefert gleich hohe jährliche Rückflüsse von 20.000 €. Wie lang ist die statische Amortisationszeit?
Lösung: 4 Jahre. — Es gilt $80.000\,€/(20.000\,€\text{ pro Jahr})=4$ Jahre.
Frage 3 von 3SchwerZwei sich ausschließende Projekte haben bei demselben passenden Kalkulationszinssatz und vergleichbarem Planungshorizont positive Kapitalwerte. Projekt A erreicht 12.000 €, Projekt B 18.000 €. Was spricht finanziell für B?
Lösung: B liefert unter den Annahmen den größeren Vermögenszuwachs. — Beim vergleichbaren Alternativenvergleich spricht der höhere Kapitalwert für den größeren finanziellen Zielbeitrag. Annahmen und qualitative Kriterien sind trotzdem zu prüfen.

Du kannst eine Investition nun strukturiert beurteilen: Zahlungsreihe aufstellen, passendes Verfahren wählen, rechnen, das Ergebnis deuten und seine Abhängigkeit von Annahmen sichtbar machen.

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