Wirtschaft

Oligopol einfach erklärt: Merkmale und Formen

Oligopol einfach erklärt: Merkmale und Formen
Oligopol einfach erklärt: Merkmale und Formen
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Ein Oligopol ist eine Marktform, in der auf mindestens einer Marktseite nur wenige große Teilnehmer auftreten. Beim typischen Angebotsoligopol treffen wenige Anbieter auf viele Nachfragende. Entscheidend ist nicht eine feste Anbieterzahl, sondern die gegenseitige Reaktionsabhängigkeit: Die Entscheidung eines Unternehmens kann spürbare Gegenreaktionen der Konkurrenz auslösen.

Auf dieser Seite lernst du, Oligopole zu erkennen, ihre Unterformen zu unterscheiden und das strategische Verhalten der Beteiligten zu erklären.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Woran erkennst du ein Oligopol?

Stell dir einen Markt vor, auf dem nur wenige große Unternehmen einen erheblichen Teil des Angebots bereitstellen. Senkt eines davon seinen Preis, führt ein neues Produkt ein oder erhöht seine Produktionsmenge, können die anderen diese Veränderung kaum ignorieren.

Definition

Oligopol

Ein Oligopol ist eine Marktform mit wenigen relativ großen Anbietern und/oder Nachfragern. Die Beteiligten beeinflussen einander so stark, dass sie bei eigenen Entscheidungen die erwarteten Reaktionen der anderen berücksichtigen müssen.

Eine feste Grenze wie „höchstens fünf Unternehmen“ gibt es nicht. Wichtiger ist die Reaktionsverbundenheit: Kann eine bedeutende Entscheidung eines Teilnehmers die Entscheidungen der anderen auslösen oder verändern?

Beim häufig betrachteten Angebotsoligopol gilt folgende Wirkungskette:

  1. Wenige Anbieter besitzen jeweils einen hohen Marktanteil.
  2. Die Entscheidung eines Anbieters verändert die Wettbewerbslage merklich.
  3. Die anderen Anbieter erwarten Auswirkungen auf Preise, Absatz oder Marktanteile.
  4. Sie reagieren möglicherweise mit eigenen Preis-, Mengen-, Qualitäts- oder Produktentscheidungen.
Beispiel

Drei Hersteller verkaufen Spielkonsolen an sehr viele Menschen. Bringt ein Hersteller ein günstigeres Modell heraus, müssen die beiden Konkurrenten entscheiden, ob sie ihren Preis verändern, ihr Produkt verbessern oder anders reagieren.

Die Einordnung als Oligopol beruht nicht nur auf der Zahl drei. Entscheidend ist, dass die Maßnahme eines Herstellers für die anderen beiden wirtschaftlich bedeutsam ist.

Merke

Wenige große Marktteilnehmer sind ein Hinweis. Die gegenseitige Reaktionsabhängigkeit ist das entscheidende Merkmal eines Oligopols.

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Frage 1 von 1LeichtWelcher Befund spricht am stärksten für ein Oligopol?
Lösung: Eine wichtige Preisänderung eines großen Anbieters zwingt wenige Konkurrenten zu strategischen Entscheidungen. — Im Oligopol beobachten wenige große Teilnehmer einander, weil ihre Entscheidungen spürbare Gegenreaktionen auslösen können.
Warum handeln Oligopolisten strategisch?

Ein Oligopolist ist ein Unternehmen oder anderer Marktteilnehmer innerhalb eines Oligopols. Er kann seine Entscheidung nicht sinnvoll treffen, ohne über das mögliche Verhalten der Konkurrenz nachzudenken.

Dabei gibt es nicht nur eine mögliche Entwicklung. Aus derselben gegenseitigen Abhängigkeit können scharfer Wettbewerb oder abgestimmtes Verhalten entstehen.

Wettbewerb

Unternehmen können versuchen, Marktanteile zu gewinnen. Dafür verändern sie zum Beispiel Preise, Produktionsmengen, Qualität oder Produkteigenschaften. Reagieren die Konkurrenten ebenfalls mit Preissenkungen, kann ein Preiskampf entstehen.

Ein solcher Wettbewerb kann Preise unter Druck setzen. Er kann aber auch zum Verdrängungswettbewerb führen: Stärkere Unternehmen versuchen, schwächere Konkurrenten aus dem Markt zu drängen.

Kooperation und Kartellgefahr

Die wenigen Beteiligten können auch versuchen, den harten Wettbewerb zu vermeiden. Sie könnten Märkte untereinander aufteilen oder Preise absprechen.

Eine solche Absprache heißt Kartell. Vertragliche Preis- oder Marktaufteilungsabsprachen zwischen Wettbewerbern verstoßen gegen das Kartellverbot. Kartellbehörden überwachen den Wettbewerb und können unerlaubte Zusammenarbeit sanktionieren.

Gut zu wissen

Ähnliches Verhalten beweist noch keine Absprache. Unternehmen können auch ohne Vertrag auf dieselbe Marktlage reagieren. Für die wirtschaftliche Analyse musst du deshalb Wettbewerb, beobachtbares Verhalten und nachgewiesene Absprachen auseinanderhalten.

Für Oligopole gibt es kein einziges allgemeines Modell der Preisbildung. Die Märkte unterscheiden sich unter anderem nach Produkten, Marktseiten und den Annahmen darüber, wie Konkurrenten reagieren.

Beispiel

Ein Anbieter senkt seinen Preis. Seine Konkurrenten haben mehrere Möglichkeiten:

  • Sie senken ebenfalls den Preis, damit ihre Kundschaft nicht wechselt.
  • Sie behalten den Preis bei und verbessern dafür ihr Produkt.
  • Sie verändern ihre Produktionsmenge.

Welche Reaktion sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Marktsituation ab. Deshalb lässt sich aus der Bezeichnung „Oligopol“ allein kein bestimmter Preis vorhersagen.

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Frage 1 von 1MittelEin Konsolenhersteller senkt seinen Preis. Warum beobachtet er danach besonders die Konkurrenz?
Lösung: Weil wenige große Konkurrenten mit eigenen Preis- oder Produktentscheidungen reagieren können. — Ein Oligopolist berücksichtigt sowohl die Nachfrage als auch die erwarteten Gegenmaßnahmen seiner wenigen bedeutenden Konkurrenten.
Welche Formen des Oligopols gibt es?

Du kannst Oligopole danach unterscheiden, auf welcher Marktseite wenige große Teilnehmer stehen und ob sich die angebotenen Produkte ähneln.

FormAnbieterNachfragendeKennzeichen
AngebotsoligopolwenigevieleWenige Anbieter beobachten ihre Reaktionen gegenseitig.
Nachfrageoligopol oder Oligopsonvielewenige großeWenige Nachfragende besitzen eine starke Stellung gegenüber vielen Anbietern.
Bilaterales OligopolwenigewenigeAuf beiden Marktseiten stehen sich wenige große Teilnehmer gegenüber.
Duopolgenau zweimeist vieleSpezialfall des Angebotsoligopols mit zwei Anbietern.
Beispiel

Viele Milchbauern verkaufen ihre Milch an wenige große Molkereien. Hier stehen viele Anbieter wenigen bedeutenden Nachfragern gegenüber. Das ist ein Nachfrageoligopol.

Produzieren dagegen wenige Werften Kreuzfahrtschiffe für wenige Reedereien, stehen auf beiden Seiten nur wenige große Teilnehmer. Das ist ein bilaterales Oligopol.

Eine zweite Einteilung betrachtet die Produkte:

  • In einem homogenen Oligopol sind die Produkte aus Sicht der Kundschaft identisch oder nahezu identisch.
  • In einem heterogenen Oligopol unterscheiden sich die Produkte, etwa durch Ausstattung, Gestaltung oder Qualität.

Mineralöl beziehungsweise Benzin dient als Beispiel für ein weitgehend homogenes Gut. Unterschiedliche Computer oder Spielkonsolen zeigen dagegen, wie Anbieter ihre Produkte in einem heterogenen Oligopol voneinander abgrenzen können.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Marktstruktur ist ein Nachfrageoligopol?
Lösung: Viele Anbieter treffen auf wenige große Nachfragende. — Beim Nachfrageoligopol befindet sich die kleine Zahl bedeutender Marktteilnehmer auf der Nachfrageseite.
Frage 2 von 2MittelZwei Flugzeugbauer bieten ein vergleichbares Produkt für viele Fluggesellschaften an. Welche Einordnung passt zur Anbieterzahl?
Lösung: Duopol — Genau zwei Anbieter bilden einen Spezialfall des Angebotsoligopols: das Duopol.
Wie ordnest du einen Marktfall begründet ein?

Eine gute Einordnung nennt nicht bloß eine Marktform. Sie zeigt, welche Merkmale im Fall dafür sprechen.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Bestimme die Marktseiten. Wer bietet an, und wer fragt nach?
  2. Prüfe die Zahl und Größe. Gibt es viele kleine oder wenige große Teilnehmer?
  3. Suche nach Reaktionsabhängigkeit. Müssen bedeutende Teilnehmer mit Gegenmaßnahmen der anderen rechnen?
  4. Präzisiere die Form. Handelt es sich um ein Angebots-, Nachfrage-, bilaterales, homogenes oder heterogenes Oligopol?
Merke

Marktform und Käufer- beziehungsweise Verkäufermarkt beantworten verschiedene Fragen. Die Marktform beschreibt vor allem Zahl und Stellung der Marktteilnehmer. Käufer- und Verkäufermarkt beschreiben dagegen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Ein Markt kann deshalb zugleich oligopolistisch und ein Käufer- oder Verkäufermarkt sein.

Beispiel

Fall: Vier große Hersteller bieten technisch unterschiedliche Geräte für Millionen Kundinnen und Kunden an. Führt ein Hersteller eine wichtige Neuerung ein, reagieren die anderen häufig mit eigenen Modellen.

Einordnung:

  1. Auf der Angebotsseite stehen wenige große Hersteller.
  2. Auf der Nachfrageseite stehen viele relativ kleine Kundinnen und Kunden.
  3. Produktentscheidungen eines Herstellers lösen Reaktionen der Konkurrenz aus.
  4. Die Geräte unterscheiden sich.

Der Fall ist daher ein heterogenes Angebotsoligopol. Die Begründung stützt sich auf die Marktseiten, die Reaktionsabhängigkeit und die Produktunterschiede.

Deine Anwendung

Fall A: Viele kleine Lebensmittelhersteller verkaufen an drei große Handelsunternehmen. Die Handelsunternehmen können mit ihren Einkaufsentscheidungen die Anbieter stark beeinflussen.

Fall B: Sechs große Produzenten verkaufen ein nahezu identisches Gut an sehr viele Haushalte. Eine Preissenkung eines Produzenten führt regelmäßig zu Reaktionen der anderen.

Ordne beide Fälle ein und begründe deine Entscheidung jeweils mit mindestens zwei Merkmalen.

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Frage 1 von 2MittelWelche Einordnung passt zu Fall A?
Lösung: Nachfrageoligopol, weil viele Anbieter wenigen großen Nachfragern gegenüberstehen. — Entscheidend ist die Verteilung auf den Marktseiten: Viele Hersteller bieten an, aber nur drei große Handelsunternehmen fragen nach.
Frage 2 von 2SchwerWelche vollständige Einordnung passt zu Fall B?
Lösung: Homogenes Angebotsoligopol, weil wenige große Anbieter ein nahezu identisches Gut anbieten und aufeinander reagieren. — Für die Marktform zählt hier die Angebotsseite: Wenige Produzenten reagieren strategisch aufeinander. Das nahezu identische Gut macht das Oligopol homogen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Oligopol
    • Erkennungsmerkmale
      • wenige große Marktteilnehmer
      • gegenseitige Reaktionsabhängigkeit
    • Marktseiten
      • Angebotsoligopol
      • Nachfrageoligopol
      • bilaterales Oligopol
    • Produkte
      • homogen
      • heterogen
    • Strategisches Verhalten
      • Preis-, Mengen- oder Produktwettbewerb
      • mögliche Kartellgefahr
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas unterscheidet ein Oligopol besonders von einem Polypol?
Lösung: Wenige große Teilnehmer können sich mit ihren Entscheidungen spürbar gegenseitig beeinflussen. — Das Kernmerkmal ist die strategische Abhängigkeit weniger bedeutender Marktteilnehmer.
Frage 2 von 3MittelAuf einem Markt bieten drei große Unternehmen unterschiedliche Produkte an. Eine neue Produktlinie eines Unternehmens löst Gegenmaßnahmen der anderen aus. Welche Einordnung passt?
Lösung: Heterogenes Angebotsoligopol — Wenige Anbieter und erkennbare Gegenreaktionen zeigen das Angebotsoligopol. Die Produktunterschiede machen es heterogen.
Frage 3 von 3SchwerWarum kann dieselbe oligopolistische Struktur sowohl starken Wettbewerb als auch Kartellgefahr hervorbringen?
Lösung: Weil wenige große Anbieter die Handlungen der anderen deutlich spüren und deshalb entweder konkurrieren oder eine Abstimmung anstreben können. — Die gegenseitige Abhängigkeit eröffnet unterschiedliche Strategien: Unternehmen können um Marktanteile kämpfen oder versuchen, den Wettbewerb durch unerlaubte Absprachen zu begrenzen.

Du kannst einen Markt nun prüfen, indem du Marktseiten, Zahl und Größe der Beteiligten, ihre Reaktionsabhängigkeit und die Art der Produkte untersuchst. Eine überzeugende Einordnung nennt immer die passenden Merkmale und begründet daraus die Marktform.

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