Populationsökologie: Wachstum und Regulation
Die Populationsökologie untersucht, wie groß und wie aufgebaut Populationen sind, wie sie sich verändern und welche Umweltfaktoren darauf wirken. Du lernst, Veränderungen zu bilanzieren, Regulationsfaktoren zu unterscheiden und Wachstumsmodelle kritisch anzuwenden.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Welche Merkmale beschreiben eine Population?
Stell dir alle Rehe in einem bestimmten Wald vor. Sie gehören derselben Art an, leben im selben Gebiet und können sich untereinander fortpflanzen. Zusammen bilden sie eine Population.
Population
Eine Population ist eine Gruppe von Individuen derselben Art, die im selben Gebiet lebt und sich fortpflanzen kann.
Die Populationsökologie betrachtet unter anderem:
- die Populationsgröße: Anzahl aller Individuen;
- die Populationsdichte: Anzahl der Individuen bezogen auf eine Fläche oder einen Raum;
- die räumliche Verteilung;
- den Altersaufbau und das Geschlechterverhältnis;
- Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Verhalten.
In einem abgegrenzten Waldstück leben 120 Rehe. Die Zahl 120 gibt die Populationsgröße an. Erst wenn zusätzlich die Fläche bekannt ist, lässt sich daraus eine Populationsdichte bestimmen.
Populationsökologie wird auch Demökologie genannt. Sie unterscheidet sich von der Autökologie, die eine einzelne Art in Beziehung zu ihrer Umwelt betrachtet, und von der Synökologie, die Gemeinschaften verschiedener Arten untersucht.
Wodurch wächst oder schrumpft eine Population?
Vier Vorgänge verändern die Populationsgröße innerhalb eines festgelegten Zeitraums:
- Geburten erhöhen die Anzahl.
- Sterbefälle verringern die Anzahl.
- Einwanderung erhöht die Anzahl.
- Auswanderung verringert die Anzahl.
Mit $N$ als Populationsgröße kann die Veränderung so bilanziert werden:
$$\Delta N = B - D + I - E$$
Dabei stehen $B$ für Geburten, $D$ für Sterbefälle, $I$ für Einwanderung und $E$ für Auswanderung. Die Größen müssen sich auf denselben Zeitraum beziehen.
Eine Population wächst, wenn Zugänge durch Geburten und Einwanderung größer sind als Verluste durch Sterbefälle und Auswanderung.
Eine Rehpopulation umfasst zu Jahresbeginn 120 Tiere. Im Laufe des Jahres werden 30 Kitze geboren, 20 Tiere sterben, 10 wandern ein und 5 wandern aus.
$$N_{neu}=120+30-20+10-5=135$$
Am Jahresende umfasst die Population 135 Rehe. Sie ist also um 15 Tiere gewachsen.
Wie reguliert die Umwelt eine Population?
Ein Umweltfaktor ist nicht allein deshalb dichteabhängig oder dichteunabhängig, weil er belebt oder unbelebt ist. Entscheidend ist, ob seine Wirkung von der Populationsdichte abhängt.
Dichteabhängiger Faktor
Die Wirkung eines dichteabhängigen Faktors wird stärker oder verändert sich, wenn die Populationsdichte steigt oder fällt. Beispiele sind Konkurrenz um Nahrung und Platz, Dichtestress, Krankheiten, Parasiten und spezifische Feinde.
Wenn viele Individuen auf engem Raum leben, treffen sie häufiger aufeinander. Nahrung wird knapper, Krankheitserreger können leichter übertragen werden und die innerartliche Konkurrenz nimmt zu. Solche Rückwirkungen können weiteres Wachstum bremsen.
Dichteunabhängiger Faktor
Ein dichteunabhängiger Faktor wirkt unabhängig davon, wie dicht die Population zuvor war. Beispiele sind ein plötzlicher Kälteeinbruch, eine Naturkatastrophe oder bestimmte Chemikalien.
Ein Kälteeinbruch kann sowohl eine kleine als auch eine große Population treffen. Die Zahl der tatsächlich betroffenen Individuen kann verschieden sein; die Ursache ihrer Wirkung hängt aber nicht von der Dichte ab.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Konkurrenz um Nahrung wirkt meist . Ein plötzlicher Kälteeinbruch wirkt meist . Mit steigender Dichte kann die Übertragung von Krankheiten . Begrenzte Ressourcen können das Wachstum einer Population .
Was zeigen Wachstumsmodelle?
Modelle vereinfachen die Wirklichkeit. Sie zeigen, welche Entwicklung unter bestimmten Annahmen zu erwarten wäre. Eine Modellkurve ist deshalb keine sichere Vorhersage.
Exponentielles Wachstum
Beim exponentiellen Wachstum nimmt eine Population in gleichen Zeitabschnitten jeweils um denselben Faktor zu. Das Modell setzt voraus, dass begrenzende Einflüsse zunächst keine Rolle spielen.
Eine Bakterienkultur beginnt mit 100 Bakterien und verdoppelt sich in jedem betrachteten Zeitabschnitt:
- Beginn: 100
- nach einem Abschnitt: 200
- nach zwei Abschnitten: 400
- nach drei Abschnitten: 800
Nach drei Verdopplungen sind es $100\cdot 2^3=800$ Bakterien. Der Zuwachs wird immer größer, weil der gleiche Faktor auf eine wachsende Ausgangszahl wirkt.
In einer Bakterienkultur lässt sich zunächst eine Lag-Phase beobachten, in der die Teilung langsam beginnt. In der anschließenden exponentiellen Phase ist das Wachstum besonders schnell.
Logistisches Wachstum
In einem begrenzten Lebensraum können Nahrung, Wasser, Platz oder andere Ressourcen knapp werden. Das logistische Modell berücksichtigt eine solche Begrenzung:
- Die Population wächst zunächst schnell.
- Mit zunehmender Größe werden Ressourcen limitierend.
- Das Wachstum verlangsamt sich.
- Die Population nähert sich der Tragfähigkeit $K$.
Die Tragfähigkeit ist die Populationsgröße, die ein Lebensraum unter den angenommenen Bedingungen langfristig ungefähr tragen kann. Im idealisierten Modell ergibt sich eine S-förmige Wachstumskurve. An der Tragfähigkeit ist der Nettozuwachs null.
Die Tragfähigkeit ist eine Modellgröße, keine unsichtbare Schranke, an der eine reale Population plötzlich anhält. Reale Bestände können um sie schwanken, weil sich Geburten, Sterbefälle, Wanderung und Umweltbedingungen verändern.
Warum verlaufen reale Populationen oft anders?
Mehrere Einflüsse können einfache Wachstumskurven verändern.
Sehr geringe Dichte: der Allee-Effekt
Allee-Effekt
Beim Allee-Effekt erschwert eine sehr geringe Populationsgröße oder -dichte die Fortpflanzung oder andere notwendige Gruppeninteraktionen. Dadurch kann der Bestand weiter zurückgehen.
Bei bestimmten Fischarten müssen sich Individuen zur Fortpflanzung finden. Sind nur noch wenige Tiere weit verteilt, kann das schwieriger werden. Eine niedrige Dichte ist daher nicht immer automatisch günstig.
Wechselwirkungen zwischen Populationen
Bei einer Räuber-Beute-Beziehung beeinflussen sich zwei Populationen gegenseitig. Mehr Beutetiere können mehr Nahrung für Räuber bedeuten. Steigt daraufhin die Räuberzahl, kann der Fraßdruck auf die Beutepopulation zunehmen. Sinkt die Beute, fehlt später auch den Räubern Nahrung.
Solche Rückkopplungen können Populationsschwankungen mitverursachen. Auch Wetter, Krankheiten, jahreszeitliche Veränderungen, Umweltverschmutzung, Lebensraumzerstörung oder Überjagung können Bestände verändern.
r- und K-Strategien als Vereinfachung
Die Begriffe beschreiben idealisierte Fortpflanzungstaktiken:
- r-Strategen setzen auf starke Fortpflanzung in kurzer Zeit und damit auf eine hohe Wachstumsrate.
- K-Strategen nutzen einen begrenzten Lebensraum stärker in Richtung seiner Tragfähigkeit; lange Brutpflege ist ein kennzeichnendes Beispiel.
Die beiden Begriffe helfen beim Vergleichen. Sie erklären aber nicht allein jede Populationsentwicklung, denn Umweltbedingungen, Konkurrenz, Krankheiten und Wanderung wirken zusätzlich.
Modelle verantwortungsvoll nutzen
Populationsökologische Erkenntnisse können etwa beim Schutz bedrohter Arten, bei der Kontrolle invasiver Arten oder bei Fangquoten in der Fischerei helfen. Eine Entscheidung darf jedoch nicht nur auf einer idealisierten Kurve beruhen. Benötigt werden passende Bestandsdaten, bekannte Modellannahmen und eine Prüfung möglicher Unsicherheiten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Populationsökologie
- beschreibt Populationen
- Größe, Dichte und Struktur
- räumliche Verteilung
- bilanziert Veränderungen
- Geburten und Sterbefälle
- Einwanderung und Auswanderung
- untersucht Regulation
- dichteabhängige Faktoren
- dichteunabhängige Faktoren
- nutzt Wachstumsmodelle
- exponentielles Wachstum
- logistisches Wachstum und Tragfähigkeit
- prüft reale Abweichungen
- Allee-Effekt
- Räuber-Beute-Rückkopplung
- wechselnde Umweltbedingungen
- beschreibt Populationen
Abschluss-Check
Du kannst eine Population nun über ihre Merkmale beschreiben, ihre Veränderung bilanzieren und Umweltfaktoren einordnen. Bei Wachstumsmodellen prüfst du nicht nur die Kurvenform, sondern auch Voraussetzungen, Grenzen und mögliche reale Abweichungen.
Mit Google fortfahren