Altsteinzeit: Leben, Werkzeuge und Funde verstehen
Die Altsteinzeit, auch Paläolithikum genannt, ist der älteste und längste Abschnitt der Steinzeit. Menschen lebten überwiegend in beweglichen Gruppen, jagten Tiere, sammelten Pflanzen und fertigten Werkzeuge vor allem aus Stein. Funde helfen uns, diese Zeit zu erforschen – doch nicht jede Deutung ist sicher.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wann war die Altsteinzeit?
Die Altsteinzeit begann zuerst in Afrika vor ungefähr 2,5 bis 2,6 Millionen Jahren. Als Kennzeichen ihres Beginns gilt die Herstellung und Verwendung von Steinwerkzeugen. Weil sich Menschen erst nach und nach in andere Erdteile ausbreiteten, begann die Altsteinzeit nicht überall gleichzeitig.
In Mitteleuropa reicht sie ungefähr von 600.000 bis 10.000 Jahren vor heute. Auch diese Angaben sind Näherungen: Forschende ordnen die Epoche mithilfe erhaltener Spuren ein.
Paläolithikum
Paläolithikum ist der Fachbegriff für Altsteinzeit. Das Wort verbindet die griechischen Begriffe für „alt“ und „Stein“.
Während großer Teile der Altsteinzeit war das Klima deutlich kälter als heute. In der Eiszeit bedeckten Gletscher und Eisschichten große Gebiete. In eisfreien Teilen Mitteleuropas gab es lange, kalte Winter, kurze Sommer und weite Landschaften mit Gräsern und Sträuchern.
Die Altsteinzeit hat keine weltweit einheitlichen Anfangs- und Enddaten. Zeitangaben müssen immer auf eine Region bezogen werden.
Warum wechselten Menschen ihren Aufenthaltsort?
Altsteinzeitliche Menschen lebten als Jäger und Sammler. Sie jagten Tiere, fingen teilweise Fische und sammelten unter anderem Früchte, Beeren, Wurzeln und andere essbare Pflanzen.
Die Nahrung war nicht überall und nicht zu jeder Jahreszeit verfügbar. Zogen Tierherden weiter oder wurden Pflanzen in der Umgebung knapp, folgten die Menschen neuen Nahrungsquellen. Eine solche Lebensweise ohne dauerhaften Wohnort heißt nomadisch.
Nomaden
Nomaden sind Menschen, die ihren Aufenthaltsort wiederholt wechseln. Altsteinzeitliche Gruppen wanderten vor allem dorthin, wo sie Nahrung und geeignete Lagerplätze fanden.
Das bedeutet nicht, dass sie ohne Schutz lebten. Als Lager dienten Höhleneingänge, Felsüberhänge, einfache Hütten und später auch zeltartige Behausungen. Höhlen waren innen häufig dunkel und kalt. Das verbreitete Bild vom Menschen, der ständig tief in einer Höhle wohnte, führt daher in die Irre.
Behausungen konnten aus Holzgerüsten, Knochen, Stoßzähnen, Fellen und Tierhäuten bestehen. Welche Materialien verwendet wurden, hing davon ab, was in der jeweiligen Umgebung verfügbar war.
Eine Gruppe findet im Winter an ihrem Lager immer weniger Nahrung. Gleichzeitig ziehen die beobachteten Herdentiere weiter. Die Gruppe wechselt deshalb ihren Aufenthaltsort und nimmt transportierbare Gegenstände mit.
Der entscheidende Zusammenhang lautet: Nahrung wird knapp → die Gruppe zieht zu neuen Nahrungsquellen.
Wie halfen Werkzeuge und Feuer?
Stein gab der Steinzeit ihren Namen. Besonders wichtig war Feuerstein, auch Silex genannt. Er lässt sich so spalten, dass scharfkantige Abschläge entstehen. Außerdem verarbeiteten Menschen Holz, Knochen und Geweih.
Der Faustkeil war ein vielseitiges Werkzeug. Mit ihm konnte man beispielsweise schneiden, graben, schlagen oder Holz bearbeiten. Im Laufe der Zeit entstanden stärker spezialisierte Werkzeuge:
- Messer zerschnitten Tierhäute.
- Schaber entfernten Fleischreste von Häuten.
- Bohrer erzeugten Löcher in Fell.
- Stichel halfen bei der Bearbeitung von Knochen, Geweih oder Holz.
- Speere und später Speerschleudern unterstützten die Jagd.
Erlegte Tiere lieferten nicht nur Fleisch. Auch Felle, Häute, Knochen und Geweih wurden genutzt. Das zeigt, wie eng Nahrung, Kleidung, Behausung und Werkzeugherstellung zusammenhingen.
Aus einer Tierhaut soll eine schützende Bedeckung entstehen. Zuerst entfernt ein Schaber anhaftende Reste. Danach werden mit einem Bohrer Löcher für eine Verbindung vorbereitet.
Hier besitzen die Werkzeuge unterschiedliche Aufgaben: Der Schaber reinigt und glättet, der Bohrer schafft Öffnungen.
Feuer erfüllte mehrere Funktionen. Es spendete Wärme und Licht, schreckte wilde Tiere ab und half bei der Zubereitung von Nahrung. Damit erleichterte es das Leben in kalten Regionen.
Anfangs bewahrten Menschen wahrscheinlich natürlich entstandenes Feuer, etwa nach einem Blitzschlag. Später konnten sie selbst Feuer entzünden. Beim Feuerschlagen wurde Feuerstein gegen einen geeigneten anderen Stein geschlagen, sodass Funken entstanden.
Die Quellen nennen für frühe Feuernutzung unterschiedliche Zeitpunkte. Sicher ist deshalb nicht ein einziges weltweites Datum, sondern die Erkenntnis, dass Menschen Feuer im Verlauf der Altsteinzeit zu beherrschen lernten.
Wie erfahren wir etwas über den Alltag?
Aus der Altsteinzeit sind keine schriftlichen Berichte erhalten. Wissen über diese Epoche stammt vor allem aus archäologischen Funden. Dazu gehören Werkzeuge, Tierknochen, Feuerstellen, Reste von Lagerplätzen, Bestattungen und Höhlenmalereien.
Beim Deuten eines Fundes musst du drei Schritte unterscheiden:
- Beobachtung: Was wurde tatsächlich gefunden?
- Schlussfolgerung: Welche Erklärung wird durch den Fund gestützt?
- Unsicherheit: Was lässt sich daraus nicht sicher erkennen?
An einem Lagerplatz liegen scharf bearbeitete Feuersteine, Tierknochen mit Schnittspuren und Reste einer Feuerstelle.
Beobachtungen: Die Steine wurden bearbeitet. Einige Knochen tragen Schnitte. Am Platz gibt es Spuren von Feuer.
Begründete Schlussfolgerung: Menschen stellten dort Werkzeuge her oder nutzten sie, zerlegten Tiere und verwendeten Feuer.
Unsicherheit: Die Funde zeigen nicht eindeutig, wie groß die Gruppe war oder wie lange sie an diesem Ort blieb.
Höhlenmalereien zeigen häufig Tiere. Sie belegen, dass Menschen Bilder mit Naturfarben anfertigten. Warum diese Bilder entstanden, ist jedoch nicht sicher bekannt. Erklärungen als Jagdhilfe, Erzählung oder religiöse Handlung bleiben Deutungen und dürfen nicht wie bewiesene Tatsachen behandelt werden.
Ein Fund ist eine Spur, keine vollständige Geschichte. Eine gute Deutung nennt sowohl die gestützte Aussage als auch ihre Grenze.
Was veränderte sich am Ende der Altsteinzeit?
Vor ungefähr 12.000 Jahren wurde das Klima wärmer. Gletscher, Schnee und Eis zogen sich nach Norden und in Gebirge zurück. In Mitteleuropa entstanden dichtere Wälder, und die Tierwelt veränderte sich.
Diese Veränderungen beeinflussten auch den Alltag:
- Große Herdentiere wanderten teilweise in kältere Gebiete.
- Manche Großtierarten starben aus; Klima, Jagd oder das Zusammenwirken beider Faktoren werden als mögliche Ursachen diskutiert.
- Die Jagd auf kleinere Waldtiere gewann an Bedeutung.
- Pfeil und Bogen sowie verbesserte Geräte für den Fischfang kamen auf.
- Das Sammeln von Pflanzen blieb wichtig.
In Europa ging die Altsteinzeit allmählich in die Mittelsteinzeit über. Es handelte sich nicht um einen einzigen Tag, an dem sich überall gleichzeitig alles änderte.
Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht kennzeichnen vor allem den späteren Wandel zur Jungsteinzeit. Dieser langfristige und regional unterschiedliche Wandel gehört nicht vollständig zur Altsteinzeit.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Altsteinzeit
- Zeitraum und Umwelt: regional verschieden, lange von kaltem Klima geprägt
- Lebensweise: Jagen, Sammeln, Wandern und geschützte Lager
- Technik: Steinwerkzeuge, Holz, Knochen, Geweih und Feuer
- Erkenntnis: Funde beobachten, Schlussfolgerungen begründen, Grenzen nennen
- Wandel: Erwärmung, neue Landschaften und Übergang zur Mittelsteinzeit
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du die Lebensweise nicht nur aufzählen, sondern als Zusammenhang erklären kannst: Umwelt und Nahrung beeinflussten Mobilität, Werkzeuge, Feuer und die Wahl der Lagerplätze.
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