Vorwärtskalkulation: Verkaufspreis berechnen
Bei der Vorwärtskalkulation startest du mit dem Listeneinkaufspreis und rechnest Schritt für Schritt bis zum Verkaufspreis. Du ziehst Lieferantennachlässe ab, addierst Kosten und Gewinn, kalkulierst mögliche Kundennachlässe ein und schlägst zuletzt die Umsatzsteuer auf.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welcher Weg führt zum Angebotspreis?
Ein Handelsunternehmen kennt den Einkaufspreis einer Ware und möchte daraus einen Angebotspreis ableiten. Genau diese Rechenrichtung — vom Einkauf zum Verkauf — gibt der Vorwärtskalkulation ihren Namen. Sie heißt auch Angebotskalkulation.
Vorwärtskalkulation
Die Vorwärtskalkulation ist ein Verfahren der Handelskalkulation. Ausgangspunkt ist der Listeneinkaufspreis. Das Ziel ist ein Verkaufspreis, der die berücksichtigten Kosten und den geplanten Gewinn enthält.
Das Grundschema besteht aus drei Abschnitten:
| Abschnitt | Rechenweg | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bezugskalkulation | Listeneinkaufspreis − Lieferantenrabatt − Lieferantenskonto + Bezugskosten | Bezugspreis |
| Selbstkostenkalkulation | Bezugspreis + Handlungskosten | Selbstkosten |
| Verkaufskalkulation | Selbstkosten + Gewinn; Kundenskonto und Kundenrabatt einkalkulieren; Umsatzsteuer addieren | Bruttoverkaufspreis |
Die Bezeichnungen für einzelne Verkaufspreisstufen können je nach Aufgabe variieren. Entscheidend ist ihre Funktion: netto bedeutet ohne Umsatzsteuer, brutto bedeutet einschließlich Umsatzsteuer. Fehlt eine Position in der Aufgabe, lässt du genau diesen Schritt aus.
Einkaufspreis und Selbstkosten bestimmen
Lieferantenrabatt und Lieferantenskonto sind Abzüge. Du berechnest jeden Abzug von der Preisstufe, auf die sich sein Prozentsatz bezieht:
- Der Lieferantenrabatt bezieht sich auf den Listeneinkaufspreis.
- Das Lieferantenskonto bezieht sich auf den Zieleinkaufspreis.
- Bezugskosten wie Fracht werden anschließend als Betrag addiert.
Bezugspreis
Der Bezugspreis, auch Einstandspreis genannt, zeigt die Anschaffungskosten nach Lieferantennachlässen und zuzüglich Bezugskosten.
Ein kurzer Ausschnitt zeigt den Wechsel der Bezugsgröße:
Eine Ware hat einen Listeneinkaufspreis von 200,00 €. Der Lieferant gewährt 10 % Rabatt und 2 % Skonto. Die Bezugskosten betragen 3,60 €.
- Lieferantenrabatt: $200{,}00\,€ \cdot 0{,}10=20{,}00\,€$
- Zieleinkaufspreis: $200{,}00\,€-20{,}00\,€=180{,}00\,€$
- Lieferantenskonto: $180{,}00\,€ \cdot 0{,}02=3{,}60\,€$
- Bareinkaufspreis: $180{,}00\,€-3{,}60\,€=176{,}40\,€$
- Bezugspreis: $176{,}40\,€+3{,}60\,€=180{,}00\,€$
Das Skonto beträgt nicht 4,00 €, denn seine Basis ist der Zieleinkaufspreis von 180,00 € und nicht mehr der Listeneinkaufspreis.
Handlungskosten sind Gemeinkosten des Betriebs, zum Beispiel für Personal, Miete oder Verwaltung. In der Handelskalkulation werden sie meist mit einem Handlungskostenzuschlag auf den Bezugspreis gerechnet. So entstehen die Selbstkosten.
$$\text{Selbstkosten}=\text{Bezugspreis}+\text{Handlungskosten}$$
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Der Lieferantenrabatt wird vom berechnet. Das Lieferantenskonto bezieht sich danach auf den . Zum Bareinkaufspreis werden die addiert. Handlungskosten führen vom Bezugspreis zu den .
Kundennachlässe richtig einkalkulieren
Nach den Selbstkosten wird der Gewinn vom Hundert aufgeschlagen. Bei 120,00 € Selbstkosten und 20 % Gewinn gilt:
$$120{,}00\,€ \cdot 1{,}20=144{,}00\,€$$
Der entstehende Preis heißt Barverkaufspreis. Kundenskonto und Kundenrabatt funktionieren in der Vorwärtsrichtung anders: Der bereits erreichte niedrigere Preis soll nach dem späteren Abzug noch übrig bleiben.
Wenn ein Kunde 10 % Skonto abziehen darf, entsprechen 90 % des Zielverkaufspreises dem benötigten Barverkaufspreis. Deshalb teilst du durch den verbleibenden Prozentsatz:
$$\text{Zielverkaufspreis}=\frac{\text{Barverkaufspreis}}{1-\frac{s}{100}}$$
Bei einem Barverkaufspreis von 144,00 € und 10 % Kundenskonto ergibt sich:
$$144{,}00\,€ \div 0{,}90=160{,}00\,€$$
Ein anschließender Kundenrabatt von 20 % bedeutet: Der Zielverkaufspreis entspricht 80 % des Netto-Listenverkaufspreises.
$$160{,}00\,€ \div 0{,}80=200{,}00\,€$$
Erst auf den Nettopreis wird die Umsatzsteuer aufgeschlagen. Bei 19 % sind das $200{,}00\,€ \cdot 0{,}19=38{,}00\,€$; der Bruttoverkaufspreis beträgt 238,00 €.
Lieferantennachlässe ziehst du von einer bekannten höheren Preisstufe ab. Kundennachlässe kalkulierst du vorwärts ein, indem du durch den verbleibenden Prozentsatz teilst: bei 10 % durch 0,90, bei 20 % durch 0,80.
Wenn eine Kalkulationsposition fehlt
Nicht jede Aufgabe enthält Skonto, Kundenrabatt oder Vertreterprovision. Du darfst fehlende Sätze weder schätzen noch automatisch ergänzen. Du lässt die Position aus und gehst mit dem unveränderten Betrag zur nächsten Stufe.
Ein Händler vergleicht ein Angebot für 100 Geräte. Je Stück gelten 70,40 € Listeneinkaufspreis, 10 % Lieferantenrabatt, 3 % Lieferantenskonto und 1,50 € Bezugskosten. Handlungskosten: 35 %, Gewinn: 15 %, Umsatzsteuer: 19 %. Kundennachlässe sind nicht vorgesehen. Auf Cent gerundet ergibt sich:
| Stufe | Rechnung | Betrag je Stück |
|---|---|---|
| Listeneinkaufspreis | gegeben | 70,40 € |
| Zieleinkaufspreis | 70,40 € − 7,04 € | 63,36 € |
| Bareinkaufspreis | 63,36 € − 1,90 € | 61,46 € |
| Bezugspreis | 61,46 € + 1,50 € | 62,96 € |
| Selbstkosten | 62,96 € + 22,04 € | 85,00 € |
| Nettoverkaufspreis | 85,00 € + 12,75 € | 97,75 € |
| Bruttoverkaufspreis | 97,75 € + 18,57 € | 116,32 € |
Weil keine Kundennachlässe angegeben sind, führt der Gewinnzuschlag hier direkt zum Nettoverkaufspreis. Das ist kein Rechenfehler, sondern eine verkürzte Kalkulation.
Eine vollständige Vorwärtskalkulation selbst lösen
Nun rechnest du alle wichtigen Stufen in einem neuen Fall. Runde Geldbeträge auf Cent, falls mehr als zwei Nachkommastellen entstehen.
Aufgabe: Gegeben sind 200,00 € Listeneinkaufspreis, 10 % Lieferantenrabatt, 2 % Lieferantenskonto, 3,60 € Bezugskosten, 20 % Handlungskosten, 25 % Gewinn, 10 % Kundenskonto, 25 % Kundenrabatt und 19 % Umsatzsteuer. Bestimme Bezugspreis, Selbstkosten, Barverkaufspreis und Bruttoverkaufspreis.
Lösung zum Nachrechnen
| Stufe | Betrag |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis | 200,00 € |
| − 10 % Lieferantenrabatt | 20,00 € |
| Zieleinkaufspreis | 180,00 € |
| − 2 % Lieferantenskonto | 3,60 € |
| Bareinkaufspreis | 176,40 € |
| + Bezugskosten | 3,60 € |
| Bezugspreis | 180,00 € |
| + 20 % Handlungskosten | 36,00 € |
| Selbstkosten | 216,00 € |
| + 25 % Gewinn | 54,00 € |
| Barverkaufspreis | 270,00 € |
| Zielverkaufspreis: 270,00 € ÷ 0,90 | 300,00 € |
| Netto-Listenverkaufspreis: 300,00 € ÷ 0,75 | 400,00 € |
| + 19 % Umsatzsteuer | 76,00 € |
| Bruttoverkaufspreis | 476,00 € |
Wann passt die Vorwärtskalkulation?
Die Vorwärtskalkulation passt, wenn der Einkaufspreis bekannt ist und du daraus einen Angebotspreis ableiten möchtest. Sie macht sichtbar, welcher Preis unter den eingesetzten Kostensätzen und dem geplanten Gewinn entsteht.
Ist dagegen der Verkaufspreis durch Markt oder Konkurrenz weitgehend vorgegeben, beginnt die Rückwärtskalkulation am Verkaufspreis. Sie ermittelt rückwärts, welcher Einkaufspreis höchstens tragbar ist. Die Differenzkalkulation untersucht den Spielraum zwischen bekannten Preisstufen.
Eine korrekt gerechnete Vorwärtskalkulation garantiert nicht, dass Kundinnen und Kunden den Preis akzeptieren. Sie zeigt einen rechnerischen Angebotspreis unter den gewählten Annahmen. Deshalb muss das Unternehmen das Ergebnis zusätzlich mit der Marktsituation vergleichen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Vorwärtskalkulation
- Einkauf
- Lieferantenrabatt und Lieferantenskonto abziehen
- Bezugskosten addieren
- Kosten und Gewinn
- Handlungskosten führen zu Selbstkosten
- Gewinn führt zum Barverkaufspreis
- Verkauf
- Kundennachlässe durch Division einkalkulieren
- Umsatzsteuer führt von netto zu brutto
- Einordnung
- Ergebnis hängt von den Annahmen ab
- Marktakzeptanz zusätzlich prüfen
- Einkauf
Mit Google fortfahren