Stell dir vor, eure Klasse verkauft Waffeln beim Schulfest. Ihr wollt wissen, welcher Preis sinnvoll ist. Dafür reicht es nicht, nur Mehl und Zucker zu zählen. Ihr müsst auch überlegen, ob Standgebühr, Strom oder feste Monatskosten mitgerechnet werden.
- Du kannst Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung unterscheiden.
- Du erklärst Einzelkosten, Gemeinkosten, variable Kosten und fixe Kosten.
- Du entscheidest, welches Verfahren zu einer kurzfristigen oder langfristigen Frage passt.
- Du berechnest einfache Vollkosten und einen einfachen Deckungsbeitrag.
Warum Unternehmen Kosten aufteilen
Wenn ein Unternehmen etwas herstellt, entstehen viele verschiedene Ausgaben. In der Kostenrechnung ordnet man diese Ausgaben so, dass man bessere Entscheidungen treffen kann. Eine Ausgabe ist allgemein Geld, das abfließt. Kosten sind der bewertete Verbrauch von Gütern oder Leistungen für die betriebliche Arbeit.
Kostenrechnung bedeutet: Ein Unternehmen untersucht, welche Kosten entstehen, wo sie entstehen und wofür sie entstehen.
Ein Bäcker kann zum Beispiel Mehl direkt einer Brotsorte zuordnen. Die Ladenmiete gehört aber nicht nur zu einem einzigen Brot. Genau hier beginnt die wichtige Trennung.
Eine Schülerfirma verkauft 100 Smoothies.
Bananen und Saft kosten 1 Euro pro Smoothie. Diese Kosten hängen direkt am einzelnen Smoothie.
Die Standgebühr auf dem Schulfest beträgt 50 Euro. Sie fällt für den ganzen Stand an, nicht für einen bestimmten Smoothie.
Kostenrechnung hilft dir nicht nur beim Rechnen. Sie hilft dir vor allem bei der Frage: Welche Entscheidung ist sinnvoll?
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Einzelkosten und Gemeinkosten
Ein erstes Ordnungssystem fragt: Kannst du Kosten direkt einem Produkt zuordnen? Einzelkosten sind Kosten, die du einem bestimmten Produkt direkt zurechnen kannst. Gemeinkosten sind Kosten, die mehrere Produkte gemeinsam verursachen und deshalb verteilt werden müssen.
Einzelkosten gehören direkt zu einem bestimmten Kostenträger.
Gemeinkosten gehören nicht direkt zu einem einzelnen Kostenträger, sondern zu mehreren Produkten, Abteilungen oder dem ganzen Betrieb.
Ein Kostenträger ist das Produkt oder die Dienstleistung, das am Ende die Kosten tragen soll.
Bei einer Pizza sind Teig, Tomatensoße und Käse meist Einzelkosten. Die Miete für die Pizzeria ist Gemeinkosten. Sie entsteht auch dann, wenn an einem Tag verschiedene Pizzen verkauft werden.
Eine Pizzeria verkauft Margherita und Salami.
Der Käse für die Margherita ist Einzelkosten der Margherita.
Die Miete für die Küche ist Gemeinkosten. Sie wird für beide Pizzasorten genutzt und muss deshalb mit einem Schlüssel verteilt werden.
Ein Verteilungsschlüssel ist eine vereinfachte Regel zur Aufteilung. Zum Beispiel: Gemeinkosten werden nach Stückzahl, Arbeitszeit oder Materialwert verteilt.
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Variable Kosten und fixe Kosten
Ein zweites Ordnungssystem fragt: Ändern sich Kosten, wenn mehr oder weniger produziert wird? Variable Kosten verändern sich mit der Menge. Fixe Kosten bleiben in einem bestimmten Zeitraum gleich, auch wenn die Menge schwankt.
Variable Kosten steigen oder sinken mit der hergestellten Menge.
Fixe Kosten bleiben innerhalb eines betrachteten Zeitraums gleich, obwohl sich die Menge ändern kann.
Wenn eine Pizzeria mehr Pizzen backt, braucht sie mehr Zutaten. Die Zutaten sind variable Kosten. Die Monatsmiete bleibt aber zunächst gleich. Sie ist fixe Kosten.
Eine Pizzeria zahlt 900 Euro Monatsmiete. Sie produziert im Monat 300 Pizzen oder 600 Pizzen.
Die Miete bleibt 900 Euro. Sie ist fix.
Die Zutatenkosten steigen mit jeder Pizza. Sie sind variabel.
Wichtig: Einzelkosten und variable Kosten sind nicht genau dasselbe. Oft sind Einzelkosten variabel, aber nicht immer. Eine Maschine kann zum Beispiel nur für ein bestimmtes Produkt gemietet werden. Dann ist die Miete direkt zurechenbar, aber für den Monat trotzdem fix.
Einzelkosten und Gemeinkosten fragen: Wem kann ich die Kosten zurechnen?
Variable und fixe Kosten fragen: Verändern sich die Kosten mit der Menge?
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Vollkostenrechnung: alle Kosten auf Produkte verteilen
Jetzt kommt das erste Verfahren. Die Vollkostenrechnung rechnet alle Kosten auf die Kostenträger. Also Einzelkosten und Gemeinkosten, variable und fixe Kosten.
Vollkostenrechnung bedeutet: Alle Kosten eines Unternehmens werden auf Produkte oder Dienstleistungen verteilt.
Die Idee ist langfristig sinnvoll. Ein Unternehmen muss auf Dauer nicht nur Zutaten oder Material bezahlen. Es muss auch Miete, Verwaltung, Maschinen, Gehälter und andere feste Kosten decken.
Eine Schülerfirma verkauft 100 Becher Limonade.
Variable Kosten pro Becher: 0,80 Euro
Fixe Kosten für Stand und Geräte: 40 Euro
Fixe Kosten pro Becher: \(40 : 100 = 0{,}40\) Euro
Vollkosten pro Becher: \(0{,}80 + 0{,}40 = 1{,}20\) Euro
Die Vollkostenrechnung sagt hier: Ein Becher sollte langfristig mindestens 1,20 Euro einbringen, damit alle Kosten gedeckt werden. Wenn die Schülerfirma dauerhaft weniger verlangt, fehlen ihr später Geld für Stand, Geräte oder Ersatzmaterial.
Vollkostenrechnung passt gut zu langfristigen Preisfragen: Decken wir auf Dauer alle Kosten?
Es gibt aber ein Problem. Fixe Kosten werden auf Stücke verteilt. Wenn weniger Stücke verkauft werden, werden die Fixkosten pro Stück rechnerisch höher. Das kann zu falschen Entscheidungen führen, wenn man kurzfristig denkt.
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Teilkostenrechnung: nur ein Teil der Kosten für die Entscheidung
Nun schaust du auf ein anderes Ziel. Manchmal fragt ein Unternehmen kurzfristig: Lohnt sich ein zusätzlicher Auftrag, wenn die festen Kosten sowieso schon entstehen? Dafür nutzt man die Teilkostenrechnung.
Teilkostenrechnung bedeutet: Nur ein Teil der Kosten wird direkt auf die Kostenträger gerechnet. Häufig sind das die variablen Kosten.
Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten vom Verkaufspreis übrig bleibt. Er hilft, fixe Kosten zu decken.
Die einfache Formel lautet: \(DB = p - k_v\). Dabei steht \(DB\) für Deckungsbeitrag, \(p\) für Verkaufspreis und \(k_v\) für variable Kosten pro Stück.
Wenn der Deckungsbeitrag positiv ist, bringt jedes zusätzliche Stück Geld zur Deckung der fixen Kosten. Das heißt nicht automatisch, dass das Unternehmen insgesamt Gewinn macht. Es heißt nur: Der Auftrag verbessert kurzfristig das Ergebnis, solange keine neuen fixen Kosten entstehen.
Die Schülerfirma hat den Stand schon bezahlt. Die fixen Kosten sind also für heute bereits da.
Ein Becher Limonade kostet variabel 0,80 Euro.
Ein Kunde bietet 1,00 Euro pro Becher für 20 zusätzliche Becher.
Deckungsbeitrag pro Becher: \(1{,}00 - 0{,}80 = 0{,}20\) Euro
Die 20 Becher bringen zusammen \(20 \cdot 0{,}20 = 4{,}00\) Euro zur Deckung der fixen Kosten.
Teilkostenrechnung passt gut zu kurzfristigen Entscheidungen: Bringt ein Auftrag zusätzlich etwas zur Deckung der fixen Kosten?
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Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung vergleichen
Beide Verfahren sind nützlich. Sie beantworten nur verschiedene Fragen. Die Vollkostenrechnung blickt stärker auf die langfristige Kostendeckung. Die Teilkostenrechnung blickt stärker auf kurzfristige Entscheidungen.
Ein Produkt hat variable Kosten von 6 Euro pro Stück. Die fixen Kosten betragen 400 Euro. Es werden 100 Stück geplant.
Fixkosten pro Stück in der Vollkostenrechnung: \(400 : 100 = 4\) Euro
Vollkosten pro Stück: \(6 + 4 = 10\) Euro
Ein Zusatzauftrag bietet 8 Euro pro Stück.
Nach Vollkosten sieht 8 Euro zu wenig aus, weil 8 Euro unter 10 Euro liegt.
Nach Teilkosten bringt jedes Stück aber einen Deckungsbeitrag von \(8 - 6 = 2\) Euro. Wenn keine zusätzlichen fixen Kosten entstehen, kann der Auftrag kurzfristig sinnvoll sein.
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Typische Entscheidungsfragen
In Klassenarbeiten geht es oft nicht nur um Definitionen. Du sollst erkennen, welches Verfahren zur Frage passt. Achte dabei auf Wörter wie kurzfristig, langfristig, Zusatzauftrag, Preisuntergrenze und Kostendeckung.
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Wenn eine Firma dauerhaft Preise festlegt, braucht sie die Vollkostenrechnung. Sonst übersieht sie fixe Kosten. Wenn eine Firma kurzfristig freie Kapazität nutzt, kann die Teilkostenrechnung helfen. Dann ist entscheidend, ob der Auftrag zusätzliche variable Kosten deckt und etwas zur Fixkostendeckung beiträgt.
Eine Preisuntergrenze ist ein Mindestpreis. Die kurzfristige Preisuntergrenze liegt oft bei den variablen Kosten. Die langfristige Preisuntergrenze muss alle Kosten decken.
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Zusammenfassung
Die Kostenrechnung hilft Unternehmen, Kosten zu ordnen und bessere Entscheidungen zu treffen. Einzelkosten lassen sich direkt einem Produkt zurechnen. Gemeinkosten müssen verteilt werden. Variable Kosten ändern sich mit der Menge, fixe Kosten bleiben kurzfristig gleich.
Die Vollkostenrechnung verteilt alle Kosten auf die Kostenträger. Sie ist wichtig für langfristige Preisplanung, weil auf Dauer alle Kosten gedeckt werden müssen. Die Teilkostenrechnung betrachtet meist die variablen Kosten und den Deckungsbeitrag. Sie hilft besonders bei kurzfristigen Entscheidungen, zum Beispiel bei Zusatzaufträgen.
Vollkostenrechnung fragt: Deckt der Preis langfristig alle Kosten?
Teilkostenrechnung fragt: Bringt der Auftrag kurzfristig einen positiven Deckungsbeitrag?
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