Zuschlagskalkulation: Selbstkosten berechnen
Bei der Zuschlagskalkulation rechnest du Einzelkosten direkt und Gemeinkosten über Zuschlagssätze einem Produkt oder Auftrag zu. So ermittelst du schrittweise die Herstellkosten und schließlich die Selbstkosten.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Einzelkosten direkt, Gemeinkosten über Zuschläge
Ein Unternehmen möchte wissen, welche Kosten ein bestimmtes Produkt verursacht. Dieses Produkt ist der Kostenträger.
Einzelkosten
Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger unmittelbar zurechnen. Dazu können das verarbeitete Material oder direkt zuordenbare Fertigungslöhne gehören.
Gemeinkosten
Gemeinkosten fallen für mehrere Kostenträger gemeinsam an. Beispiele sind Miete, Verwaltung, Werbung oder gemeinsam genutzter Strom. Sie werden mithilfe geeigneter Bezugsgrößen verteilt.
Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) verteilt Gemeinkosten zunächst auf Kostenstellen wie Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Daraus lassen sich die Zuschlagssätze für die differenzierende Kalkulation ableiten.
Das Holz für einen bestimmten Tisch ist direkt zurechenbar und damit Einzelkosten. Die Miete der Werkhalle betrifft dagegen viele Produkte. Sie gehört zu den Gemeinkosten und muss verteilt werden.
Einen Zuschlagssatz berechnen und anwenden
Ein Zuschlagssatz setzt die zu verteilenden Gemeinkosten ins Verhältnis zu einer passenden Bezugsgröße:
$$Zuschlagssatz\ in\ \% = Gemeinkosten / Bezugsgröße · 100$$
Für einen einzelnen Kostenträger gilt anschließend:
$$Gemeinkostenanteil = Bezugsgröße\ des\ Kostenträgers · Zuschlagssatz$$
Setze einen Prozentsatz beim Multiplizieren als Dezimalzahl ein: 200 % entsprechen dem Faktor 2,00.
Ein Betrieb verteilt insgesamt 2.300 € Gemeinkosten auf Produkte mit zusammen 1.150 € Einzelkosten.
- Zuschlagssatz bestimmen:
$$2.300\ € / 1.150\ € · 100 = 200\ \%$$
- Produkt 1 besitzt Einzelkosten von 7 € je Stück:
$$7\ € · 200\ \% = 7\ € · 2 = 14\ €$$
- Vereinfachte Gesamtkosten je Stück:
$$7\ € + 14\ € = 21\ €$$
Der Quotient 2 bedeutet hier 200 %, nicht 2 %. Der Prozentwert entsteht durch die Multiplikation mit 100.
Nenner und Zuschlagsbasis müssen dieselbe Größe bezeichnen. Ein Zuschlag auf Fertigungslöhne darf nicht versehentlich auf die gesamten Einzelkosten angewandt werden.
Von Materialkosten zu Selbstkosten
Bei der summarischen Zuschlagskalkulation werden sämtliche Gemeinkosten mit einem einzigen Satz verteilt. Das ist einfach, aber nur sinnvoll, wenn die Produkte Gemeinkosten in einem vergleichbaren Verhältnis verursachen.
Die differenzierende Zuschlagskalkulation verwendet mehrere Zuschlagssätze. Dadurch können unterschiedliche Kostenbereiche passendere Bezugsgrößen erhalten.
Das Grundschema lautet:
| Rechenschritt | Ergebnis |
|---|---|
| Materialeinzelkosten + Materialgemeinkosten | Materialkosten |
| Fertigungseinzelkosten + Fertigungsgemeinkosten + Sondereinzelkosten der Fertigung | Fertigungskosten |
| Materialkosten + Fertigungskosten | Herstellkosten |
| Herstellkosten + Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten + Sondereinzelkosten des Vertriebs | Selbstkosten |
Typische Zuschlagssätze sind:
$$Materialgemeinkostenzuschlag = Materialgemeinkosten / Materialeinzelkosten · 100$$
$$Fertigungsgemeinkostenzuschlag = Fertigungsgemeinkosten / Fertigungseinzelkosten · 100$$
Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden häufig als Zuschläge auf die Herstellkosten berechnet.
Herstellkosten umfassen Material und Fertigung. Selbstkosten enthalten zusätzlich die einbezogenen Verwaltungs- und Vertriebskosten. Selbstkosten sind noch kein endgültiger Verkaufspreis.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Materialeinzelkosten plus ergeben die Materialkosten. Materialkosten plus ergeben die Herstellkosten. Erst durch weitere Verwaltungs- und Vertriebskosten entstehen die .
Eine vollständige Stückkalkulation durchführen
Ein Produkt verursacht folgende Kosten je Stück:
- Materialeinzelkosten: 35,00 €
- Materialgemeinkostenzuschlag: 13 %
- Zuschnitt: 0,25 Stunden zu 15 €/Stunde; Fertigungsgemeinkostenzuschlag 320 %
- Bearbeitung: 0,50 Stunden zu 17 €/Stunde; Zuschlag 420 %
- Montage: 0,35 Stunden zu 16 €/Stunde; Zuschlag 380 %
- Montagevorrichtung: 4.500 € für erwartete 1.000 Stück
- Verwaltungsgemeinkosten: 8 % der Herstellkosten
- Vertriebsgemeinkosten: 11 % der Herstellkosten
Schritt 1: Materialkosten
Materialgemeinkosten:
$$35,00\ € · 0,13 = 4,55\ €$$
Materialkosten:
$$35,00\ € + 4,55\ € = 39,55\ €$$
Schritt 2: Fertigungskosten
| Fertigungsbereich | Fertigungslohn | Gemeinkosten |
|---|---|---|
| Zuschnitt | 0,25 · 15 € = 3,75 € | 3,75 € · 3,20 = 12,00 € |
| Bearbeitung | 0,50 · 17 € = 8,50 € | 8,50 € · 4,20 = 35,70 € |
| Montage | 0,35 · 16 € = 5,60 € | 5,60 € · 3,80 = 21,28 € |
Die Montagevorrichtung ist diesem Produkt direkt zurechenbar:
$$4.500\ € / 1.000 = 4,50\ €\ je\ Stück$$
Damit betragen die Fertigungskosten:
$$3,75 + 12,00 + 8,50 + 35,70 + 5,60 + 21,28 + 4,50 = 91,33\ €$$
Schritt 3: Herstellkosten
$$39,55\ € + 91,33\ € = 130,88\ €$$
Schritt 4: Selbstkosten
Verwaltungsgemeinkosten, auf Cent gerundet:
$$130,88\ € · 0,08 = 10,47\ €$$
Vertriebsgemeinkosten, auf Cent gerundet:
$$130,88\ € · 0,11 = 14,40\ €$$
Selbstkosten:
$$130,88\ € + 10,47\ € + 14,40\ € = 155,75\ €$$
Das Produkt verursacht nach dieser Vollkostenkalkulation Selbstkosten von 155,75 € je Stück.
Bezugsgrößen auswählen und Grenzen erkennen
Eine Zuschlagskalkulation ist nur so aussagekräftig wie ihre Bezugsgrößen. Eine gute Bezugsgröße hängt möglichst eng mit der Entstehung der jeweiligen Gemeinkosten zusammen.
Bei einer lohnintensiven Fertigung können Fertigungslöhne eine brauchbare Basis sein. Mit zunehmender Automatisierung sinkt jedoch häufig der Lohnanteil, während maschinenabhängige Gemeinkosten steigen. Ein Zuschlag auf die kleine Lohnbasis kann dann extrem hoch und wenig verursachungsgerecht werden.
Für maschinenabhängige Kosten kann die Maschinenlaufzeit geeigneter sein:
$$Maschinenstundensatz = maschinenabhängige\ Gemeinkosten / Maschinenstunden$$
Eine Maschine verursacht jährlich 50.000 GE Fertigungsgemeinkosten und läuft 1.600 Stunden.
$$50.000\ GE / 1.600\ h = 31,25\ GE/h$$
Ein Produkt beansprucht die Maschine fünf Stunden:
$$31,25\ GE/h · 5\ h = 156,25\ GE$$
Bei 1.000 GE Einzelkosten ergeben sich in dieser vereinfachten Rechnung Herstellkosten von 1.156,25 GE.
Auch eine differenzierende Kalkulation verteilt Kosten nur nach gewählten Schlüsseln. Sie beweist nicht automatisch, dass ein Produkt jede zugerechnete Kostenposition tatsächlich verursacht hat. Besonders bei heterogenen Produkten kann ein einheitlicher Zuschlag einfache Produkte zu hoch und aufwendige Sonderprodukte zu niedrig belasten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Zuschlagskalkulation
- Einzelkosten: direkte Zurechnung
- Gemeinkosten: Verteilung über Zuschlagssätze
- Materialkosten: Einzelkosten plus Materialgemeinkosten
- Fertigungskosten: Fertigungseinzelkosten plus Fertigungsgemeinkosten
- Herstellkosten: Materialkosten plus Fertigungskosten
- Selbstkosten: Herstellkosten plus Verwaltung und Vertrieb
- Aussagekraft: abhängig von geeigneten Bezugsgrößen
Abschluss-Check
Prüfe bei jeder Kalkulation zum Schluss: Stimmen Bezugsgröße und Zuschlag zusammen, wurden Prozentwerte korrekt umgerechnet und sind Herstellkosten und Selbstkosten klar getrennt?
Mit Google fortfahren