Jungsteinzeit: Sesshaftigkeit und Wandel
In der Jungsteinzeit begannen Menschen in vielen Regionen, Pflanzen anzubauen, Tiere zu halten und dauerhaft in Siedlungen zu leben. Dieser Wandel geschah über lange Zeit und nicht überall gleichzeitig. Er brachte planbare Vorräte und neue Handwerke, aber auch harte Arbeit, Ernteausfälle und stärkere Ortsbindung.
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Die Jungsteinzeit begann nicht an einem einzigen Tag
Die Jungsteinzeit heißt auch Neusteinzeit oder Neolithikum. Entscheidend ist nicht allein, dass Werkzeuge aus Stein bestanden. Neu war vor allem der Übergang von einer aneignenden zu einer produzierenden Wirtschaftsweise.
Aneignende und produzierende Wirtschaftsweise
Bei einer aneignenden Wirtschaftsweise nutzen Menschen überwiegend, was sie in der Natur jagen, fischen oder sammeln. Bei einer produzierenden Wirtschaftsweise bauen sie Pflanzen an und halten Nutztiere, um Nahrung und andere Erzeugnisse herzustellen.
In Vorderasien begann dieser Wandel etwa um 9500 v. Chr. In Mitteleuropa setzte er ungefähr ab 5500 v. Chr. ein. Andere Regionen entwickelten Landwirtschaft zu anderen Zeiten und teilweise unabhängig. Deshalb gibt es keine Jahreszahl, die weltweit den Beginn der Jungsteinzeit angibt.
Auch die typischen Neuerungen erschienen nicht überall gemeinsam. Zu diesem neolithischen Bündel gehören:
- Ackerbau und Viehzucht,
- häufig dauerhafte Siedlungen,
- geschliffene Beile und Äxte,
- ein zunehmender Gebrauch von Keramik.
Hirtengruppen konnten trotz Viehhaltung mobil oder halbnomadisch bleiben. Keramik gab es in manchen Regionen schon vor der Landwirtschaft.
Die Jungsteinzeit ist kein weltweit einheitlicher Zeitraum. Archäologinnen und Archäologen müssen immer fragen, welche Region und welche Merkmale gemeint sind.
Von Jagd und Sammeln zu Ackerbau und Viehzucht
Jäger und Sammler lebten von Wildtieren, Fischen und gesammelten Pflanzen. Wurde Nahrung knapp, konnten mobile Gruppen weiterziehen. Auch in der Jungsteinzeit jagten und sammelten Menschen weiterhin, doch Ackerbau und Viehzucht wurden zunehmend wichtig.
Domestikation bedeutet, dass Menschen über viele Generationen Pflanzen oder Tiere für ihre Zwecke auswählen, anbauen, halten und vermehren. Sie bewahrten beispielsweise geeignete Samen auf und säten sie erneut aus. Wildtiere wurden kontrolliert gehalten und gezüchtet. Zu den frühen Nutztieren gehörten unter anderem Schafe, Ziegen und Schweine.
Der Getreideanbau erforderte eine ganze Arbeitskette:
- Menschen lockerten und bereiteten den Boden vor.
- Sie säten ausgewählte Körner aus.
- Sie pflegten und schützten die Felder.
- Sie ernteten das reife Getreide.
- Sie trennten Körner von Halmen und Schalen.
- Sie mahlten das Korn zwischen Steinen und verarbeiteten es zu Nahrung.
Eine Familie bewahrt nach der Ernte einen Teil der Körner auf. Diese Körner werden nicht gegessen, sondern im nächsten Jahr ausgesät. So dient ein Vorrat zugleich als Nahrungssicherung und als Saatgut für die nächste Ernte.
Landwirtschaft machte die Ernährung teilweise planbarer, aber nicht sicher. Dürre, Überschwemmungen, Schädlinge oder Diebstahl konnten eine Ernte und die angelegten Vorräte gefährden. Bauern mussten außerdem über Monate arbeiten, bevor sie das Ergebnis ihrer Aussaat sahen.
Sesshaftigkeit veränderte Wohnen und Arbeiten
Felder mussten regelmäßig gepflegt werden. Deshalb lebten viele Ackerbauern dauerhaft in der Nähe ihrer Anbauflächen. Aus einzelnen Häusern entstanden Dörfer.
Mitteleuropäische Häuser konnten aus einem Holzgerüst, einem Geflecht aus Zweigen, Lehmwänden und einem Strohdach bestehen. Besonders lange Gebäude werden Langhäuser genannt. Keramikgefäße halfen dabei, Vorräte aufzubewahren und zu transportieren. Geschliffene Beile erleichterten die Holzbearbeitung.
Das Leben im Dorf brachte viele unterschiedliche Aufgaben mit sich:
- Felder bestellen und Tiere versorgen,
- Häuser bauen und reparieren,
- Korn mahlen und Nahrung zubereiten,
- Tongefäße herstellen,
- Fasern verspinnen und Stoffe weben,
- Werkzeuge anfertigen und Rohstoffe tauschen.
Wenn sich Menschen auf bestimmte Tätigkeiten spezialisierten, entstand Arbeitsteilung. Nicht mehr jede Person stellte alles selbst her. Dadurch gewann der Tausch von Gefäßen, Kleidung, Werkzeugen und seltenen Rohstoffen an Bedeutung.
Eine Person fertigt besonders gute Tongefäße. Statt gleichzeitig jedes benötigte Werkzeug selbst herzustellen, tauscht sie Gefäße gegen Kleidung oder ein Steinbeil. Spezialisierung und Tausch hängen hier direkt zusammen.
Chancen und Belastungen gehörten zusammen
Die neue Lebensweise war weder nur ein Fortschritt noch nur eine Verschlechterung. Sie veränderte Probleme und Möglichkeiten.
| Bereich | Mögliche Chance | Mögliche Belastung |
|---|---|---|
| Nahrung | Vorräte konnten Engpässe überbrücken. | Ernteausfälle gefährdeten große Teile der Versorgung. |
| Wohnen | Feste Häuser boten dauerhaft nutzbaren Raum. | Felder, Häuser und Vorräte banden Menschen an einen Ort. |
| Gemeinschaft | Arbeitsteilung förderte neue Fähigkeiten und Handwerke. | Besitz und Vorräte konnten Konflikte und Unterschiede verstärken. |
| Bevölkerung | Dörfer konnten wachsen. | Mehr Menschen und Haustiere auf engem Raum begünstigten Krankheiten. |
| Arbeit | Menschen konnten ihre Umwelt gezielt gestalten. | Säen, Jäten, Ernten und Mahlen verlangten viel regelmäßige Arbeit. |
Eine wichtige Wirkungskette lautet:
Ackerbau → Vorratshaltung → Sesshaftigkeit → größere Siedlungen → mehr Arbeitsteilung
Diese Kette ist eine vereinfachte Erklärung, kein überall gleicher Ablauf. Sesshaftigkeit konnte mancherorts schon vor sicher nachgewiesener Landwirtschaft entstehen. Viehhalter konnten mobil bleiben.
Eine historische Veränderung kann gleichzeitig Chancen eröffnen und neue Abhängigkeiten schaffen.
Was archäologische Funde verraten
Für viele jungsteinzeitliche Gesellschaften fehlen eigene schriftliche Berichte. Wissen entsteht deshalb vor allem durch Archäologie, also durch die Untersuchung materieller Spuren.
Zu solchen Spuren gehören:
- Pfostenlöcher und Lehmreste von Häusern,
- Pflanzenreste und Mahlsteine,
- Knochen von Wild- und Haustieren,
- Keramikgefäße,
- Werkzeuge aus Stein, Holz oder Knochen,
- Gräber und Grabbeigaben.
Ein Fund liefert selten von allein eine eindeutige Geschichte. Fachleute verbinden mehrere Beobachtungen und unterscheiden zwischen Befund und Deutung.
Befund und Deutung
Ein Befund ist eine beobachtete Spur, etwa verkohlte Getreidekörner in einer Siedlung. Eine Deutung ist die daraus begründete Schlussfolgerung, etwa dass dort Getreide gelagert oder verarbeitet wurde.
In einer Siedlung finden Forschende Pfostenlöcher mehrerer Häuser, Mahlsteine, Reste domestizierten Getreides und Knochen gehaltener Tiere.
Begründete Aussage: Die Menschen lebten wahrscheinlich länger an diesem Ort und nutzten Ackerbau sowie Viehhaltung.
Grenze: Aus diesen Funden allein lässt sich nicht sicher bestimmen, welche religiösen Vorstellungen sie hatten oder wie alle Aufgaben im Dorf verteilt waren.
Auch Grabbeigaben können auf Vorstellungen vom Tod hinweisen. Sie beweisen aber nicht eindeutig, woran die Menschen glaubten. Formulierungen wie „wahrscheinlich“, „möglicherweise“ und „lässt vermuten“ kennzeichnen solche Grenzen.
War der Wandel eine Revolution?
Der Ausdruck neolithische Revolution betont die weitreichenden Folgen von Landwirtschaft, Viehzucht und Sesshaftigkeit. Ernährung, Wohnen, Arbeit, Besitz, Handel und Zusammenleben veränderten sich grundlegend.
Das Wort Revolution kann jedoch täuschen, wenn man darunter ein plötzliches Ereignis versteht. Die Neolithisierung dauerte vielerorts sehr lange. Sie verlief regional unterschiedlich und musste nicht alle typischen Merkmale gleichzeitig umfassen.
Ein begründetes Urteil berücksichtigt deshalb zwei Seiten: Der Wandel war wegen seiner Folgen revolutionär, aber sein zeitlicher Verlauf war meist langsam und regional verschieden.
Ein vollständiges Urteil könnte lauten: „Der Begriff neolithische Revolution passt zu den tiefgreifenden Folgen für Ernährung, Siedlungen und Arbeitsteilung. Er ist aber missverständlich, wenn er einen plötzlichen weltweiten Umbruch vermuten lässt.“
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Jungsteinzeit
- regional unterschiedlicher Beginn
- Ackerbau und Viehzucht
- Sesshaftigkeit und Dörfer
- Vorräte und neue Risiken
- Handwerk, Arbeitsteilung und Tausch
- archäologische Funde und vorsichtige Deutungen
- tiefgreifender, aber langsamer Wandel
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