Risiko in der Wirtschaft: erkennen und bewerten
Ein Risiko besteht, wenn eine Entscheidung mehrere mögliche zukünftige Ergebnisse hat und das tatsächliche Ergebnis ungünstig vom gewünschten Ergebnis abweichen kann. Risiken lassen sich nicht immer verhindern, aber systematisch erkennen, bewerten, behandeln und kontrollieren.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du ein Risiko?
Du wechselst den Ausbildungsplatz, nimmst einen Kredit auf oder legst Geld an. In jedem Fall hoffst du auf ein bestimmtes Ergebnis. Weil die Zukunft nicht vollständig vorhersehbar ist, kann es jedoch anders kommen.
Risiko
Ein Risiko ist die Möglichkeit, dass ein zukünftiges Ergebnis ungünstig vom erwarteten oder geplanten Ergebnis abweicht. Der Schaden kann in einem Verlust bestehen, aber auch darin, dass ein erwarteter Vorteil ausbleibt.
Der Begriff wird nicht immer gleich verwendet:
- Im engeren Sinn bezeichnet Risiko nur mögliche negative Folgen.
- In einer wertneutralen Betrachtung sind positive und negative Abweichungen möglich. Die positive Abweichung ist eine Chance.
Ein Risiko ist deshalb kein sicherer Schaden. Es beschreibt eine Möglichkeit. Dieselbe Entscheidung kann zugleich Chancen und Risiken enthalten.
Eine Person investiert Geld in eine Aktie. Steigt der Kurs, entsteht eine Chance auf Gewinn. Fällt der Kurs, droht ein Verlust. Beide Ergebnisse sind möglich; keines steht beim Kauf sicher fest.
Wie unterscheiden sich Risiko und Ungewissheit?
In der Entscheidungstheorie werden verschiedene Zukunftssituationen unterschieden.
- Sicherheit: Das Ergebnis einer Handlung lässt sich sicher vorhersagen.
- Risiko: Mehrere Ergebnisse sind möglich, und ihnen können Eintrittswahrscheinlichkeiten zugeordnet werden.
- Ungewissheit: Mehrere Ergebnisse sind möglich, aber es stehen keine brauchbaren Eintrittswahrscheinlichkeiten zur Verfügung.
Wahrscheinlichkeiten können objektiv gegeben sein, etwa durch feste Spielregeln. Bei wirtschaftlichen Entscheidungen beruhen sie häufig auf einer subjektiven Einschätzung, zum Beispiel auf Erfahrungen oder vorhandenen Informationen.
Risiko bedeutet nicht, dass die Zukunft sicher berechenbar ist. Eine Wahrscheinlichkeit beschreibt eine Einschätzung möglicher Ergebnisse, keine Vorhersage des Einzelfalls.
Wie bewertest du ein Risiko?
Zuerst beschreibst du das Risiko möglichst konkret: Was könnte passieren, wie wahrscheinlich ist es und welche Folgen hätte es?
Ein einfaches Bewertungsverfahren nutzt zwei Größen:
- Eintrittswahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist das Ereignis?
- Auswirkung oder Schadenshöhe: Wie schwer wären die Folgen?
Für eine vereinfachte Rangfolge kann gelten:
$$\text{Risikowert} = \text{Eintrittswahrscheinlichkeit} \times \text{Auswirkung}$$
Ein Unternehmen vergleicht zwei Risiken: Ein Zahlungsausfall ist wahrscheinlicher, hätte aber weniger schwere Folgen. Ein Brand ist sehr unwahrscheinlich, könnte jedoch katastrophale Folgen haben.
Im Multiplikationsmodell kann der wahrscheinlichere Zahlungsausfall einen höheren Risikowert erhalten als der seltene Brand. Der Betrieb würde ihn dann zunächst höher einordnen. Trotzdem darf er den Brand nicht ignorieren: Sehr schwere mögliche Folgen können besondere Schutzmaßnahmen erfordern.
Ein Risikowert ist nur so aussagekräftig wie die verwendeten Einschätzungen und Skalen. Das Multiplikationsmodell hilft beim Ordnen, liefert aber ohne festgelegte Maßstäbe keine objektiv genaue Messung.
Welche Strategie passt zum Risiko?
Nach der Bewertung wählst du eine passende Behandlung. Vier Grundstrategien helfen dabei.
- Vermeiden: Du unterlässt die risikobehaftete Handlung. Beispiel: Du kaufst ein sehr riskantes Finanzprodukt nicht.
- Reduzieren: Du senkst die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die möglichen Folgen. Back-ups können beispielsweise die Folgen eines Datenverlusts begrenzen.
- Übertragen: Ein Dritter übernimmt einen Teil der finanziellen Folgen. Eine Versicherung kann Schäden abdecken, verhindert aber das auslösende Ereignis meist nicht.
- Übernehmen: Du akzeptierst ein tragbares Restrisiko und bereitest dich auf mögliche Folgen vor, etwa mit einem finanziellen Puffer.
Restrisiko
Das Restrisiko ist der Teil eines Risikos, der nach den getroffenen Maßnahmen bestehen bleibt.
Die Arbeit endet nicht mit der Auswahl einer Strategie. Bei der Risikokontrolle prüfst du regelmäßig, ob sich Wahrscheinlichkeit, Folgen oder persönliche und betriebliche Umstände verändert haben.
Wie wendest du das auf Wirtschaftsentscheidungen an?
Risiken treten häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken.
Bei einer Geldanlage sind zum Beispiel möglich:
- Unternehmensrisiko: Das Unternehmen gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
- Marktrisiko: Ein allgemeiner Kursrückgang erfasst auch wirtschaftlich starke Unternehmen.
- Informationsrisiko: Eine Entscheidung beruht auf fehlenden, falschen oder unvollständigen Informationen.
- Währungsrisiko: Der Wechselkurs verändert den Wert einer ausländischen Anlage in der heimischen Währung.
- Zinsrisiko: Zinsänderungen beeinflussen festverzinsliche Wertpapiere.
Durch Diversifikation, also die Verteilung auf verschiedene Anlagen, lässt sich die Abhängigkeit von einer einzelnen Anlage reduzieren. Allgemeine Marktrisiken verschwinden dadurch nicht vollständig.
Auch private und betriebliche Risiken hängen zusammen. Ein Arbeitsplatzverlust kann das Einkommen senken und dadurch die Rückzahlung eines Kredits gefährden. In einem Unternehmen kann ein technischer Fehler die Produktion unterbrechen und finanzielle Folgen auslösen.
Gehe in vier Schritten vor: Risiken identifizieren, Wahrscheinlichkeit und Folgen bewerten, eine Strategie wählen und die Lage regelmäßig kontrollieren.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Risiko
- entsteht bei mehreren möglichen Zukunftsergebnissen
- wird mit Wahrscheinlichkeit und Auswirkung bewertet
- wird vermieden, reduziert, übertragen oder übernommen
- bleibt nach Maßnahmen teilweise als Restrisiko bestehen
- wird regelmäßig kontrolliert
Mit Google fortfahren