‹ Geschichte

Jungsteinzeit

Jungsteinzeit einfach erklärt: Sesshaftigkeit, Ackerbau, Viehzucht und Vorratshaltung als große Veränderungen der Menschheitsgeschichte.

Stell dir vor, deine Familie muss nicht mehr jeden Tag losziehen, um Tiere zu jagen und Beeren zu sammeln. Stattdessen habt ihr ein Feld direkt neben dem Haus und ein paar Ziegen im Stall. Genau dieser Wechsel ist das Herz der Jungsteinzeit. Wenn du diese Seite durcharbeitest, verstehst du, warum Fachleute die Jungsteinzeit als einen der groessten Umbrueche der Menschheitsgeschichte bezeichnen.

Das Thema klingt weit weg, aber es steckt in deinem Alltag: Brot, Milch, Haustiere und feste Doerfer gibt es erst, seit die Menschen sesshaft wurden und anfingen, ihre Nahrung selbst zu erzeugen.

Deine Lernziele
  • Ich kann erklaeren, was die Jungsteinzeit ist und woher der Name Neolithikum kommt.
  • Ich kann beschreiben, wie sich das Leben vom Jaeger und Sammler zum sesshaften Bauern veraenderte.
  • Ich kann die wichtigsten Merkmale der Jungsteinzeit (das "neolithische Buendel") nennen.
  • Ich kann erklaeren, warum die Jungsteinzeit nicht ueberall zur gleichen Zeit begann.
  • Ich kann Vorteile und Nachteile der neuen Lebensweise gegeneinander abwaegen.

Was ist die Jungsteinzeit?

Die Jungsteinzeit ist ein grosser Abschnitt der Steinzeit. Der Fachbegriff dafuer lautet Neolithikum. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen: neos bedeutet "neu" und lithos bedeutet "Stein". Man koennte also sagen: die "neue Steinzeit".

Definition

Jungsteinzeit (Neolithikum)

Die Jungsteinzeit ist die Epoche, in der die Menschen anfingen, ihre Nahrung selbst zu erzeugen: durch Ackerbau und Viehzucht. Sie sind nicht mehr nur Jaeger und Sammler, sondern werden zu Bauern und Hirten.

Definition

Sesshaftigkeit

Sesshaftigkeit bedeutet: Menschen leben dauerhaft an einem festen Ort und ziehen nicht mehr staendig umher. Sie bauen feste Haeuser und bleiben in der Naehe ihrer Felder.

Definition

Domestizierung

Domestizierung heisst, wilde Pflanzen und Tiere ueber viele Generationen so zu nutzen und zu zuechten, dass sie zu Nutzpflanzen und Haustieren werden. Aus wildem Getreide wird angebautes Getreide, aus dem Wildschaf das Hausschaf.

Vor der Jungsteinzeit lebten die Menschen als Jaeger und Sammler: Sie jagten Wildtiere, sammelten Pflanzen und zogen den Tierherden und den reifen Fruechten hinterher. In der Jungsteinzeit aendert sich das Grundprinzip. Die Menschen beginnen, selbst zu produzieren, statt nur zu nehmen, was die Natur gerade bietet.

Merke

Der Kern der Jungsteinzeit ist ein Wechsel der Wirtschaftsweise: weg vom Nehmen (Jagen und Sammeln), hin zum Selbst-Erzeugen (Ackerbau und Viehzucht). Das entscheidende Kennzeichen fuer den Beginn ist der Anbau von domestiziertem Getreide.

Woher kommt der Name?

Der britische Forscher John Lubbock teilte 1865 die Steinzeit in zwei Teile ein. Er unterschied dabei, wie die Menschen ihre Steinwerkzeuge herstellten.

Gut zu wissen
  • Altsteinzeit ("Old Stone Age"): Werkzeuge aus geschlagenem Stein. Man schlug Feuerstein in die gewuenschte Form.
  • Jungsteinzeit ("New Stone Age"): Werkzeuge aus geschliffenem Stein. Man schliff den Stein glatt, zum Beispiel bei Steinbeilen.

Heute steht fuer den Beginn der Jungsteinzeit aber nicht mehr die Steintechnik im Vordergrund, sondern der Uebergang zu Ackerbau und Viehzucht.

Das neolithische Buendel

Mit der neuen Lebensweise kam nicht nur eine einzige Neuerung, sondern ein ganzes Paket. Fachleute nennen dieses Paket das "neolithische Buendel". Wenn du diese Merkmale kennst, erkennst du die Jungsteinzeit sofort.

Gut zu wissen

Merkmale der Jungsteinzeit:

  • Sesshaftigkeit: feste Doerfer statt staendigem Umherziehen (bei Hirten blieb ein Teil weiter nomadisch).
  • Domestizierung: Anbau von Getreide und Haltung von Tieren wie Schaf, Ziege, Rind und Schwein.
  • Geschliffene Steingeraete: zum Beispiel Steinbeile, um Baeume zu faellen und Holz zu bearbeiten.
  • Keramik: Gefaesse aus gebranntem Ton fuer Vorratshaltung und zum Kochen.
Definition

Nomadisch

Nomadisch lebt, wer keinen festen Wohnort hat, sondern mit Tieren oder auf der Suche nach Nahrung umherzieht. Hirtenvoelker blieben oft auch in der Jungsteinzeit teilweise nomadisch.

Beispiel

Denk an ein Werkzeug wie eine Sichel. In der Jungsteinzeit bestand sie aus einem gebogenen Holzgriff, in den man scharfe Feuersteinklingen einklebte. Damit konnten die Menschen Getreide ernten. Solche zusammengesetzten Werkzeuge zeigen, wie erfindungsreich die Bauern schon waren.

Interaktive Quizfrage wird geladen ...

Warum begann die Jungsteinzeit nicht ueberall gleichzeitig?

Ein haeufiger Irrtum: Die ganze Welt sei auf einmal zur Landwirtschaft uebergegangen. Das stimmt nicht. Die Jungsteinzeit begann in verschiedenen Regionen zu ganz unterschiedlichen Zeiten.

Sie begann zuerst im Fruchtbaren Halbmond in Vorderasien, ungefaehr ab 9500 v. Chr. In Mitteleuropa dagegen fing sie erst rund 4000 Jahre spaeter an, etwa ab 5500 v. Chr. Der Grund: Klima, Boden und die verfuegbaren Wildpflanzen und Wildtiere waren nicht ueberall gleich guenstig.

Definition

Fruchtbarer Halbmond

Der Fruchtbare Halbmond ist ein bogenfoermiges Gebiet im Vorderen Orient, unter anderem entlang von Euphrat und Tigris. Dort gab es wildes Getreide und Tiere, die sich gut fuer die Landwirtschaft eigneten. Deshalb entstand hier die erste Landwirtschaft.

Interaktiver Zeitstrahl wird geladen ...

Merke

Die Jungsteinzeit ist kein einziges Datum, sondern eine Entwicklung, die sich ueber Tausende Jahre und ueber viele Regionen zog. Ein Datum gilt immer nur fuer eine bestimmte Region.

Leben und Doerfer in Mitteleuropa

Die erste bekannte bauerliche Kultur Mitteleuropas nennt man die Bandkeramik. Der Name kommt von den Bandmustern, mit denen die Menschen ihre Tongefaesse verzierten.

Definition

Bandkeramik

Die Bandkeramische Kultur war die erste jungsteinzeitliche Bauernkultur in Mitteleuropa (ab etwa 5500 v. Chr.). Ihren Namen hat sie von der typischen Keramik, deren Gefaesse mit eingeritzten Baendern verziert waren.

Diese Bauern bauten grosse Langhaeuser, die zum Teil ueber 60 Meter lang waren. Ihre Doerfer legten sie oft auf fruchtbaren Loessboeden an, weil dort die Felder besonders gute Ernten versprachen. Manche Siedlungen bestanden ueber mehrere hundert Jahre.

Beispiel

Stell dir ein Langhaus vor, das laenger ist als ein Schwimmbecken oder ein Handballfeld. Unter einem Dach lebten Menschen, lagerten Vorraete und hielten teils auch Tiere. Solche Haeuser zeigen, dass die Menschen nun langfristig planten und nicht mehr nur fuer den naechsten Tag.

Spaeter entstanden auch grosse Kreisgrabenanlagen: ringfoermige Graeben, oft mehrere Meter tief. Ihre genaue Aufgabe ist bis heute nicht sicher geklaert. Vermutlich waren sie Orte fuer religioese Feste, fuer Versammlungen oder fuer die Beobachtung des Himmels.

Gut zu wissen

Auch die Gesellschaft veraenderte sich. Aus den Graebern schliessen Forscherinnen und Forscher, dass es Familien, groessere Verwandtschaftsgruppen (Klans) und wohl auch Anfuehrer und besondere Familien mit mehr Ansehen gab. Funde von Massengraebern zeigen leider auch, dass es Gewalt und Konflikte zwischen Gruppen gab.

Vorteile und Nachteile

Man koennte meinen, die neue Lebensweise war einfach nur ein Fortschritt. So einfach ist es aber nicht. Ackerbau und Viehzucht brachten Vorteile UND Nachteile.

Gut zu wissen

Vorteile:

  • Ein festes Dach ueber dem Kopf und ein sicherer Schlafplatz.
  • Vorraete machten unabhaengiger von guten oder schlechten Jagdtagen.
  • Tongefaesse zum Kochen und Lagern, die nicht staendig transportiert werden mussten.
  • Mehr Menschen konnten auf engerem Raum zusammenleben.

Nachteile:

  • Grosse Abhaengigkeit vom Wetter: Ein Unwetter konnte die Ernte vernichten.
  • Weniger Beweglichkeit als bei Jaegern und Sammlern.
  • Mehr Krankheiten, weil Menschen und Tiere eng zusammenlebten.
Merke

Weil die Menschen nun Vorraete hatten, konnten mehr Kinder aufwachsen und die Bevoelkerung wuchs. Aus dieser groesseren Zahl von Menschen entstanden mit der Zeit groessere und komplexere Gemeinschaften. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung der spaeteren Hochkulturen.

Interaktiver Lückentext wird geladen ...

Pruefungsmodus

In Klassenarbeiten sollst du oft nicht nur Begriffe nennen, sondern auch vergleichen und begruenden. Trainiere deshalb mit gemischten Fragen.

Interaktive Quizfrage wird geladen ...

Alles auf einen Blick

Interaktive Mindmap wird geladen ...

Interaktive Lernkarten wird geladen ...

Abschluss-Check

Diese Aufgaben pruefen, ob du das Gelernte auf neue Situationen uebertragen kannst. Antworte in ganzen Saetzen, wenn du schriftlich uebst.

Interaktive Quizfrage wird geladen ...

Interaktiver Lückentext wird geladen ...

Zusammenfassung

Die Jungsteinzeit (Neolithikum) ist die Epoche, in der die Menschen begannen, ihre Nahrung selbst zu erzeugen. Aus Jaegern und Sammlern wurden sesshafte Bauern und Hirten. Das entscheidende Kennzeichen ist der Anbau von domestiziertem Getreide.

Typisch sind die Merkmale des neolithischen Buendels: feste Doerfer, Haustiere, geschliffene Steingeraete und Keramik. Die Jungsteinzeit begann nicht ueberall gleichzeitig, sondern zuerst im Fruchtbaren Halbmond ab etwa 9500 v. Chr. und in Mitteleuropa erst ab etwa 5500 v. Chr. mit der Bandkeramik.

Die neue Lebensweise hatte Vorteile wie Vorraete und Sicherheit, aber auch Nachteile wie die Abhaengigkeit vom Wetter. Weil die Menschen nun Vorraete anlegen konnten, wuchs die Bevoelkerung, und es entstanden groessere Gemeinschaften. Damit legte die Jungsteinzeit die Grundlage fuer die spaeteren Hochkulturen.