Wirtschaft

Vollkosten- und Teilkostenrechnung im Vergleich

Vollkosten- und Teilkostenrechnung im Vergleich
Vollkosten- und Teilkostenrechnung im Vergleich
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Die Vollkostenrechnung verteilt alle Kosten auf Produkte oder Dienstleistungen. Die Teilkostenrechnung berücksichtigt für kurzfristige Entscheidungen meist nur die variablen Kosten. Welche Rechnung passt, hängt deshalb vor allem von der Entscheidung und ihrem Zeithorizont ab.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Kosten aus zwei Blickwinkeln einordnen

Bevor du rechnest, musst du zwei verschiedene Fragen auseinanderhalten:

  1. Verändert sich der Betrag mit der Produktionsmenge?
  2. Lässt sich der Betrag einem bestimmten Produkt direkt zurechnen?
Definition

Fixe und variable Kosten

Fixkosten bleiben innerhalb des betrachteten Zeitraums trotz einer veränderten Produktionsmenge bestehen. Dazu kann eine Monatsmiete gehören.

Variable Kosten verändern sich mit der Produktionsmenge. Werden mehr Pizzen hergestellt, werden beispielsweise mehr Zutaten benötigt.

Definition

Einzel- und Gemeinkosten

Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger direkt zurechnen. Ein Kostenträger ist zum Beispiel ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Auftrag.

Gemeinkosten lassen sich einem einzelnen Kostenträger nicht unmittelbar zurechnen. Sie werden in der Vollkostenrechnung mithilfe von Schlüsseln oder Zuschlagssätzen verteilt.

Die beiden Einteilungen sind nicht deckungsgleich. Eine Kostenart kann beispielsweise variabel und trotzdem eine Gemeinkostenart sein. Umgekehrt können direkt zurechenbare Kosten im betrachteten Zeitraum fix sein.

Merke

Fix oder variabel beschreibt das Verhalten bei einer Mengenänderung. Einzel- oder Gemeinkosten beschreibt die Zurechenbarkeit zu einem Kostenträger.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Frage beantwortet die Einteilung in fixe und variable Kosten?
Lösung: Wie reagieren die Kosten auf eine Veränderung der Produktionsmenge? — Fixe und variable Kosten werden danach unterschieden, ob sie sich im betrachteten Zeitraum mit der Produktionsmenge verändern.
Frage 2 von 2MittelDie Verwaltung setzt zusätzliches Zeitpersonal nur bei Bedarf ein. Wie sind dessen Kosten einzuordnen?
Lösung: Sie können variabel und zugleich Gemeinkosten sein. — Die Kosten steigen mit dem Bedarf und können daher variabel sein. Sind sie keinem einzelnen Produkt direkt zurechenbar, bleiben sie Gemeinkosten.
Was die Vollkostenrechnung zeigt

Die Vollkostenrechnung bezieht sämtliche fixen und variablen Kosten ein. Ihr Ziel ist eine langfristige Beurteilung: Auf Dauer müssen die Erlöse alle Kosten des Unternehmens decken.

Typischerweise führt der Rechenweg über drei Stufen:

  1. Die Kostenartenrechnung erfasst, welche Kosten in welcher Höhe angefallen sind.
  2. Die Kostenstellenrechnung untersucht, wo die Gemeinkosten entstanden sind, und verteilt sie auf betriebliche Bereiche.
  3. Die Kostenträgerrechnung ordnet die Kosten den Produkten, Dienstleistungen oder Aufträgen zu.

Vereinfacht gilt:

$$\text{Vollkosten} = \text{Einzelkosten} + \text{zugerechnete Gemeinkosten}$$

Die Selbstkosten umfassen alle einem Kostenträger zugerechneten Kosten. Ein Preis in Höhe der Selbstkosten deckt bei der angenommenen Absatzmenge alle Kosten, enthält aber noch keinen Gewinn.

Gut zu wissen

Ein berechneter Vollkostenpreis ist nicht automatisch am Markt durchsetzbar. Gibt es bereits einen Marktpreis, dient die Vollkostenrechnung vor allem als Kontrollrechnung: Sie zeigt, ob das Geschäft bei diesem Preis langfristig tragfähig sein kann.

Mengenänderungen können das Bild verzerren

Werden Fixkosten auf Stücke verteilt, hängen die rechnerischen Stückkosten von der angenommenen Menge ab. Nimmt das Beispiel 80 Euro Gemeinkosten für den Tag als unverändert an, entstehen bei nur einer Pizza zusammen mit 2 Euro Zutaten Vollkosten von 82 Euro. Bei 50 Pizzen verteilen sich dieselben 80 Euro dagegen auf viele Stücke.

Die einzelne Pizza verursacht die gesamten Gemeinkosten nicht plötzlich allein. Die Verteilung macht lediglich sichtbar, welchen Anteil sie bei der gewählten Menge tragen soll.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum steigen die Vollkosten je Stück häufig, wenn die Produktionsmenge sinkt?
Lösung: Dieselben Fixkosten werden auf weniger Stücke verteilt. — Bei unveränderten Fixkosten vergrößert eine kleinere Stückzahl den zugerechneten Fixkostenanteil je Stück.
Was die Teilkostenrechnung zeigt

Bei einer verbreiteten Form der Teilkostenrechnung werden den Kostenträgern nur die variablen Kosten zugerechnet. Die Fixkosten bleiben zunächst als gemeinsamer Block bestehen.

Der Deckungsbeitrag zeigt, welcher Betrag nach Abzug der variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten verbleibt:

$$\text{Deckungsbeitrag je Stück} = \text{Nettoverkaufspreis je Stück} - \text{variable Kosten je Stück}$$

Für mehrere Stücke gilt:

$$\text{Gesamtdeckungsbeitrag} = \text{Deckungsbeitrag je Stück} \cdot \text{Absatzmenge}$$

Ein positiver Deckungsbeitrag ist noch kein Gewinn. Erst wenn die gesamten Deckungsbeiträge auch die Fixkosten übersteigen, entsteht ein positives Betriebsergebnis.

Die Gewinnschwelle oder der Break-even-Point lässt sich bei konstanten Werten so bestimmen:

$$\text{Break-even-Menge} = \frac{\text{Fixkosten}}{\text{Deckungsbeitrag je Stück}}$$

An der Gewinnschwelle sind Gesamterlös und Gesamtkosten gleich hoch.

Merke

Die Teilkostenrechnung beantwortet vor allem kurzfristige Fragen, wenn vorhandene Fixkosten durch die Entscheidung unverändert bleiben. Sie ersetzt keine langfristige Prüfung der vollständigen Kostendeckung.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWas bedeutet ein positiver Deckungsbeitrag?
Lösung: Der Verkauf deckt seine variablen Kosten und trägt zusätzlich zur Deckung der Fixkosten bei. — Ein positiver Deckungsbeitrag ist ein Beitrag zur Fixkostendeckung, aber noch kein Nachweis für Unternehmensgewinn.
Ein Pizzafall zeigt beide Rechnungen

Eine Pizzeria produziert täglich 50 Pizzen. Gegeben sind:

  • Miete: 60 Euro pro Tag
  • Heizkosten des Pizzaofens: 20 Euro pro Tag
  • Zutaten: 2 Euro je Pizza
Beispiel

Schritt 1: Gemeinkosten zusammenfassen

$$60\,€ + 20\,€ = 80\,€$$

Schritt 2: Gemeinkosten je Pizza berechnen

$$80\,€ : 50 = 1{,}60\,€$$

Schritt 3: Vollkosten je Pizza bestimmen

$$2\,€ + 1{,}60\,€ = 3{,}60\,€$$

Bei 50 Pizzen betragen die Vollkosten somit 3,60 Euro je Pizza. Ein dauerhaft angesetzter Preis muss langfristig alle Kosten berücksichtigen.

Nun fragt ein Kunde fünf zusätzliche Pizzen zu je 2,50 Euro an. Es wird angenommen, dass freie Kapazität vorhanden ist und keine zusätzlichen Fixkosten entstehen.

Beispiel

Deckungsbeitrag je zusätzlicher Pizza

$$2{,}50\,€ - 2{,}00\,€ = 0{,}50\,€$$

Gesamtdeckungsbeitrag des Zusatzauftrags

$$5 \cdot 0{,}50\,€ = 2{,}50\,€$$

Der Preis liegt unter den Vollkosten von 3,60 Euro, aber über den variablen Kosten von 2 Euro. Der Auftrag bringt deshalb kurzfristig einen zusätzlichen Deckungsbeitrag von 2,50 Euro.

Die kurzfristige Preisuntergrenze liegt in diesem vereinfachten Fall bei den variablen Kosten von 2 Euro je Pizza. Die langfristige Preisuntergrenze orientiert sich an den Vollkosten von 3,60 Euro je Pizza bei der angenommenen Menge.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Kunde bietet 1,80 Euro je zusätzlicher Pizza. Die variablen Kosten betragen 2 Euro. Was zeigt die Teilkostenrechnung?
Lösung: Jede zusätzliche Pizza würde einen negativen Deckungsbeitrag von 0,20 Euro erzeugen. — Der Deckungsbeitrag beträgt $1{,}80\,€ - 2{,}00\,€ = -0{,}20\,€$. Der Auftrag verschlechtert unter diesen Annahmen das Ergebnis.
Frage 2 von 2SchwerWann reicht ein positiver Deckungsbeitrag allein nicht für die Annahme eines Zusatzauftrags?
Lösung: Wenn beispielsweise Kapazität fehlt, zusätzliche Fixkosten entstehen oder reguläre Verkäufe verdrängt werden. — Die Rechnung muss zum Entscheidungsfall passen. Kapazität, zusätzliche Fixkosten und mögliche Folgewirkungen gehören deshalb ebenfalls zur Beurteilung.
Welches Verfahren passt zur Entscheidung?

Beide Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen:

EntscheidungPassender AusgangspunktBegründung
Langfristig tragfähiger PreisVollkostenrechnungAuf Dauer müssen variable und fixe Kosten gedeckt werden.
Kurzfristiger Zusatzauftrag bei freier KapazitätTeilkostenrechnungUnveränderte Fixkosten sind nicht entscheidungsrelevant; der zusätzliche Deckungsbeitrag steht im Mittelpunkt.
Vollständige Selbstkosten eines ProduktsVollkostenrechnungAlle zugerechneten Kosten werden einbezogen.
Beitrag eines Produkts zur FixkostendeckungTeilkostenrechnungDer Deckungsbeitrag wird sichtbar.

Typische Fehlentscheidungen vermeiden

Ein Produkt kann in der Vollkostenrechnung nach zugerechneten Gemeinkosten einen Verlust ausweisen und trotzdem einen positiven Deckungsbeitrag leisten. Wird es aus dem Sortiment entfernt, verschwinden seine Erlöse und variablen Kosten sofort. Die bisher zugerechneten Fixkosten bleiben möglicherweise bestehen und müssen dann von anderen Produkten getragen werden.

Umgekehrt darf ein Unternehmen dauerhaft nicht nur auf positive Deckungsbeiträge schauen. Reicht deren Summe nicht zur Deckung der Fixkosten, entsteht trotz positiver Stückdeckungsbeiträge ein Verlust.

Merke

Frage vor jeder Rechnung: Welche Kosten verändern sich durch genau diese Entscheidung? Prüfe danach zusätzlich, ob du kurzfristige Folgen oder die langfristige Tragfähigkeit beurteilen willst.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Produkt hat einen positiven Deckungsbeitrag, weist nach der Verteilung von Gemeinkosten aber einen Verlust aus. Darf es sofort gestrichen werden?
Lösung: Nein. Zuerst ist zu prüfen, welche Fixkosten durch die Streichung tatsächlich entfallen. — Für die Entscheidung sind die vermeidbaren Kosten und entfallenden Erlöse entscheidend. Eine reine Vollkostenbetrachtung kann hier irreführen.
Frage 2 von 2SchwerEin Betrieb plant ein neues Geschäftsmodell für mehrere Jahre. Welche Rechnung muss im Mittelpunkt stehen?
Lösung: Eine Vollkostenbetrachtung, ergänzt um Markt- und Entscheidungsinformationen. — Für die langfristige Tragfähigkeit müssen sämtliche Kosten berücksichtigt werden. Der Marktpreis und weitere Folgen bleiben trotzdem eigenständig zu prüfen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Vollkosten- und Teilkostenrechnung
    • Vollkostenrechnung: alle Kosten, langfristige Tragfähigkeit
    • Teilkostenrechnung: meist variable Kosten, kurzfristige Entscheidung
    • Deckungsbeitrag: Erlös minus variable Kosten
    • Preisuntergrenzen: kurzfristig variabel, langfristig vollständig
    • Verfahrenswahl: Zeithorizont und veränderte Kosten prüfen
    • Entscheidungsgrenzen: Markt, Kapazität und Folgewirkungen beachten
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Aussage vergleicht die beiden Verfahren richtig?
Lösung: Die Vollkostenrechnung betrachtet alle Kosten; die Teilkostenrechnung konzentriert sich meist auf variable Kosten. — Der unterschiedliche Kostenumfang erklärt, warum beide Verfahren verschiedene Entscheidungsfragen unterstützen.
Frage 2 von 4MittelEin Betrieb stellt 100 Hosen her. Die Einzelkosten betragen 20 Euro je Hose, die gesamten Gemeinkosten 1.200 Euro. Wie hoch sind die Vollkosten je Hose?
Lösung: 32 Euro — Die Einzelkosten betragen insgesamt $100 \cdot 20\,€ = 2.000\,€$. Zusammen mit 1.200 Euro Gemeinkosten entstehen 3.200 Euro Vollkosten. Geteilt durch 100 Hosen sind das 32 Euro je Hose.
Frage 3 von 4MittelEin Produkt wird für 14 Euro verkauft und verursacht variable Kosten von 9 Euro je Stück. Wie hoch ist sein Stückdeckungsbeitrag?
Lösung: 5 Euro — Der Stückdeckungsbeitrag beträgt $14\,€ - 9\,€ = 5\,€$.
Frage 4 von 4SchwerEin Zusatzauftrag bietet einen positiven Deckungsbeitrag. Welche Beurteilung ist vollständig?
Lösung: Der Auftrag kann kurzfristig sinnvoll sein, wenn Kapazität frei bleibt, keine entscheidungsbedingten Zusatzkosten übersehen werden und keine schädlichen Folgewirkungen entstehen. — Für kurzfristige Entscheidungen ist der zusätzliche Deckungsbeitrag wichtig. Er wird aber erst zusammen mit den Bedingungen des konkreten Falls zu einer belastbaren Entscheidung.

Du beherrschst den Kernvergleich, wenn du zuerst den Zeithorizont bestimmst, dann die entscheidungsrelevanten Kosten auswählst und das Rechenergebnis anschließend im betrieblichen Zusammenhang prüfst.

Passend dazu