Investitionsrechnung und Finanzierung beurteilen
Eine Investition legt Kapital langfristig fest, etwa in einer Maschine. Die Finanzierung stellt dieses Kapital bereit. Mit der Investitionsrechnung prüfst du, ob die erwarteten finanziellen Rückflüsse den Kapitaleinsatz rechtfertigen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie hängen Investition und Finanzierung zusammen?
Ein Betrieb möchte eine Maschine kaufen. Damit entstehen zwei Fragen:
- Investition: Wofür wird das Kapital verwendet?
- Finanzierung: Woher kommt das benötigte Kapital?
Investition
Eine Investition ist die längerfristige Bindung finanzieller Mittel in Vermögenswerten, zum Beispiel in Maschinen, Beteiligungen oder Lizenzen.
Finanzierung
Finanzierung umfasst die Beschaffung, Sicherung, Umschichtung oder Rückzahlung von Kapital. Sie soll besonders gewährleisten, dass der Betrieb zahlungsfähig bleibt.
In der Bilanz zeigt die Aktivseite die Kapitalverwendung, die Passivseite die Kapitalherkunft. Eine wirtschaftlich vorteilhafte Maschine kann trotzdem problematisch sein, wenn Zins- und Tilgungszahlungen die Liquidität überfordern.
Investitionsrechnungen erfassen vor allem monetäre Größen. Lieferzeit, Service, Umwelteinwirkungen oder soziale Folgen müssen zusätzlich beurteilt werden.
Wann passen statische oder dynamische Verfahren?
Statische Verfahren rechnen mit einem typischen Durchschnittsjahr. Sie sind einfach, berücksichtigen aber nicht, wann Zahlungen innerhalb der Nutzungsdauer anfallen.
Dynamische Verfahren erfassen Ein- und Auszahlungen mehrerer Perioden. Durch Abzinsung machen sie Zahlungen verschiedener Zeitpunkte vergleichbar.
| Verfahren | Zielgröße | Entscheidungsidee |
|---|---|---|
| Kostenvergleich | jährliche Kosten | geringste Kosten wählen |
| Gewinnvergleich | jährlicher Gewinn | höchsten Gewinn wählen |
| Rentabilitätsvergleich | Gewinn im Verhältnis zum Kapital | höchste Rentabilität wählen |
| Statische Amortisation | Rückflussdauer | kurze Amortisationsdauer bevorzugen |
| Kapitalwertmethode | Vermögenszuwachs zum Entscheidungszeitpunkt | positiven Kapitalwert anstreben |
| Interner Zinsfuß | Projektrendite | mit der geforderten Rendite vergleichen |
Statische Verfahren eignen sich eher für überschaubare, gut vergleichbare Vorhaben. Bei langen Laufzeiten, hohen Beträgen oder ungleich verteilten Zahlungen sind dynamische Verfahren aussagekräftiger.
Je stärker Zahlungszeitpunkte und langfristige Entwicklungen die Entscheidung beeinflussen, desto wichtiger ist eine dynamische Rechnung.
Wie berechnest du Amortisation und Kapitalwert?
Ein Unternehmen prüft eine Maschine mit folgenden angenommenen Zahlungen:
| Zeitpunkt | Zahlung | Begründung |
|---|---|---|
| Beginn | −50.000 € | Anschaffungsauszahlung |
| Ende Jahr 1 | +18.000 € | Einzahlungsüberschuss |
| Ende Jahr 2 | +18.000 € | Einzahlungsüberschuss |
| Ende Jahr 3 | +23.000 € | 18.000 € Überschuss plus 5.000 € Restwert |
Statische Amortisation
Bei gleichbleibendem jährlichem Rückfluss gilt:
$$Amortisationsdauer = 50.000\,€ : 18.000\,€ = 2{,}78\,Jahre$$
Das eingesetzte Kapital fließt nach dem vereinfachten Modell in rund 2,78 Jahren zurück. Die Rechnung berücksichtigt weder Zinsen noch den genauen Zahlungszeitpunkt oder den Restwert.
Dynamischer Kapitalwert
Der Kalkulationszinssatz ist die geforderte Rendite. Er berücksichtigt die beste alternative Kapitalverwendung und kann einen Risikozuschlag enthalten. Hier beträgt er 6 %.
Barwert
Der Barwert ist der heutige Wert einer zukünftigen Zahlung. Eine Zahlung im Jahr $t$ wird durch $(1+i)^t$ geteilt, wobei $i$ der Kalkulationszinssatz ist.
Für die Maschine ergibt sich:
$$C_0 = -50.000 + 18.000 : 1{,}06 + 18.000 : 1{,}06^2 + 23.000 : 1{,}06^3$$
Die abgezinsten Rückflüsse betragen gerundet 16.981,13 €, 16.019,94 € und 19.311,24 €.
$$C_0 = 2.312{,}31\,€$$
Der Kapitalwert ist positiv. Unter den getroffenen Annahmen erwirtschaftet die Maschine die geforderte Verzinsung von 6 % und zusätzlich einen Vermögenszuwachs von rund 2.312 €.
$C_0 > 0$: finanziell vorteilhaft. $C_0 = 0$: die geforderte Rendite wird genau erreicht. $C_0 < 0$: die geforderte Rendite wird verfehlt.
Welche Finanzierung passt zum Vorhaben?
Finanzierungen lassen sich nach zwei verschiedenen Fragen ordnen:
- Innen- oder Außenfinanzierung: Woher kommen die Mittel?
- Eigen- oder Fremdfinanzierung: Welche rechtliche Stellung haben die Kapitalgeber?
Innenfinanzierung und Eigenfinanzierung sind deshalb keine Gegensätze. Einbehaltene Gewinne stammen beispielsweise aus dem Unternehmen und stärken zugleich das Eigenkapital.
| Weg | Kosten und Rückzahlung | Wirkung auf Liquidität und Risiko | Einfluss |
|---|---|---|---|
| Eigenfinanzierung durch Anteilseigner | keine feste Zins- und Tilgungspflicht; dennoch Anspruch auf Gewinn und Wertentwicklung | trägt Verluste mit und stärkt häufig die Haftungsbasis | neue Anteilseigner können Mitspracherechte erhalten |
| Fremdfinanzierung durch Kredit | vereinbarte Zinsen und Tilgung | feste Zahlungen belasten die Liquidität; Sicherheiten können verlangt werden | Kreditgeber erhalten normalerweise keine Eigentümerrechte |
| Innenfinanzierung, etwa durch einbehaltene Gewinne | keine neue Auszahlung an externe Kapitalgeber; entgangene Alternativnutzung bleibt relevant | schont häufig die kurzfristige Liquidität, setzt aber verfügbare interne Mittel voraus | meist kein neuer externer Einfluss |
Die passende Finanzierung hängt nicht nur von den sichtbaren Zinsen ab. Prüfe auch Laufzeit, Rückzahlungsplan, Sicherheiten, Risiko, Liquiditätsreserven und Mitspracherechte.
Wie entscheidest du unter Unsicherheit?
Prognosen sind keine sicheren Tatsachen. Absatz, laufende Auszahlungen, Restwert, Nutzungsdauer und Kalkulationszins können anders ausfallen. Eine Sensitivitätsanalyse verändert jeweils eine Annahme und zeigt, wie empfindlich das Ergebnis reagiert.
Für die Maschine werden zwei Abweichungen geprüft:
| Szenario | Veränderte Annahme | Kapitalwert |
|---|---|---|
| Ausgangsfall | 18.000 € jährlicher Überschuss, 6 % Zins | +2.312,31 € |
| Höherer Zins | 18.000 € jährlicher Überschuss, 8 % Zins | +356,91 € |
| Niedrigerer Rückfluss | 15.000 € jährlicher Überschuss, 6 % Zins | −5.706,72 € |
Beim höheren Kalkulationszins bleibt das Vorhaben knapp positiv. Sinkt der jährliche Einzahlungsüberschuss auf 15.000 €, wird der Kapitalwert negativ. Die Entscheidung hängt daher wesentlich davon ab, ob die erwarteten Rückflüsse realistisch sind.
Eine begründete Entscheidung nennt immer:
- die angenommene Zahlungsreihe,
- den Kalkulationszinssatz,
- das Rechenergebnis,
- die empfindlichen Annahmen,
- qualitative Ziele und die Finanzierungsauswirkungen.
Scheingenauigkeit entsteht, wenn ein exakt aussehendes Ergebnis die Unsicherheit der Eingaben verdeckt. Runde nachvollziehbar und behandle Szenarien als mögliche Entwicklungen, nicht als Vorhersagen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Investitionsentscheidung
- Kapitalverwendung: Investitionsobjekt und qualitative Ziele
- Wirtschaftlichkeit: statische und dynamische Verfahren
- Kapitalwert: Zahlungsreihe und Kalkulationszinssatz
- Finanzierung: Innen oder außen, Eigen- oder Fremdkapital
- Unsicherheit: Szenarien und Sensitivitätsanalyse
Abschluss-Check
Du kannst eine Investition fundiert beurteilen, wenn du Zahlungsreihe und Verfahren passend wählst, das Ergebnis im Zusammenhang erklärst und Finanzierung, qualitative Ziele sowie unsichere Annahmen mitprüfst.
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