Wettbewerb und Marktversagen einfach erklärt
Wettbewerb kann Preise, Produktion und Innovation koordinieren. Er führt aber nicht automatisch zu einem gesellschaftlich guten Ergebnis. Marktversagen liegt vor, wenn der Marktmechanismus Güter oder Ressourcen nicht volkswirtschaftlich sinnvoll bereitstellt oder verteilt.
Auf dieser Seite untersuchst du, wann Wettbewerb eingeschränkt ist, wie du typische Formen des Marktversagens erkennst und wie sich staatliche Maßnahmen beurteilen lassen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie Wettbewerb einen Markt koordiniert
Stell dir vor, mehrere Bäckereien bieten ähnliche Brötchen an. Die Kundinnen und Kunden können Preise und Qualität vergleichen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Dadurch stehen die Bäckereien im Wettbewerb.
Anbieter entscheiden, welche Mengen sie zu welchen Preisen verkaufen möchten. Nachfrager entscheiden, was sie kaufen. Unter Wettbewerbsbedingungen entsteht aus Angebot und Nachfrage ein Preis, der Informationen über Knappheit vermittelt.
Wettbewerb kann Unternehmen dazu bewegen,
- Preise und Kosten im Blick zu behalten,
- Produkte zu verbessern,
- neue Ideen zu entwickeln und
- auf die Wünsche der Nachfrager zu reagieren.
Damit Wettbewerb funktioniert, braucht es einen verlässlichen Rahmen: Eigentums- und Vertragsrechte, freien Marktzugang, eine stabile Währung sowie Regeln gegen Kartelle und dauerhafte Monopole.
Marktmacht
Marktmacht bedeutet, dass ein Unternehmen oder eine Gruppe von Unternehmen den Preis oder andere Marktbedingungen spürbar beeinflussen kann, weil Ausweichmöglichkeiten und Konkurrenz begrenzt sind.
Ein Monopol liegt vor, wenn ein Unternehmen den Markt für ein Gut oder eine Dienstleistung kontrolliert. Bei einem Kartell sprechen mehrere Unternehmen beispielsweise Preise oder Mengen ab. Beide Fälle können den Wettbewerb einschränken.
Ein zeitlich begrenzter Vorsprung durch eine Innovation ist davon zu unterscheiden: Er kann weitere Innovationen anregen. Problematisch wird Marktmacht besonders dann, wenn Konkurrenten dauerhaft ausgeschlossen werden.
Wettbewerb funktioniert besser, wenn Nachfrager ausweichen können und Anbieter nicht gemeinsam oder allein die Marktbedingungen beherrschen.
Woran du allokatives Marktversagen erkennst
Allokation bedeutet die Zuweisung knapper Güter und Ressourcen zu Verwendungen. Eine Fehlallokation entsteht, wenn diese Zuweisung ineffizient oder unzureichend ist.
Vier wichtige Ursachen sind externe Effekte, öffentliche Güter, Informationsasymmetrie und Marktmacht.
Externe Effekte: Folgen fehlen im Preis
Ein externer Effekt liegt vor, wenn Produktion oder Konsum unbeteiligte Dritte beeinflussen, ohne dass diese Wirkung im Marktpreis berücksichtigt wird.
Eine Fabrik leitet verschmutztes Wasser in einen Fluss. Die Fabrik spart Kosten, während andere unter Krankheiten, toten Fischen oder eingeschränkter Wassernutzung leiden.
Der entscheidende Denkweg lautet:
- Die Fabrik verursacht einen Schaden.
- Andere tragen einen Teil der Kosten.
- Diese Kosten fehlen in den Produktionskosten und im Produktpreis.
- Das Produkt erscheint deshalb aus gesamtwirtschaftlicher Sicht zu billig.
Das ist ein negativer externer Effekt.
Externe Effekte können auch positiv sein. Bienen liefern ihrem Halter Honig und bestäuben zugleich Obstbäume. Der Obstbauer profitiert, ohne für diesen zusätzlichen Nutzen zu zahlen. Der Nutzen der Bienenhaltung ist damit größer als der Nutzen, für den der Imker bezahlt wird.
Öffentliche Güter: Nutzen ohne Zahlung
Ein öffentliches Gut besitzt zwei wichtige Merkmale:
- Nicht-Ausschließbarkeit: Menschen können nur schwer oder gar nicht von der Nutzung ausgeschlossen werden.
- Fehlende Konsumrivalität: Die Nutzung durch eine Person vermindert die Nutzungsmöglichkeit anderer nicht wesentlich.
Ein Leuchtturm ist das klassische Beispiel. Auch Schiffe, die nichts bezahlt haben, können sein Signal nutzen. Private Anbieter können deshalb Schwierigkeiten haben, genug zahlende Kundschaft zu finden. Es entsteht ein Trittbrettfahrerproblem: Einzelne profitieren, obwohl sie sich nicht an den Kosten beteiligen. Das Gut wird dann möglicherweise gar nicht oder in zu geringer Menge bereitgestellt.
Informationsasymmetrie: Eine Seite weiß mehr
Bei einer Informationsasymmetrie besitzen die Vertragspartner unterschiedlich viele oder unterschiedlich gute Informationen. Die besser informierte Seite kann ihren Wissensvorsprung zum Nachteil der anderen nutzen.
Zwei mögliche Folgen sind:
- Negativauslese: Vor einem Vertrag lassen sich gute und schlechte Angebote nicht zuverlässig unterscheiden. Gute Angebote können dadurch vom Markt verdrängt werden.
- Moralisches Risiko: Nach einem Vertrag verändert eine Seite ihr Verhalten, weil die andere Seite es nicht vollständig beobachten kann oder einen Teil der Folgen trägt.
Marktmacht: Wettbewerb verliert seine Steuerungswirkung
Ein marktbeherrschendes Unternehmen kann Preise und Mengen stärker beeinflussen als ein einzelner Anbieter unter lebhaftem Wettbewerb. Ein Kartell kann ähnlich wirken, obwohl mehrere Unternehmen beteiligt sind. Die Koordination über Wettbewerb wird dadurch eingeschränkt.
Warum Effizienz nicht die einzige Frage ist
Nicht jedes unerwünschte Marktergebnis ist dasselbe. Neben allokativem Marktversagen werden auch distributive und konjunkturelle Probleme unterschieden.
Distributives Marktversagen
Distribution bedeutet Verteilung. Ein Markt kann Güter effizient verteilen und trotzdem ein Ergebnis erzeugen, das gesellschaftlichen Vorstellungen von Fairness widerspricht. Betroffen sind etwa die Verteilung von Einkommen, Vermögen, Chancen oder Umweltbelastungen.
Technischer Wandel kann solche Verteilungsprobleme verstärken, wenn Gewinne stark bei Unternehmen oder Kapitaleignern konzentriert werden, während Löhne relativ zurückbleiben. Ob ein Ergebnis gerecht ist, lässt sich jedoch nicht allein aus Angebot und Nachfrage ableiten. Dafür braucht eine Gesellschaft Wertmaßstäbe.
Konjunkturelles Marktversagen
Störungen und Schocks können den gesamtwirtschaftlichen Ablauf destabilisieren. Ein gut belegtes Beispiel ist die Finanzmarktkrise ab Ende 2007: Nach dem Zusammenbruch internationaler Banken kam auch die Kreditvergabe zwischen Banken nahezu zum Erliegen. Staatliche Garantien, Beteiligungen und Hilfen sollten einen Zusammenbruch des Bankensystems verhindern.
Pareto-Effizienz und Gerechtigkeit
Ein Zustand heißt Pareto-effizient, wenn niemand bessergestellt werden kann, ohne mindestens eine andere Person schlechterzustellen. Das ist ein Maß für Effizienz, aber kein vollständiger Maßstab für Gerechtigkeit.
Zwei Personen teilen zehn Güter im Verhältnis neun zu eins. Wenn keine Umverteilung möglich ist, ohne der ersten Person etwas wegzunehmen, kann die Verteilung Pareto-effizient sein. Ob sie gerecht ist, bleibt eine andere Frage.
Effizienz fragt, wie Ressourcen genutzt werden. Gerechtigkeit fragt zusätzlich, wer Vorteile und Belastungen erhält. Beide Fragen müssen getrennt untersucht werden.
Wie staatliche Maßnahmen beurteilt werden
Marktversagen begründet einen Handlungsbedarf, bestimmt aber noch nicht automatisch die beste Maßnahme. Eine Regel kann ein Problem verringern und zugleich Kosten, Freiheitsbeschränkungen oder neue Verteilungswirkungen verursachen.
Typische Ansätze sind:
- Wettbewerbskontrolle: Kartelle begrenzen und dauerhafte Monopole kontrollieren.
- Abgaben oder andere Preisanreize: Externe Kosten für den Verursacher spürbar machen.
- Gebote und Verbote: Besonders schädliche Handlungen unmittelbar begrenzen.
- Staatliche Bereitstellung: Öffentliche Güter wie bestimmte Verkehrs- oder Bildungsangebote finanzieren.
- Informationsregeln: Informationsunterschiede zwischen Vertragspartnern verringern.
- Förderung: Tätigkeiten unterstützen, deren gesellschaftlicher Nutzen größer ist als der private Ertrag.
Grundlagenforschung ist teuer. Zugleich können andere Unternehmen von neuem Wissen profitieren, ohne die gesamten Forschungskosten zu tragen. Deshalb kann der private Forschungsanreiz geringer sein als der gesamtwirtschaftliche Nutzen. Eine staatliche Förderung kann diese Lücke verkleinern.
Ob eine konkrete Förderung tatsächlich wirksam und kostengünstig ist, muss jedoch gesondert geprüft werden.
Vier Prüffragen für jede Maßnahme
- Wirksamkeit: Verringert die Maßnahme das festgestellte Problem?
- Kosten: Welche privaten und staatlichen Kosten entstehen?
- Freiheit: Welche Entscheidungen werden ermöglicht oder eingeschränkt?
- Verteilung: Wer trägt die Kosten und wer erhält den Nutzen?
Eine Umweltabgabe und ein Verbot verfolgen unterschiedliche Wege:
- Eine Abgabe verteuert die schädliche Handlung und lässt Unternehmen entscheiden, wie sie reagieren. Ihre Wirkung hängt davon ab, ob der Preisimpuls stark genug ist.
- Ein Verbot untersagt die Handlung unmittelbar. Es greift stärker in die Entscheidungsfreiheit ein, kann aber bei besonders gefährlicher Verschmutzung zuverlässiger begrenzen.
Welche Regel geeigneter ist, hängt unter anderem von der Schwere des Schadens, der Kontrollierbarkeit und den entstehenden Kosten ab.
Auch staatliches Handeln kann schlecht gestaltet, teuer oder wirkungslos sein. Deshalb lautet die sinnvolle Schlussfolgerung nicht „Marktversagen bedeutet immer mehr Staat“, sondern: Problem, Maßnahme, Wirkung und Nebenwirkung müssen getrennt geprüft werden.
Einen neuen Fall Schritt für Schritt analysieren
Nutze für neue Fälle diese Reihenfolge:
- Markt beschreiben: Wer bietet an, wer fragt nach und wie können Beteiligte ausweichen?
- Problem benennen: Geht es um Marktmacht, externe Effekte, ein öffentliches Gut, Informationsasymmetrie, Verteilung oder Instabilität?
- Wirkungskette erklären: Wer handelt, welche Wirkung entsteht und wer trägt Kosten oder erhält Nutzen?
- Preis und Anreize prüfen: Ist die Wirkung im Preis enthalten? Kann man nutzen, ohne zu zahlen? Fehlen wichtige Informationen?
- Maßnahmen vergleichen: Prüfe mindestens zwei Möglichkeiten nach Wirksamkeit, Kosten, Freiheit und Verteilung.
- Urteil begründen: Nenne auch eine Grenze oder mögliche Nebenwirkung deiner bevorzugten Maßnahme.
Übungsfall: Abwasser im Fluss
Eine Fabrik produziert günstig, weil sie Abwasser ungefiltert in einen Fluss leitet. Ein Fischereibetrieb flussabwärts verliert dadurch einen Teil seines Bestands. Zur Auswahl stehen eine Abgabe je Schadstoffmenge und ein verbindlicher Grenzwert.
Aufgabe: Analysiere den Fall und vergleiche die beiden Maßnahmen.
Musterlösung
Es liegt ein negativer externer Effekt vor. Die Fabrik verursacht Umweltschäden, aber der Fischereibetrieb trägt einen Teil der Kosten. Weil diese Kosten nicht vollständig im Produktpreis der Fabrik erscheinen, ist ihr Produkt aus gesamtwirtschaftlicher Sicht zu billig.
Die Abgabe macht jede zusätzliche Schadstoffmenge teurer. Sie schafft einen Anreiz, weniger Abwasser zu erzeugen oder bessere Filter einzusetzen. Ihre Wirkung kann jedoch zu schwach bleiben, wenn die Abgabe zu niedrig ist.
Der Grenzwert begrenzt die erlaubte Schadstoffmenge unmittelbar. Er kann bei schweren Schäden zuverlässiger sein, schränkt die unternehmerische Freiheit aber stärker ein und muss kontrolliert werden.
Ein begründetes Urteil könnte lauten: Bei besonders gefährlicher Verschmutzung ist ein kontrollierter Grenzwert vorzuziehen, weil die Schadensbegrenzung sicherer ist. Eine Abgabe kann ergänzen, wenn auch Schadstoffmengen unterhalb des Grenzwerts weiter vermindert werden sollen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wettbewerb und Marktversagen
- Wettbewerb
- Preise und Knappheit koordinieren
- Innovationen anregen
- durch Monopole und Kartelle eingeschränkt werden
- Allokatives Marktversagen
- externe Effekte
- öffentliche Güter
- Informationsasymmetrie
- Marktmacht
- Weitere Probleme
- Verteilung
- konjunkturelle Instabilität
- Staatliche Maßnahmen
- Wettbewerb schützen
- Preise und Regeln verändern
- Güter bereitstellen und Forschung fördern
- Urteil
- Wirksamkeit prüfen
- Kosten und Freiheit abwägen
- Verteilungswirkungen beachten
- Wettbewerb
Abschluss-Check
Du kannst einen Fall sicher untersuchen, wenn du erst den Markt und das konkrete Problem erklärst, dann die Wirkungskette offenlegst und schließlich mehrere Maßnahmen mit denselben Kriterien vergleichst.
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