Wirtschaft

Kostenstellenrechnung: BAB und Schlüssel erklärt

Kostenstellenrechnung: BAB und Schlüssel erklärt
Kostenstellenrechnung: BAB und Schlüssel erklärt
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Die Kostenstellenrechnung zeigt, wo Gemeinkosten entstanden sind. Sie verteilt diese Kosten möglichst verursachungsgerecht auf Unternehmensbereiche und bereitet ihre spätere Zuordnung zu Produkten oder Leistungen vor.

Auf dieser Seite lernst du, wie Kostenstellen, Verteilungsschlüssel und der Betriebsabrechnungsbogen zusammenwirken.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Von der Kostenart zum Kostenträger

Die Kosten- und Leistungsrechnung beantwortet drei aufeinanderfolgende Fragen:

TeilrechnungLeitfrageAufgabe
KostenartenrechnungWas für Kosten sind angefallen?Kosten erfassen und ordnen
KostenstellenrechnungWo sind die Kosten entstanden?Gemeinkosten auf Unternehmensbereiche verteilen
KostenträgerrechnungWofür sind die Kosten angefallen?Kosten Produkten, Dienstleistungen oder Aufträgen zurechnen
Definition

Kostenstelle

Eine Kostenstelle ist ein abgegrenzter Unternehmensbereich, für den Kosten geplant, erfasst und kontrolliert werden. Beispiele sind Materiallager, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.

Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger direkt zurechnen. Der Trüffel für eine Trüffelpizza gehört beispielsweise unmittelbar zu dieser Pizza.

Gemeinkosten entstehen dagegen für mehrere Produkte oder Bereiche gemeinsam. Dazu können Miete, Strom oder Verwaltungsgehälter gehören. Sie nehmen den Weg über die Kostenstellenrechnung.

Merke

Einzelkosten gehen direkt zum Kostenträger. Gemeinkosten werden zunächst Kostenstellen zugeordnet und anschließend weiterverrechnet.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Leitfrage beantwortet die Kostenstellenrechnung?
Lösung: Wo sind die Kosten entstanden? — Die Kostenstellenrechnung betrachtet den Entstehungsort der Kosten innerhalb des Unternehmens.
Kostenstellen und Schlüssel passend auswählen

Ein Kostenstellenplan legt fest, in welche Bereiche ein Unternehmen gegliedert wird. Die Gliederung kann sich an Funktionen, Standorten oder Bereichen mit unterschiedlichen Kostenstrukturen orientieren.

Typische Kostenstellen sind:

  • Material: beispielsweise Lagerkosten,
  • Fertigung: beispielsweise Maschinenkosten,
  • Verwaltung: beispielsweise Kosten der Buchhaltung,
  • Vertrieb: beispielsweise gemeinsame Verkaufskosten.

Kosten, die einer Kostenstelle eindeutig zugeordnet werden können, heißen Kostenstelleneinzelkosten. Das Gehalt einer ausschließlich im Vertrieb beschäftigten Person kann etwa direkt der Vertriebsstelle zugeordnet werden.

Für gemeinsam verursachte Kosten wird ein Verteilungsschlüssel benötigt. Er übersetzt einen nachvollziehbaren Zusammenhang in Anteile.

Kostenarthäufig geeigneter SchlüsselBegründung
Mietegenutzte FlächeGrößere Flächen beanspruchen mehr Mietraum.
Stromgemessener Verbrauch oder MaschinenstundenDer Schlüssel nähert den tatsächlichen Energieverbrauch an.
GehälterPersonalzuordnungEntscheidend ist, in welchem Bereich die Beschäftigten tätig sind.
InstandhaltungMaschinen oder erfasster AufwandDie Zuordnung folgt den betreuten Anlagen oder Leistungen.

Ein Schlüssel ist nicht automatisch richtig, nur weil er leicht verfügbar ist. Ein Umsatzanteil kann beispielsweise ungeeignet sein, wenn eigentlich Flächennutzung oder Verbrauch die Kosten verursacht.

Beispiel

Ein Betrieb muss seine Miete verteilen. Die Produktion nutzt den größten Teil der Fläche. Eine Verteilung nach Quadratmetern bildet diesen Zusammenhang besser ab als eine gleichmäßige Aufteilung auf alle Kostenstellen.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelcher Schlüssel passt am besten zur Miete mehrerer Unternehmensbereiche?
Lösung: die jeweils genutzte Fläche — Ein geeigneter Schlüssel steht in einem sachlichen Zusammenhang mit der Entstehung der Kosten. Bei Miete ist das häufig die genutzte Fläche.
So funktioniert der Betriebsabrechnungsbogen

Der Betriebsabrechnungsbogen, kurz BAB, ist eine Tabelle zur systematischen Kostenverteilung:

  • In den Zeilen stehen die Kostenarten.
  • In den Spalten stehen die Kostenstellen.
  • In den Tabellenfeldern stehen die zugeordneten Beträge.
  • Zeilen- und Spaltensummen ermöglichen Kontrollen.

Ein Unternehmen verteilt 34.000 € Gemeinkosten:

KostenartGesamtkostenSchlüsselMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Miete10.000 €Fläche2.000 €4.000 €2.000 €2.000 €
Strom8.000 €Verbrauch1.000 €5.500 €700 €800 €
Indirekte Gehälter16.000 €Zurechnung3.000 €6.000 €4.000 €3.000 €
Summe34.000 €6.000 €15.500 €6.700 €5.800 €

Den BAB schrittweise lesen

  1. Prüfe zuerst die Gesamtkosten jeder Kostenart.
  2. Ordne jeder Kostenart einen begründeten Schlüssel zu.
  3. Verteile den Gesamtbetrag vollständig auf die Kostenstellen.
  4. Addiere die Beträge jeder Kostenstelle.
  5. Vergleiche die Gesamtsumme der Kostenarten mit der Summe aller Kostenstellen.
Beispiel

Bei der Miete ergibt die Zeilenkontrolle:

2.000 € + 4.000 € + 2.000 € + 2.000 € = 10.000 €.

Bei den Kostenstellen ergibt die Gesamtkontrolle:

6.000 € + 15.500 € + 6.700 € + 5.800 € = 34.000 €.

Die ursprünglichen Gemeinkosten und die verteilten Kosten stimmen überein. Dadurch ist noch nicht bewiesen, dass jeder Schlüssel sachlich optimal ist. Die rechnerische Abstimmung ist aber erfüllt.

Merke

Eine korrekte Kontrollsumme zeigt, dass kein Betrag verloren ging oder doppelt verteilt wurde. Sie ersetzt nicht die Begründung des Verteilungsschlüssels.

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Frage 1 von 2MittelEin Betrieb verteilt 12.000 € Miete nach Fläche. Material nutzt 100 m², Fertigung 300 m², Verwaltung 100 m² und Vertrieb 100 m². Welcher Betrag entfällt auf die Fertigung?
Lösung: 6.000 € — Insgesamt werden 600 m² genutzt. Die Fertigung beansprucht mit 300 m² die Hälfte der Fläche und erhält deshalb die Hälfte von 12.000 €, also 6.000 €.
Frage 2 von 2MittelDie Spaltensumme der Fertigung beträgt 15.500 €. Welche Rechnung bestätigt sie?
Lösung: 4.000 € + 5.500 € + 6.000 € — In einer Spaltensumme addierst du alle Beträge derselben Kostenstelle.
Primäre und sekundäre Kosten verrechnen

Die Kostenverteilung erfolgt häufig in zwei Stufen.

Definition

Primärkostenverrechnung

Bei der Primärkostenverrechnung werden von außen entstandene Kosten auf die Kostenstellen verteilt. Dazu gehören beispielsweise Mietzahlungen, Materialeinkäufe oder Strombezüge.

Definition

Sekundärkostenverrechnung

Bei der Sekundärkostenverrechnung werden innerbetriebliche Leistungen zwischen Kostenstellen verrechnet. Leistet etwa eine interne Werkstatt Arbeit für die Fertigung, werden ihre Kosten an die empfangende Kostenstelle weitergegeben.

Vorkostenstellen oder Hilfskostenstellen erbringen Leistungen für andere Unternehmensbereiche. Beispiele sind IT, Energieversorgung, Kantine oder Instandhaltung. Ihre Kosten werden weiterverrechnet und bleiben nicht dauerhaft auf diesen Stellen stehen.

Endkostenstellen geben ihre Kosten anschließend an Kostenträger weiter. Hauptkostenstellen wirken unmittelbar an den betrieblichen Leistungen mit; Nebenkostenstellen können Nebenprodukte betreffen.

Für die innerbetriebliche Leistungsverrechnung kommen je nach Leistungsbeziehungen unter anderem Anbau-, Stufen- und Gleichungsverfahren infrage. Welches Verfahren geeignet ist, hängt davon ab, wie die Kostenstellen Leistungen austauschen.

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Frage 1 von 1MittelDie interne IT unterstützt die Fertigung. Was geschieht bei der sekundären Kostenverrechnung?
Lösung: Die Kosten der IT-Leistung werden an die Fertigungsstelle weitergegeben. — Sekundäre Verrechnung bildet Leistungen ab, die innerhalb des Unternehmens zwischen Kostenstellen erbracht werden.
Zuschlagssätze nutzen und Fehler vermeiden

Nach der Verteilung und innerbetrieblichen Verrechnung stehen die Gemeinkosten der Endkostenstellen fest. Aus ihnen können Gemeinkostenzuschlagssätze für die Kostenträgerrechnung gebildet werden.

Die Grundform lautet:

Zuschlagssatz = Gemeinkosten der Kostenstelle ÷ passende Bezugsgröße × 100 %

Für eine vollständige Berechnung werden daher zwei Angaben benötigt:

  1. die Gemeinkosten der Kostenstelle,
  2. die fachlich passende Bezugsgröße.

Die BAB-Tabelle mit 34.000 € liefert zwar die Kostenstellensummen, aber keine Bezugsgrößen. Deshalb lässt sich daraus kein eindeutiger Zuschlagssatz berechnen.

Typische Fehler sind:

  • Haupt- und Hilfskostenstellen zu verwechseln,
  • einen bequemen, aber unpassenden Schlüssel zu wählen,
  • Hilfskostenstellen nicht vollständig weiterzuverrechnen,
  • eine falsche Bezugsgröße für den Zuschlagssatz zu verwenden,
  • zu früh zu runden,
  • nur die Kontrollsumme zu prüfen, aber nicht die sachliche Begründung.
Beispiel

Eine pauschale Gemeinkostenverteilung kann zu falschen Entscheidungen führen. Werden 8.000 € Gemeinkosten gleichmäßig auf zwei Produkte verteilt, erhält jedes Produkt 4.000 €. Verursacht Produkt A tatsächlich 6.000 € und Produkt B nur 2.000 €, verzerrt die Gleichverteilung beide Ergebnisse. Eine rechnerisch einfache Aufteilung ist also nicht automatisch verursachungsgerecht.

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Frage 1 von 1SchwerEin BAB ist rechnerisch vollständig abgestimmt. Warum kann die Verteilung trotzdem ungeeignet sein?
Lösung: Die verwendeten Schlüssel können die Kostenentstehung schlecht abbilden. — Rechnerische Abstimmung und sachliche Begründung sind zwei getrennte Prüfungen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kostenstellenrechnung
    • Leitfrage: Wo sind Kosten entstanden?
    • Eingang: Gemeinkosten aus der Kostenartenrechnung
    • Ordnung: Kostenstellen und passende Verteilungsschlüssel
    • Werkzeug: Betriebsabrechnungsbogen
    • erste Stufe: Primärkostenverrechnung
    • zweite Stufe: Sekundärkostenverrechnung
    • Kontrolle: Zeilen- und Spaltensummen
    • Ergebnis: Kostenstellensummen und Grundlage für Zuschlagssätze
    • Weitergabe: Kostenträgerrechnung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWoran erkennst du einen Betriebsabrechnungsbogen?
Lösung: Kostenarten stehen in Zeilen und Kostenstellen in Spalten. — Die Tabellenstruktur macht sichtbar, welche Kostenart welcher Kostenstelle zugeordnet wurde.
Frage 2 von 3MittelDie Kostenstellen eines BAB summieren sich auf 33.500 €, obwohl 34.000 € verteilt werden sollten. Was ist der nächste sinnvolle Schritt?
Lösung: Die Verteilung auf fehlende oder doppelte Beträge prüfen. — Die Summe der verteilten Kosten muss mit den übernommenen Gemeinkosten übereinstimmen.
Frage 3 von 3SchwerEin Betrieb verteilt Strom nach der Mitarbeiterzahl, obwohl einzelne Maschinen sehr unterschiedlich viel Energie verbrauchen. Welche Verbesserung ist am besten begründet?
Lösung: Strom nach gemessenem Verbrauch oder geeigneten Maschinenstunden verteilen. — Der bessere Schlüssel bildet den Zusammenhang zwischen Maschinennutzung und Stromverbrauch genauer ab.

Du beherrschst den Kern der Kostenstellenrechnung, wenn du nicht nur Beträge verteilen kannst, sondern auch erklärst, warum ein Schlüssel passt, die Abstimmung prüfst und den weiteren Weg der Kosten zur Kostenträgerrechnung beschreibst.

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