Gemeinkosten: Definition, Arten und Berechnung
Gemeinkosten lassen sich einem betrachteten Produkt, Auftrag oder anderen Bezugsobjekt nicht direkt verursachungsgerecht zurechnen. Deshalb werden sie zunächst gesammelt und anschließend mithilfe von Schlüsseln oder Zuschlagssätzen verteilt.
Du lernst, Gemeinkosten sicher von Einzelkosten sowie von fixen und variablen Kosten abzugrenzen. Außerdem berechnest du einen Zuschlagssatz und prüfst, was zugerechnete Gemeinkosten für betriebliche Entscheidungen aussagen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Das Bezugsobjekt entscheidet über die Zuordnung
Stell dir eine Bäckerei mit mehreren Filialen und vielen Produkten vor. Gehören die Personalkosten des Verkaufsteams zu einem bestimmten Brötchen, zu einer Filiale oder zum gesamten Unternehmen? Die Antwort hängt davon ab, worauf du die Kosten beziehst.
Bezugsobjekt
Das Bezugsobjekt ist die Einheit, deren Kosten untersucht werden. Das kann ein Produkt, ein Auftrag, eine Dienstleistung, eine Filiale, eine Kostenstelle oder ein Geschäftsbereich sein.
Bezogen auf ein einzelnes Brötchen sind die Personalkosten einer Filiale Gemeinkosten. Bezogen auf genau diese Filiale können dieselben Kosten direkt zurechenbar und damit Einzelkosten sein.
Gehe bei der Einordnung deshalb immer in dieser Reihenfolge vor:
- Lege das Bezugsobjekt fest.
- Prüfe, ob die Kosten ihm direkt und verursachungsgerecht zugerechnet werden können.
- Ordne sie als Einzelkosten oder Gemeinkosten ein.
Einzelkosten und Gemeinkosten sind relative Begriffe: Ohne festgelegtes Bezugsobjekt ist die Einordnung unvollständig.
Einzelkosten und Gemeinkosten unterscheiden
Einzelkosten lassen sich einem Bezugsobjekt direkt zurechnen. Gemeinkosten, auch indirekte Kosten oder Overhead genannt, betreffen mehrere Bezugsobjekte gemeinsam oder können nicht wirtschaftlich sinnvoll einzeln erfasst werden.
| Merkmal | Einzelkosten | Gemeinkosten |
|---|---|---|
| Zurechnung | direkt und verursachungsgerecht | indirekt über Schlüssel oder Zuschläge |
| Produktbeispiel | Ton für einen bestimmten Tontopf | Miete der gesamten Werkhalle |
| Erfassung | unmittelbar beim Kostenträger | häufig zunächst auf Kostenstellen |
Ein Kostenträger ist das Produkt, die Dienstleistung oder der Auftrag, dessen Kosten ermittelt werden. Eine Kostenstelle ist ein betrieblicher Bereich, in dem Kosten entstehen und gesammelt werden, etwa Materiallager, Fertigung oder Verwaltung.
Häufige Gemeinkosten nach Funktionsbereichen sind:
- Materialgemeinkosten: Lagerung, Einkauf oder innerbetrieblicher Materialtransport
- Fertigungsgemeinkosten: Hallenmiete, Wartung oder nicht direkt zurechenbare Maschinenenergie
- Verwaltungsgemeinkosten: Geschäftsführung, Buchhaltung, IT oder Büromaterial
- Vertriebsgemeinkosten: produktübergreifendes Vertriebspersonal, Marketing oder Kundenservice
Eine Töpferei benötigt für jeden Topf eine bekannte Menge Ton. Die Tonkosten sind direkt zurechenbare Einzelkosten des Topfes.
Die monatliche Hallenmiete betrifft dagegen alle hergestellten Töpfe. Für einen einzelnen Topf ist sie nicht direkt zurechenbar und deshalb Gemeinkosten.
Echte, unechte, fixe und variable Kosten abgrenzen
Nicht alle Gemeinkosten entstehen aus demselben Grund.
Echte Gemeinkosten
Echte Gemeinkosten können ihrer Natur nach nicht direkt einem einzelnen Bezugsobjekt zugerechnet werden. Ein Beispiel ist die Miete einer Halle, in der mehrere Produkte entstehen.
Unechte Gemeinkosten
Unechte Gemeinkosten wären theoretisch direkt zurechenbar. Sie werden dennoch pauschal verteilt, weil das einzelne Messen oder Erfassen unverhältnismäßig aufwendig wäre.
Der Stromverbrauch eines Ofens könnte beispielsweise je Tontopf gemessen werden. Verzichtet die Töpferei wegen des Aufwands darauf, behandelt sie den Verbrauch als unechte Gemeinkosten. Dadurch wird die Rechnung einfacher, aber auch ungenauer.
Eine zweite Unterscheidung betrifft das Verhalten bei veränderter Beschäftigung:
- Fixe Kosten bleiben in ihrem Gesamtbetrag innerhalb des betrachteten Bereichs zunächst gleich, etwa eine monatliche Hallenmiete.
- Variable Kosten verändern sich mit der Beschäftigung, etwa produktionsabhängiger Energieverbrauch.
Diese Unterscheidung darfst du nicht mit Einzel- und Gemeinkosten gleichsetzen. Gemeinkosten können fix oder variabel sein. Auch Einzelkosten können fix sein, etwa die festen Personalkosten eines Teams, das ausschließlich für ein bestimmtes Produkt arbeitet.
„Einzel oder gemein?“ fragt nach der Zurechenbarkeit. „Fix oder variabel?“ fragt nach dem Kostenverhalten. Das sind zwei verschiedene Blickrichtungen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Hallenmiete für mehrere Produktlinien gehört bezogen auf ein einzelnes Produkt zu den . Ein einzeln messbarer, aus Vereinfachungsgründen pauschal verteilter Stromverbrauch gehört zu den . Ob Kosten bei steigender Beschäftigung zunehmen, betrifft ihre Einordnung als .
Gemeinkosten verteilen und Zuschläge berechnen
Gemeinkosten werden nicht willkürlich auf Produkte verteilt. Ein typischer Ablauf lautet:
- Kosten nach ihrer Art erfassen.
- Gemeinkosten den verursachenden Kostenstellen zuordnen.
- Innerbetriebliche Leistungen zwischen Kostenstellen verrechnen, falls nötig.
- Einen möglichst passenden Verteilungsschlüssel bestimmen.
- Kosten auf Kostenträger verteilen und mit den Einzelkosten zu Selbstkosten verbinden.
Geeignete Schlüssel bilden die Nutzung möglichst sinnvoll ab. Beispiele sind Quadratmeter für Gebäudekosten, Maschinenlaufzeiten für maschinenbezogene Kosten und Arbeitsstunden für arbeitsbezogene Kosten. Jeder Schlüssel vereinfacht die Wirklichkeit und kann das Ergebnis beeinflussen.
Ein Betrieb erfasst 10.000 € Miete, 5.000 € Energie und 3.000 € Verwaltungskosten.
$$10.000\,€ + 5.000\,€ + 3.000\,€ = 18.000\,€$$
Nach einem begründeten Schlüssel entfallen 40 % auf Produkt A sowie jeweils 30 % auf B und C:
- Produkt A: $18.000\,€ \times 0{,}40 = 7.200\,€$
- Produkt B: $18.000\,€ \times 0{,}30 = 5.400\,€$
- Produkt C: $18.000\,€ \times 0{,}30 = 5.400\,€$
Die Kontrolle ergibt wieder 18.000 €. Damit wurde der gesamte Betrag verteilt. Ob die Verteilung sachgerecht ist, hängt zusätzlich von der Qualität des Schlüssels ab.
Ein Gemeinkostenzuschlagssatz zeigt, wie hoch die Gemeinkosten im Verhältnis zu einer gewählten Einzelkostenbasis sind:
$$\text{Gemeinkostenzuschlag in Prozent} = \frac{\text{Gemeinkosten}}{\text{Einzelkosten}} \times 100$$
Bei 1.000 € Materialeinzelkosten und 200 € Materialgemeinkosten gilt:
$$\frac{200\,€}{1.000\,€} \times 100 = 20\,\%$$
Der Materialgemeinkostenzuschlag beträgt 20 %. Auf 500 € Materialeinzelkosten würden bei Anwendung dieses Satzes 100 € Materialgemeinkosten zugerechnet.
Zugerechnete Kosten richtig beurteilen
Eine Gemeinkostenverteilung hilft bei Kalkulation und Kostenkontrolle. Sie erzeugt aber keine direkte Verursachung, wenn diese vorher nicht bestand. Das ist besonders bei Produktentscheidungen wichtig.
Produkt B erzielt 50 Geldeinheiten Umsatz und verursacht 30 Geldeinheiten Einzelkosten. Zusätzlich werden ihm 24 Geldeinheiten Gemeinkosten zugerechnet.
Das rechnerische Ergebnis nach der Verteilung lautet:
$$50 - 30 - 24 = -4$$
Vor der Gemeinkostenverteilung trägt das Produkt jedoch
$$50 - 30 = 20$$
Geldeinheiten zur Deckung gemeinsamer Kosten bei. Wird Produkt B gestrichen, verbessert sich das Unternehmensergebnis nur, wenn dadurch mehr als 20 Geldeinheiten der bisherigen Gemeinkosten entfallen. Bleiben die zugerechneten Kosten bestehen, müssen sie von anderen Produkten getragen werden.
Ein negatives Ergebnis nach Gemeinkostenverteilung bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt gestrichen werden sollte. Prüfe, welche Kosten durch die Entscheidung tatsächlich entfallen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Gemeinkosten
- hängen vom gewählten Bezugsobjekt ab
- werden von Einzelkosten abgegrenzt
- können echt oder unecht sein
- sind nicht dasselbe wie fixe Kosten
- werden auf Kostenstellen gesammelt
- werden über Schlüssel oder Zuschläge verteilt
- müssen bei Entscheidungen auf Vermeidbarkeit geprüft werden
Abschluss-Check
Prüfe zum Schluss vier Fragen: Welches Bezugsobjekt betrachtest du? Ist eine direkte Zurechnung möglich? Welcher Schlüssel bildet die Nutzung sinnvoll ab? Welche zugerechneten Kosten würden bei einer Entscheidung tatsächlich entfallen?
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