Marktversagen: Ursachen und Lösungen erklärt
Marktversagen liegt vor, wenn ein Markt Güter und Ressourcen nicht gesellschaftlich effizient verteilt. Angebot, Nachfrage und Preise führen dann nicht zum bestmöglichen Ergebnis. Das kann etwa passieren, weil Schäden Dritter nicht im Preis stehen, öffentliche Güter kaum verkauft werden können, Informationen ungleich verteilt sind oder einzelne Anbieter Marktmacht besitzen.
Marktversagen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jeder staatliche Eingriff sinnvoll ist. Du musst auch seine Wirksamkeit, Kosten und Nebenwirkungen prüfen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Marktversagen?
Stell dir ein Unternehmen vor, das bei der Produktion Abgase verursacht. Das Produkt wird zwischen Unternehmen und Käufer gehandelt. Menschen außerhalb dieses Geschäfts tragen jedoch einen Teil der Schäden. Wenn diese Belastung nicht im Preis auftaucht, steuert der Preis die Entscheidungen nur nach den privaten Kosten – nicht nach allen gesellschaftlichen Kosten.
Marktversagen
Marktversagen bezeichnet ein Marktergebnis, bei dem Güter und Ressourcen nicht gesellschaftlich effizient verteilt werden. Der Markt weicht damit von einem als optimal festgelegten Vergleichsergebnis ab.
Allokation bedeutet Verteilung und Verwendung knapper Güter und Ressourcen. Eine ineffiziente Allokation liegt beispielsweise vor, wenn wegen eines zu niedrigen Preises mehr von einem schädlichen Gut hergestellt oder gekauft wird, als unter Berücksichtigung aller Kosten sinnvoll wäre.
Als theoretischer Vergleichsmaßstab wird häufig das Pareto-Optimum verwendet. Ein Zustand ist pareto-optimal, wenn niemand bessergestellt werden kann, ohne zugleich jemand anderen schlechterzustellen.
Die Diagnose „Marktversagen“ zeigt ein mögliches Koordinationsproblem. Sie beweist noch nicht, dass ein bestimmter Eingriff die Lage verbessert.
Welche vier Ursachen treten häufig auf?
Externe Effekte
Ein externer Effekt entsteht, wenn Produktion oder Konsum unbeteiligte Dritte beeinflussen und diese Wirkung nicht vollständig im Marktpreis berücksichtigt wird.
- Bei einem negativen externen Effekt tragen Dritte Kosten. Ein Beispiel sind Umweltschäden. Das betreffende Gut ist aus gesellschaftlicher Sicht tendenziell zu billig und wird zu viel produziert oder nachgefragt.
- Bei einem positiven externen Effekt erhalten Dritte einen Nutzen, ohne dafür zu bezahlen. Weil der Anbieter diesen zusätzlichen Nutzen nicht vollständig vergütet bekommt, wird tendenziell zu wenig bereitgestellt.
Ein Unternehmen verbrennt fossile Brennstoffe. Es bezahlt seine betrieblichen Ausgaben, doch die durch Emissionen verursachten Schäden erscheinen nicht vollständig im Produktpreis.
Der Denkweg lautet:
- Verursacher ist das produzierende Unternehmen.
- Betroffen sind Menschen, die Folgen der Emissionen tragen.
- Die externen Kosten sind die nicht vollständig eingepreisten Schäden.
- Der Marktpreis liegt deshalb unter den gesamten gesellschaftlichen Kosten.
- Das Produkt wird tendenziell in zu großer Menge angeboten oder nachgefragt.
Öffentliche Güter
Ein öffentliches Gut besitzt zwei Eigenschaften:
- Nicht-Ausschließbarkeit: Menschen können kaum von der Nutzung ausgeschlossen werden.
- Nicht-Rivalität: Die Nutzung durch eine Person verringert die Nutzungsmöglichkeit anderer nicht.
Ein Leuchtturm veranschaulicht beide Eigenschaften: Viele Schiffe profitieren vom Licht, ohne dass ein zusätzliches Schiff den Nutzen für andere vermindert. Weil sich die Zahlung schwer durchsetzen lässt, kann ein privater Markt zu wenig davon bereitstellen.
Informationsasymmetrie
Bei einer Informationsasymmetrie verfügt eine Vertragspartei über mehr oder bessere Informationen als die andere. Beim Gebrauchtwagenkauf kennt der Verkäufer den Zustand des Fahrzeugs häufig genauer. Die schlechter informierte Seite kann deshalb benachteiligt werden oder ganz auf einen Vertrag verzichten.
Marktmacht
Marktmacht bedeutet, dass ein Anbieter den Preis oder andere Marktbedingungen merklich beeinflussen kann. Bei einem Monopol gibt es nur einen Anbieter. Dieser Wettbewerbsdruck ist geringer als auf einem Markt mit vielen Anbietern; Preise und angebotene Mengen können daher vom Wettbewerbsergebnis abweichen.
Wie untersuchst du einen konkreten Fall?
Arbeite bei einem möglichen Marktversagen in vier Schritten:
- Markt und Entscheidung benennen: Was wird produziert, gekauft oder vertraglich vereinbart?
- Beteiligte und Dritte bestimmen: Wer handelt miteinander, und wer ist zusätzlich betroffen?
- Störung zuordnen: Geht es um einen externen Effekt, ein öffentliches Gut, ungleiche Informationen oder Marktmacht?
- Folge erklären: Warum führt die Störung zu einer zu großen, zu kleinen oder ungünstig verteilten Menge?
Ein Unternehmen erwägt Grundlagenforschung. Es trägt zunächst die Kosten. Das entstehende Wissen kann später aber auch anderen Unternehmen und der gesamten Volkswirtschaft nutzen. Konkurrenten lassen sich vom Nutzen nicht vollständig ausschließen.
Es liegt ein positiver externer Effekt vor: Der gesellschaftliche Nutzen ist größer als der Nutzen, den das forschende Unternehmen für sich verwerten kann. Der private Forschungsanreiz ist deshalb geringer als der gesellschaftlich erwünschte Anreiz. Ohne Förderung kann zu wenig geforscht werden.
Welche Eingriffe können das Problem begrenzen?
Die Maßnahme sollte zur Ursache passen:
| Ursache | Mögliche Reaktion | Beabsichtigte Wirkung |
|---|---|---|
| Negative externe Effekte | Steuer, Emissionsrechte oder Regulierung | Externe Kosten stärker berücksichtigen oder Belastung begrenzen |
| Positive externe Effekte | Förderung oder Subvention | Private Anreize an den gesellschaftlichen Nutzen annähern |
| Öffentliche Güter | Staatliche Finanzierung oder Bereitstellung | Unterversorgung verhindern |
| Informationsasymmetrie | Informationsvorgaben, Fragebögen oder Versicherungsvorgaben | Informationsunterschiede oder ihre Folgen verringern |
| Marktmacht | Fusionskontrolle oder Förderung von Konkurrenz | Wettbewerb erhalten oder stärken |
Bei einer Steuer auf negative externe Effekte steigt der private Preis. Dadurch soll die Nachfrage oder Produktion des belastenden Gutes sinken. Eine Förderung verfolgt bei positiven externen Effekten die umgekehrte Richtung: Sie senkt private Kosten oder erhöht den erwarteten Ertrag und stärkt so den Anreiz zur Bereitstellung.
Ein Eingriff kann selbst Kosten und Nebenwirkungen verursachen. Eine Regel kann beispielsweise wirksam sein, aber hohe Verwaltungskosten erzeugen, Freiheiten einschränken oder verschiedene Gruppen ungleich belasten. Deshalb reicht es nicht, nur die Ursache des Marktversagens zu benennen.
Beurteile einen Vorschlag mit vier Fragen:
- Wirksamkeit: Trifft die Maßnahme tatsächlich die Ursache?
- Kosten: Welche direkten und administrativen Kosten entstehen?
- Freiheit: Wie stark beschränkt sie Entscheidungen?
- Verteilung: Wer trägt die Kosten, und wer erhält den Nutzen?
Kannst du einen neuen Fall übertragen?
Eine Stadt erwägt eine Abgabe auf besonders emissionsreiche Lieferfahrten. Die Einnahmen sollen den Schaden nicht einfach „verschwinden lassen“, sondern der höhere Preis soll Unternehmen zu weniger belastenden Lösungen bewegen.
Prüfe den Fall selbst:
- Welche Ursache des Marktversagens wird angesprochen?
- Wer verursacht die Belastung, und wer kann betroffen sein?
- Wie soll die Abgabe wirken?
- Welche zwei möglichen Nebenwirkungen oder Verteilungsfragen müsste die Stadt prüfen?
Musterlösung: Es geht um einen negativen externen Effekt. Die emissionsreichen Lieferfahrten verursachen Belastungen, die teilweise Menschen außerhalb des Kauf- oder Liefervertrags tragen. Die Abgabe erhöht die privaten Kosten und soll dadurch weniger oder emissionsärmere Fahrten anregen.
Vor einer Einführung müsste die Stadt unter anderem prüfen, ob die Abgabe hoch genug für eine Verhaltensänderung ist, welche Verwaltungskosten entstehen und welche Unternehmen oder Kundengruppen besonders belastet werden. Damit ist die Maßnahme nicht automatisch gut oder schlecht: Ihre Wirkung hängt von der Ausgestaltung ab.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Wenn unbeteiligte Dritte Kosten tragen, liegt ein vor. Fehlen diese Kosten im Preis, ist das Gut aus gesellschaftlicher Sicht tendenziell . Eine Steuer kann den privaten Preis . Ob sie sinnvoll ist, hängt zusätzlich von Wirkung, Kosten und ab.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Marktversagen
- Diagnose
- gesellschaftlich ineffiziente Allokation
- nur potenzieller Handlungsbedarf
- Ursachen
- externe Effekte
- öffentliche Güter
- Informationsasymmetrie
- Marktmacht
- Folgen
- zu große oder zu kleine Mengen
- Schäden oder Nachteile für Dritte
- ungünstige Ressourcenverteilung
- mögliche Korrekturen
- Steuern und Förderung
- Regulierung und Informationsvorgaben
- staatliche Bereitstellung und Wettbewerbspolitik
- Beurteilung
- Wirksamkeit und Kosten
- Freiheit und Verteilung
- Diagnose
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du bei einem neuen Fall erst die Marktstörung erklärst, dann eine passende Maßnahme auswählst und schließlich auch deren Grenzen prüfst.
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