Chemie

Erdalkalimetalle: Eigenschaften und Reaktivität

Erdalkalimetalle: Eigenschaften und Reaktivität
Erdalkalimetalle: Eigenschaften und Reaktivität
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Erdalkalimetalle bilden die 2. Hauptgruppe des Periodensystems. Ihre Atome besitzen zwei Außenelektronen und bilden meist zweifach positiv geladene Ionen. Innerhalb der Gruppe nimmt die Reaktivität von oben nach unten zu.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wer gehört zu den Erdalkalimetallen?

Magnesium aus Mineralwasser, Calcium in Knochen und Bariumverbindungen im Labor gehören zur gleichen Elementfamilie. Im Periodensystem stehen ihre Elemente untereinander in der 2. Hauptgruppe:

  1. Beryllium (Be)
  2. Magnesium (Mg)
  3. Calcium (Ca)
  4. Strontium (Sr)
  5. Barium (Ba)
  6. Radium (Ra)

Radium ist radioaktiv. Alle Erdalkalimetalle sind bei Raumtemperatur feste Metalle. Reine Erdalkalimetalle kommen wegen ihrer Reaktionsfreudigkeit in der Natur nicht ungebunden, sondern in Verbindungen vor.

Definition

Valenzelektronen

Valenzelektronen sind die Elektronen auf der äußersten besetzten Schale eines Atoms. Sie bestimmen wesentlich, wie das Atom chemisch reagiert. Jedes Erdalkalimetallatom besitzt zwei Valenzelektronen; vereinfacht lautet die Außenelektronenkonfiguration ns².

Bei einer Reaktion kann ein Erdalkalimetallatom beide Valenzelektronen abgeben. Dadurch entsteht ein Ion mit zwei positiven Ladungen, zum Beispiel Mg²⁺ oder Ca²⁺.

Definition

Edelgaskonfiguration

Eine voll besetzte Außenschale heißt Edelgaskonfiguration. Nach der Abgabe ihrer beiden Valenzelektronen besitzen Erdalkalimetallionen die Elektronenanordnung des vorhergehenden Edelgases.

Beispiel

Ein neutrales Magnesiumatom gibt zwei Elektronen ab. Danach hat es zwei negative Ladungen weniger als positive Kernladungen. Es entsteht deshalb das zweifach positiv geladene Magnesiumion Mg²⁺.

Merke

Zwei Außenelektronen führen bei Erdalkalimetallen meist zur Oxidationszahl +2 und zu Ionen der Form M²⁺.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas haben alle Erdalkalimetallatome gemeinsam?
Lösung: Sie besitzen zwei Valenzelektronen. — Zwei Außenelektronen sind das gemeinsame Merkmal der 2. Hauptgruppe.
Frage 2 von 2MittelWarum trägt ein Calciumion nach der typischen Elektronenabgabe die Ladung 2+?
Lösung: Das Calciumatom hat zwei Elektronen abgegeben. — Durch die Abgabe zweier negativer Elektronen entsteht ein Überschuss von zwei positiven Ladungen.
Warum nimmt die Reaktivität nach unten zu?

Calcium reagiert leichter als Magnesium, Barium leichter als Calcium. Das ist ein beobachteter Gruppentrend: Die Reaktivität der Erdalkalimetalle nimmt von Beryllium zu Barium zu.

Das Schalenmodell liefert dafür eine Erklärung:

  1. Von oben nach unten kommt bei jedem Element eine weitere Elektronenschale hinzu.
  2. Die Außenelektronen befinden sich dadurch weiter vom positiv geladenen Atomkern entfernt.
  3. Innere Elektronen schirmen die Anziehung des Kerns zusätzlich ab.
  4. Die beiden Außenelektronen lassen sich leichter abgeben.
  5. Das Element reagiert leichter und damit meist heftiger.

Diese Erklärung ist ein Modell. Sie deutet den beobachteten Trend mithilfe von Abstand und Abschirmung.

Beispiel

Magnesium steht oberhalb von Calcium. Bei Calcium sind die Außenelektronen weiter vom Kern entfernt und stärker durch innere Elektronen abgeschirmt. Deshalb gibt Calcium seine Außenelektronen leichter ab und ist reaktiver als Magnesium.

Merke

Je weiter unten ein Erdalkalimetall in der Gruppe steht, desto leichter gibt es seine beiden Außenelektronen ab und desto reaktiver ist es.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelWelches Element ist nach dem Gruppentrend reaktiver: Calcium oder Barium?
Lösung: Barium — Barium steht unter Calcium in der 2. Hauptgruppe und ist daher reaktiver.
Frage 2 von 2SchwerFür Strontium wurde noch keine Reaktion beobachtet. Welche begründete Vorhersage passt zum Gruppentrend?
Lösung: Strontium sollte reaktiver als Calcium, aber weniger reaktiv als Barium sein. — Strontium steht zwischen Calcium und Barium. Der begrenzte Gruppentrend erlaubt deshalb eine Vorhersage zwischen diesen beiden Elementen.
Wie reagieren die Metalle mit Luft und Wasser?

Ein Trend beschreibt die allgemeine Richtung. Die sichtbare Reaktion hängt aber auch von Temperatur, Oberfläche und schützenden Oxidschichten ab.

Beryllium und Magnesium bilden an der Oberfläche eine dichte Oxidschicht. Sie trennt das darunterliegende Metall von seiner Umgebung und verlangsamt weitere Reaktionen.

Definition

Passivierung

Passivierung bedeutet, dass eine schützende Oberflächenschicht die weitere Reaktion eines Stoffes stark verlangsamt. Das Metall ist dadurch nicht grundsätzlich unreaktiv.

Magnesium reagiert wegen seiner Oxidschicht mit kaltem Wasser nur langsam. Dünnes Magnesiumband lässt sich jedoch entzünden und brennt mit sehr hellem Licht. Calcium, Strontium und Barium reagieren bei Raumtemperatur deutlich stärker mit Wasser. Dabei entstehen Hydroxide und Wasserstoff. Die Hydroxide bilden basisch reagierende Lösungen.

Gut zu wissen

Reaktivität und beobachtbare Reaktionsgeschwindigkeit sind nicht dasselbe. Eine Oxidschicht kann eine grundsätzlich mögliche Reaktion zunächst bremsen.

Beispiel

Magnesium steht über Calcium und ist nach dem Gruppentrend weniger reaktiv. Zusätzlich schützt eine Oxidschicht seine Oberfläche. Calcium gibt seine Außenelektronen leichter ab und reagiert bei Raumtemperatur deutlich stärker mit Wasser.

Merke

Eine schwache sichtbare Reaktion beweist nicht immer eine geringe grundsätzliche Reaktivität: Eine Passivierungsschicht kann das Metall abschirmen.

Experimente mit Erdalkalimetallen gehören in ein geeignetes Schullabor und müssen fachkundig beaufsichtigt werden. Brennende Erdalkalimetalle dürfen nicht mit Wasser gelöscht werden. Fein verteilte Metalle können sich besonders leicht entzünden; lösliche Beryllium- und Bariumverbindungen sowie radioaktives Radium sind gesundheitlich gefährlich.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum reagiert Magnesium mit kaltem Wasser nur langsam?
Lösung: Eine Oxidschicht hemmt den Kontakt zwischen Metall und Wasser. — Die Passivierungsschicht bremst die Reaktion, obwohl Magnesium grundsätzlich reaktionsfähig ist.
Wie funktioniert die Flammenfärbung?

Salze bestimmter Erdalkalimetalle färben eine Flamme charakteristisch. Calciumsalze erscheinen ziegel- bis orangerot, Strontiumsalze intensiv rot und Bariumsalze gelb-grün. So lassen sich diese Ionen unterscheiden.

Der entscheidende Vorgang läuft in vier Schritten ab:

  1. Die Flamme überträgt Energie auf Elektronen.
  2. Die Elektronen gelangen kurzzeitig in energiereichere Zustände.
  3. Beim Zurückfallen geben sie Energie als Licht ab.
  4. Unterschiedliche Energieabstände erzeugen Licht unterschiedlicher Wellenlängen und damit verschiedene Farben.
Gut zu wissen

Bei der Flammenprobe wird eine Verbindung beziehungsweise ein Salz untersucht, nicht ein Stück des reinen Metalls. Beryllium- und Magnesiumionen liefern keine charakteristische sichtbare Flammenfärbung.

Beispiel

Färbt eine Probe die Flamme intensiv rot, spricht die Beobachtung für Strontiumionen. Die Farbe allein erklärt den Vorgang noch nicht: Erst das Modell aus Anregung und Rückfall der Elektronen deutet die Lichtentstehung.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas geschieht unmittelbar vor der Lichtabgabe bei der Flammenfärbung?
Lösung: Angeregte Elektronen fallen in energieärmere Zustände zurück. — Beim Rückfall geben Elektronen die zuvor aufgenommene Energie als Licht ab.
Frage 2 von 2SchwerEine Probe färbt die Flamme gelb-grün. Welches Ion passt zu dieser Beobachtung?
Lösung: Bariumion — Die charakteristische gelb-grüne Flammenfarbe weist auf Bariumionen hin.
Wo begegnen dir Erdalkalimetallverbindungen?

Im Alltag spielen meist nicht die reinen Metalle, sondern ihre Verbindungen eine Rolle.

  • Calciumverbindungen sind Bestandteile von Knochen und Zähnen. Calciumcarbonat kommt unter anderem in Kalkstein, Kreide und Marmor vor.
  • Magnesium ist für die Muskelfunktion wichtig. In Pflanzen ist es das Zentralatom des Chlorophylls.
  • Calcium- und Magnesiumionen verursachen wesentlich die Wasserhärte.
  • Magnesiumlegierungen verbinden eine geringe Dichte mit technischer Nutzbarkeit, etwa im Fahrzeug- und Flugzeugbau.
  • Strontium- und Bariumverbindungen werden wegen ihrer Flammenfarben für rote beziehungsweise grüne Feuerwerkseffekte genutzt.

Beim Erhitzen von hydrogencarbonathaltigem, hartem Wasser kann schwer lösliches Calciumcarbonat ausfallen. Es lagert sich als Kesselstein ab. Calcium- und Magnesiumionen können außerdem mit Seifenanionen schwer lösliche Kalkseifen bilden.

Beispiel

In einem Wasserkocher verdampft beim Erhitzen Wasser, und Kohlenstoffdioxid entweicht. Dadurch kann gelöstes Calciumhydrogencarbonat wieder schwer lösliches Calciumcarbonat bilden. Der feste Belag ist Kesselstein.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Teilchen tragen wesentlich zur Wasserhärte bei?
Lösung: Calcium- und Magnesiumionen — Vor allem gelöste Ca²⁺- und Mg²⁺-Ionen bestimmen die Wasserhärte.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Erdalkalimetalle
    • Atombau: zwei Valenzelektronen
    • Ionenbildung: Abgabe von zwei Elektronen zu M²⁺
    • Gruppentrend: Reaktivität nimmt nach unten zu
    • Passivierung: Oxidschicht bremst Reaktionen
    • Nachweis: charakteristische Flammenfärbung
    • Alltag: Knochen, Chlorophyll, Wasserhärte und Werkstoffe
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Reihe enthält nur Erdalkalimetalle?
Lösung: Magnesium, Calcium, Barium — Magnesium, Calcium und Barium stehen alle in der 2. Hauptgruppe.
Frage 2 von 4MittelEin Erdalkalimetallatom gibt seine beiden Außenelektronen ab. Was entsteht?
Lösung: Ein zweifach positiv geladenes Ion — Nach der Abgabe zweier Elektronen besitzt das Teilchen zwei positive Ladungen mehr als negative und ist daher 2+ geladen.
Frage 3 von 4SchwerEin unbekanntes Erdalkalimetall steht unter Calcium, reagiert aber langsamer als erwartet. Welche Erklärung berücksichtigt Trend und Beobachtung am besten?
Lösung: Es ist grundsätzlich reaktiver als Calcium, könnte aber durch eine Oberflächenschicht gebremst werden. — Die Stellung in der Gruppe begründet eine höhere Reaktivität. Eine Schutzschicht kann die sichtbare Reaktion trotzdem verlangsamen.
Frage 4 von 4SchwerEine Flammenprobe leuchtet intensiv rot. Welche Verbindung aus Beobachtung und Modell ist richtig?
Lösung: Die Beobachtung spricht für Strontiumionen; das Licht entsteht beim Rückfall angeregter Elektronen. — Strontiumsalze färben die Flamme intensiv rot. Die Wärme regt Elektronen an, die beim Zurückfallen Licht abgeben.

Du hast das Ziel erreicht, wenn du nicht nur die Reihenfolge der Elemente kennst, sondern aus zwei Außenelektronen die typische Ionenladung und aus der Stellung in der Gruppe eine begründete Reaktivitätsvorhersage ableiten kannst.

Passend dazu