Liquidität 1. Grades berechnen und beurteilen
Die Liquidität 1. Grades zeigt, wie viel Prozent des kurzfristigen Fremdkapitals ein Unternehmen sofort mit flüssigen Mitteln decken könnte. Du teilst dafür die flüssigen Mittel durch das kurzfristige Fremdkapital und multiplizierst mit 100. Der Wert ist ein nützliches Stichtagssignal, aber noch kein vollständiges Urteil über die Zahlungsfähigkeit.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welche Frage der erste Liquiditätsgrad beantwortet
Stell dir vor, morgen werden Lieferantenrechnungen fällig. Reichen Kasse und Bankguthaben aus, um einen Teil der kurzfristigen Schulden sofort zu bezahlen? Genau darauf richtet sich die Liquidität 1. Grades.
Liquidität 1. Grades
Die Liquidität 1. Grades, auch Barliquidität oder Cash Ratio genannt, setzt sofort verfügbare flüssige Mittel ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl.
Der erste Grad ist eine strenge Betrachtung: Forderungen zählen nicht mit, weil Kunden später oder gar nicht zahlen könnten. Vorräte zählen ebenfalls nicht mit, weil sie zuerst verkauft werden müssten. Die Liquidität 2. Grades ergänzt kurzfristige Forderungen, die Liquidität 3. Grades zusätzlich Vorräte.
Ein Wert von 25 % bedeutet: Am Bilanzstichtag könnten die berücksichtigten flüssigen Mittel rechnerisch 25 % des kurzfristigen Fremdkapitals sofort decken. Er bedeutet nicht, dass nur 25 % aller Unternehmensschulden bezahlt werden können oder dass das Unternehmen zahlungsunfähig ist.
Welche Bilanzpositionen in die Rechnung gehören
Für eine saubere Rechnung musst du Zähler und Nenner nach demselben festgelegten Schema bilden.
| Teil der Formel | Typische Positionen | Nicht enthalten |
|---|---|---|
| Flüssige Mittel im Zähler | Kasse, Bankguthaben, gegebenenfalls sofort verfügbare kurzfristige Geldanlagen | Forderungen, Vorräte, Maschinen |
| Kurzfristiges Fremdkapital im Nenner | kurzfristige Verbindlichkeiten und – wenn das verwendete Schema sie einbezieht – kurzfristige Rückstellungen | Eigenkapital, langfristige Verbindlichkeiten |
Als kurzfristig gelten üblicherweise Restlaufzeiten bis zu einem Jahr. Welche kurzfristigen Positionen genau in den Nenner kommen, kann je nach Auswertungsschema unterschiedlich sein. Deshalb nennst du dein Schema und verwendest es beim Zeit- oder Unternehmensvergleich unverändert.
Kurzfristig veräußerbare Wertpapiere oder Geldanlagen rechnest du nur dann zu den flüssigen Mitteln, wenn sie nach der Aufgabenangabe sofort verfügbar sind und das vorgegebene Schema sie einschließt. Eine Forderung aus Lieferung und Leistung bleibt dagegen eine Forderung, auch wenn sie bald fällig ist.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei der Liquidität 1. Grades stehen im Zähler die . Kurzfristige Kundenforderungen gehören erst zur Liquidität . Im Nenner steht das nach dem festgelegten Schema.
Wie du die Kennzahl berechnest und deutest
Die Formel lautet:
$$L_1=\frac{\text{flüssige Mittel}}{\text{kurzfristiges Fremdkapital}}\cdot 100\,\%$$
Gehe in vier Schritten vor:
- Bestimme die flüssigen Mittel nach dem vorgegebenen Schema.
- Bestimme das kurzfristige Fremdkapital nach demselben Schema.
- Teile den Zähler durch den Nenner und multipliziere mit 100.
- Formuliere eine Deutung mit Stichtag, berücksichtigten Mitteln und kurzfristigem Fremdkapital.
Ist das kurzfristige Fremdkapital null, ist der Quotient wegen der Division durch null nicht berechenbar. Du darfst dann weder 0 % noch 100 % als Ergebnis angeben.
Eine Bilanz weist 10.000 € Kasse, 50.000 € Bankguthaben und 10.000 € sofort verfügbare Geldanlagen aus. Das festgelegte Schema zählt 220.000 € kurzfristige Verbindlichkeiten und 60.000 € kurzfristige Rückstellungen zum kurzfristigen Fremdkapital.
Zuerst bildest du den Zähler:
$$10.000+50.000+10.000=70.000\text{ €}$$
Dann bildest du den Nenner:
$$220.000+60.000=280.000\text{ €}$$
Nun setzt du ein:
$$L_1=\frac{70.000}{280.000}\cdot100\,\%=25\,\%$$
Deutung: Am Bilanzstichtag decken die berücksichtigten flüssigen Mittel rechnerisch 25 % des kurzfristigen Fremdkapitals. Ob die übrigen fälligen Zahlungen rechtzeitig geleistet werden können, lässt sich daraus allein nicht entscheiden.
Wie du einen Wert begrenzt beurteilst
Ein einzelner Prozentwert wird erst durch Vergleich und Kontext aussagekräftiger. In den zugrunde liegenden Fachtexten werden für den ersten Grad häufig Orientierungsbereiche von 10–30 % oder 20–30 % genannt; andere Auswertungen akzeptieren je nach Branche und Schema Werte bis etwa 50 %. Das sind Richtwerte, keine allgemeingültigen Grenzwerte.
Beurteile nie nur mit „hoch ist gut“ oder „unter dem Richtwert ist schlecht“. Nenne den verwendeten Richtwert, vergleiche gleiche Schemata und prüfe Branche, Entwicklung sowie tatsächliche Fälligkeiten.
Ein niedriger Wert kann auf einen knappen sofortigen Zahlungsmittelbestand hinweisen. Er beweist aber keine Zahlungsunfähigkeit: Bald eingehende Forderungen, Kreditlinien oder andere Einzahlungen können Zahlungen ermöglichen. Ein hoher Wert bietet mehr Sofortdeckung, kann jedoch auf ungenutztes Geld hindeuten, das kaum Ertrag erwirtschaftet.
Auch die Richtung allein reicht nicht. Sinkt der Wert, können die flüssigen Mittel gefallen, das kurzfristige Fremdkapital gestiegen oder beide Veränderungen zugleich eingetreten sein. Erst die Bilanzpositionen zeigen die rechnerische Ursache; für die wirtschaftliche Ursache brauchst du weitere Informationen.
Was Veränderungen zeigen und was sie verbergen
Vergleiche zwei Jahre eines Unternehmens:
| Größe | Jahr 1 | Jahr 2 |
|---|---|---|
| Flüssige Mittel | 80.000 € | 66.000 € |
| Kurzfristiges Fremdkapital | 320.000 € | 330.000 € |
| Liquidität 1. Grades | 25 % | 20 % |
Die Kennzahl fällt von 25 % auf 20 %. Die Differenz beträgt 5 Prozentpunkte; relativ zum Ausgangswert ist das ein Rückgang um 20 %. Rechnerisch wirken hier zwei Veränderungen in dieselbe Richtung: Die flüssigen Mittel sinken und das kurzfristige Fremdkapital steigt.
Das erklärt noch nicht, warum sich die Positionen verändert haben. Mögliche Ursachen wären etwa eine Zahlung für eine Investition, unerwartete Ausgaben oder mehr kurzfristige Verbindlichkeiten. Welche Ursache tatsächlich vorliegt, musst du anhand weiterer Daten prüfen.
Die Kennzahl hat vier wichtige Grenzen:
- Sie ist eine Momentaufnahme am Bilanzstichtag.
- Sie zeigt künftige Ein- und Auszahlungen nicht.
- Sie sagt nichts über die Qualität und Pünktlichkeit von Forderungen aus.
- Unterschiedliche Branchen und Berechnungsschemata sind nur eingeschränkt vergleichbar.
Für ein belastbareres Urteil ergänzt du den Zeitvergleich um eine Liquiditätsplanung, Fälligkeitsangaben und – je nach Fragestellung – die Liquiditätsgrade 2 und 3. So erkennst du, ob Forderungen oder Vorräte die rechnerische Deckung verändern.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Liquidität 1. Grades
- Rechnung
- Flüssige Mittel im Zähler
- Kurzfristiges Fremdkapital im Nenner
- Deutung
- Rechnerische Sofortdeckung am Stichtag
- Keine sichere Zahlungsprognose
- Beurteilung
- Richtwert und Zeitvergleich
- Branche und einheitliches Schema
- Zusätzliche Fälligkeits- und Planungsdaten
- Rechnung
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