Stell dir vor, deine Klasse verkauft Waffeln beim Schulfest. Am Ende willst du wissen, wie teuer eine Waffel mindestens sein muss, damit nicht nur Mehl und Eier bezahlt sind. Auch Standmiete, Strom und Servietten kosten Geld. Genau bei solchen Fragen hilft eine besondere Rechnung mit Kosten.
- Du erklärst, was Vollkostenrechnung bedeutet.
- Du unterscheidest wichtige Kostenarten.
- Du rechnest einfache Vollkosten pro Stück aus.
- Du erkennst, wofür die Vollkostenrechnung gut ist und wo ihre Grenzen liegen.
Wozu braucht man Vollkostenrechnung?
Wenn ein Unternehmen etwas verkauft, reicht ein Blick auf den Materialpreis oft nicht aus. Ein T-Shirt besteht nicht nur aus Stoff. Es braucht auch Maschinen, Strom, Lager, Verwaltung und vielleicht Werbung.
Kosten sind der in Geld bewertete Verbrauch von Dingen und Leistungen, die ein Unternehmen für seine Arbeit braucht. Dazu gehören zum Beispiel Material, Löhne, Miete oder Strom.
Vollkostenrechnung bedeutet: Ein Unternehmen verteilt alle Kosten auf seine Produkte oder Dienstleistungen. Es werden also nicht nur die direkt sichtbaren Kosten betrachtet, sondern auch anteilige allgemeine Kosten.
Der Gedanke ist einfach: Jedes Produkt soll einen Teil der gesamten Kosten tragen. So kann ein Unternehmen abschätzen, ab welchem Preis es langfristig kostendeckend arbeitet.
Eine Schülerfirma verkauft bedruckte Tassen.
Direkt sichtbar sind die Kosten für die leere Tasse und den Druck. Zusätzlich fallen aber auch Kosten für den Verkaufsstand, Verpackung und die Nutzung eines Druckers an.
Die Vollkostenrechnung fragt: Welcher Kostenanteil gehört zu einer einzelnen Tasse?
Vollkostenrechnung heißt: Alle Kosten werden am Ende auf Produkte oder Dienstleistungen verteilt.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Die wichtigsten Kostenbegriffe
Bevor du rechnen kannst, brauchst du klare Begriffe. Sonst vermischst du schnell Kosten, die sehr unterschiedlich entstehen.
Einzelkosten sind Kosten, die du einem bestimmten Produkt direkt zuordnen kannst. Wenn für eine Tasche genau 2 Euro Stoff gebraucht werden, sind diese 2 Euro Einzelkosten der Tasche.
Gemeinkosten sind Kosten, die nicht direkt zu einem einzelnen Produkt gehören. Miete, Heizung oder Verwaltung betreffen oft viele Produkte gemeinsam.
Eine Bäckerei verkauft 100 belegte Brötchen.
Die Brötchen, der Käse und der Salat lassen sich jedem Brötchen direkt zurechnen. Das sind Einzelkosten.
Die Ladenmiete betrifft alle Brötchen zusammen. Sie ist deshalb Gemeinkosten.
Variable Kosten verändern sich mit der Menge. Wenn mehr Brötchen verkauft werden, braucht die Bäckerei mehr Zutaten.
Fixe Kosten bleiben zunächst gleich, auch wenn mehr oder weniger verkauft wird. Die Ladenmiete fällt zum Beispiel auch an einem schwachen Verkaufstag an.
Eine Eisdiele verkauft heute 500 Kugeln Eis.
Die Waffeln und das Eis sind variable Kosten, weil mehr Kugeln auch mehr Material brauchen.
Die Monatsmiete ist eine fixe Kostenart. Sie fällt unabhängig davon an, ob heute 500 oder 700 Kugeln verkauft werden.
Interaktiver Lückentext wird geladen ...
Die drei Schritte der Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung läuft meistens in drei Stufen. Jede Stufe beantwortet eine eigene Frage.
Kostenartenrechnung bedeutet: Man erfasst, welche Kosten angefallen sind. Die Leitfrage lautet: Was ist angefallen?
Kostenstellenrechnung bedeutet: Man ordnet Gemeinkosten Bereichen im Unternehmen zu. Die Leitfrage lautet: Wo sind die Kosten angefallen? Eine Kostenstelle ist ein Bereich, in dem Kosten entstehen, zum Beispiel Produktion, Lager oder Verwaltung.
Kostenträgerrechnung bedeutet: Man rechnet die Kosten auf Produkte oder Dienstleistungen weiter. Ein Kostenträger ist das, wofür die Kosten am Ende bestimmt werden, zum Beispiel eine Pizza, ein Fahrrad oder eine Beratungsstunde.
Eine Fahrradwerkstatt baut eigene Klingeln.
Kostenartenrechnung: Sie sammelt Materialkosten, Löhne, Miete und Strom.
Kostenstellenrechnung: Sie ordnet Miete und Strom der Werkstatt und dem Verkaufsraum zu.
Kostenträgerrechnung: Sie berechnet, wie viel Kosten auf eine einzelne Klingel entfallen.
Interaktive Mindmap wird geladen ...
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Ein einfaches Rechenbeispiel
Jetzt wird aus den Begriffen eine Rechnung. Du brauchst dafür die gesamten Einzelkosten, die Gemeinkosten und die Stückzahl.
Stückkosten sind die Kosten für ein einzelnes Stück. Bei der Vollkostenrechnung enthalten sie Einzelkosten und anteilige Gemeinkosten.
Eine Schülerfirma produziert 50 Notizhefte.
Pro Heft fallen 1,20 Euro Papier und Bindung an. Das sind Einzelkosten pro Heft.
Für Raum, Strom und Druckernutzung fallen zusammen 40 Euro Gemeinkosten an.
Zuerst verteilst du die Gemeinkosten auf 50 Hefte:
Dann addierst du Einzelkosten und Gemeinkostenanteil:
Die Vollkosten betragen also 2,00 Euro pro Heft.
Wenn die Schülerfirma langfristig keinen Verlust machen will, muss der Verkaufspreis über 2,00 Euro liegen. Sollen zusätzlich Gewinn, Rabatte oder Steuern berücksichtigt werden, kommt noch mehr dazu.
Vollkosten pro Stück = Einzelkosten pro Stück + Gemeinkostenanteil pro Stück.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Preisuntergrenze und Selbstkosten
Die Vollkostenrechnung wird oft genutzt, um Preise besser einzuschätzen. Sie zeigt, welche Kosten ein Produkt langfristig mindestens einspielen sollte.
Selbstkosten sind die gesamten Kosten eines Produkts, bevor ein Gewinn aufgeschlagen wird. Sie umfassen zum Beispiel Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.
Preisuntergrenze bedeutet: Unter diesem Preis sollte ein Unternehmen auf Dauer nicht verkaufen, wenn es seine Kosten decken will. Bei der langfristigen Preisuntergrenze orientiert man sich an den Vollkosten.
Ein Betrieb stellt 100 Taschen her.
Die gesamten Kosten betragen 2800 Euro. Dazu gehören Material, Arbeitszeit, Miete, Lager und Verwaltung.
Die Selbstkosten betragen 28 Euro pro Tasche.
Verkauft der Betrieb jede Tasche für 28 Euro netto, deckt er genau seine Kosten. Gewinn entsteht erst bei einem höheren Preis.
Break-even-Point bedeutet Gewinnschwelle. Das ist der Punkt, an dem Erlöse und Kosten gleich hoch sind. Dann gibt es weder Gewinn noch Verlust.
Ein Stand hat 60 Euro fixe Kosten. Pro verkauftem Getränk bleiben nach den variablen Kosten 1,50 Euro übrig.
Nach 40 Getränken sind die fixen Kosten gedeckt. Ab dem nächsten Getränk entsteht Gewinn.
Die Vollkostenrechnung hilft besonders bei langfristiger Planung. Ein Unternehmen sieht, ob Preise die gesamten Kosten tragen können.
Interaktiver Lückentext wird geladen ...
Vorteile und Grenzen
Die Vollkostenrechnung ist beliebt, weil sie übersichtlich ist. Sie zwingt ein Unternehmen, alle Kosten zu beachten. Das ist wichtig, denn langfristig müssen auch Miete, Verwaltung, Maschinen und Werbung bezahlt werden.
Eine Firma verkauft Schreibtische.
Wenn sie nur Holz und Schrauben betrachtet, wirkt der Preis vielleicht sehr niedrig. Die Vollkostenrechnung erinnert daran, dass auch Maschinen, Lager und Büroarbeit bezahlt werden müssen.
Die Rechnung hat aber eine wichtige Grenze. Gemeinkosten werden oft mit Schlüsseln verteilt. Ein Verteilungsschlüssel ist eine Regel, nach der gemeinsame Kosten auf Produkte aufgeteilt werden, zum Beispiel nach Stückzahl, Arbeitsstunden oder Materialkosten.
Diese Verteilung ist nicht immer genau verursachungsgerecht. Verursachungsgerecht heißt: Ein Produkt bekommt nur die Kosten zugerechnet, die es wirklich ausgelöst hat.
Eine Werkstatt stellt einfache Hocker und aufwendige Schränke her.
Wenn die gesamte Miete nur nach Stückzahl verteilt wird, bekommt jeder Hocker denselben Mietanteil wie jeder Schrank. Das kann verzerren, wenn Schränke viel mehr Platz und Arbeitszeit brauchen.
Ein weiteres Problem sind fixe Kosten. Wenn weniger Stück produziert werden, steigt der fixe Kostenanteil pro Stück. Dadurch kann ein Produkt plötzlich teuer aussehen, obwohl sich die Miete gar nicht verändert hat.
Die Vollkostenrechnung ist stark für langfristige Kostenkontrolle. Für kurzfristige Entscheidungen kann sie täuschen, weil fixe Kosten verteilt werden.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung
Für manche Entscheidungen reicht die Vollkostenrechnung nicht aus. Dann vergleicht man sie mit der Teilkostenrechnung.
Teilkostenrechnung bedeutet: Es wird nur ein Teil der Kosten auf Produkte gerechnet, oft vor allem die variablen Kosten. Fixe Kosten werden nicht einfach vollständig auf jedes Produkt verteilt.
Eine Druckerei hat freie Maschinenzeit.
Ein Kunde fragt kurzfristig nach 200 zusätzlichen Flyern. Der Preis deckt Papier, Farbe und zusätzliche Arbeitszeit, aber nicht die vollen anteiligen Mietkosten.
Nach Vollkostenrechnung wirkt der Auftrag vielleicht zu billig. Nach Teilkostenrechnung kann er trotzdem sinnvoll sein, wenn die fixen Kosten ohnehin anfallen und der Auftrag einen Beitrag zu ihnen leistet.
Deckungsbeitrag bedeutet: Verkaufspreis minus variable Kosten. Er zeigt, wie viel ein Produkt zur Deckung der fixen Kosten und später zum Gewinn beiträgt.
Ein Getränk wird für 2,50 Euro verkauft. Die variablen Kosten für Becher, Getränk und Strohhalm betragen 1,10 Euro.
Der Deckungsbeitrag beträgt 1,40 Euro.
Merke dir den Unterschied so: Vollkostenrechnung schaut auf alle Kosten und ist eher langfristig. Teilkostenrechnung schaut auf veränderliche Kosten und hilft oft bei kurzfristigen Entscheidungen.
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Zusammenfassung
Die Vollkostenrechnung verteilt alle Kosten eines Unternehmens auf Produkte oder Dienstleistungen. Dadurch erkennst du, welche Kosten ein Produkt langfristig tragen muss.
Wichtige Bausteine sind Einzelkosten, Gemeinkosten, fixe Kosten und variable Kosten. Einzelkosten ordnest du direkt zu. Gemeinkosten verteilst du mit einem Schlüssel.
Der typische Ablauf besteht aus Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung. Am Ende stehen die Vollkosten oder Selbstkosten pro Stück.
Interaktive Lernkarten wird geladen ...
Interaktive Quizfrage wird geladen ...
Mit Google fortfahren