Marktformen einfach erklärt: Monopol bis Polypol
Eine Marktform zeigt, wie viele Anbieter und Nachfrager auf einem Markt zusammentreffen. Du prüfst auf jeder Marktseite, ob es einen, wenige oder viele Teilnehmer gibt. Aus diesen Kombinationen entstehen neun Marktformen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
So liest du das Marktformenschema
Auf einem Markt treffen zwei Seiten aufeinander:
- Anbieter verkaufen Güter oder Dienstleistungen.
- Nachfrager möchten diese Güter oder Dienstleistungen kaufen.
Das Marktformenschema verbindet für beide Seiten die Kategorien einer, wenige und viele. Es wird dem Ökonomen Heinrich von Stackelberg zugeschrieben.
| Anbieter | ein Nachfrager | wenige Nachfrager | viele Nachfrager |
|---|---|---|---|
| ein Anbieter | zweiseitiges Monopol | beschränktes Angebotsmonopol | Angebotsmonopol |
| wenige Anbieter | beschränktes Nachfragemonopol | zweiseitiges Oligopol | Angebotsoligopol |
| viele Anbieter | Nachfragemonopol | Nachfrageoligopol | Polypol |
Beim Einordnen gehst du immer in derselben Reihenfolge vor:
- Bestimme die Zahl der Anbieter.
- Bestimme die Zahl der Nachfrager.
- Suche die Kombination im Schema.
- Prüfe, welche Seite wenige Alternativen und damit wahrscheinlich mehr Marktmacht besitzt.
Marktmacht
Marktmacht ist die Fähigkeit, Preise oder andere Geschäftsbedingungen spürbar zu beeinflussen. Sie ist meist größer, wenn die Gegenseite nur wenige Ausweichmöglichkeiten hat.
Viele Landwirte verkaufen Getreide an wenige Mühlen.
- Es gibt viele Anbieter: die Landwirte.
- Es gibt wenige Nachfrager: die Mühlen.
- Die Marktform heißt Nachfrageoligopol.
- Die wenigen Mühlen können eine starke Verhandlungsposition besitzen, weil den Landwirten nur wenige Käufer zur Verfügung stehen.
Monopol, Oligopol und Polypol unterscheiden
Die drei bekanntesten Marktformen haben viele Nachfrager. Sie unterscheiden sich durch die Zahl der Anbieter.
Angebotsmonopol: ein Anbieter
Beim Angebotsmonopol steht ein Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Da unmittelbare Konkurrenz fehlt, kann der Monopolist Preis, Menge oder Qualität stark beeinflussen.
Seine Macht ist trotzdem nicht unbegrenzt: Ist der Preis zu hoch, sinken Kaufbereitschaft und Absatz. Außerdem können Patente, Lizenzen, der alleinige Zugang zu einem Rohstoff oder große Kostenvorteile den Marktzutritt anderer Unternehmen erschweren.
Ein historisches Beispiel ist das frühere Briefmonopol der Deutschen Post.
Angebotsoligopol: wenige Anbieter
Beim Angebotsoligopol verkaufen wenige Anbieter an viele Nachfrager. Jeder Anbieter muss mit Reaktionen der Konkurrenz rechnen. Senkt ein Unternehmen seinen Preis, können andere nachziehen.
Diese gegenseitige Abhängigkeit heißt Interdependenz. Preisabsprachen zwischen Unternehmen sind verboten.
Beispiele können Märkte für Mobilfunknetze oder Spielekonsolen sein. Ein Duopol ist ein Oligopol mit genau zwei Anbietern.
Polypol: viele Anbieter
Beim Polypol treffen viele Anbieter auf viele Nachfrager. Einzelne Anbieter besitzen meist nur wenig Einfluss auf den Marktpreis, weil zahlreiche Alternativen bestehen. Der Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage.
Viele Anbieter allein garantieren jedoch noch keinen vollkommenen Wettbewerb. Das Polypol beschreibt zunächst nur die Zahl der Marktteilnehmer.
Bei vielen Nachfragern gilt: ein Anbieter = Monopol, wenige Anbieter = Oligopol, viele Anbieter = Polypol.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Markt mit einem Anbieter und vielen Nachfragern ist ein . Bei wenigen Anbietern und vielen Nachfragern liegt ein vor. Viele Anbieter und viele Nachfrager bilden ein .
Die sechs weiteren Marktformen verstehen
Das vollständige Schema berücksichtigt auch Märkte mit wenigen oder nur einem Nachfrager.
Ein Nachfrager
- Zweiseitiges Monopol: Ein Anbieter trifft auf einen Nachfrager. Beide Seiten sind voneinander abhängig und handeln Preis und Bedingungen aus.
- Beschränktes Nachfragemonopol: Wenige Anbieter konkurrieren um einen Nachfrager. Der einzelne Käufer besitzt dadurch eine starke Stellung.
- Nachfragemonopol oder Monopson: Viele Anbieter treffen auf einen Nachfrager. Die Anbieter haben nur eine Absatzmöglichkeit innerhalb des betrachteten Marktes.
Wenige Nachfrager
- Beschränktes Angebotsmonopol: Ein Anbieter verkauft an wenige Nachfrager. Der Anbieter ist stark, muss aber die Kaufkraft und Anforderungen der wenigen Käufer beachten.
- Zweiseitiges Oligopol: Wenige Anbieter und wenige Nachfrager beeinflussen einander.
- Nachfrageoligopol oder Oligopson: Viele Anbieter verkaufen an wenige Nachfrager. Die Käuferseite kann dadurch besonders einflussreich sein.
Wenige Werften bauen große Kreuzfahrtschiffe für wenige Reedereien. Auf beiden Seiten gibt es nur wenige Teilnehmer. Deshalb handelt es sich um ein zweiseitiges Oligopol. Keine Seite kann die Entscheidungen der jeweils anderen Seite einfach ignorieren.
Wie die Marktstruktur die Marktmacht beeinflusst
Die Teilnehmerzahl ist wichtig, weil sie auf mögliche Alternativen hinweist. Wer leicht zu einem anderen Anbieter oder Käufer wechseln kann, ist weniger abhängig.
Eine nützliche Wirkungskette lautet:
weniger Alternativen → größere Abhängigkeit → stärkere Verhandlungsposition der Gegenseite
Das bedeutet nicht, dass die Teilnehmerzahl allein jeden Preis erklärt. Auch Kaufbereitschaft, Kosten, rechtliche Regeln, Produktunterschiede und der Marktzutritt können das Ergebnis beeinflussen.
Im Oligopol kommt eine Besonderheit hinzu: Die wenigen Anbieter beobachten einander. Eine Entscheidung kann Reaktionen auslösen, weshalb kein Unternehmen völlig unabhängig handelt.
Ein Monopolist erhöht den Preis stark. Er hat zwar keine unmittelbare Konkurrenz, kann aber nicht sicher sein, dass sein Gewinn steigt: Wenn viele Kunden auf den Kauf verzichten, sinkt die verkaufte Menge. Marktmacht ist daher großer Einfluss, nicht grenzenlose Freiheit.
Marktform und Käufermarkt nicht verwechseln
Marktform und Käufer- oder Verkäufermarkt beantworten verschiedene Fragen.
- Die Marktform richtet sich nach der Zahl der Anbieter und Nachfrager.
- Käufer- und Verkäufermarkt richten sich nach dem Verhältnis von angebotener und nachgefragter Menge.
| Situation | Mengenverhältnis | stärkere Marktseite |
|---|---|---|
| Verkäufermarkt | Nachfrage ist größer als Angebot | Verkäufer |
| Käufermarkt | Angebot ist größer als Nachfrage | Käufer |
Bei einem Verkäufermarkt ist das Angebot knapp. Verkäufer können dadurch häufig höhere Preise durchsetzen.
Bei einem Käufermarkt übersteigt das Angebot die Nachfrage. Unternehmen können nicht alles verkaufen und stehen unter stärkerem Konkurrenzdruck.
Auf einem Wohnungsmarkt können viele Vermieter und viele Wohnungssuchende auftreten. Nach dem Teilnehmerzahl-Schema kann das ein Polypol sein. Sind zugleich deutlich weniger Wohnungen verfügbar als gesucht werden, liegt außerdem ein Verkäufermarkt vor. Beide Aussagen widersprechen sich nicht, weil sie unterschiedliche Merkmale beschreiben.
Reale Märkte begründet einordnen
Das Marktformenschema ist ein Modell. Es vereinfacht die Wirklichkeit, damit du Marktstrukturen vergleichen kannst.
Die Kategorien „wenige“ und „viele“ haben keine feste zahlenmäßige Grenze. Außerdem hängt die Zuordnung davon ab, wie du den Markt abgrenzt: Ein Unternehmen kann regional nahezu ohne Konkurrenz sein, obwohl es überregional weitere Anbieter gibt.
Gehe bei Fallbeispielen deshalb so vor:
- Lege fest, welches Gut und welches Gebiet du untersuchst.
- Zähle Anbieter und Nachfrager nicht nur, sondern ordne sie begründet als einen, wenige oder viele ein.
- Nenne die Marktform.
- Erkläre, welche Alternativen beide Seiten besitzen.
- Formuliere vorsichtig, wenn die Zuordnung nur annähernd passt.
In einer abgelegenen Region beschäftigt ein großes Unternehmen fast alle Personen eines bestimmten Berufs. Es ist damit nahezu der einzige Nachfrager nach dieser Arbeitskraft. Im abgegrenzten regionalen Arbeitsmarkt kann die Struktur einem Nachfragemonopol ähneln. Die Einschränkung „nahezu“ ist wichtig, weil andere Arbeitgeber oder ein Wechsel der Region möglich sein können.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Marktformen
- Ein Anbieter: starke Stellung der Angebotsseite möglich
- Wenige Anbieter: gegenseitige Abhängigkeit möglich
- Viele Anbieter: zahlreiche Ausweichmöglichkeiten möglich
- Ein Nachfrager: starke Stellung der Nachfrageseite möglich
- Wenige Nachfrager: Käufer besitzen häufig mehr Verhandlungsmacht
- Viele Nachfrager: Angebotsmonopol, Angebotsoligopol oder Polypol
- Käufer- und Verkäufermarkt: Verhältnis von Angebots- und Nachfragemenge
- Modellgrenze: Markt muss nach Produkt, Gebiet und Zeitraum abgegrenzt werden
Abschluss-Check
Du kannst einen Markt nun systematisch untersuchen: Zuerst grenzt du ihn ab, dann bestimmst du Anbieter und Nachfrager, ordnest die Marktform zu und leitest daraus mögliche Machtverhältnisse ab.
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