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Kostenstellenrechnung

Kostenstellenrechnung in BWL: Aufgaben, Ablauf, Beispiele und Verteilung von Gemeinkosten auf Kostenstellen verständlich erklärt.

Wenn ein Unternehmen Tische, Apps oder Schulhefte herstellt, entstehen an vielen Stellen Kosten. Manche Kosten siehst du sofort am Produkt, andere verstecken sich im Betrieb. Genau diese versteckten Kosten machen Aufgaben in BWL oft knifflig. Mit der Kostenstellenrechnung bringst du Ordnung hinein.

Deine Lernziele
  • Du verstehst, warum Unternehmen Kosten nach Bereichen ordnen.
  • Du unterscheidest drei wichtige Kostenfragen.
  • Du kannst gemeinsam genutzte Kosten fair auf Bereiche verteilen.
  • Du erkennst, wozu eine Verteilungstabelle dient.
  • Du berechnest einfache Prozentzuschläge für Produkte.

Warum braucht man Kostenstellenrechnung?

Stell dir eine Schulfirma vor, die T-Shirts und Stofftaschen bedruckt. Für jedes T-Shirt kann man den Stoff und den Aufdruck ziemlich genau zuordnen. Aber die Miete für den Raum, Strom für die Maschinen oder das Gehalt der Verwaltung gehören nicht nur zu einem einzigen Produkt.

Solche Kosten müssen fair verteilt werden. Sonst könnte ein Produkt teurer wirken, als es wirklich ist. Oder ein Bereich verbraucht viel Geld, ohne dass es auffällt.

Definition

Kostenstellenrechnung ist ein Teil der betrieblichen Kostenrechnung. Sie ordnet Kosten den Bereichen im Unternehmen zu, in denen sie entstehen oder verursacht werden.

Sie beantwortet vor allem die Frage: Wo sind die Kosten angefallen?

Die Kostenstellenrechnung steht zwischen zwei anderen Teilen. Die Kostenartenrechnung fragt: Welche Kosten sind angefallen? Die Kostenträgerrechnung fragt: Wofür, also für welches Produkt oder welche Leistung, fallen die Kosten am Ende an?

Beispiel

Eine Druckerei hat im Monat 3.000 Euro Stromkosten. Der Strom wurde in der Fertigung, im Lager, in der Verwaltung und im Vertrieb genutzt.

Die Kostenartenrechnung sagt: Es gibt Stromkosten.

Die Kostenstellenrechnung fragt: Welche Abteilung hat wie viel davon verursacht?

Die Kostenträgerrechnung nutzt später diese Werte, um die Kosten einzelner Produkte zu berechnen.

Merke

Kostenartenrechnung: Welche Kosten?

Kostenstellenrechnung: Wo sind die Kosten entstanden?

Kostenträgerrechnung: Wofür werden die Kosten am Ende getragen?

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Kostenstelle, Kostenart und Kostenträger unterscheiden

Damit du Kostenstellenrechnung verstehst, musst du drei Begriffe sauber trennen. Sie klingen ähnlich, haben aber verschiedene Aufgaben.

Eine Kostenart beschreibt, welche Art von Kosten entstanden ist. Beispiele sind Miete, Löhne, Strom, Material oder Werbung.

Eine Kostenstelle ist ein abgegrenzter Bereich im Unternehmen, für den Kosten gesammelt und kontrolliert werden. Das kann eine Abteilung sein, zum Beispiel Fertigung, Verwaltung, Materiallager oder Vertrieb.

Ein Kostenträger ist das Produkt oder die Leistung, die am Ende die Kosten tragen soll. Das kann ein Tisch, ein Fahrrad, eine Beratung oder ein gedrucktes T-Shirt sein.

Beispiel

Ein Unternehmen produziert Schreibtische.

Kostenart: Holz, Lack, Strom, Miete

Kostenstelle: Fertigung, Lager, Verwaltung, Vertrieb

Kostenträger: Schreibtisch Modell A

Der Unterschied ist wichtig, weil man sonst Kosten falsch zuordnet. Holz für einen bestimmten Schreibtisch kann direkt zum Kostenträger gehören. Die Miete der Halle muss dagegen erst auf Kostenstellen verteilt werden.

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Einzelkosten und Gemeinkosten

Nicht jede Kostenart ist gleich schwierig zu verteilen. Manche Kosten passen direkt zu einem Produkt. Andere entstehen gemeinsam für mehrere Produkte oder Bereiche.

Einzelkosten sind Kosten, die du einem bestimmten Kostenträger direkt zurechnen kannst. Wenn für einen Tisch genau 40 Euro Holz verbraucht werden, sind diese 40 Euro Einzelkosten dieses Tisches.

Gemeinkosten sind Kosten, die du einem einzelnen Kostenträger nicht direkt zurechnen kannst. Dazu gehören zum Beispiel Miete, allgemeiner Strom, Reinigung oder Verwaltungskosten.

Beispiel

Eine Schülerfirma stellt Kerzen und Seifen her.

Das Wachs für eine Kerze ist Einzelkosten, wenn der Verbrauch pro Kerze bekannt ist.

Die Miete für den Werkraum ist Gemeinkosten, weil Kerzen und Seifen denselben Raum nutzen.

Auch Strom kann Gemeinkosten sein, wenn mehrere Maschinen und Produkte ihn gemeinsam verbrauchen.

Gemeinkosten sind der Hauptgrund für die Kostenstellenrechnung. Sie werden zuerst auf passende Kostenstellen verteilt. Danach können sie über Zuschläge auf Produkte weitergegeben werden.

Merke

Einzelkosten gehen direkt zum Produkt. Gemeinkosten brauchen einen Umweg über Kostenstellen.

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Arten von Kostenstellen

Unternehmen teilen Kostenstellen so ein, dass die Kosten gut geplant und kontrolliert werden können. Häufig orientiert man sich an Funktionen wie Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.

Eine Hauptkostenstelle ist ein Bereich, dessen Kosten später direkt auf Kostenträger verrechnet werden. Typische Hauptkostenstellen sind Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.

Eine Hilfskostenstelle unterstützt andere Kostenstellen. Ihre Kosten werden deshalb erst auf Hauptkostenstellen weiterverteilt. Beispiele sind IT, Kantine, Fuhrpark oder Instandhaltung.

Eine Nebenkostenstelle betrifft Nebenleistungen oder Nebenprodukte. Ein Beispiel ist die Verwertung von Produktionsresten.

Eine Vorkostenstelle ist eine vorgelagerte Kostenstelle. Ihre Kosten werden zunächst auf andere Kostenstellen verrechnet und erst später, direkt oder indirekt, auf Kostenträger übertragen.

Beispiel

In einer Möbelfabrik gibt es diese Kostenstellen:

Materiallager: Hauptkostenstelle, weil Materialkosten später in die Produktkalkulation eingehen.

Fertigung: Hauptkostenstelle, weil dort Möbel hergestellt werden.

IT-Abteilung: Hilfskostenstelle, weil sie andere Bereiche unterstützt.

Reparaturwerkstatt: Hilfskostenstelle oder Vorkostenstelle, wenn sie Maschinen der Fertigung wartet.

Die Einteilung muss zum Betrieb passen. Ein kleines Unternehmen braucht weniger Kostenstellen als ein großer Konzern. Zu wenige Kostenstellen machen die Rechnung ungenau. Zu viele Kostenstellen machen sie aufwendig.

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Betriebsabrechnungsbogen und Verteilungsschlüssel

Wenn Gemeinkosten verteilt werden, braucht man eine übersichtliche Tabelle. Der Betriebsabrechnungsbogen, kurz BAB, ist eine Tabelle, in der Gemeinkosten auf Kostenstellen verteilt werden.

Im BAB stehen die Kostenarten meist in den Zeilen. Die Kostenstellen stehen meist in den Spalten. So sieht man, welche Kostenart auf welche Kostenstelle entfällt.

Ein Verteilungsschlüssel ist eine Regel, nach der Gemeinkosten aufgeteilt werden. Der Schlüssel soll möglichst gut zur Ursache der Kosten passen.

Beispiel

Ein Unternehmen zahlt 10.000 Euro Monatsmiete für ein Gebäude. Die Abteilungen nutzen unterschiedlich viel Fläche.

Material: 100 Quadratmeter

Fertigung: 300 Quadratmeter

Verwaltung: 50 Quadratmeter

Vertrieb: 50 Quadratmeter

Insgesamt sind das 500 Quadratmeter. Die Fertigung nutzt 300 von 500 Quadratmetern, also 60 Prozent. Deshalb bekommt die Fertigung 6.000 Euro Mietkosten zugeordnet.

Für verschiedene Kostenarten nutzt man unterschiedliche Schlüssel. Miete verteilt man oft nach Fläche. Strom kann man nach Kilowattstunden verteilen. Kantinenkosten können nach Zahl der Mitarbeitenden verteilt werden. IT-Kosten können nach Geräten oder Nutzungsstunden verteilt werden.

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Merke

Ein guter Verteilungsschlüssel passt zur Ursache der Kosten. Fläche passt oft zu Miete. Verbrauch passt oft zu Strom.

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Primäre und sekundäre Kosten

Nachdem du Gemeinkosten auf Kostenstellen verteilt hast, ist die Rechnung noch nicht immer fertig. Manche Kostenstellen leisten nämlich für andere Kostenstellen.

Primäre Kosten sind Kosten, die von außen in das Unternehmen kommen und direkt einer Kostenstelle zugeordnet oder auf sie verteilt werden. Beispiele sind Miete, Gehälter, Stromrechnung oder Büromaterial.

Sekundäre Kosten entstehen durch Leistungen innerhalb des Unternehmens. Sie werden zwischen Kostenstellen verrechnet. Das nennt man innerbetriebliche Leistungsverrechnung.

Beispiel

Die IT-Abteilung betreut Computer in Verwaltung und Vertrieb. Ihre eigenen Kosten betragen 12.000 Euro im Monat.

Die Verwaltung nutzt 40 Prozent der IT-Leistungen.

Der Vertrieb nutzt 60 Prozent der IT-Leistungen.

Dann werden 4.800 Euro auf die Verwaltung und 7.200 Euro auf den Vertrieb weiterverrechnet. Diese weitergegebenen Kosten sind sekundäre Kosten.

Für die Verrechnung braucht man oft einen Verrechnungssatz. Das ist ein Preis pro interner Leistungseinheit, zum Beispiel Euro pro IT-Stunde oder Euro pro Reparaturstunde.

Beispiel

Die interne Werkstatt hat Kosten von 9.000 Euro und leistet 300 Reparaturstunden.

Der Verrechnungssatz beträgt:

$$ 9.000 : 300 = 30 $$

Eine Abteilung, die 20 Reparaturstunden nutzt, bekommt 600 Euro belastet.

Bei einfachen Schulaufgaben reicht oft ein klarer Schlüssel. In schwierigeren Aufgaben können Verfahren wie Anbauverfahren, Stufenleiterverfahren oder Gleichungsverfahren vorkommen. Sie unterscheiden sich darin, wie genau Leistungen zwischen Hilfskostenstellen berücksichtigt werden.

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Zuschlagsätze berechnen

Am Ende sollen die Gemeinkosten der Hauptkostenstellen in die Kalkulation der Produkte eingehen. Dafür nutzt man häufig Zuschlagsätze. Ein Zuschlagsatz zeigt, wie viel Gemeinkosten im Verhältnis zu einer Bezugsgröße angesetzt werden.

Eine Bezugsgröße ist die Rechengrundlage für den Zuschlagsatz. Bei Materialgemeinkosten können das Materialeinzelkosten sein. Bei Fertigungsgemeinkosten können es Fertigungslöhne oder Maschinenstunden sein.

Die einfache Formel lautet:

$$ Zuschlagsatz = Gemeinkosten : Bezugsgröße \cdot 100 $$
Beispiel

In der Kostenstelle Material fallen 24.000 Euro Materialgemeinkosten an.

Die Materialeinzelkosten betragen 80.000 Euro.

Der Zuschlagsatz lautet:

$$ 24.000 : 80.000 \cdot 100 = 30 $$

Der Materialgemeinkostenzuschlag beträgt also 30 Prozent.

Was bedeutet das für ein Produkt? Wenn ein Produkt 50 Euro Materialeinzelkosten hat, kommen 30 Prozent Materialgemeinkosten dazu.

$$ 50 \cdot 0{,}30 = 15 $$

Das Produkt bekommt also 15 Euro Materialgemeinkosten zugerechnet.

Beispiel

Ein Produkt hat 50 Euro Materialeinzelkosten und 40 Euro Fertigungslöhne.

Materialgemeinkostenzuschlag: 30 Prozent

Fertigungsgemeinkostenzuschlag: 80 Prozent

Materialgemeinkosten: 15 Euro

Fertigungsgemeinkosten: 32 Euro

Damit werden aus den direkt sichtbaren Kosten zusätzlich verursachungsgerechte Gemeinkosten ergänzt.

Merke

Zuschlagsätze übertragen die Gemeinkosten der Kostenstellen auf Produkte. Sie sind die Brücke zur Kostenträgerrechnung.

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Zusammenfassung

Die Kostenstellenrechnung zeigt, wo Kosten im Unternehmen entstehen. Sie ist besonders wichtig für Gemeinkosten, weil diese nicht direkt einem einzelnen Produkt zugeordnet werden können.

Du unterscheidest Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger. Kostenarten zeigen, welche Kosten anfallen. Kostenstellen zeigen, wo sie entstehen. Kostenträger zeigen, welches Produkt oder welche Leistung sie am Ende trägt.

Der Betriebsabrechnungsbogen verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen. Dafür nutzt man passende Verteilungsschlüssel, zum Beispiel Fläche für Miete oder Verbrauch für Strom.

Primäre Kosten kommen von außen in das Unternehmen. Sekundäre Kosten entstehen durch interne Leistungen zwischen Kostenstellen. Mit Zuschlagsätzen werden die Gemeinkosten der Hauptkostenstellen später auf Produkte übertragen.

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