Wirtschaft

Zuschlagskalkulation: Selbstkosten berechnen

Zuschlagskalkulation: Selbstkosten berechnen
Zuschlagskalkulation: Selbstkosten berechnen
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Bei der Zuschlagskalkulation rechnest du Einzelkosten direkt und Gemeinkosten über Zuschlagssätze einem Produkt oder Auftrag zu. So ermittelst du schrittweise die Herstellkosten und schließlich die Selbstkosten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Einzelkosten direkt, Gemeinkosten über Zuschläge

Ein Unternehmen möchte wissen, welche Kosten ein bestimmtes Produkt verursacht. Dieses Produkt ist der Kostenträger.

Definition

Einzelkosten

Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger unmittelbar zurechnen. Dazu können das verarbeitete Material oder direkt zuordenbare Fertigungslöhne gehören.

Definition

Gemeinkosten

Gemeinkosten fallen für mehrere Kostenträger gemeinsam an. Beispiele sind Miete, Verwaltung, Werbung oder gemeinsam genutzter Strom. Sie werden mithilfe geeigneter Bezugsgrößen verteilt.

Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) verteilt Gemeinkosten zunächst auf Kostenstellen wie Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Daraus lassen sich die Zuschlagssätze für die differenzierende Kalkulation ableiten.

Beispiel

Das Holz für einen bestimmten Tisch ist direkt zurechenbar und damit Einzelkosten. Die Miete der Werkhalle betrifft dagegen viele Produkte. Sie gehört zu den Gemeinkosten und muss verteilt werden.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Kosten lassen sich einem einzelnen Auftrag direkt zurechnen?
Lösung: Einzelkosten — Entscheidend ist die direkte Zurechenbarkeit zum betrachteten Produkt oder Auftrag.
Einen Zuschlagssatz berechnen und anwenden

Ein Zuschlagssatz setzt die zu verteilenden Gemeinkosten ins Verhältnis zu einer passenden Bezugsgröße:

$$Zuschlagssatz\ in\ \% = Gemeinkosten / Bezugsgröße · 100$$

Für einen einzelnen Kostenträger gilt anschließend:

$$Gemeinkostenanteil = Bezugsgröße\ des\ Kostenträgers · Zuschlagssatz$$

Setze einen Prozentsatz beim Multiplizieren als Dezimalzahl ein: 200 % entsprechen dem Faktor 2,00.

Beispiel

Ein Betrieb verteilt insgesamt 2.300 € Gemeinkosten auf Produkte mit zusammen 1.150 € Einzelkosten.

  1. Zuschlagssatz bestimmen:

$$2.300\ € / 1.150\ € · 100 = 200\ \%$$

  1. Produkt 1 besitzt Einzelkosten von 7 € je Stück:

$$7\ € · 200\ \% = 7\ € · 2 = 14\ €$$

  1. Vereinfachte Gesamtkosten je Stück:

$$7\ € + 14\ € = 21\ €$$

Der Quotient 2 bedeutet hier 200 %, nicht 2 %. Der Prozentwert entsteht durch die Multiplikation mit 100.

Merke

Nenner und Zuschlagsbasis müssen dieselbe Größe bezeichnen. Ein Zuschlag auf Fertigungslöhne darf nicht versehentlich auf die gesamten Einzelkosten angewandt werden.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin Zuschlagssatz beträgt 150 %. Die Bezugsgröße eines Produkts beträgt 20 €. Wie hoch ist sein Gemeinkostenanteil?
Lösung: 30 € — Rechne 20 € · 1,5 = 30 €.
Von Materialkosten zu Selbstkosten

Bei der summarischen Zuschlagskalkulation werden sämtliche Gemeinkosten mit einem einzigen Satz verteilt. Das ist einfach, aber nur sinnvoll, wenn die Produkte Gemeinkosten in einem vergleichbaren Verhältnis verursachen.

Die differenzierende Zuschlagskalkulation verwendet mehrere Zuschlagssätze. Dadurch können unterschiedliche Kostenbereiche passendere Bezugsgrößen erhalten.

Das Grundschema lautet:

RechenschrittErgebnis
Materialeinzelkosten + MaterialgemeinkostenMaterialkosten
Fertigungseinzelkosten + Fertigungsgemeinkosten + Sondereinzelkosten der FertigungFertigungskosten
Materialkosten + FertigungskostenHerstellkosten
Herstellkosten + Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten + Sondereinzelkosten des VertriebsSelbstkosten

Typische Zuschlagssätze sind:

$$Materialgemeinkostenzuschlag = Materialgemeinkosten / Materialeinzelkosten · 100$$

$$Fertigungsgemeinkostenzuschlag = Fertigungsgemeinkosten / Fertigungseinzelkosten · 100$$

Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden häufig als Zuschläge auf die Herstellkosten berechnet.

Merke

Herstellkosten umfassen Material und Fertigung. Selbstkosten enthalten zusätzlich die einbezogenen Verwaltungs- und Vertriebskosten. Selbstkosten sind noch kein endgültiger Verkaufspreis.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Materialeinzelkosten plus ergeben die Materialkosten. Materialkosten plus ergeben die Herstellkosten. Erst durch weitere Verwaltungs- und Vertriebskosten entstehen die .

Lösungen: Lücke 1: Materialgemeinkosten; Lücke 2: Fertigungskosten; Lücke 3: Selbstkosten. Prüfe die Reihenfolge: Materialkosten und Fertigungskosten führen zu Herstellkosten; danach folgen Verwaltung und Vertrieb.
Eine vollständige Stückkalkulation durchführen

Ein Produkt verursacht folgende Kosten je Stück:

  • Materialeinzelkosten: 35,00 €
  • Materialgemeinkostenzuschlag: 13 %
  • Zuschnitt: 0,25 Stunden zu 15 €/Stunde; Fertigungsgemeinkostenzuschlag 320 %
  • Bearbeitung: 0,50 Stunden zu 17 €/Stunde; Zuschlag 420 %
  • Montage: 0,35 Stunden zu 16 €/Stunde; Zuschlag 380 %
  • Montagevorrichtung: 4.500 € für erwartete 1.000 Stück
  • Verwaltungsgemeinkosten: 8 % der Herstellkosten
  • Vertriebsgemeinkosten: 11 % der Herstellkosten
Beispiel

Schritt 1: Materialkosten

Materialgemeinkosten:

$$35,00\ € · 0,13 = 4,55\ €$$

Materialkosten:

$$35,00\ € + 4,55\ € = 39,55\ €$$

Schritt 2: Fertigungskosten

FertigungsbereichFertigungslohnGemeinkosten
Zuschnitt0,25 · 15 € = 3,75 €3,75 € · 3,20 = 12,00 €
Bearbeitung0,50 · 17 € = 8,50 €8,50 € · 4,20 = 35,70 €
Montage0,35 · 16 € = 5,60 €5,60 € · 3,80 = 21,28 €

Die Montagevorrichtung ist diesem Produkt direkt zurechenbar:

$$4.500\ € / 1.000 = 4,50\ €\ je\ Stück$$

Damit betragen die Fertigungskosten:

$$3,75 + 12,00 + 8,50 + 35,70 + 5,60 + 21,28 + 4,50 = 91,33\ €$$

Schritt 3: Herstellkosten

$$39,55\ € + 91,33\ € = 130,88\ €$$

Schritt 4: Selbstkosten

Verwaltungsgemeinkosten, auf Cent gerundet:

$$130,88\ € · 0,08 = 10,47\ €$$

Vertriebsgemeinkosten, auf Cent gerundet:

$$130,88\ € · 0,11 = 14,40\ €$$

Selbstkosten:

$$130,88\ € + 10,47\ € + 14,40\ € = 155,75\ €$$

Das Produkt verursacht nach dieser Vollkostenkalkulation Selbstkosten von 155,75 € je Stück.

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Frage 1 von 1MittelWarum werden die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten im Beispiel mit 130,88 € berechnet?
Lösung: Weil 130,88 € die Herstellkosten als festgelegte Bezugsgröße sind. — Die Bezugsgröße muss zum jeweiligen Zuschlagssatz passen. Hier sind es die Herstellkosten.
Bezugsgrößen auswählen und Grenzen erkennen

Eine Zuschlagskalkulation ist nur so aussagekräftig wie ihre Bezugsgrößen. Eine gute Bezugsgröße hängt möglichst eng mit der Entstehung der jeweiligen Gemeinkosten zusammen.

Bei einer lohnintensiven Fertigung können Fertigungslöhne eine brauchbare Basis sein. Mit zunehmender Automatisierung sinkt jedoch häufig der Lohnanteil, während maschinenabhängige Gemeinkosten steigen. Ein Zuschlag auf die kleine Lohnbasis kann dann extrem hoch und wenig verursachungsgerecht werden.

Für maschinenabhängige Kosten kann die Maschinenlaufzeit geeigneter sein:

$$Maschinenstundensatz = maschinenabhängige\ Gemeinkosten / Maschinenstunden$$

Beispiel

Eine Maschine verursacht jährlich 50.000 GE Fertigungsgemeinkosten und läuft 1.600 Stunden.

$$50.000\ GE / 1.600\ h = 31,25\ GE/h$$

Ein Produkt beansprucht die Maschine fünf Stunden:

$$31,25\ GE/h · 5\ h = 156,25\ GE$$

Bei 1.000 GE Einzelkosten ergeben sich in dieser vereinfachten Rechnung Herstellkosten von 1.156,25 GE.

Auch eine differenzierende Kalkulation verteilt Kosten nur nach gewählten Schlüsseln. Sie beweist nicht automatisch, dass ein Produkt jede zugerechnete Kostenposition tatsächlich verursacht hat. Besonders bei heterogenen Produkten kann ein einheitlicher Zuschlag einfache Produkte zu hoch und aufwendige Sonderprodukte zu niedrig belasten.

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Frage 1 von 1SchwerIn einem hochautomatisierten Betrieb sind die Fertigungslöhne niedrig, die Maschinenkosten aber hoch. Welche Basis passt eher zu den maschinenabhängigen Kosten?
Lösung: Beanspruchte Maschinenstunden — Wähle eine Bezugsgröße, die möglichst eng mit der Kostenentstehung zusammenhängt.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zuschlagskalkulation
    • Einzelkosten: direkte Zurechnung
    • Gemeinkosten: Verteilung über Zuschlagssätze
    • Materialkosten: Einzelkosten plus Materialgemeinkosten
    • Fertigungskosten: Fertigungseinzelkosten plus Fertigungsgemeinkosten
    • Herstellkosten: Materialkosten plus Fertigungskosten
    • Selbstkosten: Herstellkosten plus Verwaltung und Vertrieb
    • Aussagekraft: abhängig von geeigneten Bezugsgrößen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Größe entsteht aus Materialkosten und Fertigungskosten?
Lösung: Herstellkosten — Materialkosten plus Fertigungskosten ergeben die Herstellkosten.
Frage 2 von 4MittelEin Produkt hat 50 € Materialeinzelkosten und einen Materialgemeinkostenzuschlag von 10 %. Wie hoch sind seine Materialkosten?
Lösung: 55 € — Die Materialgemeinkosten betragen 50 € · 0,10 = 5 €. Zusammen ergeben sich 55 € Materialkosten.
Frage 3 von 4MittelEin Produkt hat 55 € Materialkosten und 40 € Fertigungskosten. Verwaltung und Vertrieb betragen jeweils 5 % der Herstellkosten. Wie hoch sind die Selbstkosten?
Lösung: 104,50 € — Die Herstellkosten betragen 55 € + 40 € = 95 €. Je 5 % entsprechen 4,75 €. Deshalb gilt: 95 € + 4,75 € + 4,75 € = 104,50 €.
Frage 4 von 4SchwerZwei Produkte nutzen Maschinen sehr unterschiedlich, besitzen aber ähnliche Fertigungslöhne. Warum kann ein gemeinsamer Lohnzuschlag problematisch sein?
Lösung: Er bildet die unterschiedliche Maschinenbeanspruchung möglicherweise nicht ab. — Eine Bezugsgröße sollte die Kostenentstehung möglichst gut abbilden. Bei unterschiedlicher Maschinennutzung können Maschinenstunden geeigneter sein.

Prüfe bei jeder Kalkulation zum Schluss: Stimmen Bezugsgröße und Zuschlag zusammen, wurden Prozentwerte korrekt umgerechnet und sind Herstellkosten und Selbstkosten klar getrennt?

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