Stell dir vor, jemand aendert die Art, wie Millionen Menschen leben, essen und wohnen: nicht ueber Nacht, sondern ueber Tausende von Jahren. Genau das ist die neolithische Revolution. Menschen hoerten auf, ihrer Nahrung hinterherzuziehen, und begannen, sie selbst anzubauen und zu zuechten. Wenn du diese Seite durcharbeitest, verstehst du, warum dieser Wandel als einer der wichtigsten Umbrueche der Menschheitsgeschichte gilt und warum das Wort "Revolution" hier zugleich passt und ein bisschen in die Irre fuehrt.
Das Thema ist wichtig, weil fast alles, was danach kam, davon abhaengt: feste Doerfer, spaeter Staedte, Berufe, Herrschaft und schliesslich die ersten Hochkulturen.
- Ich kann erklaeren, was mit dem Begriff neolithische Revolution gemeint ist.
- Ich kann beschreiben, wie sich das Leben vom Jaeger und Sammler zum Bauern veraenderte.
- Ich kann moegliche Ursachen fuer die Sesshaftwerdung nennen.
- Ich kann begruenden, warum das Wort "Revolution" umstritten ist.
- Ich kann Folgen der neolithischen Revolution nennen und Vor- und Nachteile abwaegen.
Was bedeutet "neolithische Revolution"?
Der Begriff setzt sich aus mehreren Wortteilen zusammen. neo bedeutet "neu", lithos bedeutet "Stein" und Revolution bedeutet "Umsturz" oder "grosse Veraenderung". Gemeint ist also der grosse Umbruch am Beginn der Jungsteinzeit.
Neolithische Revolution
Als neolithische Revolution bezeichnet man den Uebergang von der Lebensweise der Jaeger und Sammler zur Lebensweise der Bauern und Hirten. Die Menschen erzeugen ihre Nahrung nun selbst durch Ackerbau und Viehhaltung. Damit beginnt die Jungsteinzeit.
Den Begriff praegte 1936 der Archaeologe Vere Gordon Childe. Er waehlte das Wort "Revolution" bewusst in Anlehnung an die "industrielle Revolution". Beide Male, so seine Idee, veraenderte sich das Leben der Menschen grundlegend.
Die erste neolithische Revolution fand im Fruchtbaren Halbmond in Vorderasien statt, ungefaehr zwischen 9500 und 7000 v. Chr. Von dort breitete sich die neue Lebensweise nach und nach in andere Regionen aus.
Neolithische Revolution und Beginn der Jungsteinzeit meinen fast dasselbe: den Uebergang zu Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit. Der Begriff "Revolution" betont dabei, wie tief dieser Wandel war.
Von Jaegern und Sammlern zu Bauern
Vor der Revolution lebten die Menschen als Jaeger und Sammler. Sie jagten Wildtiere, sammelten Pflanzen und zogen umher, oft in Zelten oder einfachen Behausungen. Ihre Nahrung nahmen sie so, wie die Natur sie gerade bot.
Nach der Revolution wurden viele Menschen zu Bauern und Hirten. Sie bauten Getreide an, hielten Tiere wie Schaf, Ziege, Rind und Schwein und wurden sesshaft: Sie bauten feste Haeuser und blieben an einem Ort.
Sesshaftigkeit
Sesshaftigkeit bedeutet, dauerhaft an einem festen Ort zu leben. Statt umherzuziehen, bleiben die Menschen bei ihren Feldern und Vorraeten wohnen.
Stell dir zwei Familien vor. Familie A zieht als Jaeger und Sammler durch die Landschaft und nimmt nur mit, was sie tragen kann. Familie B hat ein festes Haus, ein Feld und ein paar Ziegen. Familie B kann Vorraete anlegen, muss aber hoffen, dass das Wetter die Ernte nicht zerstoert. Genau dieser Wechsel von A zu B ist die neolithische Revolution.
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Warum wurden die Menschen sesshaft?
Eine spannende Frage: Warum gaben Menschen die freie, bewegliche Lebensweise auf? Die Forschung diskutiert dazu vor allem zwei Erklaerungen.
Mangelhypothese
Nach der Mangelhypothese wurden die Menschen aus Not sesshaft. Als das Klima kaelter wurde und Nahrung knapp wurde, mussten sie ihre Nahrung selbst anbauen, um zu ueberleben.
Ueberflusshypothese
Nach der Ueberflusshypothese begannen die Menschen den Anbau nicht aus Not, sondern weil sie bereits genug hatten. Aus Vorratshaltung und Ausprobieren entwickelte sich mit der Zeit die Landwirtschaft.
Viele Forscherinnen und Forscher gehen heute von der Mangelhypothese aus: In einer milden Klimaphase gab es zunaechst so viel Nahrung, dass einige Gruppen schon sesshaft wurden. Als dann eine Kaltzeit kam, wurde die Nahrung knapp. Um nicht wieder umherziehen zu muessen, saeten die Menschen Getreide gezielt aus.
Wichtig: Die Sesshaftigkeit war wahrscheinlich die Voraussetzung fuer die Landwirtschaft, nicht ihre Folge. Erst blieben die Menschen an einem Ort, dann intensivierten sie den Anbau. Der genaue Grund war von Region zu Region unterschiedlich.
War es wirklich eine "Revolution"?
Das Wort "Revolution" klingt nach einem ploetzlichen Umsturz, der schnell geht. Genau das ist hier aber problematisch, denn der Wandel dauerte sehr lange.
- Zwischen ersten Erfindungen wie Vorratshaltung und der voll entwickelten Bauerngesellschaft lagen mehrere Tausend Jahre.
- Die Neuerungen entstanden nicht auf einen Schlag, sondern langsam, durch Ausprobieren.
- Deshalb sprechen viele Fachleute heute lieber neutral von Neolithisierung statt von Revolution.
Trotzdem hat das Wort einen wahren Kern. Vergleicht man die wenigen Tausend Jahre der Umstellung mit den vielen Hunderttausenden Jahren davor, in denen sich kaum etwas aenderte, dann war der Wandel im Verhaeltnis tatsaechlich rasant. Childe meinte "Revolution" also nicht als "ueber Nacht", sondern als tiefen Einschnitt in der Geschichte.
Neolithisierung
Neolithisierung ist der neutralere Fachbegriff fuer den Prozess, in dem eine Region zu Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit uebergeht. Das Wort betont, dass es sich um eine laengere Entwicklung handelt.
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Mehrere Zentren rund um die Welt
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, die Landwirtschaft sei an einem einzigen Ort erfunden und von dort ueberallhin gebracht worden. Tatsaechlich entstand sie mehrmals unabhaengig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt.
Beispiele fuer unabhaengige Entstehungszentren:
- Fruchtbarer Halbmond in Vorderasien: Weizen, Gerste, Schaf, Ziege, Rind, Schwein.
- China: Hirse im Norden, Reis im Sueden.
- Mittelamerika: Mais, Bohnen, Kuerbis.
- Anden in Suedamerika: Kartoffel, Lama.
- Neuguinea: Banane, Yams, Taro.
Von diesen Zentren aus verbreitete sich die Landwirtschaft in weitere Regionen, teils weil Menschen wanderten, teils weil Nachbarn die neue Wirtschaftsweise uebernahmen. In den Zentren selbst wurde uebrigens noch lange weiter gejagt und gesammelt: Beides existierte oft nebeneinander.
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Folgen der neolithischen Revolution
Die neue Lebensweise veraenderte fast alles: Wohnen, Arbeit, Gesellschaft und Glauben. Dabei gab es nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste.
Vorteile:
- Sicherer Wohnplatz und feste Haeuser.
- Vorratshaltung machte unabhaengiger von Jagdglueck.
- Tongefaesse zum Kochen und Lagern.
- Mehr Menschen konnten zusammenleben; die Bevoelkerung wuchs.
Nachteile:
- Starke Abhaengigkeit vom Wetter und von der Ernte.
- Weniger Beweglichkeit als bei Jaegern und Sammlern.
- Mehr Infektionskrankheiten, weil Mensch und Tier eng zusammenlebten.
Weil nun Vorraete gelagert und verteilt werden mussten, entstanden Arbeitsteilung und feste Aufgaben. Manche Menschen spezialisierten sich, zum Beispiel auf Toepferei oder Werkzeugbau. Es bildeten sich Anfuehrer und Herrschaftsstrukturen, und auch der Glaube veraenderte sich. Ein beruehmtes Beispiel fuer die neuen Moeglichkeiten ist die riesige Anlage von Goebekli Tepe in der heutigen Tuerkei, eines der aeltesten grossen Bauwerke der Menschheit.
Arbeitsteilung
Arbeitsteilung bedeutet, dass nicht mehr jeder alles selbst macht. Verschiedene Menschen uebernehmen verschiedene Aufgaben, zum Beispiel Ackerbau, Toepferei oder Werkzeugherstellung.
Die neolithische Revolution ist die Wurzel vieler spaeterer Entwicklungen: Vorraete fuehrten zu Arbeitsteilung, groesseren Gemeinschaften und Herrschaft. Ohne diesen Umbruch haette es die spaeteren Hochkulturen mit Staedten und Schrift nicht gegeben.
Pruefungsmodus
In Klassenarbeiten sollst du oft erklaeren und beurteilen, nicht nur auswendig lernen. Uebe deshalb mit gemischten Fragen.
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Alles auf einen Blick
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Abschluss-Check
Diese Aufgaben pruefen, ob du das Gelernte auf neue Faelle uebertragen kannst. Antworte in ganzen Saetzen, wenn du schriftlich uebst.
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Zusammenfassung
Die neolithische Revolution ist der Uebergang von der Lebensweise der Jaeger und Sammler zur Lebensweise sesshafter Bauern und Hirten. Die Menschen erzeugen ihre Nahrung nun selbst durch Ackerbau und Viehzucht. Der Begriff stammt von Vere Gordon Childe (1936).
Als Ursachen werden vor allem Klimaveraenderungen und Nahrungsknappheit diskutiert (Mangelhypothese). Sesshaftigkeit gilt dabei eher als Voraussetzung als als Folge der Landwirtschaft. Weil der Wandel Tausende Jahre dauerte, ist das Wort "Revolution" umstritten; oft spricht man von Neolithisierung. Im Verhaeltnis zur langen Steinzeit war der Einschnitt aber tiefgreifend.
Die Landwirtschaft entstand an mehreren Orten unabhaengig, etwa im Fruchtbaren Halbmond, in China, Mittelamerika, den Anden und Neuguinea. Zu den Folgen zaehlen Vorratshaltung, Arbeitsteilung, groessere Gemeinschaften und Herrschaft, aber auch mehr Krankheiten. Genau deshalb ist die neolithische Revolution die Grundlage fuer die spaeteren Hochkulturen.
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