Liquidität 2. Grades: berechnen und beurteilen
Die Liquidität 2. Grades zeigt, zu wie viel Prozent kurzfristige Verbindlichkeiten am Bilanzstichtag durch flüssige Mittel und kurzfristige Forderungen gedeckt sind. Du berechnest damit ein nützliches Warnsignal – aber keinen Beweis für die künftige Zahlungsfähigkeit.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was misst die Kennzahl?
Stell dir vor, ein Unternehmen muss in den nächsten Monaten Rechnungen bezahlen. Auf dem Bankkonto liegt Geld; zugleich sollen Kunden bald offene Rechnungen begleichen. Reichen diese Beträge rechnerisch für die kurzfristigen Schulden?
Liquidität 2. Grades
Die Liquidität 2. Grades setzt flüssige Mittel plus kurzfristige Forderungen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie wird auch Quick Ratio genannt.
- Flüssige Mittel sind sofort verfügbare Beträge wie Kassenbestand und Bankguthaben.
- Kurzfristige Forderungen sind Ansprüche gegen Kunden, die innerhalb kurzer Frist – meist innerhalb eines Jahres – bezahlt werden sollen.
- Kurzfristige Verbindlichkeiten sind Schulden, die innerhalb kurzer Frist fällig werden.
Forderungen sind noch kein Geld auf dem Konto. Deshalb beschreibt die Kennzahl eine rechnerische Deckung und nicht die sichere, sofortige Bezahlung aller Schulden.
So ordnest du die Werte zu
Vor dem Rechnen prüfst du jede Position nach ihrer wirtschaftlichen Funktion und ihrer Frist. Die Bezeichnung „kurzfristig“ ist entscheidend.
| Bilanzwert | Verwendung in der Formel | Warum? |
|---|---|---|
| Kasse und Bank | Zähler | sofort verfügbar |
| kurzfristige Forderungen | Zähler | erwartete kurzfristige Zahlungseingänge |
| Vorräte | nicht im Zähler | erst nach Verkauf und Zahlung verfügbar |
| kurzfristige Verbindlichkeiten | Nenner | kurzfristig zu deckende Schulden |
| langfristige Verbindlichkeiten | nicht im Nenner | nicht kurzfristig fällig |
Je nach Rechnungslegung und Aufgabenstellung kann „kurzfristiges Fremdkapital“ zusätzlich kurzfristige Rückstellungen oder weitere kurzfristige Posten umfassen. Verwende deshalb die in der Aufgabe festgelegte Abgrenzung konsequent. Addiere aber niemals wahllos alle Passivposten.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Bei der Liquidität 2. Grades stehen sowie im Zähler. Im Nenner stehen . Vorräte gehören in den Zähler dieser Kennzahl.
In drei Schritten richtig rechnen
Die Formel lautet:
$$L2=\frac{\text{flüssige Mittel}+\text{kurzfristige Forderungen}}{\text{kurzfristige Verbindlichkeiten}}\cdot 100$$
Die Multiplikation mit der Zahl 100 wandelt das Verhältnis in einen Prozentwert um.
- Ordne die passenden Werte zu.
- Addiere die beiden Zählerpositionen.
- Teile durch den Nenner und multipliziere mit 100.
Ein Unternehmen hat 36.000 € flüssige Mittel, 54.000 € kurzfristige Forderungen und 75.000 € kurzfristige Verbindlichkeiten.
Zuerst bildest du den Zähler:
$$36.000\,€+54.000\,€=90.000\,€$$
Dann berechnest du die Kennzahl:
$$L2=\frac{90.000\,€}{75.000\,€}\cdot 100=120\,\%$$
Am Bilanzstichtag decken die einbezogenen Mittel die kurzfristigen Verbindlichkeiten rechnerisch zu 120 %. Das bedeutet noch nicht, dass alle Forderungen pünktlich eingehen.
Erst zuordnen, dann addieren, danach teilen und mit 100 multiplizieren. Einheiten im Zähler und Nenner müssen zueinander passen.
Was bedeutet der Prozentwert?
Ein Wert von 100 % bedeutet: Flüssige Mittel und kurzfristige Forderungen sind zusammen genau so hoch wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Bei 120 % stehen rechnerisch 1,20 € dieser Mittel je 1,00 € kurzfristiger Verbindlichkeiten gegenüber.
Mehrere Quellen nennen 100–120 % als Orientierung für die Liquidität 2. Grades. Das ist kein allgemeingültiger Sollwert. Branche, Geschäftsmodell, Zahlungsziele, Jahreszeit und die Qualität der Forderungen verändern die Einordnung.
- Unter 100 %: Die einbezogenen Mittel decken die kurzfristigen Verbindlichkeiten am Stichtag rechnerisch nicht vollständig. Das ist ein Warnhinweis, aber noch kein Beweis für Zahlungsunfähigkeit.
- Um 100 % oder darüber: Rechnerische Deckung ist vorhanden, sofern die Forderungen werthaltig sind und pünktlich eingehen.
- Sehr hoher Wert: Er kann einen Sicherheitspuffer zeigen. Er ist nicht automatisch optimal, denn ungenutztes Geld kann auch ohne Ertrag liegen bleiben.
Veränderungen analysieren und Urteile begrenzen
Eine Veränderung entsteht immer durch den Zähler, den Nenner oder beide. Vergleiche daher nie nur die fertigen Prozentsätze.
| Position | Jahr 1 | Jahr 2 |
|---|---|---|
| Flüssige Mittel | 30.000 € | 25.000 € |
| Kurzfristige Forderungen | 50.000 € | 65.000 € |
| Kurzfristige Verbindlichkeiten | 80.000 € | 100.000 € |
$$L2_{Jahr\,1}=\frac{30.000+50.000}{80.000}\cdot100=100\,\%$$
$$L2_{Jahr\,2}=\frac{25.000+65.000}{100.000}\cdot100=90\,\%$$
Der Zähler steigt von 80.000 € auf 90.000 €, aber der Nenner steigt stärker von 80.000 € auf 100.000 €. Deshalb sinkt die Kennzahl. Gleichzeitig nimmt das sofort verfügbare Geld ab und der Forderungsanteil zu.
Mögliche Ursachen sind zum Beispiel mehr kurzfristige Lieferanten- oder Bankschulden sowie verspätete Kundenzahlungen. Die Bilanzwerte beweisen diese Ursachen nicht. Prüfe dafür mindestens:
- Fälligkeit und Werthaltigkeit der Forderungen,
- Zusammensetzung und Fälligkeit der Verbindlichkeiten,
- geplante Ein- und Auszahlungen nach dem Stichtag,
- saisonale Effekte und Vergleichswerte derselben Branche.
Die Kennzahl ist eine statische Stichtagsaufnahme. Vorgezogene Zahlungen oder verschobene Zahlungstermine können sie verändern. Künftige Aufträge, neue Schulden und spätere Auszahlungen fehlen. Eine rollierende Liquiditätsplanung ergänzt deshalb die Bilanzkennzahl um tatsächliche und erwartete Zahlungstermine.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Liquidität 2. Grades
- Berechnen: flüssige Mittel plus kurzfristige Forderungen durch kurzfristige Verbindlichkeiten mal 100
- Zuordnen: Vorräte und langfristige Schulden ausschließen
- Interpretieren: 100 % bedeutet rechnerische Deckung
- Analysieren: Zähler, Nenner und Zusammensetzung vergleichen
- Begrenzen: Forderungsqualität, Stichtag und künftige Zahlungsströme prüfen
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